Koyasan

Um 05:30 geht der Wecker. Aber nicht meiner, sondern gleich zwei meiner Zimmernachbarn… Ich wollte erst in einer Viertelstunde aufstehen, aber geschenkt, denn beide Wecker bimmeln über zehn Minuten lang…

Um Sechs Uhr beginnt die Morgenzeremonie. Diese ist sehr schön, mit Feuerzeremonie, dauert aber mehr als neunzig Minuten. Frühstück gibt es erst anschließend, also nach Acht Uhr. Die Portion vegetarisches Essen lässt mich beinahe hungrig zurück. Dafür schließt sich im Anschluss ans Frühstück eine sehr interessante Unterhaltung mit einer Australierin an, die in zwei Tagen nach Deutschland nach Hamburg auswandert. Sehr inspirierend und zugleich hochpolitisch. Ich hoffe es ergibt sich Gelegenheit zur Fortsetzung.

Ich stellte jedenfalls fest, dass ich morgen erst gegen neun Uhr los wandern könnte, und das ist mir zu spät, da ich nicht einschätzen kann, wie die 6-8h Wegzeit bemessen sind. 700m rauf und 850 runter bei insgesamt 17km… Doch wie rutschig ist der Weg durch den Dauerregen? Es geht immerhin über 1100m Höhe und zu spät noch unterwegs sein zu müssen ist aus mehrfacher Hinsicht problematisch. Daher beschließe ich für morgen, Zeremonie und ohnehin nicht für eine Wanderung ausreichendes Frühstück ausfallen zu lassen, um bereits um 7 Ihr auschecken zu können.

Am heutigen Tag hat es mehr oder weniger starken Dauerregen gegeben. Das volle Besichtigungsprogramm per Discount Ticket war angesagt. Tokugawa Mausoleen, Museum, Haupttempel… Und eine Jukai Zeremonie. Die verlief zwar etwas anders aus vorher angekündigt, da zuviele Leute daran teilnahmen (zum Glück), aber im Endeffekt wurden mir jetzt die zehn buddhistischen Gebote überreicht. Im Info-Zettel lesen sich diese etwas anders, als in meinem Route Guide, das muss ich später vergleichen. Ich empfinde es allerdings als grenzwertig, wenn solch eine, an sich wichtige, Zeremonie in ein Besichtigungspaket gepackt wird.

Als ich nur Minuten später nach Verlassen des Tempels auf einem Fußgängerüberweg um Haaresbreite auf der Kühlerhaube einer ignoranten Autofahrerin sitze, ist es mit der schönen Selbstkontrolle und den Geboten bereits wieder vorbei, immerhin ist meine (kurze) Beschimpfung ziemlich harmlos, da mich mein zweiter Pilgerhut offensichtlich erfolgreich behütet hat.

Zum Glück habe ich es nachmittags noch geschafft, mir für morgen früh Sushi zu kaufen, es gibt hier in Koyasan fast überall nur Süßigkeiten zu kaufen, und der Rest ist offensichtlich heiß begehrt bei Leuten, die kein Tempeldinner gebucht haben. Verglichen mit Shikoku ist das Preis Leistungsverhältnis hier auch deutlich schlechter, es gibt deutlich weniger für deutlich mehr…

Am Nachmittag habe ich noch den Okunoin besucht und es auch geschafft, einen „Abschluss“ Stempel für mein Nokyocho zu bekommen. Und festgestellt, wie viele Leute das Fotografieverbot dort an Mausoleum scheinheilig ignorieren…

Morgen startet Phase Zwei, das Pilgern auf dem Kumano Kodo…

Ich erfahre auch, wo ich noch einen passenden Stempel für mein Nokyocho erhalten kann. Zur Laternenhalle bei Tageslicht will ich so oder so.

Tokushima – Koyasan

Morgens geht es früh los, um 07:20 soll der Bus der Linie 4 zur Fahrstation fahren, also mache ich um 06:45 zu Fuß auf den Weg. Klappt soweit alles, um 08:00 legt die Fähre nach Wakayama ab, ich esse das Supermarkt Sushi zum Frühstück, zusammen mit Kaffee aus der Thermoskanne. Das Wetter ist schlecht, so wird die Überfahrt zeitweise zu einer ziemlich schwankenden Angelegenheit. Aber es beruhigt sich wieder. Es schließt sich eine Zugfahrt mit drei Mal Umsteigen an, mir wird erst später ist, dass der Zug zuerst nach Osaka (Namba) führt und von dort aus nach Koyasan. Ab Tengachaya wird der ausländische Touristen Anteil zusehends höher. Der letzte Zug quält sich immerhin bis auf 530m hoch, bis dann die letzte Strecke am Kabel hochführt. Nicht daran denken, wie es wäre, wenn das Stahlseil reißen sollte, es sind keine Widerhaken wie bei einer Zahnradbahn erkennbar…

Nichts passiert, alles gut, auf über 800m Höhe prima angekommen. Es gibt Busse. Ich dachte die Station wäre nahe an Ort, checke kurz die Navi-App, sie meint über 3h zu Fuß, Huch! Dann doch schnell in den Bus, bevor er weg ist. Die Fahrt dauert nicht so lang, also checke ich später Mal per Google Maps, da wären es nur vierzig Minuten zu Fuß entlang der Straße gewesen…

Ich komme nach über sechs Stunden Anreise am Muryokoin Tempel/Kloster an, wo ich die nächsten zwei Tage übernachten werde. Ich kann etwas früher Einchecken, Abendessen gibt es bereits um fünf Uhr, damit man noch noch Zeit hat im Laternenlicht Uhr den Okunoin zu besuchen. Das mache ich dann auch später, aber vorher auch noch Mal eine schnelle Tour durch den Ort. Das Wetter besteht aus feinem, aber konstantem Nieselregen. Jetzt zum Nachmittag scheinen sehr viele Tagesausflügler abzureisen, nachdem die Autokolonnen und Busse endlich fort sind, leert es sich zusehends und der Ort bekommt etwas geradezu magisches. Hier steht Tempel oder Kloster direkt neben dem nächsten. Zum Teil sind diese recht groß geraten, aber ich bin hier ja auch auf dem heiligen Berg, dem Zentrum des Shingon Buddhismus Japans. In meinen Tempel gibt es etliche Mönche und Novizen – ganz anders als auf Shikoku. Und im Dunkeln bei Laternenlicht und Nieselregen über den Okunoin zum Mausoleum von Kobo Daishi zu gehen hat zum Teil etwas geradezu unwirkliches. Die Halle der Laternen ist geschlossen, aber einige beleuchten auch einen Rundgang unter den Vordach und i mich freut, ein paar Räucherstäbchen entzünden zu können. Vom letzten Teil des Weges gibt es aber keine Bilder, denn ich respektiere den Wunsch dort keine Aufnahmen zu machen. Definitiv ein Highlight!

Danach noch ein heißes Bad, denn das schließt hier um Neun und bleibt morgens geschlossen und ich bin danach so müde, dass ich nicht mehr bloggen konnte…

Takamatsu – Tokushima

Morgens stand erstmal an, den Rucksack wieder zu packen. Einerseits habe ich die Reise auf den Spuren von Kobo Daushi beendet, andererseits war ich noch nicht in Koyasan. Und andere sind der Meinung, man müsse zu Tempel#1 zurückkehren um die Runde komplett zu machen…

Ich kehre zwar nach Tokushima zurück, aber nicht zu Fuß, sondern mit dem Bus, denn der war billiger als der Zug. Der langsamere und billigere Zug wär erst wieder Mittags gefahren, als ich nach einem Besuch des Takamatsu Schlossparks beim Check mit der Japan Travel App feststellen musste. Aufgrund der Support Golden Werk gilt jetzt vorerst der Feiertags Fahrplan, und der ist reduziert…

Nach dem Kauf der Fahrkarte sitze ich auf einer Bank und warte auf den Bus, als mir eine Frau eine Tüte als Ossetai gibt. Darin finden sich etwas zu essen und 1000¥. Das ist zwar sehr nett, und ich versuchte das Geld nicht anzunehmen, aber da gibt es nichts zu diskutieren ohne beleidigend zu werden. Ich dir mich ein wenig schuldig, den ich habe die Tour ja schon fast beendet und nur noch den Hut und vor allem finanzielle Unterstützung nicht nötig, aber trotzdem: Arigato gozaimas!

Um halb eins komme ich in Tokushima an und gehe zu meinem gebuchten Cosmo Guesthouse. Ich frage mich, warum dies ausgewählt habe, da ich morgen früh ab Tokushima den Bus zum Fährterminal nehmen muss, um nicht fünf Kilometer zu laufen… Aber es war nicht mehr zu ändern, aufgrund der Golden Week war alles komplett ausgebucht.

Ich rufe über Skype eine Mobilnummer an, das Gasthaus bei meiner Ankunft geschlossen ist. Ich wollte noch etwas herumgehen, aber wenn möglich ohne den schweren Rucksack. Ich muss nur zwanzig Minuten warten, genug um mein Ossetai zu essen, dann kann ich einchecken und mich auf den Weg machen. Von den Tokushima Castle Ruins gibt es wirklich nur noch die hochgelegene Plattform. Ich gehe weiter, denn ich habe die Idee, hier ins Kino zu gehen, welches nicht weit von der Fährstation entfernt ist. Ich gehe dann bis zur Fähre und kaufe mir für morgen früh ein Kombiticket, welches mich für 2000¥ bis nach Koyasan bringt. Nur Fähre würde auch 2000¥ kosten, also ein prima Angebot. Das Kino befindet sich in einer riesigen Shopping Mall. Ich kaufe mir dort noch etwas für might zum Frühstück und schaue mir dann Avengers Endgame in der  Original Version mit japanischen Untertitel an, ein Dreistunden Film. Hatte zuvor eine Online Kritik gelesen, fand ihn aber gar nicht so wirr wie bemängelt. Ein filmisches Netzwerk hatte ich ohnehin nicht erwartet. Er war unterhaltsam und bitte allem das Wetter ist gerade seit der Fährstation Dauerregen… Bin eine knappe Stunde im Regen zurückgelaufen und klitschnass in Gasthaus angekommen. Die gute Frau hier hatte Angst um ihren Fußboden wegen der Nässe…

Immerhin habe ich doch ein paar Stunden Bewegung bekommen können-ich will ja nicht einrosten…

Tag40: Takamatsu

Endspurt-nur noch zwei Tempel sind übrig und die Bahn wird mich bis fast vor die Pforte von Tempel#87 bringen. Die restlichen 13km werden nach einem genaueren Ansehen der Karte gestern auch nicht so schwierig sein, der Tempel liegt keineswegs auf über 100m Höhe, sondern die 1095 im Höhenprofil des Route Guides beziehen sich auf die Gesamt Kilometerzahl.

Es soll über einen 700m Pass gehen und dann wieder einige Hundert Meter herunter. Aber wie sich noch herausstellen wird, führt die Variante mit den alten historischen Wegsteinen über einen deutlich niedrigeren Pass und ist durchgängig asphaltiert, allerdings 3km länger, so dass ich meine Wanderstöcke ohne Einsatz mit mir herum geschleppt haben werde… Tempel#87

Es bewölkt sich mehr und es kühlt merklich ab. Die Vorhersage gab ein Maximum von 17°für den Tag an, deshalb habe ich meinen Pulli mit eingesteckt, falls ich oben an Tempel#88 auf den Bus für den Rückweg warten muss.Es werden aber deutlich weniger als 17 ° . Solange ich bergan laufe, ist mir nicht kalt, nur Nase und Hände werden eisig. Nach dem finalen Tempel#88 werden trotz angezogenem Pulli meine Hände nicht wieder warm-es scheint als wäre mein Körper in Energiesparmodus und weigert sich ausreichend Körperwärme zu produzieren. Vielleicht habe ich zu wenig gegessen?

Im Museum und Henrosalon, knapp 10km vor T88 hieß man mich zuvor herzlich willkommen und stellte mir bereits eine Urkunde aus, obwohl ja noch zehn Kilometer und ein Tempel fehlten. Aber die habe ich ja locker geschafft, da mir ein Mann den Rat gab, den Weg mit den historischen Wegmarkern zu nehmen. Ich weiß jetzt nicht, ob mich dadurch um eine Bergetappe betrogen habe, oder ob sie mir erspart blieb. Für das Warten auf den Bus vor T88 erhielt ich noch eine heiße Tasse (gezuckerten) Ingwertee als Ossetai. Der Bus sollte 500¥ kosten, aber leider hatte ich aufgrund der Stempel und einer Pluscola unterwegs nur noch 340 und ansonsten nur einen 5000er. Darauf konnte der Fahrer nicht herausgeben, so dass ich eine Station weiter fahren musste als geplant, was sich als gut heraus stellte, da diese näher am Bahnhof lag und ich dort auch nochmals den Iren traf. Bilanz des Tages: 22km gelaufen, 88 Tempel Pilgertour abgeschlossen, 998km Gehen auf der (GPS-)Uhr.

Tag39: Takamatsu

Vom Hotel geht es zur Station Imabashi und von dort mit Zug ein paar Stationen in Richtung Tempel#84. Praktisch hier in Takamatsu ist, dass ich meine Kittycard (Icoca) für die Bahnfahrt benutzen kann. Ist viel einfacher dadurch. Ein paar Kilometer geht es von der Haltestelle entlang einer Straße und dann befestigten Weges aufwärts, bis ich auf dem Yashima Plateau angekommen bin und dort Tempel#84 besichtige und anschließend die Aussicht genieße und mich mit einem Paar aus Lübeck unterhalte.

