Sayonara Japan

Nagoya, Japan

Gestärkt durch ein Wasabi-Soya-Frischgemüsebaguette geht es im Hiraki Shinkansen nach Nagoya. Vorbei am Fujiyama, auf den ich ein paar Minuten lang freien Blick habe.
Das gebuchte Ryokan ist mit allem Komfort ausgestattet, hier werde ich meine letzten beiden Nächte auf japanischen Boden vermutlich gut verbringen. Die Burg von Nagoya brannte im Zweiten Weltkrieg nieder, man hat sie 1959 wieder aufgebaut, so mit schickem Betonkern und auch den praktischen Aufzug dabei nicht vergessen. Ist ja auch viel bequemer, bei knappen Dreißig Grad hochzufahren und herunterzulaufen…
Später fiel es dann wohl jemandem ein, dass es Rollstuhlfahrer nicht durch den kleineren Donjon in den großen Donjon schaffen und hat einen weiteren Betonaufzug von außen drangeflanscht – zum Glück kann man das häßliche Ding auf Bildern hinter einem Baum verstecken. Dabei hätte es eine Auffahrrampe über die Treppenstufen durchaus getan…
Im Innenhof errichtet man derzeit (bis etwa zum Jahre 2018) den ehemaligen Hammuru Palast (ebenfalls mit im Krieg abgebrannt), aber auf traditionelle Weise, mit Nut und Zapfen, man kann den Handwerkern zum Teil bei der Holzbearbeitung zuschauen. Wie in der Burg von Kumamoto.
Ich musste bei solcher Wiedererweckung der Vergangenheit an das geplante Berliner Stadtschloß denken, was immerhin derzeit aus Kostengründen auf Eis gelegt wurde. Ob die Konstruktion hier komplett durch Spenden finanziert wird, kann ich den Kanjitafeln nicht entnehmen, aber ich bezweifele es, denn auch Japan ist bekannt dafür, dass es über seine Verhältnisse lebt.
Auch Obdachlose gibt es eine Menge zu sehen, sie werden nur ziemlich geschickt abgedrängt zu Plätzen, wo sie nicht so auffallen, den optischen Gesamteindruck stören, schlecht fürs Feng Shui sind. Wovon die leben?? Vom Leergut sammeln jedenfalls nicht, denn das ist hierzulande nichts wert, fleißig wird jede Einwegflasche noch in ein zwei zusätzliche Plastiktüten verpackt und wieviel Strom die unzähligen gekühlten Verkaufsautomaten in der prallen Sonne verbrauchen, darüber denke man mit ökologischem Bewusstsein lieber nicht nach. Die Bildersymbolik erschließt sich mir auch nach Monaten in Asien nicht, aber ich glaube die Japaner sind da noch etwas spezifischer als die Länder drumherum: Ich kann ja noch nachvollziehen, dass Michael Jackson posthum mit einer Horde drolliger Comicaffen beworben wird, denn die sehen nett aus, und die Nasenform passt, aber weshalb auf mancher Straßenbeschilderung ein Auto durchgestrichen wird und ein stattdessen ein Fisch empfohlen wird??? Esst mehr Sushi? Schwimmt? Sei kein Fisch, oder doch? Leider ist das Foto eines Headbangers mit einer Zipfelmütze misslungen, er war zu schnell im Schatten mit seinem alternativen Hoolahoop Ring. Sah komisch aus, ich glaube ich würde nach Dreißig Sekunden kot.en:-)
細かく刻ん ;だ午
後は私の目 ;の前に溶Ӕ 9;る (Komakaku kizan da gogo wa watashi no me
no mae ni tokeru)(Frei nach guter asiatischer Tradition, irgendwo zu sitzen, den Augenblick zu durchdringen und der Nachwelt ein paar Zeichen, fein kalligraphiert zu hinterlassen, wurde ich lyrisch und habe mit nur mäßigem Erfolg meine Vorstellung in die moderne Übersetzungsmaschinerie eintrichtern können.) Der fein zerhackte Nachmittag zerfließt vor meinen Augen. Und nicht nur der Himmel, die Zeit verrinnt – auch das Geld. Da glaubst du einen kurzen Augenblick, du hättest zuviel Geld aus dem Automaten geholt und könntest es nicht mehr alles ausgeben und dann stutzt du beim Bezahlen und stellst fest, dass du stattdessen zuwenig Geld hast und auf der Strecke zu bleiben drohst, denn der Weg zum Flughafen ist weit und nicht umsonst.
Also erneut an den Automaten, ein kleines Häppchen Liquidität noch einmal, reichlich für den Tag und ein einfaches Abendmahl, so denkst du, und dann kommt die Metro und der Regen, der endlose Regen, der es dir nicht erlaubt zu Fuß und ohne den tollen großen Regenschirm quer durch die Stadt vom Schrein zurückzulaufen, also nochmals Metro, und dann noch einer dieser Convenience Stores, die es überall und ausschließlich gibt und dort noch einen Nachmittagssnack und Gerstenbrause und einen Joghurt für den frühen aufbruch morgen geholt, und wieder ist es vorbei mit der Liquidität. Trocken gelegt, ganz im Widerspruch zur Außenwelt. Für ein Coco-Abendcurry wird es noch reichen, und mehr muss auch nicht, aber Bargeld kann man in Japan NIE genug haben. Aber so ein Nachmittag mit geballtem Nichtstun, nur etwas Lesen, Tee, Kaffee, vielleicht noch ein bisschen Gepäckkontrolle für den finalen Flug, mit Blick auf den Garten, wie er schön im Regen glänzt – so ein Nachmittag der hat auch etwas für sich. Tiefsinnige Reflektion darüber, was diese Reise nun für mein Leben bedeutet, wie sich mein Horizont erweitert hat, ob es eine Zeit des Müßiggangs war, ob es sich gelohnt hat – das alles kommt mir nicht in den Sinn. Vielleicht später, vielleicht nie.
Zu bereuen gibt es jedenfalls nichts. Reisen zu können, ohne zu müssen, einfach so vorbeischauen, verweilen oder auch weiterziehen zu können, Tag um Tag, Woche um Woche und sich dabei nie fragen zu müssen, wie man nur die nächste Zeit überstehen kann, ist Freiheit, ist Luxus. Unglaublicher Luxus. Wie gut, wenn man nicht Luxussüchtig ist, und sich hoffentlich nicht zu sehr daran gewöhnt hat.

