Tag 8: Nachisan – Shingu

Nach dem westlichen Frühstück und ein bisschen Konversation gehe ich los. Zuerst führt die Straße bis nach Kii-Katsura ans Meer und dann folgt man der Hauptstraße, nur unterbrochen durch zwei kleine Pässe, die ich anstelle der Straßentunnel überquere. Kurz vor Shingu werde ich von einem Mann gerufen, der mich bittet eine Pause zu machen und mit ihm eine Kiwi zu essen. Ein siebzig jähriger Mönch im Ruhestand. Ich habe nicht alles von seinem Japenglisch verstanden, aber er erklärte mir wohl, dass es nur einen Buddha gäbe, als Impersonifizierung des christlichen Gottes. Alles gleich also. Und in Nara gäbe es auch einen Tempel mit der riesigen Buddhastatue. Der Name des Buddhismus wäre Tenji oder Tenschi. Wie gesagt, ich habe nicht alles verstanden und womöglich sogar falsch.

Gegen Eins komme ich am Gran Hotel an, es ist zu früh zum Einchecken, aber ich kann den Rucksack schonmal dort lassen. So kann ich ziemlich erleichtert den Aufstieg zum Kumikura Schrein machen, der über eine extrem steile Treppe führt. Läuft sich fast von allein. Der Legende nach, sind Buddha und die Gottheiten genau dort vom Himmel herabgefahren, siehe auch die alte Japanische Skizze. Danach geht es zum dritten Groß Schrein vom Kumano Kodo: Kumano Hayatama Taisha. Dann noch eine Runde durch die Stadt über den Asuka Schrein zurück zum Hotel. Mein Rücken schmerzt ziemlich, es ist aber vielmehr eine Verspannung in Höhe des linken Schulterblattes. Eine heiße Dusche und etwas Diclofenac Creme sollten helfen.

Tag 9: Shingu – Kumano

Die heutige Etappe nennt sich Hama-kaido und führt fast immer am Shichiri-mihama Strand entlang oder historisch auf den Strand. Dieser besteht aber aus kleinen Kieseln – darauf mit Rucksack zu laufen ist in etwa so anstrengend, wie einen steilen Berg hinauf zu gehen. Dies erspare ich mir aber weitestgehend, denn mit vorraussichtlich 28km wir es ohnhin sportlich genug. Die linke Schulter macht sich bereits nach 500m bemerkbar, aber irgendwie schaffe ich es über den Verlauf der Stunden, es nicht allzu schmerzhaft werden zu lassen, vor allem, da sich der Schmerz ausgleichend auf beide Seiten verteilt…

Die Strecke ist fast permanent entlang der vielbefahrenen Straße und es gibt nicht allzu viel Besonderes zu sehen. Nur kommt es so vor, also ob ich jetzt einige der übersprungenen Stecken von Shikoku nachhole – Meditation im Abgasrausch…

Kurz vor Kumano befindet sich dann der Hanaoiwaya Schrein, an einem großen Felsen. Und dann gibt es noch etwas weiter einen Löwen Felsen, um den ich auf dem Kieselstrand stapfe. Dann noch ein steiler Anstieg und ich bin in meinem Onsen Hotel.

Man gibt mir ein westliches Zimmer, aber ich hatte traditionell gebucht, das lasse ich schnell ändern, den auf einem Futon schläft es sich besser. Das erste Hotel, bei dem der Toilettendeckel automatisch beim Betreten des WC nach oben klappt und die Schüssel beleuchtet ist. Musik hat die Toilette aber nicht, ich probiere alle Tasten.

Festzuhalten ist, dass das WiFi in diesem Hotel großer Mist ist. Am falschen Ende gespart. Deswegen muss ich auch zum zweiten Male über das mehrgängige Essen schreiben. Englisch spricht man hier auch nur mittels Übersetzer Apps auf Tablets oder kleinen Geräten. Das Essen wird wahrscheinlich gehobenes Niveau sein, aber ich bevorzuge die etwas einfachere Variante ohne Schnecken und ähnliche ausgefallene Meeresfrüchte.

Gerade habe ich festgestellt, dass ich es unmöglich morgen ausschließlich zu Fuß bis zur nächsten Unterkunft schaffe, wenn ich auf den historischen Pfaden unterwegs sein will. Ich muss dann Mal schauen, wieviele der Pässe ich bis zu einer Bahnstation schaffe, die mich dann ein paar Stationen weiter nach Owase bringt.

Tag 10: Kumano – Owase

Das Frühstück stellte sich als ein Bausatz heraus, meinen Fisch musste ich nur erst grillen und die sehr leckere Misosuppe musste erst auf den Stövchen kochen. Für meinen Geschmack viel zu kompliziert und dauert zu lange.