Dann geht es extrem steil bergab, zum Glück habe ich meine Stöcke dabei, ohne war viel zu gefährlich. Etwa 5 km geht es durch Ortschaften, dann wieder bergan zu Tempel#85. Unterwegs Wiedersehen mit bekannten Gesichtern und immer wieder Gebäude,, die zerfallen mitsamt komplettem Hausrat, als wären die vorherigen Bewohner nur kurz zum Einkaufen gegangen und dann wäre der spontane Totalzerfall eingetreten. Und dieser herrliche Duft von Jasminblüten ab und an…

Sieben Kilometer bis Tempel#86, auf einer Straße geht es gemächlich bergab, ich komme ins Gespräch mit einem Irischen Möbelbauer aus Malaysia. Ein sympathischer Mensch, und ich war zuvor der festen Überzeugung, meine Einschätzung als unangenehmer Zeitgenosse, aufgrund seines Aussehens und mehr noch seines Auftretens, wäre korrekt. Merke: gelernte Muster können nicht anwendbar sein…

Am Wegesrand finden sich hier einige Exemplare von japanischen Knöterich, der bei uns eine regelrechte Plage darstellt. Durch das Injizieren von etwas Glyphosat in jeden einzelnen Stengel im zweiten Segment, wäre er der Plage daheim Herr geworden. Das Herbizid wandere dann in die Wurzeln und die Pflanze stirbt ab.

Tempel#86 befindet sich in einem recht verwilderten Garten und zusammen mit zerfallenden Gebäuden und Gegenständen bekommt der Ort eine besondere Atmosphäre.

Anschließend nehme ich den Limited Express zurück nach Takamatsu. Für den doppelten Preis gewinne ich eine halbe Stunde, um mir ebenfalls den Ritsurin Park anzuschauen. Ein paar Kilometer mehr dürfen es heute noch werden….

Der Park ist wirklich sehr sehenswert und das Wetter spielt perfekt mit.

Tag38: Takamatsu

Der Tag des Vergessens. Nicht dass ich den Tag vergessen möchte, aber heute war ich vergesslich, oder aber zu sehr mit mir selbst beschäftigt. Nach dem Frühstück im Hotel ging es mit der Bahn nach Kokubu. Nach dem Aussteigen, ich beginne die Treppen über die Gleise zu steigen, habe ich das Gefühl, etwas sei anders. Ja, etwas IST anders: mein Pilgerhut, mein Sugegasa liegt noch im Zug! Schön oben auf die Hutablage gelegt, aus dem Auge, aus dem Sinn. Ich drehe mich um, um zurück zu laufen und ihn zu holen, doch zu spät, die Türen sind geschlossen, der Zug fährt los. Ich bin traurig, es war ein schöner Pilgerhut. Ich hoffe, dass er zukünftig jemand anderes gut behütet!

Nach kurzem Fußmarsch komme ich zum Tempel#80 Kokubunji, wäre beinahe daran vorbei gelaufen, weil wir vor mir ein anderer Pilger geradeaus lief. Wenn ich das Schild an der Tempelglocke richtig interpretiere, kostet einmal läuten 100¥ – da passe ich.

Im Tempelshop gibt es Pilgerhüte, mit und ohne Schriftzeichen. Die Befestigung des inneren Ringes ist etwas einfacher in Draht ausgeführt, aber Ok. So ein tolles Komfort Kinnband wie ich zuvor hatte, gibt es nicht, nur eine einfachere Variante. Ich überlege, ob es sich lohnt, für die letzten drei Tage dieses Shikoku Pilgerweges noch einen solchen Hut zu kaufen, aber ich brauche einen Hut bei der vielen Sonne und es droht zu regnen, auch dagegen ist solch ein Kegelhut sehr praktisch. Beim ersten Aufsetzen stellte ich fest, dass mit der Hut in den Schädel sticht – mit einer Dornenkrone wollte ich an sich nicht herum laufen, aber für einen Wechsel zu einem anderen Exemplar ist es zu spät, da ich schlauer Weise gerade meinen Namen hinein geschrieben habe… Zum Abfeilen der Dornen fehlt mir das Werkzeug, ich wickle provisorisch das originale Kinnband um die kritischten Stellen. Damit geht es immerhin bis zum Abend. Ich marschiere los und bin auch schon aus dem Tempel in Richtung Aufstieg, als ich wieder da Gefühl habe, etwas sei anders. Richtig, meine Wanderstöcke stehen noch am Shop. Was nur werde ich heute noch vergessen? Oder habe ich bereits vergessen?

Immerhin, der Tempel fährt nicht weg, ich kann zurück gehen und meine Stöcke einsammeln. Dann geht es bergauf in Richtung Tempel#81.

Ziemlich störend ist dabei, dass permanent ein Hubschrauber über der Bergflanke kreist ohne Pause zu machen. Dort oben gibt es wohl auch ein Militärgebiet, solange ich nicht beschossen werde…

Bei Tempel#81 gibt es wieder mal so viele verschiedene Gebäude, dass ich den Überblick verliere. Was ich für den Haupttempel hielt war dann eher ein Hasentempel, und es gibt noch viele andere Tiermotive. Ich finde – natürlich ganz oben – die beiden relevanten Gebäude und kann dort meine Kerzen und Räucherstäbchen entzünden. Obwohl ich mir nicht sicher bin, was auf einem Schild steht, welcheshe eine durchgekreuzte Kerze zeigt… Ja wenn ich Japanisch könnte…

Im Tempelshop hier gibt es die Komfortbänder, aber ich beschließe, es zuerst noch weiter mit dem bereits gekauften Band zu versuchen. Über einen historischen Pfad geht es zu Tempel#82. Ein sehr schöner Tempel, fast wie eine Burg und der Haupttempel mit Rundgang mit Laternen und vielen kleinen Statuen, hat mich ein wenig an einen Tempel in Vientane, Laos erinnert.

Dann folgt ein längerer Abstieg und etliche Kilometer Urban Walking,immer schön Ausschau haltend, nach großen und kleinen Aufklebern und Steinen, die den Weg weisen nach Tempel#83

Zum Schluss geht es dann mit einer anderen Bahnlinie ab Ichinomiya zurück, erst Einkaufen, dann zum Hotel. 30km heute. Zum Abschluss raspele ich mit dem Nagelknipser die Dornenkrone soweit es geht ab und umwickle den Huteinsatz neu. So wird es gehen.

Tag37: Zentsueji – Takamatsu

Nicht weit entfernt vom Hotel liegt Tempel#75 Zentsuji. Eine riesige Anlage, der Geburtsort von Kukai, Kobo Daishi. Dort gibt es auch einen unbeleuchteten Tunnel unterhalb, wo man mit sich allein in der Dunkelheit Kontakt zu ihm aufnehmen können soll. Es gibt einen riesigen Kampferbaum, sehr schön und eine sehr große Buddha Figur im Haupttempel. Mir sind die Räucherstäbchen ausgegangen, ich muss nachkaufen. Auch meine selbstgedruckten Osamefuda sind so gut wie verbraucht, was mich erstaunt, den ich sollte 200 mitgenommen haben, an sich genug für 88*2…

Weiter geht es zu Tempel#74

Es folgt Tempel#72

Tempel#73 liegt nicht weit entfernt, einen kleinen Hügel hinauf.

Nach Tempel#71 ist es weiter und vor allem wir hinauf. Nicht so einfach bei dem sehr schwülen Wetter heute, 25 Grad und Fast 100% Luftfeuchte, ich schwitze unheimlich und fange an zu stinken. Zum Schluss jede Menge Treppenstufen. Und die sind bei Nässe sehr gefährlich, wir ich beim Absteigen vom Haupttempel zum Daishi Tempel feststelle: kaum den Fuß auf die schräge Stufe gesetzt, mache ich auch schon den Abflug. Dem Rucksack sei Dank, dass nichts passiert, weil ich hauptsächlich auf ihm lande. anschließend bin ich noch vorsichtiger und habe die Hand am Geländer.

Ich will den Weg nach Kaiganji einschlagen, ein vermeintlicher Shortcut. Doch es geht erst einmal wieder hoch und der Weg ist rutschig vom gestrigen Regen, aber schlimmer noch, der Weg nach unten ist derart ausgewaschen, dass es schon fast Canyoning ist. Ohne meine beiden Wanderstöcke weiß ich nicht, ob es zu schaffen gewesen wäre. Und es dauert lange, lebendig und unversehrt abzusteigen, so dass ich fürchte meine Zeitplanung zu versemmeln, in dem ich den Zug verpasse.

Zurück auf trockener Straße befrage ich die Japan Travelapp: noch 2,3km, 26 min Fußmarsch, es wird nur der nächste Zug angezeigt. Ein Blick auf die Uhr, es sind noch 27min bis zur nächsten Abfahrt um 13:45, ich gebe Gas. Power Walking ist angesagt und ich schaffe tatsächlich den Zug.

Nach T79 sollen es etwa 6km immer geradeaus sein, ich schaffe es vor fünf, allerdings laufe ich am Tempel vorbei, bzw. hindurch. Ich gehe dir extra eine Einfahrt hinein, und schaue mich um, aber nichts zu sehen, was auf T79 hindeutet. Also weiter, in MapsMe ist T79 nicht aufgeführt. Ich versuche Google Maps: der T#79 Tennoiji liegt hinter mir. Ich drehe um, gehe erneut in die Einfahrt und frage jemand der sein Auto wäscht. Er zeigt auf zwei Gebäude und später stempelt er auch mein Nokyocho.

Stealth tempel

Zum Schluss geht es mit den Zug nach Takamatsu und dann über einen Supermarkt und Hotel. Man will mir nur ein Raucherzimmer geben, wie ich merke nachdem ich zur Rezeption zurück kehre, weil das erste fürchterlich nach Rauch stinkt. Auf meiner Reservierung steht auch nur Standardzimmer, also kann ich auch nicht verlangen, dass es unbedingt ein Nichtraucher zur sein soll. Es fängt ja jetzt die Goldene Woche an, da konnte man ein Nichtraucher Zimmer teurer verkaufen…

Ich wasche noch Wäsche, damit der Gestank verschwindet und esse mein Supermarkt Gericht.

Tag36: Kanonji – Zentsueji

Morgens ging es als allererstes noch einmal kurz ins heiße Onsen. Vom Hotel zuerst nach Tempel#67 – 4km in die entgegengesetzte Richtung. Es ist stark bewölkt, aber noch trocken und relativ warm. Bei Tempel 67 fängt es an zu regnen und es scheint sich einzuregnen.

Aber wie das so ist, kaum zieht man die Regenjacke an, hört es auf. Dazu klart es etwas auf und es wird schwül warm. So ziehe ich nicht nur die Regenjacke aus, sondern auch die Hosenbeine. Nur wenige hundert Meter geht es am Hotel vorbei, später, kurz vor Tempel 68 und Tempel 69, die sich direkt nebeneinander befunden, werde ich von einem Pilger auf die andere Straßenseite zu sich gerufen. Er überreicht mit einen Keks und sein goldenes Osamefuda als Ossetai Golden bedeutet, dass er bereits mehr als 100 Mal auf der Shikoku Pilgerreise war. Ich überreiche ihm auch eines meiner weißen Namensschilder.

Aus seinen Auto zückt er nach Beantwortung der Frage nach meiner Nationalität seinen Gästebuchordner für Deutschland – ich scheine Eintrag Nummer 83 zu werden – und zeigt mir Bilder und Einträge. Direkt auf der ersten Seite findet sich ein Eintrag mit dem Betreiber der Seite japanpilger.de , den ich zwar noch nicht persönlich kennengelernt habe, aber aufgrund von Bildern von der Website sofort erkenne. So klein erscheint die Welt Dank Internet. Wir machen ein gemeinsames Foto.

Kurz zuvor in einem Supermarkt, ich kaufte Apfel, Möhren und Gemüsesaft erhielt ich nach der Kasse bereits ein Ossetai: Pizzabrot.

Bei 68/69 gehe ich nach Besuch von Tempel 68 zum Stempelbüro, nur um beim Bezahlen festzustellen, dass ich direkt zwei Kaligrafien für beide Tempel erhalten habe. Ich hinterlasse dann im Anschluss meine Osamefuda bei T69 und entzünde Ketten und Räucherstäbchen. Dass die Gebäude wirklich nur zehn Meter voneinander entfernt sind, kann ich ja nicht ahnen.

Dann geht es weiter nach T70 Motoyama.

Und dann folgt ein Sprung per Bahn, da meine Unterkunft bei Zentsueji, T75 liegt, es aber zeitlich nicht möglich ist, die Strecke heute noch zu schaffen und dabei die Trempel zu besichtigen. Ab nach Tempel 77.

Kurz hinter dem Tempel höre ich Rufe, „Ohenro San, Ohenro San!“

Ich drehe mich um und ein alter Mann kommt auf mich zugelaufen und überreicht mir eine kleine Figur als Ossetai, Sehr schön, und sie trägt einen Zettel im Innern (was ich aber noch nicht versucht zu lesen) Vielen Dank, Arigato gozaimasu!

Kurz vor T76 gibt es einen wunderbaren Schrein mit riesigen alten Bäumen, ein magischer Ort, der zum Verweilen einlädt, aber ein tiefes Gewittergrollen kommt immer näher. Tagesfinal T76, dort treffe ich wieder auf ein paar bekannte Gesichter. Und dann fängt es auch schon an zu regnen und begleitet mich mit Blitz und Donner, aber erstaunlich wenigen Tropfen bis ins Hotel. Dann folgt der große Regen. Ich bin hier gut behütet.

Tag35: Saijo – Kanonji

06:47 geht es mit dem Local Train nach Iyo-Mishima. Im Zug spricht mich ein Japaner an und fragt auch nach meinem Alter. Später als er aussteigt, bedankt er sich sogar bei mir für das Gespräch.

Gestern im Supermarkt fragte mich auch ein Herr, wo ich denn herkommen würde. Ah Deutschland-West oder Ostdeutschland? Scheinbar war ihm entgangen, dass es vor mehr als 25 Jahren eine Wiedervereinigung gab…

Direkt vor dem Bahnhof geht es in den Bus. Verwirrung beim Einsteigen, der Fahrer spricht kein Japanisch, ja der Bus fährt zum Sankakuji, Tempel#65, also was ist das Problem? 420? Achso, ich soll bereits zu Beginn der Fahrt zahlen, das ist überraschend, aber okay, die App hat auch keinen anderen Preis genannt. Der Bus bringt mich zur gewünschten Haltestelle, von hier aus sind es noch 2,5km bis zum Tempel, immer steil den Berg hinauf. Und am Ende warten dann noch ein paar Stufen. Kurz vor Neun bin ich da.

Danach geht es wieder runter, um dann in Laufe der Kilometer auf fast 1000m anzusteigen. Etwa 100 Höhenmeter gönne ich mir unabsichtlich, weil ich der Meinung bin, das wäre der richtige Weg. Da war ich auf dem Holzweg und als ich sicherheitshalber den Navigationsmodus aktiviere, wird mir klar, dass es erst in ein paar Kilometern nach oben geht. Also wieder runter. Kein Problem, ein zwischenzeitlich verzehrtes Reisdreieck liefert noch Energie. Ich entscheide mich für den Mando Trail statt einer Variante mit Tunnel. Aus der Karte ist nicht ersichtlich, welche Variante zu welcher Distanz zwischen den Tempeln führt. Es geht supersteil den Berg hoch, dann tauchen Wegweiser auf. Im Guide stand etwas von 19km, laut Wegweiser sind es 23… Also nicht den kürzesten erwischt…

Zum Glück zieht sich der Himmel zu und es kühlt etwas ab, denn auch so ist die Wanderung eine schweißtreibende Angelegenheit und mir geht langsam die Flüssigkeit aus. Bei angezeigten verbleibenden 8.9km bis Unpenji-Tempel#66 blicke ich auf die Uhr: es ist bereits Eins. Könnte knapp werden, den Tempel anzuschauen und die letzte Seilbahn nach unten bekommen, wenn es noch 3,5h Fußmarsch sind. Ich bemühe mich schneller zu werden und sorge mit einem weiteren Reisdreieck für die nötige Energie. Ab 2,5km vor den Ziel fangen Motivationsschilder an „You can do it“

Yes I can, aber danach geht es noch weiter für mich. Tempel 66 erreiche ich früher als gedacht um halb Vier. Dort ist alles Recht neu und die Beschilderung gibt Rätsel auf, welches die richtigen Tempelgebäude sind. Es ist wie ausgestorben. Ich drehe Extrarunden, aber letztendlich habe ich eine weitere Kalligraphie in meinem Nokyocho.

Mit der Seilbahn geht es nach Vorzeigen meines Passes für den halben Preis (600¥) nach unten, es fängt an zu regnen. Unten ist deutlich wärmer, sich ein warmer Frühlingsregen ist doch schön. Ich habe die Schutzfolie auf den Hut und den Rucksack getan und bei 24°kann ich mir die Regenjacke sparen-das T-Shirt war vorher bereits schweißnass, also kann es jetzt auch nass von Regen werden. Es sind noch zwei Stunden zu gehen, von der Seilbahnstation bis zum Onsenhotel  Kanponoyado konsenji, gegen 18:15 komme ich triefnass dort an.

Und nach 37km Fußmarsch mit 1300 Höhenmetern reicht es mir auch für heute. Das Abendessen entschädigt für den langen Marsch.

Tag34: Imabari – Saijo

Heute galt es nur eine kurze Strecke zurück zu legen, dies war vor allem darin begründet, dass ich keine näher an meinen morgigen Zielen gelegene Unterkunft reservieren konnte. Per Zug ging es zurück nach Iyo-Komatsu und von dort nach Tempel#63

Auf dem weiteren Weg nach Tempel#64 räkelt sich eine Schlange auf der Straße. Nicht ganz ungefährlich (für die Schlange) Wenngleich giftig, macht sie doch auf einen heranrasenden Autoreifen keinerlei Eindruck, siehe Bild von gestern. Dieses Exemplar einer Mamushi ist jedoch noch putzmunter und schlängelt sich vor mir davon, als ich sie fotografiere. Es war übrigens unglaublich warm, mehr als 25 Grad im Schatten, nur vom Schatten gab es viel zu wenig. Dazu der schwere Rucksack, ich schwitze wahnsinnig. Bei meiner Ankunft an Tempel#64 brauche ich dringend eine Pause und finde dort auch ein schattiges Plätzchen an Sockel einer Buddha Statue. Eine schöne Tempelanlage mit diversen Schreinen.

Dann geht es weiter nach Saijo. Obwohl ich heute noch nicht sehr weit gelaufen bin, macht sich der Rücken sehr bemerkbar. Nachwirkungen von gestern? Die Hitze? Morgen soll es ähnlich warm sein, doch dann ist die Strecke dort so lange und es sind viele Höhenmeter zu überwinden.. Als ich um zwei am Hotel ankomme, kann ich bereits einchecken und ich brauche dringend etwas zu essen.

Nach einer Pause mache ich mich noch einmal ohne Ballast und leicht bekleidet auf einen Rundgang durch die Stadt. nach einem eiskalten, alkoholfreien Bier kehren meine Lebensgeister zu mir zurück, es gibt einige Tempel gleich um die Ecke, aber die überdachte Einkaufsstraße hier im Ort ist noch um einiges morbider und herunter gekommener als in Uwajima. Nur ganz wenige Geschäfte bäumen sich gegen den totalen Verfall auf und sogar einen Schrein hatte man integriert…

Tag33: Imabari

Nach einem Müsli Frühstück ging es mit dem Zug nach Iyo-Komatsu. Direkt nebenan liegt Tempel#62 Hojuji.und jetzt wird es kompliziert: denn hier gibt es irgendeine Art von Krieg der Tempel gegen einander odet 62 gegen den Rest der Welt bzw. die Shikoku 88 Tempel Vereinigung. Tempel 62 ist jedenfalls kein Mitglied mehr in dieser Vereinigung, was zur Folge hat, dass bei Tempel 61 ein Container aufgestellt wurde, um es den Busreisenden Pilgern zu ermöglichen einen Stempel für Tempel 62 zu erhalten ohne Tempel 62 zu besuchen. Das ist ehrlich gesagt seltsam, aber auf eine gewisse Art hat die Tempel Vereinigung Tempel 62 die Heiligkeit oder Anbetungswürdigkeit abgesprochen. Tempel 62 nimmt den doppelten Preis für seinen Stempel als Kompensation. Es ist gelinde gesagt verrückt. Ich habe das teure Original als Stempel genommen. Fotografieren war bei 62 verboten. Bei Tempel 61 handelt es sich um eine Art Turnhallen Tempel – ein großer rechteckiger Betonklotz. Das Teil ist jedenfalls keine 1000 Jahre alt und deutlich weniger fotogen als T62.

Anschließend ging es stetig bergan zu Tempel#60 Yokomineji. Es war bereits morgens um neun warm, aber zum Glück ging der Weg großteils durch den Wald und war somit schattig. Eine Banane und eine Möhre brachten mich so gerade eben über den steilen Anstieg nach oben, dann jedoch brauchte ich ein Reisdreieck für den erneuten Abstieg. Unterwegs kam ich mit einem netten Japaner aus Takamatsu ins Gespräch und zurück an der Bahnstation hat er mich sogar zu einem Softeis eingeladen. Arigato gozaimasu!

Mit dem Zug gering es dann wieder zurück nach Imabari.

Übermorgen für den Anstieg nach Unpenji werde ich definitiv mehr Kalorien vorsehen, sonst verpasse ich noch die letzte Seilbahn nach unten, weil ich zu langsam werde. Dann würde es sehr sportlich, noch zeitig ins Onsenhotel zu kommen. Es soll noch wärmer werden, dann brauche ich noch mehr Flüssigkeit als heute. Ich habe nach meiner Rückkehr im Hotel direkt geduscht und meine Klamotten im Waschbecken gewaschen, weil ich schon wieder anfing zu stinken. Und dann habe ich mein Sashimi und Salat aus einem Marunaka Supermarkt gegessen.

Morgen wird vermutlich sehr ruhiger Tag: nur T63 und T64 liegen auf der flachen 15km Strecke

Zwischenbilanz heute: 62 Tempel, 800km

Tag32: Imabari

Mit dem Limited Express Zug, in der Anpanman Edition, ging es nach dem Frühstück von Matsuyama nach Imabari. Den schweren Rucksack lasse ich in Hotel und mehr mich nur mit dem Nötigsten auf den Weg nach Tempel#56.

Schon geht es weiter nach Tempel#57.

… Und dann weiter, bergan nach Tempel#58.

Der Weg von T#58 hinunter ist sehr steil und so heißt es aufpassen und sicher bei T#59 ankommen

Mein Weg zurück zum Plaza Hotel führt mich über die Wasserburg von Imabari. Den Turm hat man zwar erst von einigen Jahren gebaut, ist aber von Außen schön anzusehen. Den Eintritt habe ich mir gespart – ich habe bereits einmal in Nagoya solch eine Fake Burg aus Beton besichtigt.

Abends ging es dann in ein Coco Curry Restaurant, um ein Spinat Chicken Curry in der Schärfe Stufe +2 zu essen. Gesamte Kilometer des Tages: etwa 30.

Tag31: Matsuyama

Ein Tag in der Provinzhauptstadt von Ehime, Matsuyama so ganz ohne Tempel. Na, fast ganz ohne Tempel, dafür gab es aber Burgen und Parks. Und Einkaufsstraßen. Bei wunderbarstem Wetter. Leider wurde heute in Kunstmuseum nur eine teure Sonderausstellung über Drucke von Escher aus Jerusalem angeboten und die reguläre Ausstellung war geschlossen. Das war es mir dann nicht wert und ich ging stattdessen in den City Park. Lohnenswert.
Die Versuche Bilder hochzuladen waren erneut einfach nur frustrierend. Technik die entgeistert. Resultat nach etlichen Versuchen: Kunterbunt durcheinander, tauchten irgendwo auf, nur nicht dort, wo ich sie hin setzen wollte. In den Code-Editor umschalten und grob korrigieren… Wieder einmal muss ich mich fragen, was ich hier eigentlich treibe. Andererseits ist es schon erstaunlich, wie viel über so ein Smartphone möglich ist.

Samurai

Tag30: Matsuyama

Der heutige Tag war Stückwerk. Mitten in der Nacht wachte ich auf und hatte Hitzewallungen: ein Blick aufs Thermometer zeigte dass es mehr als 26 Grad Celsius im Raum waren. Die Klimaanlage ließ sich jedoch nicht einschalten. Nach Sonnenaufgang steigerte sich die Temperatur im Zimmer auf ungefähr 30° – dies steigerte nicht wirklich meine Zufriedenheit.

Das Frühstücksbuffet hier im Hotel war ganz passabel. Die Reaktion an der Rezeption jedoch, auf meine Bitte, während meiner Abwesenheit doch bitte mal die Klimaanlage zu überprüfen, war nicht akzeptabel. Erwarte ich für ein 3Sterne Businesshotel zuviel, dass jemand an der Rezeption Englisch spricht? Man versprach mir jedenfalls, den „Blast“ ab heute anzuschalten, da die Berufung zentral gesteuert wäre. Als ich gegen Abend ins Hotel zurückkehrte, war aber immer noch sehr warm und die Steuerung der Klimaanlage war nun komplett deaktiviert. Fenster lassen sich auch nicht öffnen und schon kostete mich mein aufgrund der erneuten Hitzewallungen eintretende Pulsanstieg gefühlte 100 buddhistische Karmapunkte. Ich mochte es nicht, dazu gezwungen zu sein, nochmals an die Rezeption zurückkehren zu müssen, um doch bitte endlich die Steuerung der Klimaanlage zu aktivieren. Ich habe doch keine finnische Sauna gebucht. Das Englisch Niveau war zum Abend hin immerhin fast auf Hauptschulniveau, aber auf eine Erklärung der Bedeutung der Aussage „we will change in the computer“ musste ich verzichten. Ich bedankte mich ordentlich und im Zimmer konnte ich tatsächlich die Klimaanlage steuern und sie kühlte.

Zurück zum Stückwerk. Also morgens bin ich erstmal zur Station Otemachi, um dort einen buddhistischen Tempel zu sehen. Er verbirgt sich in oder auf den weißen Gebäude in der Mitte.

Ich bin dann von dort mit der Bahn nach Takahama gefahren und von über einen Hügel zum Tempel 52 gewandert. Der Weg war anfangs ziemlich zerstört und wandelte sich dann in einen Dschungelpfad.Dann, immer schön an der Straße entlang (dort bekam ich eine Orange als Ossetai) ging es anschließend nach Tempel 53.

Da erst Mittag war und die Bahnstation nebenan, beschloss ich die Bahn zur Station Onishi zu nehmen und von dort einige Kilometer zu Tempel 54 zu gehen. Dort traf ich erneut auf einen ausgewanderten Landsmann und wir erhielten ein Ossetai: eine Flasche Wasser und einen Keks. Er hatte wohl nicht den Eindruck, dass ich dies Ossetai verdient hätte, da ich einen guten Teil der Strecke mit dem Zug gefahren bin, anstatt 30km durch Industriegebiete zu wandern… Dann aber bitte auch nicht über das (tolle!) Wetter beschweren und dass man davon Sinnenwand bekäme.

Weiter ging es vier Kilometer nach Tempel 55 im Zentrum von Imabari. Ganz in der Nähe des Bahnhofs habe ich eine Filiale von Coco Curry gesehen, ich freue mich schon darauf dort übermorgen etwas zu essen.