Toki-Ohh

Tokyo, Japan

Laut Nachrichten hat es bei meiner Ankunft in Tokio gebebt – ein gutes, oder ein schlechtes Zeichen? Ich habe im Zug jedoch nichts davon mitbekommen und alle Menschen verhielten sich nicht ungewöhnlicher, als es die Menschen in Japan tun.
Was mir jedoch sofort auffiel, war die Vielzahl ungewohnt schriller Gestalten. Ich hielt dies für ein besonderes Kennzeichen von den ganz großen Städten, aber nach ein wenig Onlinerecherche komme ich mehr zur Überzeugung, dass ein nahe gelegenes Schwulenviertel die Ursache dafür ist.
(Dies erklärt mir im Nachhinein die äußerst seltsamen Blicke, die mir ein Asiate zuwarf, als ich anscheinend inmitten einer Cruising Area herumstand und mein GPS nach der korrekten Richtung zum Hotel befragte 🙂 Tagsüber ist vom seltsamen Treiben nichts erkennbar, vor allem wenn man kein Kanji lesen kann. Und selbst am Abend finden sich fast ausschließlich geschlossene Türen – bis auf die unzähligen Sexshops, die sich bei Tage hinter Rolläden versteckten. Wenige lesbare Webadressen verweisen auf Escortdienste.)
So ist es hier in Japan – man ignoriert „das Problem“ und beschäftigt sich ausgiebig damit hinter verschlossenen Türen 🙂 Mein Hotelzimmer hier in Tokyo ist etwas eigenartig – ich habe ein Schaltpanel am Bett, mit sage und schreibe 28 Tasten für Licht und Luft, im Bad ein Jacuzzi oder Jetbath (was ich noch feststellen muss), aber keinen Handtuchhalter. Und es brummt permanent etwas. Unter anderem Moskitos, die mir heute früh ein Riesenhorn auf der Strin verpasst haben, aber wenigstens habe ich einen der Blutsauger nach seinem Frevel erwischt. Ein erster Streifzug durch die Stadt vor dem Checkin führte mich durch einen recht großen Park, der nur 100m entfernt ist. Verschiedene Gartenstile waren dort gegen Eintritt zu durchwandern. Nett.
Anschließend quetschte ich mich durch eine Shoppingzone in ein Curryrestaurant.
Ich war zuerst etwas angenervt von zuvielen übertakelten Shoppingdrohnen, ferngesteuert auf der Suche nach dem Luxusschnäppchen, die in Rücksichtsloser Manier durch die Straßen zischten, aber in den Seitenstraßen gewannen „normalere“ Menschen die Oberhand. Wie ich mittlerweile festgestellt habe, lässt sich fast die gesamte Strecke zur Shinjuku Station auch unterirdisch zurücklegen, das halbe Viertel scheint unterhöhlt zu sein. Laut dem Wetterbericht sollte es gestern leicht regnen (hat es auch den ganzen Tag, und nicht nur leicht) und ab heute sollte Starkregen und Gewitter einsetzen. Also kaufte ich mir im nächstgelegenen Convenience Store den größten verfügbaren Regenschirm, denn so ein Knirps kommt gegen Taifun-Wassermassen nicht an. Heute morgen sieht die Welt jedoch wieder anders aus, es scheint die Sonne und das Gewitter ist aus den Vorhersagen verschwunden. Ich stelle wieder einmal fest, dass in Japan der Wetterbericht eine Halbwertszeit von zwei Mahlzeiten hat.
Nehme ich meinen Siebzig Zentimeter Schirm nun mit, oder nicht? Aus Ermangelung von Schaumbad (trotz Zwölf Flaschen mit Ingerdienzen von Haarwasser über Moisturizer, Lotion, Facecleanser…) verwendete ich ein wenig Bodysoap und Shampoo für meinen Wannentest. Unglaublich, wieviel Schaum so ein Jacuzzi aus so wenig Seife erzeugen kann! Bei 30cm Schaumstand im Bad stellte ich die Turbinen ab und betätigte mich als Schaumschläger 😉 Es gibt hierzulande interessante Dressings zu den ansonsten global einheitlichen Sandwiches – neben lemon creamy und basilikum mayonaise gibt es meinen Favoriten wasabi soja.
Es muss ja nicht immer Reis oder Nudeln sein.. Gegenüber des Hotels gibt es auch ein Thairestaurant Hotpepper1, dass ein hervorragendes rotes Curry anbietet. Wettermäßig hatte ich heute bei meinen Streifzügen durch die Stadt (Per pedes von Tokyo Dome über Ueno nach Asakusa) wieder Glück – anfänglich tropisch schwül, blieb es trocken und warm. Morgen geht es dann für mich mit einer älteren Sorte Shinkansen nach Nagoya. Endspurt…

