Tokushima – Koyasan

Morgens geht es früh los, um 07:20 soll der Bus der Linie 4 zur Fahrstation fahren, also mache ich um 06:45 zu Fuß auf den Weg. Klappt soweit alles, um 08:00 legt die Fähre nach Wakayama ab, ich esse das Supermarkt Sushi zum Frühstück, zusammen mit Kaffee aus der Thermoskanne. Das Wetter ist schlecht, so wird die Überfahrt zeitweise zu einer ziemlich schwankenden Angelegenheit. Aber es beruhigt sich wieder. Es schließt sich eine Zugfahrt mit drei Mal Umsteigen an, mir wird erst später ist, dass der Zug zuerst nach Osaka (Namba) führt und von dort aus nach Koyasan. Ab Tengachaya wird der ausländische Touristen Anteil zusehends höher. Der letzte Zug quält sich immerhin bis auf 530m hoch, bis dann die letzte Strecke am Kabel hochführt. Nicht daran denken, wie es wäre, wenn das Stahlseil reißen sollte, es sind keine Widerhaken wie bei einer Zahnradbahn erkennbar…

Nichts passiert, alles gut, auf über 800m Höhe prima angekommen. Es gibt Busse. Ich dachte die Station wäre nahe an Ort, checke kurz die Navi-App, sie meint über 3h zu Fuß, Huch! Dann doch schnell in den Bus, bevor er weg ist. Die Fahrt dauert nicht so lang, also checke ich später Mal per Google Maps, da wären es nur vierzig Minuten zu Fuß entlang der Straße gewesen…

Ich komme nach über sechs Stunden Anreise am Muryokoin Tempel/Kloster an, wo ich die nächsten zwei Tage übernachten werde. Ich kann etwas früher Einchecken, