Gestrandet am Nwge Saung Beach

 

Ngwe Saung, Myanmar

Am Golf von Bengalen beginnen die letzten Momente eines Urlaubes; Momente deren Sinn ja eben nicht ist, schnell noch mal viele Eindruecke aufzunehmen, um dann in den Alltag zurueckzukehren. Nein, der Urlaub endet, aber dann geht es weiter, startet ueberhaupt erst die Bildung und vielleicht auch Suche nach dem Sinn.
Der Sinn besteht vermutlich nicht darin, 500.000 Fotos zu machen, die ich realistischerweise nie mehr alle anschauen werde.
Sollte der Sinn darin bestehen, einen validen Eindruck von der Landeskultur, von den Sprachen, von den Menschen zu erhalten?
Die meisten Menschen, denen ich auf meiner Reise begegnen werde, duerften fuer mein Leben hoechst irrelevant sein. Sollte ich mich dennoch auf sie einlassen, auf ihre Umwelt, die zum Teil rueckstaendig jenseits aller Moeglichkeiten ist?
Macht der Kontaktaufbau Sinn, wenn Lebensschwerpunkte abseits, in Bereichen liegen, die mir als Sackgassen erscheinen, die es zu vermeiden gilt? Sollte ich mich fuer eine absehbare Trennung an Etwas, Jemanden binden? Auslebend, alternativ teilnahmslos, passiv, beobachtend, erlebend? Sylvester im Fuenf Sterne Resort am Strand, mit Galabuffet, Showprogramm und Verlosung. Vom Strand aus, abgetrennt durch Bambusstangen schaut die einheimische Bevölkerung dem Treiben zu. Sind die Menschen wegen der Interpreten gekommen?
Es wird getrunken: Bier, frisch gezapft ein Dollar, die Flaschen Wein zu Zwoelf bis Hundert Dollar. Es wird geschlemmt: Truthahn, Sushi und andere Vorspeisen, diverse Hauptgaenge und von Creme Caramel ueber Joghurtkuchen hin zu Neujahrs-Schokokugeln gibt es diverse Desserts. Berge aus feinstem Essen, nicht landestypisch – es kann bei weitem nicht alles aufgegessen werden. Zum Jahresausklang wird Sekt serviert.
Fuer einige Reisende scheint der grosse Moment gekommen zu sein, endlich die mitgebrachten Seidenkleider und Designerhosen praesentieren zu koennen – wir sind wer! Doch wer sind wir wirklich? Ich mittendrin, unwirklich anwesend. Auch der erste Tag des neuen Jahres neigt sich mit einer Sonnenuntergangsbetrachtung in einer Kulisse, die den Moment abstrakter erscheinen laesst, als eine Reisereportage im Fernsehen. Mehrfach unterbrochen von einem Zimmerservice, der jede Viertelstunde Handtuecher tauschen und die Moskitonetze und Vorhaenge neu arrangieren moechte. Die Sonne brennt heiss, verbrennt die Haut, fast unbemerkt, unter dem Deckmantel einer kuehlenden Meeresbrise. Noro geht unter den Reisenden um, allen Versuchen mit Myanmarwhiskey zu entkeimen, zum Trotz. Ich blieb bisher verschont, so manchem „guten“ Reisewunsch zum Trotz. Der Traegheit in Palmenschatten ist hingegen nicht zu trotzen. Die Tage vergehen. Im Bus geht es zurueck nach Yangon. Stunden gilt es im Bus zu verbringen, auf holpriger, vielfach geflickter Strasse. Nur halbherzig werden die Wunden geheilt, die Nargis dem Land schlug. Selbst an den Narben vorueber zu fahren, braucht es ein Permit. Wir haben eines, denn wir haben Dollars, die am Besten in den Resorts des obersten Schwiegersohnes haetten ausgegeben werden sollen. Haetten. Noch eine Nacht, dann zurueck nach Thailand, in den Zug gen Ayuthaya und weiter nach Doi Suthep. Zwei weitere Reiseteilnehmer hatten nur das Landprogramm beim Reiseveranstalter gebucht. Sie sind bereits einige Monate in der Weltgeschichte unterwegs, aber im Februar, wenn sie wieder in den germanischen Alltag eintauchen, plane ich aus der Meditation aufzutauchen. „Gelaeutert“, wie mir jemand sagte.
Myanmar – es gab viel zu sehen, vor allem Kontraste. Viele goldene Tempel, ein Pagodenfest zum Vollmondtag, zu dem ein Riesenrad mit Kletterantrieb und Bingo so selbstverstaendlich gehoerten wie die Verteilung von Almosen an Moenche.
So viele Tempel, das Mitreisende den Vorschlag machen, man moege am besten das ganze Land als heilig erklaeren, dann spare man sich wenigstes das permanente Schuhe An- und Ausziehen. Dazu wuerde passen, dass der Name des neuen Regierungssitzes „Sitz der Goetter“ bedeutet… Nicht wirklich unvergesslich sind auch die permanent vorgetragenen Mantras: „Postcards, 1000 Kyat, nicht teuer, guter Preis, billig, billig, good price“
Wenn Strom, dann oft per Generator, allgegenwaertig das Motorengeraeusch, der Aggregate. Sonnenkollektoren, Solartechnik? Keine Spur davon zu entdecken, Recycling findet am Strassenrand statt.
Auch das Militaer ist kaum zu sehen, nur Schildburga taucht immer wieder am Strassenrand und in Erzaehlungen auf. Emerging Markets – hier? Nooeee.
Ueberhaupt in die Gegenwart ist es noch ein weiter Weg. Nachtrag:
Mein toller, fast neuer und ueberteuerte Apfel IPod hat sich in den „Abernunvergluehichlangsam“-Modus geschaltet.
Scheint fuer solch ein Geraet wohl zuviel zu sein, zuerst die Suchenfunktion zu nutzen und dann auf Play zu druecken… Zuerst klickte er noch, ohne Musik zu spielen und nun ist er dauerleuchtend. Wie praktisch, dass das Ding KEINEN Ausschalter hat! Vielleicht lebt er ja wieder auf, wenn ihm der Strom ausgegangen ist… Noch ein Nachtrag:
Das Stromkoma hat geholfen – nun spielt er wieder, als wäre nichts gewesen…
also ich finde, im Apfel ist der Wurm drin.

Huetchen um Huetchen

Bagan, Myanmar

Mingun In Bussen aus dem zweiten Weltkrieg geht es zum Hafen von Mandalay, wenigstens was sich hier Hafen nennt, denn der Hafen ist ein sandiges Ufer, wir balancieren auf das Schiff ueber hoelzerne Planken.
Das Boot bringt uns nach Mingun, zu einem riesigen Backsteinklotz, der im Achtzehnten Jahrhundert eine Pagode werden sollte, doch zerstoerte ein Erdbeben die Anlage vor Fertigstellung. Darum steht die zweitgroesste Glocke der Welt einige Hundert Meter nebenan und wurde nie aufs Dach transportiert. Man kann an den riesigen Spalten und auseinandergebrochenen Waechterstatuen (Loewen) erahnen, welche Kraefte bei einem Erdbeben wirken.
Der Besuch in einem Altersheim vermittelt einen wesentlich humaneren Eindruck, als befuerchtet; die Medikamente der Apotheke stellen einen Querschnitt der Reiseapotheken von Touristen dar. Medikamente sind in Myanmar absolute Mangelware, und kaum erschwinglich, daher wird jede Spende mit einer Beschreibung, wogegen es eingenommen wird, dankbar angenommen. Rund um Mandalay Hill Das groesste Buch der Welt befindet sich in Mandalay, so sagen die Reisefuehrer. Die kompletten Lehren Buddhas auf ueber 700 Steinplatten doppelseitig graviert. In der Pagode nebenan stehen sogar 1700 steinerne Buchseiten, warum dieses Buch nun kleiner ist, kommt wahrscheinlich auf die Sichtweise an; unbestritten sind die Steintafel nicht so kunstvoll ausgearbeitet. Der Weg dorthin fuehrt uns Kilometerlang am Befestigungsgraben des im Krieg zerbombten Koenigspalastes entlang.
Mit einem Pickup und einigen Rolltreppen geht es auf den Mandalay Hill zum Sonnenuntergang anschauen. Dekadent im Hochstuhl ueber die Balustrade blickend fehlen eigentlich nur die Cocktails, aber Alkohol ist ebenso wie Schuhwerk in buddhistischen Tempeln fehl am Platze. Bagan Den Ayerwaddy in einem Motorboot hinunter geht es nach Bagan. Tausende von Huetchen, Stupas und Pagoden beherbergt das mehrere Quadratkilometer grosse Areal. Mittlerweile wohl nicht mehr Weltkulturerbe, wegen einem potthaesslichen neuen Aussichtsturm, oder unqualifizierter Restauration – wer weiss das schon? Vielleicht will man auch verhindern, dass die Vereinten Nationen das Militaerregime unterstuetzen – Kultur ist halt auch oft eine politische Angelegenheit. Erinnert ein wenig auch an die Diskussionen in Koeln, ob denn der Koelner Dom durch ein in der Naehe gebautes Buerogebaeude weniger oder nicht weniger Welt-Kulturerbe sei… Die Anlage ist jedenfalls sehenswert, und die zum Teil erhaltenen Wandmalereien im Inneren der Tempel lassen auch fuer Angkor oder andere Staetten erahnen, welche Pracht sich zu frueherer Zeit in den Backsteingebaeuden befand. Durch schwere Erdbeben stark beschaedigt und zum Teil wieder hergestellt kann man viel Zeit mit dem Zaehlen von Dachspitzen und Buddhafiguren verbringen. Ungezaehlt bleiben dabei die „No thanks“ zu den allgegenwaerigen SouvenirverkaeuferInnen.
Immer barfuss begibt man sich ueber verschiedenste Konsistenzen des Untergrundes und was die unterschiedlichen Lebensformen darauf hinterlassen: von Bethelnusskauerspucke bis Fledermauskot. Mount Popa Sechzig Kilometer entfernt von Bagan befindet sich Mount Popa, ein Wallfahrtsort auf einem einem alten Vulkanfelsen – ein wenig wie in Suedfrankreich in Le Puy – nur nicht so adrett, dafuer aber voller Schutzgeister (Nats) und Affen.

On the road to Mandalay

Mandalay, Myanmar

Allen Lesern dieses Eintrages wuensche ich noch schoene verbleibende Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Es ist unklar, ob ich vor meinem Rueckflug nach Thailand noch einmal online gehen kann.
Mandalay Der Strom faellt hier ebenfalls mehrmals taeglich aus. Das Weihnachten ist, bemerkt man in der Stadt nur bei wenigen Anlaessen:
wenn eine Prozession froehlich singend zur Mitternachtsmesse an Heiligabend zieht, oder vor einer Shoppingmall Winnie-Puh und Mickey Mouse neben einem Kunststoffweihnachtsmann singen und tanzen.
Ansonsten herrscht Alltag, in dem schon mal auf der Strasse ein Fussballfeld mit Kalk gezeichnet wird, um Fahrzeuge herum, und Mopeds fahren quer durchs Spielfeld…
Da wird geackert, geschuftet und gehandelt und grosszuegig Moenchen gegeben oder gespendet. In den Tempeln stehen teilweise dreissig verschiedene Sammelkaesten aus Glas fuer Spenden. Der Wohltaeter kann feinstgranular entscheiden (wenn er denn die Beschriftung lesen kann) ob er fuer den Erhalt der Gebaeude, die Fuussbodenreinigung, Vergoldung, Blumendekoration oder auch kunterbunte Leuchtdiodenillumination seinen Beitrag zur Verfuegung stellt.
Die Konstrukte, die auf den Strassen zum Einsatz kommen sind hoechst Abenteuerlich und durch die Bank weg ueberladen. So einige „Fahrzeuge“ oder Teile davon bleiben auf der Strasse liegen. Auf einem Bild kann man sehen, was passiert, wenn ein Moped-TukTuk mit mehr als einem Dutzend Fahrgaesten vesucht, eine Steigung zu bewaeltigen… An einem Tempel, in dem eine Bronzebuddhastatue steht, die mittlerweile mit 12cm dicken Schichten aus Blattgold bepappt wurde, begegnete uns ein recht muerrisch dreinblickender und aggressiv nach Geld verlangender Jungmoench. Die absolute Ausnahme bisher. Vielleicht war er auch nur ein Fake – sein Karma-O-Meter signalisierte deutlich, dass er noch viel lernen muesste, um nicht ein paar Millionen Extrajahre im leidensvollen Dasein verbleiben zu muessen. Moenchs(ver-)speisung Wenn knapp Tausend Moenche an einem Ort verkoestigt werden muessen und darauf ueber Hunderte Touristen lauern, so nimmt dies groteske Formen an. Fuer eine hiesige Familie ist es eine grosse Ehre (und finanzielle Belastung, knapp 1500 Dollar) die Tagesspeisen zur Verfuegung stellen zu koennen. Fuer die Moenche bedeutet es Essen. Fuer die Touristen? Das einige sich nicht sogar der Schlange der Moenche mit ihrem Fotoapparat in den Weg werfen, ist auch alles. Und selbst nachdem die Nahrung verteilt wurde und die Moenche bei Tisch sitzen, werden die Fenster des Speisesaales belagert, um hineinzustarren und beim Essen zuzuschauen.
Vielleicht hilft es Bilder dieses Zootheaters ins Netz zu stellen, um einige in Zukunft davon abzuhalten.
Auch wenn zur Bespassung einer Reisegruppe Handwerkerfamilien gegen kleines Entgelt fuer eine Praesentation und sogar zu artistischen Darbietungen animiert werden, zeigen sich die zwei Seiten von Pauschaltourismus.
Die meisten der sogenannten Individualreisenden oder Backpacker sind da auch nicht viel besser, denn sie klappern haeufig die gleichen Attraktionen per Einheitsreisefuehrer ab. Allerdings komen sie dann nicht gleich in Scharen… Sagaing Suedlich von Mandalay, in Sagaing, gibt es eine neue Bruecke und unzaehlige Stupas zu besichtigen. In verschiedenen Stilen, so zum Beispiel eine Ceylonesische Version, die wie eine ueberdimensionale hellgraue Glocke aussieht. Oder eben ein getarntes Raumschiff (MIB laesst gruessen!)

Hoehlen und Menschen bei Kalaw

Kalaw, Myanmar

Ein besonders schönes Erlebnis waren die Kinder eines Waisenhauses noch in Nyaung Shwe, die vor dem Hotel Weihnachtslieder sangen. Dies taten sie mit einer solchen Begeisterung, das es schwer gewesen wäre nicht davon gerührt zu werden. Auf vielfachen Wunsch kamen die Kinder den nächsten Abend mitsamt Lehren nochmals vorbei und sangen erneut – ich hoffe das Ergebnis der Kollekte hilft den Kindern, der Schule weiter. Zwischenstop an einem aus Teakholz gebauten Kloster. Busse auf, Touristen raus, Schuhe aus, Toruisten ins Kloster rein, mitten unter die lernenden Mönchschüler. Einige inspizieren sogar ausgiebig den Schlafsaal, machen Fotos aus allen Winkeln. Dass nicht die wenigen persönlichen Dinge durchsucht werden, liegt meiner Meinung nach eher daran, dass geführte Tagebücher in unleserlichen Schriftzeichen abgefasst wären.
Das meiste ließe sich von außen betrachten, ohne die Privatsphäre der Mönche massiv zu beeinträchtigen. Aber einige scheinen sich zu denken: hat ein Mönch überhaupt ein Anrecht auf Privatsphäre? Lebt er nicht nur von Almosen?
Mich widert dieser invasive Voyeurismus ziemlich an. Allerdings laufe auch ich mit einer Kamera herum und fotographiere auch ab und an Menschen in unbemerkten Augenblicken. Wo ist die Grenze, bei der es für das Fotoobjekt, dass an sich ein Mensch ist, unangenehm wird und nur die budhhistische Grundhaltung, in der Leiden zum Dasein gehört, ihn am Aufbegehren hindert? Pingdaya Wir besichtigen dann eine natürliche Höhle mit mehr als Achttausend Buddhafiguren darin. Ein wahres Labyrinth aus goldenen Gesichtern. Es gibt auch einen neueren Teil der Höhle, der jedoch in Sachen Anmut un Atmosphäre überhaupt nicht mit dem Jahrhunderte alten konkurrieren kann. Es gibt auch hier wieder Figuren, die von Deutschen gestiftet, oder renoviert wurden, Namensplaketten zeugen davon. Warum fällt es leichter, sich für viel Geld mit einem Gegenstand zu verewigen lassen, als vielleicht einer armen Familie damit eine bessere Existenzgrundlage zu schaffen? Sicher, Steinmetz und Maler werden dadurch in Brot gehalten, aber genaugenommen wird dadurch auch der Status Quo in Stein gemeißelt. Anzunehmen, dass die Menschen doch mit ihrem Leben zufrieden wären, während sie mitansehen müssen, wie eine Haufen feister Touristen in Sänften vor ihrer Nase durch ihr Dasein getragen werden und gesundes und wohlschmeckende Nahrung im Überfluss zu sich nehmen, ist naiv. Die wollen vielleicht nicht werden wie wir, aber bis auf wenige wünschen sie sich schon ein angenehmeres Leben, in dem man es sich leisten kann, auch mal Urlaub zu machen. Kalaw Abseits der Reisegruppe, die zu einem Grossteil aus Kettenrauchern besteht, die nicht immer die Etikette beherrschen und am Tisch rauchen, wenn andere Essen ist angenehm.
Da stoert auch niemand, der taeglich bereits Mittags mit zwei grossen Flaschen Bier in kuerzester Zeit seinen Pegel halten muss. Bemitleidenswert.
Die Leute auf der Strasse sind nett und einige Schulkinder haben mir selbstgemachte Blumengestecke geschenkt.
Viel Aussergewoehnliches habe ich im Ort bisher nicht entdeckt und auch das Regierungseigene Hotel, in dem wir untergekommen sind erfuellt seinen Zweck – mehr nicht.
Hier in der einstigen britischen Sommerfrische Birmas wird es nachts empfindlich kuehl, den etwa 1400 Metern Hoehe sei Dank.

Am Inle See

Nyaungshwe, Myanmar

nach einem kurzen Flug nach Heho und Bustransfer gelangten wir in den Ort Nyaung Shwe am Inle See. Strom ist rationiert und der Ort muss ihn sich mit dem Nachbarort teilen, so gibt es nur stundenweise Elektrizitaet. Abends wird es richtiggehend kalt, der Hoehenlage geschuldet. Allerdings nicht vergleichbar mit dem Wintereinbruch daheim – hier froestelt man ohne Jaeckchen, aber frieren tut hier nix – ausser die Eiswuerfel in Getraenken. Die Preise hier sind bezogen auf Touristenbedarf relativ hoch, einem Mitreisenden zufolge befinden wir uns im Ruedesheim, vielleicht aber auch im Venedig Myanmars. Als gute Touristen machen wir einen Bootsausflug durch Kanaele, Aborte, Spuel- und Waschstellen, den See und sogar Actiongeladen einen Fluss hinauf. Wir besichtigen Seidenwebereien, Zigarettenherstellung und natuerlich: Pagoden. In einer Katzenpagode werden durch „lupfen“ und anfuettern schliesslich einige Katzen dazu animiert uns Touris zuliebe durch einen Reifen zu huepfen. Welch ein Abenteuer! An einem Tempel fanden sich erstaunlich viele Minipagoden von Deutschen, unter anderem mit Plakette aus Koelle und allem drum und dran. Es ist immer wieder erstaunlich, was es hier in Myanmar alles gibt, jedem Embargo zum Trotz – einer gruenen Grenze zu China sei Dank. Denjenigen, die man damit vorgeblich treffen will, hilft man, und denen den man vorgeblich helfen will, trifft man durch die indirekte Befoerderung von Korruption und Schwarzmarkt. Oder war es doch anders herum? Je nach Gusto bitte Personen ergaenzen. Der Rechner, an dem ich sitze hat Windows 7 und die deutschen Industriegastechniker arbeiten ja nicht wirklich hier, was ja verboten waere, sondern sind von Russland ausgeliehen – virtually there – so geht das.

Goldene Felsen, goldene Zeiten

Kyaikto, Myanmar
Mit dem Bus, dann auf Holzbalken auf einer LKW Ladefläche und die letzten Dreihundert Höhenmeter per pedes ging es hinauf nach Kyaikhtyo.
Ein großer runder Felsen, der über dem Abgrund „schwebt“. Natürlich ist er auf sagenumwobene Art und Weise dort oben hingelangt.
Man hat ihn vergoldet – und die Pilger sind auch noch immer fleissig dabei Blattgold aufzutragen.
Drumherum gibt es alles, was zu einem waschechten Wallfahrtsort gehört: Unterkunft und Verpflegung für die Pilger, Souvenirs und natürlich allerlei religiöse Utensilien. Ein Riesenrummel mit vielen Touristen, Sänften- und Gepäckträgern einerseits und dem ganzen Trubel regelrecht entrückten Mönchen und Gläubigen andererseits. Ein echter Vorgeschmack, was mich in Doi Suthep erwartet. Die Atmosphäre des Ortes ist faszinierend, vor allem zum Sonnenuntergang. Der goldene Glanz, die Gebete, der Geruch von Kerzen und Räucherstäbchen und den Blick auf ein glänzendes Flusstal in der Ferne. Der Weg dorthin ist Kontrastprogramm: da zweigt eine nagelneue Autobahn – auf der kein Auto fährt! – im Nichts, ins Nichts ab. Sie führt in die neue Hauptstadt mitten im Dschungel, knapp 300km entfernt, nicht nur aus diesem Grunde für die Bevölkerung unerreichbar. Vielleicht ist dort aber auch kein Dschungel mehr, denn es wird Tropenholz geschlagen, mehr als das Land hergibt, für Devisen, für die neue Haupstadt, für die neue Autobahn.
An beinahe jedem Zwischenstopp finden sich Frauen mit ihren Kleinkindern am Bus ein, um nach Nahrung zu betteln – schwer zu entscheiden, ob die Not wirklich so groß ist, oder nur mit dem Mitleid von Touristen kalkuliert wird. Die Lebensumstände und Behausungen, durch die die Reise führt, zeugen allerdings von einer großen Ärmlichkeit.
Goldenes Land, doch keine goldenen Zeiten, wenigstens nicht für alle.