Theoretisch in den japanischen Alpen

Matsumoto, Japan

Am Bahnhof von Kyoto trennten sich die Wege, am Bahnhof von Matsumoto traf ich eine Krankenschwester und Karateka aus Süddeutschland. Sie war drei Wochen in Japan unterwegs; nach Matsumoto führte sie ein Tagesausflug zur Burg. Wir kamen ins Gespräch, auch ich wollte die Burg besichtigen, obgleich ich in meinem Reiseführer gelesen hatte, dass nur noch die Mauern vorhanden wären. Wie sich wieder einmal herausstellte, steht in Reiseführern viel Blödsinn und ich tendiere zu der Behauptung, sich nach ihnen zu richten ist Irreführung. Mein Hotel lag auf dem Weg zur Burg. Ein kurzer Zwischenstop dort zum Gepäckabwurf an der Rezeption und wir besichtigten die Matsumotoburg.
Diese ist nicht allzu groß, aber laut Eigenbeschreibung die älteste Burg Japans mit im Original erhaltenen Turm. Dass die letzten Jahrhunderte kein Feuer die Gebäude hinwegraffte, könnte wirklich am Schrein im Turm liegen, denn laut Legende versprach eine Göttin die Burg vor allem Unbill zu bewahren, würde man ihr dort mit einer Unterkunft und 600 Kilo Reis huldigen. Ich glaube, den Reis hat man mittlerweile entfernt. Wir unterhielten uns über das Alleinreisen, über neidische Kollegen, die sich wunderten, wie man es sich nur leisten könne zu reisen, und dass Alleinreisen doch unvorstellbar, ja das Allerletzte wäre…
Pustekuchen. Alles Pustekuchen, da waren wir uns einig.
Was führt jemanden nach Matsumoto? Eine Idee, ein Plan – da muss ich hin!? Oder einfach ein Blick auf die Landkarte, zack Mittendrin, Berge, mal schauen wie es dort ist, eine Burg auch nicht schlecht? Vielleicht von allem etwas.
Eine Zugfahrt durch die Berge ist etwas Herrliches, man schaut aus dem Fenster, in die Landschaft, der Blick gleitet über Bäume und Bergkuppen und die Gedanken schweifen. Auch in diesem Moment, als ich dies tippe sitze ich in der Bahn, auf der Weiterreise nach Tokyo.
Immer noch denke ich daran, wie sich Gefühle, mit Worten angemessen ausdrücken lassen. Ein einfaches Gefühl sollte doch mit einfachen Worten darzustellen sein, könnte man meinen, doch bin ich mir da nicht sicher. Vielleicht wenn man sich auf ein Erlebnis des Lesers beziehen kann, ala: „Wie in dem Moment, als Du Deine Tochter das erste Mal in Armen hieltst…“
Doch wer genau ist der Leser, die Leserin? Und sind sie alle gleich? Wenn jemand Alleinreisen als doof, langweilig oder gar mies erlebt hat, dann führt bei dieser Person jeder Bezug aufs Alleinreisen unweigerlich zu einem negativen Eindruck. Dabei gibt es genauso wenig DAS Alleinreisen, wie es DAS Leben gibt – für jeden Menschen, für jede Reise, ja für jede Etappe einer Reise kann es unterschiedlich sein. Natürlich gibt es ebenfalls die berühmten Höhen und Tiefen.
Um Abgründe zu vermeiden, in die man böse fallen kann, informiert man sich und plant oder organisiert. Planung mag für manchen Reisenden, den ich unterwegs traf ein Greuel sein. Da muss alles „authentisch planlos“ sein, vorgeblich schaut man erst vor Ort, wo und wie man unterkommt. Das kann auch schon mal in die Hose gehen, wenn der Flughafen nachts schließt und auch der 24h Burgerbräter nicht mag, dass seine Gäste in seinen Räumlichkeiten schlafen… Ist dann immerhin auch eine Erfahrung und so gibt es halt verschiedene Vorstellungen vom Reisen. Wichtig erscheint mir nur, dass man auf eine Art reist, die den eigenen Bedürfnissen entspricht. Und wenn man keine Ahnung hat, ob man mit etwas klarkommt – sei es Essen, die sanitären Anlagen oder die Schlafunterlage – ausprobieren!
Ein Reiseplan ist ein Hilfsmittel, kein Muss. Abweichungen davon sollten erlaubt sein, es macht keinen Sinn mit Gewalt passend zu machen, was nicht passend zu machen ist.
Interessanterweise kam mir bei Planung, verbunden mit dem Vorwurf des Strebens nach Sicherheit, der Bezug zur Meditation in den Sinn. Ich erinnerte mich an den Dhammatalk, als es hieß, Meditieren, sich Zurücknehmen, wäre wie ein Haus zu bauen, in das man sich zurückziehen könne, zum Schutz vor Wind, Regen und Eis. Ist man mental in der Lage, jede unbequeme, ungastliche Situation auf die man während einer Reise geraten könnte, unter Erhalt der inneren Zufriedenheit zu etragen und zu betrachten, so kommt man ohne Planung aus, kann sich treiben lassen. Aber hat ein dermaßen befähigter Mensch überhaupt noch den Antrieb zu reisen, und warum sollte er sich ohne Not in Unbill begeben?
„Wer sich in Gefahr begibt, der kommt darin um“, hat einmal ein schlauer Mensch gesagt.
Man kann also einen Reiseplan, als eine Unterkunft betrachten, auf die man sich zurückziehen kann und nicht als Gefängnis, aus dem man nicht ausbrechen darf. Manchmal braucht man auch einen Plan, um das Vorhaben genehmigt zu bekommen.
Ist alles sehr theoretisch und zeigt mir wieder einmal, dass sich selbst mit vielen Worten kaum jemand anderem beschreiben lässt, wie sich etwas anfühlt, wenn derjenige nicht Ähnliches erlebt hat, oder abweichende Wertvorstellungen hat.