Einen staubigen Parkplatz mitten zwischen den Tempelgebäuden finde ich etwas irritierend, aber wo sollen die armen Autos und Busse den sonst hin?

Direkt nebenan ist auch ein großer Shinto Tempel, auch hübsch.

In der Stadt bin ich zwar in zwei Tagen für zwei Nächte, aber d durch diesen Vorlauf habe ich mir den Umweg und logistische Probleme erspart. Eigentlich hatte ich vor, auch noch Tempel 59 zu besuchen, allerdings habe ich mich zu lange mit einem Paar aus der Schweiz unterhalten und somit den Zug verpasst, der mir dies zeitlich ermöglicht hätte. Um fünf Minuten… Somit muss ich in zwei Tagen die Tempel 56 bis 59 in strikt chronologischer Reihenfolge besuchen. Ordnung muss sein. Auch gut.

Ein weiteres Ergebnis der Unterhaltung war, dass ich mir völlig unsicher geworden war, ob mein Plan des Besuches von Tempel 65 und 66 realisierbar sein würde. Nochmaliges genaues Studium der Karte und der möglichen Bahnverbindungen, gibt mir jedoch Zuversicht, obwohl es sehr sportlich wird, mit über 30km und 900 Höhenmetern und ich eventuell erst zur Abenddämmerung am Onsen Hotel eintreffe. Das wird schon!

Mit dem Zug ging es dann von Imabari nach Matsuyama zurück, insgesamt gelaufen heute nur etwa 20km.

Der Upload der Bilder und des Blogeintrages sind auch nur Stückwerk. Das APA Hotel WiFi ist nun auch als Angreifer gesperrt. Von hier aus geht ohne Umweg über die heimische Fritzbox per VPN also nichts mehr…

Und was sagt der Hoster lapidar dazu? Ihm steht die WordPress App arbeitet nicht richtig und eine Ausnahme von der Sperrregel gibt es nicht. Er praktiziert „Sicherheit und Betrieb schließen sich gegenseitig aus“

Anderseits habe ich mich auch zu sehr über die App geärgert, so dass ich wie jetzt auch gerade über das Webinterface arbeite. Geht im Endeffekt schneller, weil stabiler im Betrieb und hat mehr Möglichkeiten.

Tag29: Kumakogen – Matsuyama

Zum Thema Digitalisierung: diesmal versuche ich meinen Text meinem Smartphone zu diktieren. Es ist gar nicht mal so einfach, sich zu überlegen, was man denn eigentlich sagen, bzw. schreiben will. Es ist einfacher, wenn man tippt, dann hat man mehr Zeit sich die Worte zu überlegen, bevor man sie zu Papier, oder in die Tastatur bringt. Die Spracherkennung funktioniert erstaunlich gut, sogar die Interpunktierung funktioniert (Großteils): Man muss nur daran denken die entsprechenden Satzzeichen zu erwähnen.

Wie bereits geschrieben, habe ich heute morgen erst den Bus genommen. Unklar war, wann er denn genau fahren würde: im Route Guide stand 8 Uhr, die Japan Travel App meinte, er fährt um 8 Uhr dreißig. Ich vertraute ja mehr der App, als dem Route Guide, der den Stand 2017 für den Farplan angab, aber sicher ist sicher, und besser jemand fragen bevor man eine halbe Stunde zu spät an der Haltestelle steht und dann mehrere Stunden warten muss, bis der nächste Bus kommt. Der Bus bringt mich über den Pass und etliche Höhenmeter meinem ersten Ziel näher. Es sind noch knapp 3 km stets bergab zu gehen, bis ich am Tempel 46 eintreffe. Dann geht es direkt nach Tempel 47 und weil es so gut läuft dann weiter nach Tempel 48 und Tempel 49. Dort erhalte ich als Fusspilger sogar ein Ossetai: eine Handvoll Schoko Linsen. Es läuft.

Gemäß meinem ursprünglichen Plan wäre hier Schluss für heute gewesen, aber es ist noch früh am Tag, also auf zu Tempel 50. Danach muss ich einen Umweg über einen Convenience-store machen, weil mir das Kleingeld ausgegangen ist, welches ich für die Tempel benötige. Ich kaufe eine Dose alkoholfreies Asahi extra dry für 202 Yen und zahle mit einer 500 Yen Münze, das verschafft mir jede Menge kleine Münzen.

So ausgestattet, kann ich mich nach Tempel 51 auf den Weg machen. Hier werde ich von einem Paparazzi empfangen, der schon beim Betreten des Geländes permanent seine Videokamera auf mich richtet. Als ich den Gong anschlagen will und er immer noch mich filmt, frage ich ihn genervt auf Englisch: „You don’t ask before you film people?“ Und schon ist er zum Glück verschwunden. Ansonsten bin ich etwas überfordert: es gibt so viele Gebäude und Tempel und nichts so beschriftet, dass ich es wieder erkennen würde, dass ich erstmal einmal ums gesamte Gelände herum laufen muss, um einen Überblick zu erhalten. Ich will ja möglichst die korrekte Reihenfolge einhalten, welchem der Gebäude ich als erstes meine Aufwartung mache.

Sechs Tempel heute und nachdem ich die vier Kilometer bis zum gebuchten APA Hotel an der Burg gelaufen bin, zeigt die Uhr 26 km an. Leider habe ich diesen Beitrag über das Webinterface begonnen, nicht über die App, da ich noch keine Rückmeldung vom Provider habe, dass die App nicht mehr als Angriff gewertet wird und zu einer kompletten Sperrung führt. Dann gibt es aber nur einen Block Editor, der nur „Galerie“ unterstützt oder jedes Bild einzeln, wobei die Datei Auswahl aber kunterbunt die Bilder würfelt und nicht sortiert werden kann. Das Ergebnis ist chaotisch, das Bearbeiten ist viel zu aufwendig, macht keinen Spaß. Ich musste anschließend in der App versuchen die Bilder zu überarbeiten – immerhin bis jetzt noch ohne Sperrung.

Tag28: Kumakogen

Ich bewohne ein Eckzimmer, es zog durch das Fenster und es wurde so kalt in der Nacht, dass ich die Klimaanlage zum Heizen angeschaltet habe. Ich musste dabei an diejenigen denken, die aus welchem Grund auch immer draußen schlafen. Zieht euch warm an für die Nacht!

Nach dem Frühstück,kommt die Überlegung, was ich für den Weg nach T45 mitnehme, Stöcke oder nicht? Ein nochmaliger Blick auf die Karte und das Höhenprofil sagt mir, dass ich besser die Stöcke mitnehme, auch wenn ein großer Teil der Strecke aus der Straße verläuft. Aber bergab und unbefestigt, das kann sehr schnell rutschig und gefährlich werden. Und T45 ist ein Nansho, nur schwer zu erreichender Tempel. Ich lese etwas von Seilen und Kletterhaken, dann wird es aber schwer mit Stöcken und den IKEA Stoffrucksack, also nehme ich den richtigen, schwereren Rucksack, an dem ich die Stöcke festmachen kann, und räume alles aus, was ich nicht unbedingt brauche.Da ich T44 schon besucht habe, nehme ich den Weg über die Straße und durch den Tunnel. Wie ich erst auf den Rückweg verstanden habe, kann man einen Reflektor Gurt aus einem Kasten für die Tunnelquerung leihen und es gibt auch einen Lichtschalter! Auf den Hinweg dachte ich, die Fußgänger Beleuchtung im Tunnel schaltet sich durch Bewegungsmelder an, aber es war ein australischer Fahrradpilger, der den Knopf drückte, just als ich den Tunnel betrat. Immerhin 623m, da braucht man etwas.

Nach einer Weile Straße schlägt sich der Weg in den Wald und es geht in der Tendenz immer schön nach oben. Der Abhang ist oben dermaßen steil, dass ich mich wundere, wie sich dort die Bäume halten und ob es nicht sogar ein Überhang ist. Nur nicht an Erbeben denken! Später an Tempel sieht man, dass die Felswände hier zum Teil senkrecht sind. Definitiv kein geeigneter Ort für ein Erdbeben..

Dann geht es steil herab, aber das was ich bei ein paar wunderbaren Jahrhunderte alten Bäumen, für T45 hielt, ist wohl nur der Zugang zum Okunoin, wo dereinst Kukai trainiert haben soll.

Es geht noch sehr weit herunter, bis das Tor zu Tempel#45 Iwayaji in Sicht kommt. Schöner Tempel an der Felswand und auch für Buspilger nur durch einen ordentlichen Abstieg zu erreichen. Der kalligrafierende Mönch steckt auch noch eine Aufklärung zum Buddhismus in mein Nokyocho.

Auf dem Rückweg werden die Beschwerden meines rechten Knies immer heftiger.

Das lange bergab steigen mögen meine Sehnen einfach nicht mehr. Ich hoffe mit einem heißen Bad und meiner Diclofenac Zaubercreme ist morgen wieder alles gut, denn dann gilt es eine lange Strecke zu marschieren. Allerdings habe ich soeben nach genauem Studium der Karte gesehen, dass es noch einmal hoch gehen soll, um dann um so steiler wieder herunter, darum werde ich versuchen, morgen früh den Bus bis Shiogamori etwa 3km von Tempel#46 entfernt zu nehmen und mein Knie zu schonen – es soll ja auch noch nach Shikoku zu gebrauchen sein. Auf dem Kumano Kodo gibt es keine Bus-Option.

Beim Verzehr meines Abendessen muss ich mich angesichts des Geschmacks des rohen Sashimi Fisches vergewissern, ob ich nicht etwa Rindfleisch gekauft habe. Aber wie die Übersetzer App andeutet, habe ich Walfischfleisch gekauft. Und auch die gekauften Joghurts verdeutlichen mir, wie wichtig es wäre, Japanisch lesen zu können. Irgendwie haben sie es geschafft, alles am Joghurt zu reduzieren, aber nicht den Zucker. Absurd.

Update zum Thema Digitalisierung.

Die WordPress App, die ich zum Hochladen benutze, wird wohl vom Provider als Angriff erkannt, wenn sie ausgiebig benutzt wird. (Oder sie mal wieder abstürzt und dann ganz hektisch etwas alles wiederholt ?) Da es vom Ersteller der App keine Lösung für das Problem geben wird, habe ich sie dann deinstalliert.

Tag27: Ozu – Kumakogen

Nur zu Fuß, an einem einzigen Tag, ist mein heutiges Ziel nicht zu erreichen. Eine gewisse Strecke bin ich ja immerhin gestern „vor“ gelaufen, jetzt nehme ich den Zug bis Uchiko und dann 20km den Bus bis Odashisho. Von dort an muss ich über einen Pass laufen, ansonsten immer bergan, etwa 21km.

Mein Rucksack ist viel zu schwer, ich habe noch zu viele Äpfel und Möhren und auch ein alkoholfreies Bier, welches ich gestern nicht mehr getrunken habe. Dafür habe ich einen Regenmantel zurück gelassen, weil ich mir gestern im Dauerregen eine dünne Regenhose für 388¥ in einem Geschäft für Arbeitskleidung gekauft habe. Die sollte reichen und ist deutlich leichter. Dennoch, der Rucksack ist zu schwer und mir scheint ich habe mir in der Nacht im Schlaf den Rücken verrenkt. Zur Abwechslung Mal die andere Seite…

Ankunft in Uchiko,

der Kleinbus fährt eine wunderbare Strecke, vorbei an einem halben Dutzend Pilgern, fast zu schade, dass ich nicht selbst laufe, aber wenn man den großen Teil des Tages mit gehen verbringt, bekommt man ein gutes Gefühl dafür, wir lange man für 20km bergan braucht…

Ab der Station Odashisho gehe ich um 09:45 los.

Immer bergan. Später dann ein Shortcut zwischen zwei Serpentinen Abschnitten der Straße, wie kam ich nur auf die Schnapsidee, es könnte sich um eine flache Strecke entlang eines sanft plätschernden Baches handeln?

Shortcut von Serpentinen bedeutet supersteil. Die Schuhsohlen haben zum Glück genügend grip, also komme ich schnaufend oben an. Ein jüngerer Japaner kommt knapp hinter mir den Berg hoch, ich grüße, Konnitschiwah, er schaut mich nur an, als ob mir gerade die Nase aus dem Gesicht gefallen wär. Das Wort mit I und diot am Ende kommt mir in den Sinn, aber was soll’s. Ich kann dich weiterhin fröhlich sein. Es ist wunderbarstes Wetter, ich habe vorerst die Zielhöhe erreicht, es gibt eine Sitzbank, Kaffeepäuschen bevor es durch einen Tunnel geht. Erstmalig in dieser Reise stecke ich mir die Kopfhörer ein, um Musik zu hören. „The XX“ und Go! into the darkness!

Nach einer Viertelstunde umfängt mich erneut der Sonnenschein und es ist faszinierend, wie sehr die geeignete Musik das Gehen beeinflusst. Walking on the sunny side of life. Es läuft. Wunderbar.

Dann geht es weiter durch den Wald, noch einmal hoch, über einen letzten Pass. Vorher noch eine Pause am Bach, ein Reisdreieck und das alkoholfreie Bier. Frisch gestärkt geht es weiter und bereits um 15:00 komme ich am gebuchten Hotel Garden Time an, zwei Kilometer früher als gedacht. Ich checke ein und bestelle mir auch japanisches Frühstück für die nächsten zwei Tage.

Wie so vieles hier auf Shikoku hat auch dies Hotel schon bessere Zeiten erlebt, aber das Zimmer ist OK und sauber, es gibt später ein annehmbares heißes Bad, alles prima.

Nach kurzer Pause geht es dann nach Tempel#44 Daihoji. Ein sehr idyllischer Ort mit Jahrhunderte alten Bäumen. Das Zugangstor im Wald, einfach nur beeindruckend. Definitiv eine der schönsten Tempelanlagen bisher für mich.