Zuerst muss ich vom Hotel hinunter. um dann wieder zum Matsumoto Pass aufzusteigen. Ein schöner, zum Teil mit jahrhundertalten Steinen ausgelegter Weg.

Direkt im Anschluss geht es über den Obuki Pass. Für den nächsten Pass bräuchte ich etwa drei Stunden, der anschließende Zug kommt in etwas weniger als drei Stunden. Könnte gerade noch passen, es ist allerdings auch ziemlich warm und einige blutrünstige Moskitos haben mir in der Nacht den Schlaf geraubt und mich zerstochen, bis ich mehrfach aufstehen müsste, um anscheinend alle erwischt zu haben. Ich nehme lieber den früheren Zug, denn meine Unterkunft ist noch eine Stunde Fußmarsch vom Bahnhof Owase entfernt. Es geht stetig bergan, bis ich Irgendwo im Nirgendwo mein Ziel erreicht habe. Recht speziell und hat vielleicht bessere Zeiten erlebt, aber ganz sicher bin ich mir dabei nicht… Es ist jedenfalls noch früh und Zeit bis zum Abendessen, so laufe ich nach einer Pause noch weiter das Tal hinauf, bis die Straße endet. Tolle Natur.

Bilder bekam ich dort nicht hochgeladen, warum auch immer. Das Essen war ok, eine Flasche Bier dort war allerdings die Teuerste Japans bis jetzt. Immerhin: Null Sterne und Null Moskitos.

Tag 11: Owase – Kihokucho

Nach dem Frühstück um 07:00 geht es erst eine Stunde zurück bis Owase, wo ich dann den Magose Pass in Angriff nehme. Es ist sehr warm, daher sind die Steigungen heute eine besonders schweißtreibende Aktion…Wieder ein sehr schöner historischer Steinpfad. Oben am Pass gibt es einen Abzweig zum Binishiyama Felsgipfel, doch dafür fehlt mir leider die Zeit. Nach dem Abstieg in Aiga nehme ich die Bahn, um eineinhalb Stationen entlang der Hauptstraße zu verkürzen. Ich springe natürlich nicht auf halber Strecke an, sondern laufe von der zweiten Station Minose zurück zum Hajikami Pass. Der Aufstieg führt über einen Pfad aus der Edo Periode, aber nur erscheint er wie ein normaler, aktueller Schotterpfad, wieder hinunter geht es auf dem gleichmäßigen Pfad aus der Meiji Periode. Wieder am Bahnhof vorbei will ich über den Miura Pass, aber verpasse dank der fehlenden Beschilderung den Abzweig. Als ich vor den Doze Tunnel stehe, ist mir klar, dass kein Abzweig mehr kommt, ich entscheide mich aber dagegen nochmals zurück zu gehen. Direkt ab der Küste entlang geht es zu meiner heutigen Unterkunft – kein Vergleich zu gestern. TipTop dieses Kiino Matsushima, allerdings habe ich nur Frühstück gebucht, da mir das Abendessen zu gehoben (und zu teuer) erschien.

Tag 12: Kihokucho – Ise

Nach dem Frühstück gehe ich bei Sonnenschein und Recht schwülen Wetter los. Zuerst war geplant bis Mittag etwa 15km bis Umegadani zu wandern, um dann dort gegen Ein Uhr den Zug nach Ise zu nehmen. Aber kurz vor Erreichen von Nagashima nach wenigen Kilometern prüfe ich nochmals die Bahnverbindungen und stellte fest, dass ich auch in einer knappen Stunde, ab dort einen Zug nehmen könnte. Hätte auch den Vorteil, dass ich mehr Zeit in Ise für für Besichtigung der Großschreine hätte. Ich beeile mich und bleibe auf der kürzeren Strecke entlang der Hauptstraße, nur um dann später festzustellen, dass der Zug eine halbe Stunde später fährt. Somit habe ich Zeit, mich meiner Lektüre zu widmen. Um 12 komme ich am Hotel neben dem Bahnhof an, kann den Rucksack dort lassen und besichtige erst den Äußeren und dann den Inneren Schrein. Dazwischen liegen vier Kilometer vierspuriger Hauptstraße. Die Schreine sind komplett umzäunt, Kein direkter Zutritt für Normalsterbliche. Menschenmassen, Ganze Busladungen, die sich dennoch kurz und schnell an einer Art Guckloch verbeugen. Die Holzgebäude sind erst wenige Jahre alt, wenn ich es richtig verstanden habe, werden sie alle Zwanzig Jahre neu gebaut, und dafür hat man eigens einen Zedernholz Wald angelegt. Natürlich gibt es noch einige weitere Schreine, die etwas zugänglicher sind. Der gesamte Ort lässt mich ratlos zurück. Dann geht es noch durch antike Futtershopping Straßen und ich bin froh es hinter mir zu haben.