In Matsumoto war es der Fall, dass wir einander verstanden und von Anbeginn gut miteinander kommunizierten. Generell ist Kommunikation auf dieser Reise ein zentrales Thema für mich, auch weil ich etliche Wochen mit dem Erlernen des Handwerkszeugs – einer fremden Sprache – verbracht habe. Man kann mit vielen Worten kommunizieren, es kann die gleiche Sprache sein, es können die absolut richtigen Worte sein und doch versteht man sich nicht. Zum Teil ist es einfacher, versteht man sich besser, wenn man keine gemeinsame Sprache hat und Kommunikation sich auf das reduziert, was man gemeinsam hat, das Menschsein, die Menschlichkeit. Die Erwartungshaltung reduziert sich, wenn man nicht per se davon ausgehen kann, der Andere würde einen schon verstehen. (Davon kann man nie ausgehen, aber die eigene Bequemlichkeit verleitet gerne zu der Annahme)
Ach ach ach, ich erlebe Allgemeinplätze der Kommunikationstheorie, erlebe wie Missverständnisse zu schmollendem Schweigen führen und Gelegenheiten unwiederbringlich verloren gehen. Eine Nachfrage, ein Rückkanal hätte ausgereicht, um die Situation beizeiten zu klären, doch der Achso-Effekt stellte sich zu spät ein…
Wie ich dies schreibe, kommt mir eine frühere Bekannte, eine Grundschullehrerin, in den Sinn, die mir meine Naivität vorhalten würde, und mit einem schier unglaublichen Repertoire an Kommunikationstheoretischen Termen die Realität erklären würde. Und bei dieser Erklärung spektakulär scheitern würde, weil ihre Erklärung unverständlich ist, und eine aus ihrem Blickwinkel perfekte Beschreibung aus einer anderen Perspektive in der Realität anders aussieht und fehlerhaft wird. So in der Art, ein Leben in 3D auf eine Oberfläche zu projizieren.
Kurz zusammengefasst: so eine Reise, insbesondere als Alleinreisender, der selbst organisieren und „sich kümmern“ muss, ist sinnvoller und lehrreicher als Zwanzig Kommunikationsseminare, in denen es dann heisst: „nun nehmt Euch an den Händen und lasst Euch fallen…“
Ich will zu guter Letzt auch die Möglichkeit erwähnen, dass es manchmal besser sein kann, NICHT miteinander zu kommunizieren. Mag sein, dass ich bis zu dieser Stelle einige Leser verloren habe, die für sich zum Ergebnis kamen, ich schwafele zu viel, ich möge mich doch kurz fassen, sie hätten doch keine Zeit für so etwas.
Für die anderen komme ich nochmal auf Matsumoto und einen Tagesausflug nach Kamikochi zurück.
Also, die nette Karate lernende Krankenschwester (schwarzer Gürtel 2ten Grades) fuhr am Nachmittag zurück zu ihrem einige Bahnstunden entfernten Unterbringungsort, ich ging Nahrung shoppen und checkte dann in mein steriles Businesshotel ein. Dort arbeitete ich liegengebliebene Bilder und Reisetage auf und fad nicht die Zeit und Mu&#x DF;e die umhersausenden Gedanken einzufangen. Den nächsten Morgen wollte ich mit dem Bus nach Kamikochi fahren und wäre beinahe an japanischer Finanzlogik gescheitert. Meine liquiden Mittel gingen zur Neige, doch Tickets gibt es nur gegen Bares. Es gibt einen Geldautomaten neben dem Fahrkartenschalter, aber sin*****weise hält man diesen bis Neun Uhr verschlossen. Es dauerte ein paar Sekunden, bis der guten Frau am Schalter dämmerte, dass dieser Automat DOCH (ich bestand darauf) nicht so hilfreich für mich ist, wenn ich den Bus um 8:50 nehmen möchte. Man zeigte mir dann auf einem Stadtplan einen dieser SevenElevens mit ATM. (Hier sei erwähnt, dass die ATMs dort, wie auch an vielen anderen Stellen hier in Japan keine Mastercard oder Maestro mehr akzeptieren – warum auch immer) Ich schaffte es noch rechtzeitig Geld und Ticket zu beschaffen und eine tolle Busfahrt in die Berge, vorbei an, und über, diverse Staudämme zu erleben. Sehr sehenswert!
In Kamikochi kann man in einem Tal wandern und ringsum erheben sich einige Dreitausender, darunter auch ein aktiver Vulkan. Ich marschierte denn man los, hatte Sechseinhalb Stunden Zeit bis zur Rückfahrt. Die einfache Rechnung war: Zwei Stunden Flußaufwärts, wieder zurück, dann noch je eine Stunde Flußabwärts, in Summe sechs Stunden…
Ich war zu langsam, die Zeitangaben zu sportlich, oder es war einfach eine zu schöne Strecke (mit selbstgewähltem Schlenker) mit vielen Fotomotiven, um das ganze Programm zu bewältigen. Ist schon erstaunlich, wie schnell die Zeit an einem magisch anmutenden Tümpel vergehen kann…
Die Zeit verging im Flug und viele Gedanken gingen mir durch den Kopf. Mit ein paar kleinen Pausen schaffte ich nur 19km und verpasste den See, der durch den letzten Vulkanausbruch vor Hundert Jahren entstand.
Ich kann jedem nur empfehlen, dort hin zu fahren und vor Ort in einem der tollen Hotels zu übernachten, oder zu campen! Denn landschaftlich (und Onsenmäßig) gibt das Areal für etliche Tage etwas her.
Auf der noch spektakulären Busrückfahrt – ein wenig müde gewandert, wie ich war – stellte ich fest, dass mich diese verflixten Japaner mit ihren Onsen angefixt haben. 😉 Es erschien mir unglaublich verlockend, den Bus in einem der Bergtäler, bei einem Thermalhotel zu verlassen und sich im heißen Wasser durchweichen zu lassen. Die heiße Hoteldusche war nur ein schwacher Trost. So. Dies war eine weitere, zugegebenermaßen lange, Beschreibung einer weiteren Etappe auf meiner Bildungsreise.
Nur noch ein paar Tage, beinahe scheint mir ein Morpheus immer eindringlicher zu mir zu sprechen, ich sei lediglich in einer Matrix, ich müsse endlich die rote Pille schlucken und in den germanischen Alltag zurückzukehren…