Dann zurück in den Ort Kuma.

In einem Supermarkt stelle ich mir mein Menü für den Abend zusammen: Sashimi, Curry Nudeln und noch etwas für morgen unterwegs, als „Me voy pa mi casa“ durch die Gänge schallt. Mein Klingelton, always online, diesmal muss ich ran 🙂

Und mit dem Bilderupload hat es diesmal auch ganz ohne Probleme geklappt. Ob das Hotel einen anderen Provider hat, oder meine Beschwerde bei meinem Provider schon Früchte trägt, jedenfalls tippi toppi!

Tempel#44, Halbzeit.

Bisher geradezu gesegnet vom Wetter, keine Disaster und trotz aller zu erwartenden Anstrengungen kein Verlassen der Komfortzone ins Existenzielle. Es läuft.

Tag26: Ozu

Für heute ist eine weitere Übernachtung in Ozu vorgesehen, Zeit genug, die Burg zu besichtigen und den Nebentempel B#8 Toyogahashi. Dort unter einer Brücke soll dereinst Kukai geschlafen haben und deshalb soll man seinen Pilgerstock auf Brücken nicht verwenden, um den guten Mann nicht zu wecken. Ob dies auch für meine Alu Wanderstöcke gilt? Nach dem Frühstück mache ich mich auf den Weg, erst zum Ozu-Schrein,

Weiter durch den Ort zur Burg.

Die wurde zwar ab 1331 gebaut, der Turm von Anfang 17tes Jahrhundrrt ist aber Ende 19tes Jahrhundert zerstört worden. 2005 hat man ihn unter Verwendung damaliger Materialien und Handwerksverfahren restauriert. Sehr interessant, die verschiedenen Holzverbindungen anzuschauen, alles Nut und Zapfen. Das ist total undigital, zum Anfassen und Ausprobieren, wie es ineinander greift.

Am Fluss entlang geht es zu der Brücke mit Tempel B#8.

Ein Gewerbegebiet mit Mc Donalds und Co. Lange Autoschlangen an den Drive-in Schaltern. Nokyocho habe ich nicht dabei, also gibt es auch keinen Stempel.

Auf den Rückweg komme ich an einen Sushi Restaurant vorbei,100¥ pro Sushi, so richtig digitalisiert mit Touchscreens.

Ich brauche ein bisschen, bis ich herausgefunden habe, wie es funktioniert. Auch hier ist es voll, und es heißt eine Wartenummer ziehen. Die vergibt der Roboter.

Natürlich kann man die Teller nehmen, die auf dem Fließband vorüber fahren und nicht auf einem Untersatz stehen – die sind nämlich explizit von jemandem bestellt worden.

Das mache ich auch, dreifach Lachs Sushi, dann Thunfisch gegrillt mit Käse. Als sie anrollen, weist mich mein Bildschirm darauf hin. Sehr lecker und sehr günstig!

Dann startet Dauerregen und die letzten Kilometer besuche ich noch Supermärkte auf dem Weg. Lohnt sich eine dieser beheizten Klobrillen mit Spülung für daheim? Gibt es schon ab 200€ aber nur in 100V… Der Jahres Stromverbrauch ist genauso hoch wie für unseren Kühl- und Gefrierschrank, absurd.

Jetzt habe ich auch schon eine dritte „Gesundheits“cola entdeckt.

Tag25: Seiyo – Ozu

Mein Frühstücksbuffet heute war geradezu deprimierend. Ein Großteil des Angebots wie Fleischbällchen stand gestern Abend bereits beim Buffet und sah dann schon nicht appetitlich aus. Also die Verpflegung dort im Hotel hätte ich mir sparen können…

Dazu passen die Probleme mit dem Blog, mein Hosting Anbieter mag wohl nicht, dass man seine Server zu sehr belastet und blockiert ganz schnell IP Adressen. Nicht mehr erreichbar. Über Mobilfunk geht es, aber auch beim heimischen VPN muss ich einen reconnect der Fritz Box machen, um eine neue IP zu bekommen, um ein paar Bilder hochzuladen. Und dann stürzt die WordPress App mal wieder ab und lädt alles doppelt hoch, oder versucht es vielmehr, weil wir dann direkt geblockt…

Warum tue ich mir das an? Weil ich nicht alle meine Daten nur noch bei Facebook oder Google haben möchte.

Aber es lenkt ab und es nervt gewaltig. Lieber Hosting-Anbieter, von mir aus drossele die Upload Geschwindigkeit, aber einfach blockieren ist dreist. Ich hatte nur auch die Umstände gemacht IPv6 Unterstützung des Webservers zu deaktivieren, ob dadurch vielleicht die Probleme entstehen.

Werde mir wohl einen anderen Anbieter suchen müssen, dumm nur, dass ich gerade erst fürs ganze Jahr bezahlt habe. Am Abend im Hotel versuchte ich es nochmal, mit begrenztem Erfolg über die App, Ein Versuch im Browser war deutlich langlebiger, aber die Bedienung auf dem Smartphone ist sehr umständlich bis unpraktikabel.

Für diesen Tag war nichts Besonderes geplant und es liegen keine Tempel auf dem Weg. T44 ist 70km vom gestrigen Tempel entfernt, nicht an einen Tag zu schaffen.

Ich besichtige einen Moosgarten von den ich in der Facebook Pilgergruppe erfahren habe und auf dem Weg liegt. Hübsch gemacht, so ein grüner Naturteppich zwischen Bäumen, mit der ein oder anderen Skulptur darauf.

Und dann führt mich der Weg wieder einmal über einen Pass, statt die einfachere Variante durch einen Tunnel zu nehmen.

Ozu hat eine historische Straße und ein Cottage und eine Burg. Bei meiner Ankunft in der Stadt ist gerade ein Rudel chinesischer Bustouristen unterwegs. Das erkennt man sofort daran, dass alle einen fremdländischen Pilger alles andere als freundlich anschauen. Kein Kopfnicken oder angedeuteten Gruß, wie es bei den Japanern weit verbreitet ist. Das Auftreten der Touristen macht einen unglaublich arroganten Eindruck, es fällt mir sehr schwer positiv zu bleiben.

Insgesamt ist nicht viel Historisches zu sehen, Ozu könnte eine schöne Stadt sein, aber ist geradezu ein Musterbeispiel dafür, wie man eine verhunzt. So viele hässliche, modernere und doch abbruchreife Gebäude wurden zwischen hübsche Häuser gequetscht. Und auch die Brücke, die momentan gegenüber der Burg neu gebaut wird, mag ja funktional sein und schlicht, aber ist ein totaler Stilbruch. Warum man nicht ein bisschen mehr auf ein optisches Zusammenspiel mit der Burg und dem Damm achtet, ich weiß es nicht. Vielleicht ist es gerade die Stillosigkeit, oder besser die Stilbeliebigkeit in Form einer Stilkakophonie, die hierzulande das öffentliche Stadtbild prägen soll. Es erschließt sich mir nicht, dass es hierzulande einerseits Gärten gibt, wo jedes Sandkorn händisch genauestens ausgerichtet wird und Bäume in perfekte Form beschnitten werden, aber andererseits so unglaublich viele Messy Häuser gibt, und Unmengen von Gerümpel überall herumliegt und verrottet. Ja selbst dass Obst muss möglichst die perfekte Form haben, die Übergabe von Geldscheinen ist die Form beachten. Überall Regeln und Riten, aber beim Anblick der Gebäudeensembles fast überall optisches Entsetzen.

Von den Abgründen in die man wortwörtlich blickt, sprich: den am Hang entsorgten Autobatterien, Kühlschränken Fernsehern, Bürodrehstühlen, Plastikkästen, und und und, nicht zu reden…hier nur ein Beispiel aus Ozu.

Anmerkung der Redaktion: Weitere Bildern konnte ich erst im Nachgang bei der Übertragung dieses Blogs zufügen, die Providerblockade wird sich noch als Sichersheitsfeature herausstellen…

Tag24: Uwajima – Seiyo

Nach meinem Müsli Frühstück mit Ossetai Grapefruit geht es zum Bahnhof. Diesmal bereits nach 50m kommt jemand zur mir gelaufen, ich glaube es war ein Herr von der Rezeption, um mir eine kleine Tüte Nüsse als Ossetai zu überreichen. Zugfahrt, eine Station nach Muden, um von dort an T42 vorbei nach Tempel 43 Meisekiji zu gehen. Bei T42, Kilometer 5 kurzer Boxenstopp, bei erneutem Start, überreicht mir ein Mann eine Handvoll leckerste Erdbeeren als Ossetai. Vielen Dank!Dann geht es über den Hanaga-Toge Pass. Ich widerstehe der Versuchung nur auf 400m anzusteigen und dann auf der Straße zu bleiben und einen Tunnel zu nehmen, kämpfe mich dagegen – vor allem anfangs – extrem steil an einer Kette den Berg hoch.
Oben angekommen kurze Pause,
mit Selfie, dann geht es auch schon wieder runter. Zum Glück habe ich meine Stöcke und es ist trocken, denn der Weg ist stellenweise sehr kaputt und bei Regen hier herunter rutschen zu müssen, stelle ich mir sehr gefährlich vor.

Dann heißt es noch ein paar Kilometer bis zu meinem UwaPark Hotel zu laufen. Eine Pause mit alkoholfreiem Bier gibt mir neue Energie, aber insgesamt fühle ich mich heute recht geschafft, denn Solche Abstiege mögen weder Knie noch Rücken. Über das WiFi im Hotel bekomme ich absolut nichts hochgeladen, nicht einmal Kontakt zur Website, nur über Mobilfunk, daher folgen weitere Bilder am nächsten, um nicht alle meine Mobildaten zu verbrauchen.

Tag23: Uwajima

Ein Easy Walking Tag voller Ossetai. Kaum aus dem Hotel in Uwajima herausgetreten überholt mich ein Radfahrer und fragt Ohenro, Ohenro? Hay!

Dann halt er an dem Getränkeautomaten an der nächsten Kreuzung und ich muss mir dort etwas auswählen, keine Widerrede. Zu seinem Erstaunen will ich keine der Kaffeedosen, sondern nehme Grüntee. Langsam wird der Rucksack doch schwer, denn ich habe schon eine Flasche Nullcola und Sprudel für unterwegs dabei.

Ich besuche dann den Nebentempel#6 hier in der Stadt, aber kann leider keinen Stempel in mein Nokyocho zufügen lassen, denn das Büro ist geschlossen. Kurz danach liebäugele ich mit einem großen Beutel Mandarinen in einen Geschäft, nehme dann aber nur ein paar Bananen. Dann geht es weiter, immer entlang der Hauptstraße nach Tempel#41 Ryukoji. Der Himmel klart auf. Unterwegs überhole ich einen müde aussehenden Pilger, und ich gebe ihm eine der Bananen. Er bedankt sich herzlich, sagt er wäre sehr hungrig. Bei T41 erhalte ich im Stempelbüro mein zweites Ossetai, eine Tüte mit Süßigkeiten. Weiter geht es nach Tempel#42 Butsumokuji. Zurück von Tempel#42 geht es dann über den Nakayama-Ike Pondan Tempel#41 vorbei bis zur Bahnstation Muden, von wo ich vermutlich morgen früh wieder loslaufen werde. Der Zug hat sogar eine Ausstellung. Zwischendurch erhalte ich eine Grapefruit als Ossetai. Die kommt morgen früh ins Müsli, Arigato gosaimasu!

Tag22: Ainan -Uwajima

In der Nacht beginnt es zu regnen und hört bis zum Morgen nicht wieder auf.

Den Plan für den Tag, zuerst ein paar Kilometer mit dem Bus bis Kashiwa zu fahren, um dort auf dem Kashiwazaka Trail zu wandern, behalte ich bei. Es regnet, aber es ist auch relativ warm, schwül und es fällt schwer, die geeignete Kleidung zu wählen. Es sollten 500 Höhenmeter zu bewältigen sein. Regenjacke-zu warm, also nur T-Shirt und Pilgerhemd. Es regnet wieder mehr, der Regen Mantel, den ich beim eisigen Regen in Tokushima gekauft habe, auch zu warm. Beim Anstieg sind mir sogar die langen Hosenbeine zu warm. Es bleibt dann während der Wanderung in Wesentlichen trocken, zum Glück, aber schwitzen tue ich aufgrund der Anstrengung schon. Ich fange an zu stinken, trotz zweimal täglichen Bädern und Duschen, sind vor allem die Tragegurte des Rucksacks problematisch. Die Aussicht aufs 500m Hoffe ist nur kurz für, dann ziehen Wolkenschwaden hoch und vernebeln die Sicht. Also weiter geht’s.

Nach dem Abstieg soll bereits 5 Minuten später der nächste Bus kommen, also fahre ich direkt weiter nach Uwajima, anstatt weiter zu laufen. Mache ich halt einen Stadtspaziergang. Der erste Eindruck bei Einfahrt in die Stadt per Bus: eine hässliche Stadt…(hat sich zum Glück später relativiert)

Im Hotel sprühe ich die Tragegurte des Rucksacks erneut mit einem Geruchskiller ein und nehme eine Dusche und frische Kleidung. Später werde ich die stinkenden Kleidungsstücke in die Waschmaschine packen. Das Oriental Hotel hat kleine, aber moderne Zimmer. Verpflegung gibt es zwar keine, aber einen Convenience Store im Gebäude.
Zuerst geht es zur Burg von Uwajima, die noch in Original über der gesamten Stadt thront. Ein absolut magischer Ort die Burg und ihre Festungsmauern mit zum Teil sehr alten Bäumen.

Dann geht es noch in den Tenshaen Garten, ebenfalls sehr sehenswert.