Min Gelaber

Yangon (Rangoon), Myanmar


Endlich ein Ort, an dem „Min Gelaber“ durch die Bank weg als positiv empfunden wird, denn es bedeutet so viel wie: „Hallo, Guten Tag, alles wird gut.“
„Danke“ hört sich an wie „Cheese-Subbeeh“, auch das kann ich mir einfach merken, weil ich mir die Käsesuppe bildlich gemerkt habe. Mit Käse, der sich zieeeht.
Wenn man sich bemüht, kann man auch ohne Sprachschule von Einheimischen die Sprache lernen – es ist in beiderseitigem Englisch-Sprachbrech nur nicht so ganz einfach herauszufinden, was denn nun wirklich gemeint ist. Unser Vokabular ist selten gleich und die unterscheidlichen Akzente machen die Kommunikation noch spannender.
Die Betonung der deutschen Worte unserer Reisebegleitung ist auch etwas gewöhnungsbedürftig und ab und an amüsant – mir wird es in China im besten Falle auch nicht anders ergehen.
Da gibt es 220 Volt Wasserstrom oder auch Telefonium, oder Dinge werden „geused“ – manchmal also eine eingedeutschte Denglisch Variante – Eutsch sozusagen. Martin, ein noch nicht eingetroffener Reisender haftet der ganzen Gruppe nun als „unser Fehler“ an. Der erste Tag in Yangon gestaltete sich etwas befremdend – ich habe die DDR nie wirklich live erlebt, sondern sie solange sie existierte ignoriert,Aber mit Eintrittsgeldern bei Stupas etc. verhält es sich ähnlich wie beim früheren Deutschmark Zwangsumtausch.
Da erbietet man in der Sulestupa zu allererst eine „Shoedonation“ im Irrglauben Eintritt zu bezahlen, aber dann taucht eine energische Regierungsangestellte und verlangt zwei US-Daollar Ausländereintrittsgebühr, pro Person. Immerhin kostet an der Sule Stupa Fotographieren nicht nochmals zwei Dollar extra.
Nichstdestrotz kommt auf uns – ordnungsgemäß die Schuhe im erspendeten Plastikbeutel tragenden Touristen – plötzlich eine andere Regierungsangestellte zugerannt, ziemlich giftig und tippt sich energisch auf ihren Ansticker an der Brust. Sie verlangt
„Admission Fee. Nochmals. Aber wie es in einer überreifen Staatsbürokratie üblich ist, habe ich einen ordnungsgemäß gestempelten, rosafarbenen Abzockungsbeleg, den ich ihr lachend unter die Nase halten kann. Sie erstarrt irritiert erstarren und sucht Rat bei einer Vollzugskollegin. Dann hetzt sie schreiend einem anderen vermeintlich das Besichtigungsentgelt erschleichenden Touristenpaar hinterher.
Auf Kuba war es im Jahr 2000 ähnlich – Devisen sind Trumpf, bei jeder Gelegenheit versucht der Staat den Reisenden die fremde Währung abzunehmen. In einer Karaokabar heute – wenn ihr in Yangon seid, dann geht ins Emperor und schaut und hört euch bei einem Snack oder Getränk die Auftritte der Einheimischen und Models an. Ganz bin ich nicht hinter das System gestiegen, gerade als ich dachte, es handele sich um eine Art Anbandelungsbörse, trat ein recht beleibter älterer Herr in Tarnfarbenlongyi auf die Bühne und schmetterte was das Zeug hielt. Genauer gesagt zerschmetterte er jeglichen mir bekannten Musikstil und die Begleitmusik ließ zwischendurch ebenfalls jeden Takt sausen.
Auf meine Nachfrage beim Kellner, ob der Sänger vom Militär wäre und wir alle erschossen werden, werden, wenn wir nicht klatschen, sagte er Yes Yes. Die meisten Gäste klatschten Applaus. Der selbe Kellner fragte mich übrigens, ob ich Hitler möge. Hier finden sich übrigens an Marktständen auch Hitler-Nazi T-Shirts. An sich hat das Hakenkreuz hier in Asien eine andere, religiöse Bedeutung, aber in Kombination mit einem Hitler Konterfei ist der Interpretationsspielraum doch sehr gering und daheim in der BRD bekommt man höchstens in national befreiten Zonen kein Problem damit.
Ich fragte den Kellner im Gegenzug nach dem Hintergrund dieses Hitlerinteresses, doch erhielt ich nur mit strahlendem Lächeln die Antwort, Hitler hätte sechzig Millionen Menschen umgebracht. Nach welcher Berechnungsgrundlage, weiß ich nicht, aber vielleicht erscheint es bewunderswert, dass ein Mensch es geschafft haben soll mehr Menschen umzubringen, als das gesamte Land an Einwohnern zählt (55Mio). Der Moskitoverseuchte Flughafen gab Anlass zu einer Diskussion über die Sinnhaftigkeit einer Malariaprophylaxe. Einige Reiseteilnehmer
vertrateb die Ansicht, dafür müsse man extrem Medikamentengläubig sein. Mit Homöopathischen Mitteln ließe sich doch fast alles behandeln.
Der Reisebegleiter dagegen meinte, es gäbe keine Malaria, eine andere Teilnehmerin wies darauf hin, dass man durch eine eigene Prophylaxe die einheimische Bevölkerung ausrotte würde, weil die sich die Medikamente nicht leisten könnten.
Ja wie denn nun? Die nächsten Wochen könnten noch interessant werden, vielleicht entdecken wir ja das erste homöopathische Mittel gegen Malaria. Politisch korrekt und klimaneutral wird dann erfolgreich an das Gewissen der gemeinen Sichelzelle appelliert, worauf sich diese dann sagt: Ich geh dann mal kaputt.
Muß doch jeder für sich selbst entscheiden, ob er sich impfen lässt, Prophylaxe betreibt oder Mut zur Lücke hat. Gerade wenn’s eine Möglichkeit zur Vorsorge gibt…soll hinterher keiner jammern, wenn er am falschen Ende gespart hat.
Die Shwedagon Pagode in Yangon ist sehr bemerkenswert und diese Fünf Dollar Eintritt für Ausländer sind gut angelegt. Mit einem 76Karäter und mehreren Tausend weiteren Diamanten an der Spitze auf der goldenen Kuppel. Ob wirklich 6000 Tonnen Gold in der Kuppel stecken? Mein Thailandreiseführer behauptet, die Thais nehmen an, dass das Gold für die Pagode aus der Plünderung und Zerstörung der alten Thai-Hauptstadt Ayuthaya Mitte des Achtzehnten Jahrhunderts durch die Burmesen stammte. Auf Thailändisch heißt Prost übrigens „TschopDiKap“ für Männer, Frauen sagen „Tschopdikaah“. Back in Town
Nach der Rueckkehr vom goldenen Felsen, heute ein neuer Versuch Bilder und Text ins Internet zu laden – das erste Internetcafe war grottig lahm und hatte virenverseuchte Rechner. Das zweite ist ganz OK, nur es gibt kein Java, da lassen sich die Bilder nur schwer hier hochladen. Java scheint auch nicht nach Myanmar exportierbar zu sein – besser klappts erst, wenn ich mit dem eigenen Rechner online gehen kann.