Wenn der Wurm drin ist…

Kyoto, Japan

…dann ist dies für Holzbögen oder Balken beinahe so übel, wie offenes Feuer. Ist zum Glück nur selten der Fall, und so wie es aussieht, kann jedermann durch einen kleinen Obulus für hölzernen, wurmbefreiten Ersatz sorgen. Der Shinkansen Nozomi war eine gewisse Enttäuschung, hatte ich mir doch mehr (Geschwindigkeit) erwartet. Aber bei knappen Dreihundert km/h war Schluss – kein bisschen ging die GPS kontrollierte Geschwindigkeit darüber hinaus. Durch die kurzen und wenigen Stopps lag auf der Strecke nach Kyoto die Durchschnittsgeschwindigkeit bei etwa 240. Ganz so schlecht ist dies dann doch nicht.
Die Zuginnenausstattung war schlicht, immerhin mit enormer Beinfreiheit. Ich bin hier in Japan ohne Japanrailpass unterwegs, da ich denke er lohnt sich für mich nicht und einen der Nozomi-Züge darf man damit nicht einmal benutzen. Ich werde hinterher meine Zugkosten aufsummieren und schauen, ob ich mit meiner Annahme richtig lag. Die Ankunft im Bahnhof von Kyoto war dank der Freiwilligentouristeninformation eine amüsante Angelegenheit. Wir brauchten doch nur eine Karte, doch dann wurde eifrig nach unserer Unterkunft gesucht. Obwohl ich einen genauen Lageplan mit roter Markierung besaß – „give us a chance“
Ok ok ok, aber es war irgendwann anstrengend dauernd hören zu müssen „must be somewhere here“ wo der Lageplan das somwhere genauestens, bei somewhere else angab.
Internet gab es im Hostel zuerst nur kabelgebunden, doch am dritten Tag wurde funktechnisch aufgerüstet und ich durfte die Funktion der Technik überprüfen – bis jegliche Verbindung zusammenbrach. Das WLAN konnte jedoch nichts dafür, dass jemand die Steckdosenleiste mit dem DSL-Modem ausgeschaltet hatte… In Kyoto gibt es viele viele Tempel, und ich habe in den drei Tagen längst nicht alle gesehen. Doch das Wetter war toll, und wir gingen, statt per Bus und Taxi kreuz und quer durch die Stadt zu huschen. Außerdem waren wir morgens nicht die Frühesten – auch dies reduziert das Besichtigungszeitfenster bemerkbar.
Zu den besuchten Orten gehörten Nijo Burg und Palast und der Kaiserliche Palast (Eintritt und Führung frei um 10:00 und 14:00), für den man sich vorher aber mit Pass registrieren und anmelden muss. Weiterhin der Fushimi Inari Schrein, Tofukujitempel, vom Nanzenji-Tempel über den Philosophenweg zur Silberpagode (Ginkakuji) und einiges mehr. Es waren um die Dreißig Grad und etliche Eiskremes und Automatengetränke waren zur Abwehr der akuten Überhitzung nötig.