Meine Verpflegung besorge ich mir aus einem Fuji Supermarkt auf dem Rückweg ins Hotel. Deutlich besseres Warenangebot und bessere Preise, als in den Convenience Stores.

Über das Hotel WiFi kann ich wieder einmal so gut wie nichts hochladen, doch übers heimische VPN klappt es langsam.

Tag21: Sukumo – Ainan

Die Ryokan Betreiberin wollte heute morgen noch ein gemeinsames Foto Bevor ich aufbrach, hakte sie sich bei mir, dem Fremdländischen Pilger unter und ihr Mann musste Fotos machen. Gern geschehen, da es ihr offensichtlich große Freude bereitete.
Einige Kilometer hinter Sukumo geht es einen Pass hinauf, der auf der Provinzgrenze zwischen Kochi und Ehime liegt.

Ab sofort bin ich in Ehime unterwegs, der dritten von vier Provinzen, bzw. Präfekturen von Shikoku. Tokushima war das spirituelle Erwachen, Kochi war das asketische Training, jetzt in Ehime folgt die Erleuchtung, bis ich dann bei Tempel#66 Unpenji nach Kagawa und somit ins Nirwana gelange. Wenn das Mal alles so einfach wäre…

Es ist wieder einmal ein wunderschöner Tag, etwas kühler als gestern, da läuft es sich fast von alleine. Wenn man so vor sich hinläuft, so gibt es natürlich immer wieder Dinge zu beachten, zu betrachten, anzuhören (Schüsse zum Beispiel im Wald, da frage ich mich, ob meine weiße Weste Hinweis genug an den Jäger darstellt, dass er bitte nicht auf mich schießt). Da höre ich hier lieber Vogelgesang oder Wasserplätschern. Ein Vogel hört sich an wie eine quietschende Schraube, die von einem Akkuschrauber immer tiefer und somit langsamer eingedreht wird.

Und dann denke ich auch immer daran, wenn ich einen besonders schönen und guten Gedanken hatte, ich müsse ihn mir doch aufschreiben, damit er nicht verloren ginge, oder ich könnte doch mein Smartphone als Diktiergerät benutzen. Dann wäre er konserviert und später könnte ich ihn erneut erleben. Und doch wäre es etwas anderes, ein Leben in der Vergangenheit. Das schöne am Reisen ist ja, dass ich mir nicht Gedanken darüber machen muss, schöne Gedanken zu vergessen, sondern die Reise an sich, frische schöne Gedanken erschafft. Und dabei bin ich organisierter, Planorientierter Allemane weit davon entfernt, einfach nur im Moment zu leben. Wäre es also besser, sich weniger Gedanken zu machen? Aber Meditieren bedeutet ja auch nicht, sich abzustumpfen, sich zu betäuben, sondern ganz bewusst wahrzunehmen und zu erleben und gleichzeitig dabei eine distanzierte, beobachtende Innere Position einzunehmen. Da habe ich noch großes Entwicklungspotential.

Jedenfalls bin ich dann kurz nach Mittag in Ainan und in einem Fuji Supermarkt kaufe ich dann spontan doch mehr als vorgesehen und gönne mir einen gemischten Rohkost Salat und Joghurt.

Apfel und Möhren bleiben dann halt für morgen Mittag. Im Ryokan gibt es um sechs Uhr wieder mehr als ausreichend zu essen. Ich habe den Eindruck, mein Plan hier abzunehmen ist ins Stocken geraten, oder es geht nicht mehr so schnell wie in den ersten zwei Wochen. Zuwenig Anstrengung, Zuwenig Höhenmeter, Zuwenig Gepäck? Zuviel Essen?

Heute gab es mal wieder eine Handvoll Bonbons als Ossetai, als ich mich auf ganz schmaler Straße an den Rand stellte, um eines der kleinen stupsnäsigen Autos vorbei zu lassen. Es hielt neben mir an, das Fenster auf der Beifahrerseite wurde herunter gekurbelt und von einer alten Dame die Bonbons überreicht.

Am Nachmittag besuche ich dann Tempel#40 Kanjizaiji.

Dort treffe ich auch wieder auf den Landsmann, der dir in Tsuyado übernachten möchte. Wir unterhalten uns eine Weile, Ich brauche ja nur 100m weiter ins Ryokan Yamashiroya.

Nach dem Einchecken will ich aber noch kurz durch den Ort, um mir Koyasan Butsugan-In anzusehen.

Tag20: Tosa-Shimizu – Sukumo

Ein Patchwork Tag: zuerst knapp 2km laufen, da der Bus nach Sumuko erst um 07:35 los fährt. Mit etwas Beeilung hätte ich auch noch den um 06:32 direkt vor der Tür des Minshuku Hayakawa nach dem Frühstück erwischt, zusammen mit einem anderen japanischen Gast.etwas für Unterwegs…Aber so eine kurze Morgenwanderung ist erfrischend. Dann den Bus bis Oura-Bunki und schon geht es parallel zur Straße in die Wildnis, in der Hoffnung auf schöne Ausblicke.

Der Weg führt mitten durch den Wald, aber wie den vielen steinernen Terrassen zu entnehmen ist, waren hier früher Reisterrassen. Aber die ehemaligen Bewohner sind wohl verschwunden. Und von den Häusern, die ich im Laufe des Tages sehe, sind gefühlt auch nur noch die Hälfte bewohnt. Eine Region stirbt aus. 03:40 Stunden stehen mir zur Verfügung, die etwa 11km bis zu einer anderen Bushaltestelle zu wandern, bis der nächste Bus kommt.

Obwohl der Weg teilweise sehr schwierig zu gehen ist, bin ich eine Stunde zu früh, es ist ein warmer Tag, 25° und ich habe keine Lust dumm auf den Bus zu warten, also geht es noch ein paar Kilometer weiter an der Straße entlang, fast bis zur Otsuki Fureal Station. Dann Bus bis Sukumo Station und zack in den Zug, zwei Stationen bis Hirata.

Von dort wandere ich über T39 Enkoji zurück nach Simuku wo ich im Yone Ya Ryokan übernachte.

Der Tempel ist ganz nett und gleich zwei Personen wetteifern um mein Nokyocho kalligrafisch zu verschönern – die Frau gewinnt. Auf dem weiteren Weg treffe ich nun schon zum vierten Mal auf einen mutmaßlichen (laut zweier Damen aus Hongkong) in Kanada lebenden Landsmann und diesmal kommen wir ins Gespräch, zuerst Englisch und dann doch auf Deutsch. In Kombination mit Facebook Pilger Gruppen erscheint die Welt schnell klein.
Das Ryokan ist absolut Retro, es riecht nach Mottenkugeln und scheint genauso alt wie die Besitzer zu sein. Aber Zimmer sauber und sowohl Toilette als auch Dusche auf dem Zimmer funktionieren. Dusche muss der Besitzer aber erst verifizieren, ja, es kommt heißes Wasser. Warum die Sitzbadewanne nicht benutzt werden kann/soll, habe ich nicht ganz verstanden, es könnte vielleicht sein, dass sie durch den Boden fällt? Egal, wollte ich ohnehin nicht benutzen und dass die Toilette kein elektronisches Washlet mit beheiztem Sitz und Rosettenspülung ist – drauf geschissen. In wahrsten Sinne des Wortes. Das Abendessen ist jedenfalls hervorragend und die Leute sind supernett.Passend zu Retro-ich muss an den wunderbaren Film 2046 denken-gibt es kein WiFi, daher gibt es mehr Bilder erst später.

Tag19: Ashizuri-Tosa-Shimizu

Ich hatte mir den Wecker zu früh eingestellt. Ich will dann doch nicht morgens noch ins Onsen, sondern versuche mich nochmals hinzulegen. Mäßig erfolgreich. Nach dem Frühstück (ich wählte von Buffet die nicht typisch japanischen Elemente) ging ich los, immer an der Küste entlang in Richtung Tosa-Shimizu.

Hin und her, rauf und runter, windet sich der Weg. Ich nehme nicht die kürzeste Strecke, denn ich habe den ganzen Tag Zeit.

Beim Ryugu Jinja folge ich einem geradezu abenteuerlichen Weg, bis ich mit Rucksack an den Felsen um einen Aussichtspunkt herumklettere. Als es absolut nicht mehr weiter geht, weil es keinerlei Hilfsseil mehr gibt, kehre ich um.

In der Stadt entdecke ich im wohlsortierten SunnyMart die Gesundheits-abnehmcoka von Pepsi: keine Pepsi Plus, sondern sie nennt sich Pepsi Special Zero.

Interessant ist der Preisaufschlag von fast 100% auf die Plus Cola im Geschäft, im Automaten sind es meist nur 10¥ Profi schlägt nur dreißig Prozent drauf, geradezu ein Schnäppchen. Dazu noch Möhren und Bananen, jeweils im Dreierpack zu 99¥ und ich bin versorgt bis zum Abendessen.

Als ich kurz vor Drei am gebuchten Minshuku Hayakawa ankomme, werde ich schon auf der Straße abgefangen. Es laufen hier in der Stadt auch nicht allzu viele fremdländische Pilger herum. Um genau zu sein, es läuft hier niemand sonst herum. Ein paar Autos, aber sonst geradezu eine Geisterstadt.

Ich lade meinen Rucksack ab, aber Duschen will ich noch nicht, ich versuche mich irgendwie verständlich zu machen, dass ich noch eine Runde spazieren gehen will, es ist ja noch früh. Ursprünglich hatte ich vor, noch zum Oki-no-hama Strand auf die andere Seite der Halbinsel zu laufen, aber dazu reicht dann doch nicht mehr die Zeit. Ich gehe zum Hafen

und folge dann einen Wegweiser den Berg hinauf. In diesen Berg wurden jede Menge breite Gänge geschlagen, ich frage mich wofür. Hat man Gestein abgebaut? Unterstände als Schutz vorm Wetter, vor Bomben,???

Aufgrund der Sprachbarriere habe ich auch keine Chance danach zu fragen. Der Weg ist schön, wenn auch zum Teil schwer zu finden. An einem einsamen Strand schlage ich mich an einer Stelle in Gestrüpp, was an ehesten nach einem Trampelpfad aussieht und gemäß GPS die Stelle sein könnte und ja, es ist der richtige Weg.

Um kurz vor fünf bin ich wieder am Minshuku und ja, jetzt kann und will ich duschen ?

Essen gibt es hier jeweils um Sechs Uhr. Sehr lecker. Es gibt hier kein WiFi.

Tag18: Iwatomoji – Ashizuri

Um vier Uhr war die Nacht zuende. Die rüstige Senioren Pilgergruppe gibt alles, vor allem Licht und Lautstärke, um rechtzeitig wach zu werden. Rechtzeitig wofür nur? Die Tempelzeremonie soll um sechs Uhr stattfinden, Frühstück gibt es erst danach…Anscheinend fragen sich die Damen und Herren nun ebenfalls nach dem Grund, genau vor meiner vierfach schallisolierten Papier Tür, und alle Versuche doch noch etwas Schlaf zu bekommen, sind vergeblich. Dabei war die kurze Nacht bereits sehr unruhig und alles andere als erholsam. Ich muss mich immer wieder daran erinnern, man sollte nur gut über andere reden. Diese stetige Erinnerung ist notwendig, denn ich erwische immer wieder fiese Gedanken, wie sich meiner bemächtigen wollen. Ich nehme sie zur Kenntnis, aber mache sie mir nicht zu eigen. Ich muss mich immer wieder bei dem thailändischen Dhamma und seinen weisen Worten bedanken – es ist nun schon Jahre her, aber mit einem in Gedanken gesprochenen „Shower your mind“ lässt sich der ohnehin sinnlose Ärger vertreiben. Manche der produzierten Geräusche haben etwas geradezu groteskes an sich. Ich frage mich: Werde ich so ähnlich sein, wenn ich alt und mürbe bin? Wird mir auffallen, dass es absurd ist, flüstern zu wollen, wenn man schwerhörig ist?Zur Zeremonie bringe ich meinen Henro Führer mit, in der frohen Erwartung, das Herzsutra mit aufzusagen zu können, doch daraus wird nichts, denn selbst wenn es sich beim Text, der in einer völlig anderen Tonlage als bisher gehört, um das Herzsutra handeln sollte, so erschließt es sich mir nicht – die Trommel Begleitung ist einfach zu laut. Und die verteilten Textblätter helfen mir auch nicht, da reines Japanisch. Aber schön war’s. Auf zum Frühstück.Heute geht es mit dem lokalen Zug (Ticket in Zug, also ein Bus auf Schienen) zur Nakamura Station und von dort mit dem Bus weiter nach Ashizuri. Dort am Kap, dem südlichsten Punkt von Shikoku befindet sich Tempel#38 Kongofukuji.Als ich bei Ankunft in Nakamura im Zug bezahlen will, verweigert sich mit der Schaffner. Fahrpreis 1090¥ Ich soll den 1000¥ Schein klein machen? Also ab in den Wechsler damit und her mit der Handvoll Münzen. Hmm, die darf ich jetzt auch nicht einwerfen, der Schaffner liegt eine Klappe über den Einwurf. Was denn nun… Es bildet sich eine Schlange von Fahrgästen, die aussteigen wollen… Der Schaffner drückt mir ein violettes Papier in die Hand, anscheinend war die Fahrt umsonst! Interessant. Als Belohnung gönne ich mir ein Eis aus dem Automaten.