„Höllisch“ dampfend

Beppu, Japan

Kann man in der Ferne Fernweh haben? Ist Fernweh überhaupt der richtige Ausdruck für das Bewusstwerden, dass die Tage in der Ferne gezählt sind? Ich wurde mittlerweile mehrfach per Email und Kommentaren darauf hingewiesen, dass ich mich mit dem Gedanken an Rückkehr anfreunden solle. Klang zum Teil wie eine Drohung. Manchmal wie eine Aufmunterung, über weitere Etappen zu berichten.
Aber einfach so verlängern geht ja nicht, der Rückflug steht fest, und noch bin ich ja nicht am Ende! Die letzten Tage war ich dadurch in Beschlag genommen, dass ich mit einer Deutschsprechenden Taiwanesin (Taiwanerin?) unterwegs war, so dass ich nicht die Zeit und Lust fand, den hochgeladenen Bildern auch etwas Text hinzuzufügen. Aufmerksame, regelmäßige Leser haben dies mit Sicherheit bemerkt. Ich nehme mir nun einfach mal die Zeit, aus der Vielzahl von Erlebnissen der letzten Tage Beppu aus dem Gedächtnis hervorzukramen. Am Bahnhof wurde Beppu als Beppüüh angekündigt, was recht gesächselt klang. Der Weg zu meiner Unterkunft führte mitten ins Rotlichtviertel – vielfach gab es 30 Minuten (was?) für 15.000Yen. Das gebuchte Ryokan hatte damit zum Glück nichts zu schaffen und besaß gleich drei Privatonsen neben zwei Geschlechtsspezifischen Bädern. Heiße Angelegenheit! Und endlich begegnete mir eine dieser tollen Raumschiff Enterprisetoiletten, auf denen man sich wie Captain Kirk vorkommen kann. Auch wenn es nur eine Lowtechvariante mit drei Spülprogrammen, ohne Heizung, Fön oder musikalischem Rahmenprogramm handelte. Da habe ich mittlerweile eine etwas besser ausgestattete Variante mit Sitzheizung kennengelernt, obwohl besser würde ich es nicht gerade nennen: der Sitz war zu heiß ist, und beim Versuch die Heizung abzuschalten, ist die Toilette abtsürzt – softwaretechnisch. Ein Reboot einer Toilette durch Steckerziehen – faszinierend! Zum Glück geht Abziehen völlig autonom und auch ohne Strom.
Die verschiedenen Spülungen habe ich dann sofort alle mal ausprobiert, aber ein Fan eines solchen Washlets bin ich dadurch nicht geworden.
Den bereitgestellten Yukata trug ich nur im Hause, wogegen man ab und an ganze Gruppen von Japanern (nur Männer) Sakeselig in Yukatas und Badeschlappen auf der Straße sah. Vor allem im Stadteil Kannawa dampft und blubbert es an allen Ecken und Enden aus dem Boden, sogar die Straße besitzt eine Quellheizung. Es gibt acht sogenannte Höllenonsen „Jigakus“ zu besichtigen, die, wenn man mal von der wenig Artgerechten Haltung ei***** Krokodile und eines Elefanten absieht, recht interessant waren. Ein paar Dampf- und Solegekochte Eier sowie ein komplettes, selbstgedämpftes Gemüsemenu gehörten natürlich zum Besichtigungsprogramm.
Mit dem Limited Expresszug und dem Shinkansen Nozomi ging es für uns dann nach Kyoto.

Heiße Provinz

Kumamoto, Japan

Gemütlich ging es mit dem Zug von Fukoaka nach Kumamoto, genauer Suizenji, einem Randbezirk der Provinzstadt Kumamoto. An einem verschnarchten Ort namens Omuta hieß es umzusteigen, zwei Expresszüge passieren zu lassen, und anschließend auf dem selben Gleis den fehlenden Streckenabschnitt zurückzulegen. Für meine Weiterfahrt nach Beppu in drei Tagen habe ich mir ein Ticket für den teureren Expresszug besorgt. Ansonsten hätte ich dreimal wechseln müssen und wäre zwei Stunden länger unterwegs. Express bedeutet allerdings auf der Strecke eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 50km/h…. Die Züge fahren pünktlich auf die Minute und erreichen ihr Ziel auch pünktlichst. Da fällt besonders unangenehm auf, dass meine per Funk mit der Atomzeit synchronisierte Armbanduhr seit Monaten um zwei Minuten vorgeht. Hier in Asien gibt es nun mal keinen Empfang des Signals. Dieses Meisterwerk der japanischen Ingenieurskunst lässt eine manuelle Veränderung der Uhrzeit jedoch nicht zu 🙁 Bei Ankunft am Zielbahnhof nutze ich die Gelegenheit, die japanische Version eines Dumplings zu probieren – er schmeckt wie die chinesische Standardvariante. Nach einem Besuch im Park fängt es an leicht zu regnen. Ich stöbere durch einen Supermarkt und dort strahlt mich Palettenweise Sushi an. Warum nicht einmal probieren? Dazu ein Fertigramen und als Dessert ein paar geröstete Erbsen, fertig ist das Abendessen. Während ich auf die Waschmaschine warte, versuche ich ein Bad im Etagenonsen zu nehmen, muss aber feststellen, dass das frisch eingelassene Wasser zu heiß ist. Ich glaube ich habe mir sogar den rechten Fuß leicht verbrüht, denn wenn das Thermometer an der Wasserleitung nicht lügt, hatte das Wasser eine Temperatur von 65 Grad. Wie Obelix sagen würde: Die spinnen die Japaner…
Mal abgesehen davon, dass ich hier in einem Irrenhaus abgestiegen zu sein scheine, ist es traditionell wie auch meine letzte Unterkunft im Ryokan. Die Checkout-Vorstellungen mit Neun Uhr morgens sind auch sehr seltsam…ich konnte allerdings Elf Uhr aushandeln, denn mein Zug geht um Viertel vor Zwölf und vorher zwei Stunden in der Gegend umherirren macht nicht wirklich Sinn. Das Sushi und das Ramen bildeten ein sehr gutes Abendessen. Zum rohen Fisch gab es auch eine Tüte mit Wasabii, der es in sich hatte.
Am heutigen Tag ging es zur Kumamoto Burg, die zwar anno 1604 erbaut wurde, aber viele Holzgebäude im Bürgerkrieg 1877 abgebrannt waren. Den Hauptturm hat man 1960 nicht gerade stilecht mit Betonskelett auf die Festungsmauern aufgesetzt, aber was ab 2000 restauriert wurde, wurde mit enormem Aufwand in originaler Handwerkskunst nach alten Aufnahmen und Zeichnungen wiederaufgebaut. Alles mit Nut und Zapfen, Fachwerk, Lehm und Intarsien, wie es anno Sechzehnhundert üblich war.. Das ist sehenswert und recht informativ. Und die originalen Festungsmauern sind um einiges imposanter als die in Fukuoka. Gerade musste ich beim Durchsehen meiner nächsten Etappen feststellen, dass ich es geschafft habe für zwei Orte zur gleichen Zeit zu reservieren – Adieu Osaka. Nicht immer ist es sinnvoll vorauszubuchen, denn hier scheint es momentan sehr ruhig zu sein und Hotels gibt es etliche – die zum Teil sogar günstiger als meine Bleibe hier sind. Bei besserer Leistung. Morgen geht es dann an Krater vom Vulkan Aso – wenn es keine giftigen Ausgasung gibt und das Wetter so prima bleibt wie heute. In die Luft geflogen… …ist zum Glück nicht der Vulkan. Der dampfte, qualmte und stank zeitweilig stärker als tolerierbar, aber ich bin zum Glück kein Asthmatiker, so dass mich die frisch geschwefelten Atemwege nicht umhauten. Immerhin haben wir ein perfektes Timing an den Kraterrand gelegt, denn gerade als wir mit unserer Besichtigungsrunde fertig waren drehte der Wind und das Gelände musste geräumt werden. Hüstel hüstel. Wenn schon ein Hubschrauber neben dem Wanderweg herumsteht, warum dann nicht einsteigen und selber durch die Lüfte fliegen? Mit Fünfundvierzig Euro pro Person nicht unangemessen teuer, vor allem wenn der Rundflug äußerst sehenswerte Ein- und Überblicke ermöglicht!
Auch Zugfahren in Kyushu macht Spaß, denn es gibt viel zu sehen und die langsamen Wagen unterstützen dies wunderbar. Darum empfinde ich meinen Umweg, auf dem mich der Zug nach Beppu morgen nochmals dicht am Vulkan vorbeiführen wird, keineswegs als Nachteil.

Konichiwa Japan!