Während des Aufenthalts in Nakamura bis der Bus kommt entdecke ich noch einen Sunny Mart. Shopping ist angesagt, hier gibt es auch kleine Müsli Packungen, also sichere ich mir diese alternative Verpflegung.Ein Müsli ohne Zuckerzusatz zu finden, das wäre dann wohl zuviel des Guten. Noch ein Reisdreieck und ein Blaubeer Joghurt und eine supergünstige J-Cola Zero und ich bin für den Tag bereit.Der Bus fährt lange, bin fast zwei Stunden für 50km und fährt durch wirklich jedes kleine Kaff auf der Strecke. Ziemlich exakt fährt der Bus auf der Pilgerstrecke, die ich morgen laufen will. Ich werde dann aber noch einen Abstecher über einen Küsten Wanderweg machen.Irgendwie fühlt es sich falsch an, am Tempel#38 anzukommen, ohne zuvor ein paar Stunden gelaufen zu sein. Ist irgendwie zu einfach.

Das Hotel ist schick, Zimmer mit Terrasse, es gibt ein großes Onsen und eine finnischen Sauna. Das Wasser der Thermalquelle könnte man fast als Mineralwasser trinken, kein Vergleich mit dem schwefligen Wasser von Sanyo So.

Tag17: Susaki-Iwamotoji

Nach dem leckeren Frühstück im Ippuku Ryokan erhalte ich handgeschnitzte Essstäbchen in Oregami verpackt als Präsent.Dafür kostet das Ryokan auch mehr als erwartet, weil der genannte Preis ohne Frühstück war. Zu Fuß geht es durch das Hafenareal zur Susaki Station. Hier wird viel Holz verarbeitet.

Einen Halt weiter in Tosa-Kure ist die Fahrt im Limited Express auch schon wieder zu Ende. Ab hier geht es per Pedes über den Osaka Henro Michi hoch zum Nanako Pass.

Ein wunderschöner Weg entlang einer Vielzahl von Kirschbäumen, auch wenn er auf dem letzten Kilometer die fast dreihundert Höhenmeter erklimmt. Kurz vor dem Aufstieg esse ich endlich die Grapefruit, die ich vorgestern als Ossetai erhielt, nachdem ich sie jetzt 50km mit mir herum getragen habe. Lecker und erfrischend.

Ansonsten wandert es sich hervorragend mit meiner flüssigen Illusion von Kalorien, doch kurz vor Shimanto, im Sunny Mart VCT, bei Niida verlangt mein Magen nach etwas mehr. Also kaufe ich einen Reisball in Form eines Dreiecks und ein paar Cocktail Tomaten. Kaum habe ich dies verspeist und marschiere weiter, werde ich von einem netten Herren, Toshiyuki abgefangen, ich möge doch bitte in seine Walking Henro Ossetai Station Hujiyuuan kommen, nur 180m entfernt. Dem kann ich mich nicht verschließen, so gibt es für mich ein Glas Wasser mit Minze, einen Reiskeks und ein paar Weizenkeime als Ossetai. Man bietet mir auch Zenkonyado bei einer Bekannten in Motoyi an, aber ich bin dort bereits mit einem Onsen-Hotel versorgt.

Tag16: Tosa-Susaki

Das gestrige Schwein lag die halbe Nacht zu schwer im Magen. Morgens um Sechs, vor dem Frühstück nochmals kurz ins Onsen. Es gibt zwei Becken Anlagen, je eine für Männlein und Weiblein, wobei täglich die Zuordnung getauscht wird. Das heutige Becken war viel gedeckter als gestern und es gibt auch keinen Zugang zum Garten, also linke Seite ist die bessere Seite bei Sanyo So.

Direkt zu Beginn gibt es einen steilen Aufstieg an Tempel 36 vorbei, hoch zum inneren Heiligtum.

Genau daneben befindet sich ein Stück Griechenland.

Dann folgte ich der Küstenstraße, bei allerbestem Wetter und Aussicht.

Um drei bin ich an Ippuku Ryokan und nach dem Einchecken drehe ich noch eine Runde durch den Ort. Finde dann auch den fünften der zwanzig Nebentempel, entweder Bengai oder auch Bekkaku genannt. Vom Versuch, über eine Tsunami Fluchttreppe abzukürzen, werde ich von einer Frau abgehalten und bis zu der nächsten Kreuzung begleitet.

Ich gehe die Stufen von B5 hoch und oben aus der Hauptfalle heraus bedeutet mir eine Frau, das das Stempel-Büro unten ist ich gehe wieder runter und folge einer Karte und im Stempel Büro geeign zeichnet dieselbe Frau in mein Nokyocho. Wie ist die nur so schnell herunter gekommen, gibt es hier einen geheimen Tunnel?

Dann gehe ich noch in einen Super billigen Supermarkt und organisiere mir etwas zu essen. Aus einem Lawson Convini nene ich noch ein paar Sushi dazu. Viel zuviel insgesamt.

Tag15: Haruno-Tosa

Zum Frühstück gibt es mein Müsli mit Joghurt. Eine Portion habe ich noch. Dann geht es zuerst mit den Bus (hält vor der Tür) in Richtung Tempel#35. Die letzten drei Kilometer darf ich auf eigenen Beinen zurücklegen. Ich habe den Rucksack neu gepackt und das Tragegestell anders eingestellt. Er sitzt aber noch nicht ideal, denn das ist das Problem mit Bauch- oder Hüftgurten: sie funktionieren nur mit wenig Bauch. Sonst rutscht das Ganze zwangsläufig immer zu tief und belastet dann zu sehr die Schultern.Aber das wird schon, ich bin zuversichtlich, dass sich der Bauch hier in Bewegungsenergie umwandelt. Zu Tempel#35 Kiyotakiji geht es steil hoch und zum Schluss Stufen. Dort oben mache ich eine Pause mit einer köstlichen Grapefruit, die für 50¥das Stück angeboten werden.

Dann kommt eine Buspilgergruppe mit zwei Priestern, einer überreicht mit eine Handvoll Bonbons als Ossetai. Es werden auch noch Tüten mit Riesengrapefruits im Format eines Kinderkopfes angeboten. Davon kauft ein alter Mann eine und überreicht mir eine als Ossetai. Das darf ich nicht ablehnen, aber habe nun das Problem, dass mindestens ein Kilo Zusatzgewicht im Rucksack steckt. Meine Marschverpflegung für morgen.

Habe ich eigentlich schon lobend meine Schuhe erwähnt? Ich glaube nicht. Die besten Wanderschuhe, die ich jemals hatte. Lowa Renegade III GTX. Jetzt schon Hunderte Kilometer damit gelaufen und noch keine einzige Blase. Gehen wir auf Einen, Stunden auf Asphalt und die Füße und Gelenke sind noch zu gebrauchen. KEINE Vibram Sohlen, bei denen der Name suggeriert, sie würden gut Erschütterungen abfangen, aber meine Erfahrung ist eher eine andere. Ich hoffe, ich laufe sie während dieser Reise nicht so sehr ab, dass ich sie nicht wieder neu bestohlen lassen kann. Waren ein Schnäppchen zum halben Preis auf einer Outdoor Messe in Leverkusen, wären aber auch den doppelten Preis wert gewesen.

Pilgerrastplatz mit Aussicht.

Zwischenstopp mit Reisball und alkoholfreiem Bier. Wie schaffen die es nur, dass es 0 Kalorien hat???

Am frühen Nachmittag erreiche ich das reservierte Sanyo So Hotel mit Onsen. Zum Einchecken ist es noch zu früh, man findet nicht wirklich meine Reservierung wieder, aber ich kann den Rucksack abstellen und zum nahe gelegenen Tempel#36 Shoryuji nur mit Pilger Equipment belastet aufbrechen. Es ist wunderbares Wetter und die Lichtverhältnisse beim Aufstieg über die vielen Stufen sind wunderbar. Ein sehr schöner Tempel.

Dann geht es ins Hotel. WiFi gibt es in Zimmer leider nicht, nur im Lobbybereich. Dafür ist der Onsen mit seiner heißen Quelle hier der Hammer. Das schweflig riechende Wasser ist 42,5°heiß und nach zehn Minuten draußen im Garten im Becken sitzen, bin ich tiefenentspannt und den Kreislaufkollaps nahe. Erstmal kalt abduschen, dann geht’s. Vielleicht morgen früh vor dem Frühstück nochmal für 5 Minuten… ?

Mein erstes Paar Socken hat Lochfraß. Und mit der in Osaka gekauften Atrix Handcreme musste ich auch Waden und Oberschenkel eincremen, da durch das viele Scheuern der Hose die Haut beginnt rissig zu werden. Zuviel Abhärtung muss es dann doch nicht sein. Ansonsten denke ich würde ich heute noch ein paar Kilometer schaffen… Rücken gut, Knie gut, alles gut. Gleich etwas hier in Restaurant essen.

Ich bin froh, nicht das Abendessen gebucht zu haben, sondern bestelle mir ein Schweineschnitzel mit Curry. Lecker. Dazu ein Kirin Alkoholfrei. Das Asahi vorhin hat mir besser geschmeckt.

Tag14: Kochi-Haruno

Erneut wurde ich an der Rezeption vorstellig, um die sehr netten Damen, um nochmalige Unterstützung bei meinen weiteren Reservierungen zu bitten. Gleich nach dem Frühstück.

Dieser Bitte wurde erfolgreich nachgekommen, doch statt dem schon belegten Shukubo in Tempel#38 werde ich dann dort am Kap Ashizuri am nächsten Samstag in der Nobelunterkunft mit Onsen übernachten.

In der Touristen Information lasse ich mir noch eine Reservierung durchführen, dann ging es zur Post. Camping Equipment ist jetzt auf den Heimweg. Ich habe für die weitere Reise nun für jede Nacht Unterkünfte gebucht und somit hat sich das Zelten erledigt. Der Preis für das Paket nach Deutschland per Schiff wird auf 4000¥ für bis zu 5kg aufgerundet, es wiegt ein paar Gramm über vier Kilo. Die Pappbox kostete 210¥.

Komisch, der Rucksack fühlt sich anschließend immer noch schwer an. an…

Über Burg Kochi und später mit dem Bus geht es zurück nach T33. Das Kartenlesegerät im Bus funktioniert leider nicht mit meiner Icoca Karte, obwohl IC dran steht… Anderes System.

Zum Schluss geht es dann noch zum Hotel im Haruno Sportpark-welcome to the Eighties, aber ist sauber und reicht für eine Nacht und Selbstverpflegung. Abend noch Mal zurück zum Family Mart, um das Abendessen aufzustocken. Ich kann über Buchungsportale meine letzten Übernachtungslücken füllen. In einer Kombination aus Laufen und Bus sollte der Plan relativ komfortabel durchführbar sein. Das Problem sind die zu langen Distanzen mit wenig Unterkunftsmöglichkeiten unterwegs. Einfach irgendwo auftauchen geht ja auch nicht, weil hierzulande äußerst verpönt und ohne Garantie auf Platz. Viele Japaner haben ihre Herbergen a fur die ganze Pilgerreise fest vorgebucht, aber laufen dann auch mal ihre vierzig Kilometer, ja rennen geradezu. Mit fehlen dazu die Voraussetzungen.

Hier im Hotel gibt es erstmals eine Toilette ohne beheizten Sitz.(oder er ist defekt) Dafür gurgelt sie zur Begrüßung erst einmal laut, wenn man sich auf die setzt. Klobürsten sucht man hierzulande vergeblich, man schreibt die Theorie zu vertreten, die Toiletten könnten sich selbst von allem reinigen, was aber definitiv nicht stimmt 🙂

Im letzten Hotel bootete die Toilette jedesmal neu, wenn man die Schlüsselkarte einsteckte – im Umkehrschluss bedeutet dies: Kein Strom, keine Spülung.

Ich konnte endlich einmal eine Reispflanzmaschine bei der Arbeit beobachten: Reisteppich kommt oben rein und einzelne Pflanzen unten raus. Kurz darauf hält ein Auto und der Fahrer überreicht mir eine kleine Dose Grüntee als Ossetai.

Tag13: Kochi

Es ist verrückt mit dem Zugriff aufs Blog aus Japan. Per IP-Adresse darf immer nur eine maximale Anzahl von Daten abgeschickt werden, dann wird geblockt. Über VPN konnte ich einzeln noch die Bilder hochladen, aber ist jetzt auch geblockt. Nur die Allumfassenden Datenschleudern Google oder Facebook, die werden nie geblockt. Netzneutralität? Pah! Wie sieht die Zukunft aus, wenn man nur noch den globalen Einheitsbrei der ganz großen Anbieter empfangen kann? Genau so, wie diese Konzerne sie sich vorstellen. Aber muss man da mitmachen? Ich denke nein. Habe gerade herausgefunden, dass ich die Fritz Box daheim neu verbinden lassen kann und mit der frischen IP kann ich wieder ein paar Bilder hochladen. Komplizierter geht es kaum noch… Aber damit dürfte die Ursache für das Blocking bei meinem Hosting Provider liegen…

Ich bin heute von Tempel#31 bis Tempel#33 gelaufen, mit leichtem Gepäck. Mittags, bei einer Puffreise-Pause steigerten sich die Rückenprobleme bei einer Linksdrehung in einen stehenden Schmerz, dann noch etwas hin und her drehen und es renkte sich anscheinend wieder ein. Seitdem geht es wieder besser. Habe aber dennoch eine Planänderung beschlossen; ich werde morgen Zeit und Schlafsack, Pulli und Clogs in ein Paket nach Hause packen, um Gewicht in Rucksack zu sparen. Dann bin ich zwar nicht mehr flexibel bei der Übernachtung und kann nicht draußen schlafen, aber dann muss ich eben die noch fehlenden neun Nächte ein Hotel oder Ähnliches finden. Und dabei werde ich auch Bus und Bahn nutzen. Ich bin da zuversichtlich, denn bisher haben alle Reservierungen funktioniert, entweder habe ich Glück, oder ich bin froh genug dran, oder es ist gut noch nicht so voll wie befürchtet. Was nützt es mir denn, wirklich die ganze Strecke nur zu Fuß zurückzulegen, und dabei den Rücken zu ruinieren oder permanent über mögliche Unterkünfte nachdenken zu müssen?Andere mögen gerne auf Parkbänken oder in Toilettenhäuschen übernachten, aber für mich ist das nichts. Da fahre ich lieber mit dem Bus in eine richtige Unterkunft.