Fukuoka, Japan

Am Flughafen Seoul fand ich wieder einmal meinen Flug nicht. Lag daran, dass er über eine Stunde später flog, als in meinem ausgedruckten E-Ticket angegeben.
Allerdings hat man mich per Email vor ei***** Zeit unterrichtet, aber wie das so ist, bei unmarkierten Änderungen in Emails – 20 von 21 Angaben bleiben gleich und die 21te, geänderte, die übersieht man 🙁
Immerhin besser eine Stunde zu früh, als eine Stunde zu spät.
Ein kurzer Flug später und ich lande am Flughafen Fukuoka. Ich immigriere mit der Fingerabdruckabnahme in Stereo und ratzfatz habe ich einen 2D Barcodeaufkleber im Pass.
Am ersten Geldautomaten in der Empfangshalle scheitere ich – im Nachhinein zum Glück – denn das Ding macht mir keine Vorschläge, wieviel Geld ich denn wohl haben möchte… Wie hoch das Limit ist, ist auch nicht angegeben. Also tippe ich 400000 ein und der Automat sagt mir, unzureichende Deckung. Zweimal.
Ich fluche, blödes Ding!
Aber ein Stück weiter steht noch ein Automat, der schlägt mir Zehn bis Fünfzigtausend vor – so wenig?
Und dann dämmert es mir: 400.000 Yen sind knapp Viertausend Euro – DAS bekomme ich nirgends aus dem Automaten…
Ich werde angemessen liquide und nehme den Shuttlebus zum Domestic Terminal.
Dort ist die Metrostation, am Ticketautomaten sehe ich etwas von 1000Yen Banknoten, also zum Schalter und dort ein Ticket kaufen. Kein Schalter, nur eine Information. Doch ein netter Mensch versteht mein (nicht vorhandenes) Problem und führt mich an einen der Automaten – einige davon nehmen wohl auch die druckfrischen Zehntausender aus dem Geldautomaten. Das Ticket kostet 250Yen und bringt mich ohne Umsteigen zur Gionstation, die etwa 100m vom gebuchten Ryokan entfernt liegt. Ich checke ein und lande in meiner ersten typisch japanischen Unterkunft. Es gibt ein Futon und es riecht nach Reisstroh. Macht einen guten Eindruck, obwohl ich die Erläuterung mit dem Duschraum und dem Bad nicht ganz verstanden habe – da muss ich gleich mal einen Blick hineinwerfen…
Wie ich soeben feststellen konnte und mit dem Hochladen dieses ersten Absatzes beweise, reicht ein WLAN bis ins Zimmer. Wem auch immer es gehört. Abends durch die Stadt zu streifen, komme ich mir vor wie eine Figur aus einem Roman Haruki Murakamis.
Es ist hier nicht so viel anders, als in China oder Korea – es ist aufgeräumter, sauberer und lebensleerer. Zumindestens in der Innenstadt sind kleine Kioske und Krämerläden komplett verschwunden. Ersetzt durch unzählige Verkaufsautomaten und größere Filialen einer Handvoll international operierender Convenience Stores. In den Straßen befinden sich mehr Verkaufsautomaten für Zigaretten (es gibt unglaublich viele), als Raucher, oft sind Rauchverbotszeichen auf die Bürgersteige gepinselt.
Wenn man in eine der Spielhallen mit Slotmachines hineinblickt, oder diese gar betritt, wird man dagegen von Qualm und vor allem vom Lärm geradezu erschlagen. Ich weiß noch nicht, was der Grund für das Ohrenbetäubende Getöse ist, zum Teil an der Schmerzgrenze, vielleicht behördlich angeordnet, um Besucher dazu zu animieren, nach kurzer Zeit wieder zu verschwinden. Wie betäubt starren viele Menschen jedoch schier endlos auf die blinkenden und flackernden Maschinen, die Comichelden-Videosequenzen abspulen. Ein trauriger Anblick.
Besser sind da schon die Spielhallen, in denen es um Amusement geht. Die Umwandlung von Geld in Spielmarken ist eine Einbahnstraße, man kann (wenn erfolgreich) die Eimer voller Münzen in eine Tokenbank entleeren, um sie dem Fingerabdruck bewehrten Spielmarkenkonto gutzuschreiben. Für den nächsten Spieltag, bis alle aufgebraucht sind. Interessant sind die Rabattstaffeln im Wechselkurs dieser Zweitwährung: Bekommt der sparsame Besucher für Fünf Euro nur 25 Märckchen, erhält er für 100 Euro dagegen mit 2000 das Vierfache.
Die Spielmarken verschwinden dann in einer Unzahl von Maschinen, in denen sie Hin und Her geschoben werden und in Schlitze und Öffnungen fallen und zu Auszahlungen, Ausspielungen oder auch Auslösungen von Bällen führen, die in einem gigantischen Wirrwarr von Rinnen, Aufzügen und Karussells durch die Apparatur flitzen. Die Einflußmöglichkeiten der Spieler beschränken sich auf den Zeitpunkt des Münzeinwurfs, manchmal kann er die Richtung wählen und mit Tastern die simulierten Walzen einer Ausspielung anhalten.
Wo sind die guten alten Flipper hin? Ich habe in ganz Asien bisher keinen gesehen.
Natürlich gibt es auch viele Videospiele: Rennen, Egoshooter, gemeinschaftliches Pferderennen oder Fußballwetten. Zum Teil verbunden mit dem Einsatz richtiger Sammelkarten von Spielern oder Comicfiguren. Hier in Japan kann man jedoch viel mehr ziemlich überflüssige, kitschig verspielte, oder durchdesignte Dinge kaufen, Gadgets. Da werden Tedddybären Lautsprecher in die Füße gesteckt oder sie zappeln sogar zur Musik. Ein knuffiger Anblick für nicht gerade kleines Geld. Länger anhören kann man sich das Ganze nicht, denn die Klangqualität ist mies.
Bis auf den Apfelkram gibt es in Elektrogeschäften scheinbar nur japanische Fernseher und Stereoanlagen. Koreanische Marken – Fehlanzeige. Dem Preisniveau in den Geschäften ist dies förderlich, im Sinne nach oben: wenn mich nicht alles täuscht liegen die Preise für Neuheiten wie 3D Fensehern um etwa Fünfzig Prozent über deutschem Niveau. Bei derzeitigem Yenkurs, der sich in den letzten Monaten allerdings auch übel verschlechtert hat. Krisenbedingt halt. Automaten für Bahnkarten bieten bei Auswahl von Englisch nur noch die Hälfte der Optionen: nur noch Shinkansen und Limited Expresszüge sind auswählbar. Und wenn man mit der regulären Bahnlinie für den halben Preis fahren, die Bahnhöfe, das Umsteigen erleben möchte? Dann muss man an den Schalter und dort ein Ticket kaufen. An Sushi habe ich mich bisher nicht herangewagt, bin aber auch nicht so der Rohfischfreak. Meine ersten Speisen lagen mir recht schwer im Magen, vor allem die lokale Ramen-Nudelsuppe aus einer mobilen Yataiküche- vielleicht fehlte ihnen der gewisse Pepp in Sachen Schärfe. Ein paar gebratene Gemüsegerichte mit ordentlich Knoblauch dagegen waren sehr bekömmlich. Das Preisniveau liegt hierzulande – wie zu erwarten war – deutlich über dem meiner vorangegangenen Länder dieser Reise: ca. Faktor Zwei gegenüber Südkorea und mehr als Faktor Vier gegenüber China. Die Museumskultur der Stadt ließ ich natürlich nicht links liegen – neben dem Asian Art Museum besuchte ich das Fukuoka Art Museum, jeweils 200Yen Eintritt, also zivile Preise. Letzgenanntes Museum liegt in einem Park, dessen See einem berühmten chinesischen Park nachempfunden sein soll – ich würde mit dem Steg quer durch den See auf den Westsee von Hangzhou tippen.