Nach der Fähre zu Tempel#33 hab es kein entkommen vor einen Ossetai, obwohl es bereits halb fünf war und noch ein Stück Weg bis dorthin war. Sehr nett die Leute.

Tag12: Tano-Kochi

Die Nacht war zu kurz, da in der Unterkunft alles so hellhörig war. Problematischer für mich war jedoch, dass ich mir beim Abendessen (auf dem Boden) scheinbar den Rücken verrenkt habe, je nach Bewegung eine sehr schmerzhafte Angelegenheit. 07:41 Fahrt der Zug Richtung Kochi. Drei Deutsche Frauen, ebenfalls aus Köln, sind schon unterwegs nach Kyoto. Manchmal wird die Welt erstaunlich klein, wenn man die selben Gesichter immer wieder am anderen Ende der Welt sieht und dann feststellen muss, dass man beinahe Nachbar ist, und sich dennoch nicht kennt. Aber zu Fuß wird die Welt ganz schnell wieder ganz groß, und man entkommt sich nicht so schnell… Zwei Stationen weiter, Tobohama, am Abstieg von Tempel#27 steigen weitere bekannte Gesichter in den Zug, aus Israel und ein Trio aus Kalifornien, welches ebenfalls im Tempel 24 Shukubo übernachtete. Ich habe sie direkt am Ausstieg in Noichi aus den Augen verloren und den ganzen Tag nicht mehr gesehen. Es geht nach Tempel#28 Dainichiji.

Schlecht zu sehen, aber da steht eine typisch europäische Burg auf dem Berg.

Wir man sieht, ist es ein wunderbar sonniger Tag, dabei jedoch recht kühl, mit einer frischen Brise. Letzte Nacht hat es nochmal kräftig geregnet und so ist stets das Gluckern und Plätschern oder Rauschen von Wasser in Kanälen zu hören und mein Wegbegleiter, wie auch der Frühling. Es geht weiter zu Tempel#29 Kokubunji.

Hier esse ich dann auch einen Reisball, den es in der Unterkunft gab, Mein Rücken ist noch auszuhalten, aber irgendwie scheint die Füllung im Rucksack verrutscht, und erwill irgendwie nirgends recht halten.Es führt der weitere Weg mitten durch Reisfelder, fast als ob man über Wasser wandeln würde. Überall werden die Felder gerade vorbereitet oder sind schon frisch bepflanzt. Wasser, Wasser, Wasser, durch das ausgeklügelte System von Bewässerung und Entwässerung zu laufen ist interessant.

Vor Tempel#30 Zenrakuji liegt genau gegenüber der Tosa Schrein Tosa Jinja, eine faszinierende Anlage. Ich komme mit fast fehl am Platze vor, in meinem Pilgerdress interessiert die gesamte Anlage zu erkunden.

Gegenüber liegt mein eigentliches Ziel: T30

Unterwegs erhielt zweimal Ossetai, Eine Mandarine mit einem salzigen Keks und Schokonüsse und man wollte sich gerne mit mir auf Englisch unterhalten und fotografiert werden. Dank meines Osamefuda mit E-Mail und Facebook erreichte mich bereits an der Bahnstation das entstandene Bild:

Bis zur Bahnstation geht es noch mit dem Rücken, 23km mit Rucksack sind geschafft, aber dann im Zug, beim Aufstehen verrenke ich mir den Rücken erneut und es wird richtig schwer noch die 500m ins Hotel zu schaffen. Es gibt ein großes Fest in der Stadt, doch ich brauche dringend eine heiße Dusche und etwas hinlegen wegen der starken Rückenschmerzen bei jeder falschen Bewegung. Und es scheint jede falsch zu sein. Teil des asketischen Trainings. Das Comfort Hotel ist brandneu und ein starker Kontrast zur Heimunterkunft von gestern

Nach einer Ruhepause geht es noch durch die Stadt zur Burg.

Leider hat die WordPress App viele Fehler und Probleme, wenn viele Bilder im Text sind, alles gelöscht und ich hatte keine Lust alles noch einmal zu schreiben. Deshalb nur die Bilder.

Tag11: Moto-Tano

Der Tag beginnt mit einer Zeremonie. Vielleicht könnte ich das Herz Sutra ebenfalls auswendig, wenn ich wie einer der Japaner bereits bei meinem 39. Ohenro wäre. Die Aussprache ist allerdings anders, als ich beim Lesen der Silben in meinen Guidebook vermutet hätte. Dann gibt es noch eine längere Rede des Abtes über Kukai, von der ich allerdings mangels Japanisch Kenntnisse nichts verstehe. Im Anschluss gibt es ein wunderbares Frühstück

Ich wanderte dann hinab zur Busstation und fuhr mit dem Bus bis Nahari Station für 960¥ und von dort wurde zu Fuß 1,4km bis zum Minshuku Misono, welches anscheinend bei henrohouse Webseite gelistet ist. Sehr netter Empfang, ich lasse meinen Rucksack dort stehen und werde sogar im Auto mitgenommen nach Tonohama, wo der Aufstieg nach Tempel#27 Konomineji beginnt. Letztlich läuft man eine steile schaffe Straße hoch, auch bei Feuchtigkeit gut zu bewältigen.

Der Tempel ist echt nett, wird aber durch den weiter oben über viele Stufen erreichbaren Konomine Schrein übertroffen. Dort gibt es auch 900 Jahre alte Bäume.

Ich gehe dann den ganzen Weg zurück, in zum Teil strömendem Regen, an der viel befahrenen Straße entlang. In Summe heute 20km, aber nur zwei mit schweren Rucksack.

Eine der vielen Tsunami Türme.

Hier in Tano stolpere ich zufällig über einen wunderbaren Schrein, Daishido Hachimangu. Umgeben von duftenden Lorbeerbäumen, eine herrliche Atmosphäre.

Dann noch ein Shopping Abenteuer in Sachen Selbstmedikation, falls sich da Knie doch wieder bemerkbar machen sollte. Wie findet man nur das Richtige?

Abends fülle ich noch Buchungslücken, wenn alles klappt, werde ich ab Kuma Kogen, Tempel#44 ohne Zeit, Schlafsack und Isomatte unterwegs sein, mich also erleichtern. Habe auch noch ein paar Übernachtungstipps bekommen, für die ich eventuell meine Planung anpasse, aber bis dahin ist noch einige Zeit.

Abendessen ist hier very special Hausmannskost.

Mehr Infos und Bilder gibt es, wenn ich wieder WiFi habe, also morgen Abend in Kochi Stadt.

Tag10: Muroto-Katayama

Nach einem hervorragenden Frühstück geht es um 7:30 los nach Tempel#25.

Unterwegs betrachte ich mir fasziniert ein Beispiel von Digitalisierung an, und zwar erfolgt die Gasversorgung der Häuser nicht über eine festgelegte Gasleitung, sondern über je zwei Einzelflaschen, die über einen Umschalter und und einen digitalen Volumenzähler angeschlossen sind. Gasleitungen in der Erde sind in einem Erdbebengebiet ja auch eine sehr gefährliche Angelegenheit, weil die Feuer nach einem Beben oft noch zerstörerischer sind. Ich frage mich, ob die Zähler den Verbrauch und leere Flaschen automatisch per Mobilfunk melden, gas on demand, oder ob doch noch jemand regelmäßig nach Schema F kontrollieren und Flaschen wechseln kommt.

Interessant ist hier, dass es Hinweisschilder auf Englisch gibt, den Tempel nicht zwischen 17:00 und 07:00 zu betreten. An einem Torbogen weiter oben steht „DO not sleep here“ Deutliche Anzeichen, dass man hier keine Probleme mehr mit Henro-Hobos haben möchte. Über viele Stufen geht es hinauf zur Haupthalle, selbst Menschen, für kaum laufen können, nehmen die Last des Auf-und vor allem Abstiegs in Kauf.Anschließend geht es weiter nach Tempel#26.

Der Aufstieg dort hin hat es in sich. Schnaufend oben am Tempeltor angekommen, werde ich von einigen älteren Damen freundlich dazu aufgefordert, doch eine Pause zu machen. Man bietet mir auch einen Tee an. In einer Schale liegt goldenes Osamefuda, was bedeutet, dass jemand bereits 100mal die Shikoku Runde gemacht hat. Wir versuchen ein wenig per Google Übersetzer App zu kommunizieren, was teils funktioniert, aber zu 50% totalen Nonsens ergibt. Ich lasse den Damen eines meiner selbst gedruckten Osamefuda da, dann können sie, falls sie wollen später online ins Blog dieses schnaufenden Deutschen lesen.

Gestern habe ich übrigens durch guggeln herausgefunden, was es mit der Coca Cola Plus auf sich hat, die ich hier die ganze Zeit trinke, sofern ich sie in den Verkaufsautomaten finde. Hat hier in Japan eine Auszeichnung für gesundheitsförderndes Lebensmittel erhalten, enthält fünf Gramm Dextrin, welches ein Ballaststoff sein soll, der die Fettaufnahme des Körpers reduziert. Also zum Abnehmen geeignet, genau das will ich ja. Ob dies aber auch hilft, wenn man kaum Fett zu sich nimmt? Übrigens nur für Leute über Vierzig empfohlen.Ich übernachte heute wieder in einem Shukubo, diesmal im zu Tempel#26 gehörigen. Zimmer mit Meerblick.

Nachdem ich meinen Rucksack dort abgestellt habe, denn zum Check in ist es noch zu früh, gehe ich mit leichtem Gepäck in Richtung Tempel#27 los. Ich will wenigstens die antike Straße von Kiragawa sehen, denn morgen nehme ich den Bus nach Nahari zur Unterkunft, um dann mit Zug zum Aufstieg nach Tempel#27 zu fahren.Es geht wieder bergab, erst durch Felder, dann auf einem rutschigen Pfad. Ich habe mir mehr davon vorgestellt-es gibt zwar ein paar alte Häuser, aber die Autos und vor allem die bunten Verkaufsautomaten lassen keinen guten Gesamteindruck enstehen.

Ich gehe noch etwas weiter, bis Katayama. An einer Brücke gibt es eine Baustelle und gleich vier Arbeiter begrüßen mich nur Verbeugung und sperren für mich die verkehrsfreie Straße mit ihren Flaggen ab. Arigato gozeimas!Ich mache eine Orientierungspause in einem Pavillon, da entdeckte ich schwarzen Rauch im Ort. Der entwickelt sich zu einer sehr großen Rauchsäule, ein Gartenfeuer kann das nicht sein, es brennt! In einem Ort mit vielen Holzhäusern nicht gut. Es gibt Verpuffungen, ich hoffe, es konnten sich alle Betroffenen in Sicherheit bringen.Es dauert Minuten, bis eine Alarmsirene im Ort ertönt, nochmals weitere Minuten, bis die ersten winzigen Feuerwehrautos kommen. Auch Japan hat ein Problem mit Gaffern: ein Auto halt mitten auf der Landstraße an, um auszusteigen und bei laufendem Motor minutenlang debattierend den Rauch anzustarren. Die Feuerwehr hat wohl Probleme den Brand zu erreichen, kein Wunder, die Zufahrtswege sind hierzulande teilweise extrem schmal. Das jemand aber die immer zahlreicher eintreffenden (auch größeren) Feuerwehrwagen einweisen würde, geschieht aber auch nicht.

Ich stelle fest: auch was Notfallhilfe angeht ist hier tiefste Provinz und kann dauern…Großer Eklat beim Abendessen!

Das wahrlich vorzügliche Essen ist aufgetischt, Sashimi bis zum Abwinken, Thunfischsteak, Permura, eine Art Paella, und und und… Es wird gegessen. Es sind acht Gäste im Shukubo, sechs Japaner, eine andere Asiatin und ein Deutscher. Vier Japaner trinken Bier(große Flasche Asahi), einer dazu Sake, einer bestellt sich noch eine zweite Flasche und als der Sake Bier Japaner noch mehr bestellen weil, Platz den Abt aus dem Off förmlich der Kragen. Eine sehr lautstarke Tirade ergießt sich über die Anwesenden, einer der Japaner macht stellvertretend den Kotau. Ich verstehe kein Wort, aber ein buddhistisches „Habt Euch alle lieb“ hört sich anders an. Puh, Glück gehabt, dass ich Gaijin bei Grüntee geblieben bin, obwohl das Bier lecker aussah… Und ich gerade schwach werden wollte… Ich hatte mich gestern schon bei Tempel#24 im Shukubo gewundert, dass es Bier zum Essen gab, ja sogar einen Bier Getränkeautomaten auf der Etage gab. Hier macht der Abt allerdings deutlich, dass die Anwesenden sich schämen sollten, so den Alkohol zu frönen. Diese Belehrung geht fast zehn Minuten lang- ob sie Anklang fand? Ich bezweifle es. Beim Gang auf die Zimmer frotzeln zumindest einige und zeigen auf den Kühlschrank an der Rezeption mit Bierdosen.Morgen früh soll es um sechs Uhr eine Zeremonie stattfinden, ich bin gespannt.Bei den Badegewohnheiten ist mir heute zum zweiten Male jemand aufgefallen, der sich nicht vor betreten der Badewanne gründlich gereinigt, sondern nur kurz mit ein zwei Schüsseln Badewasser übergossen hat. (Der Zweibierflaschenjapaner)
Daran sieht man, dass es auch unter Japanern schwarze Schafe gibt.Mehr Bilder des Tages gibt es, wenn ich wieder WiFi habe.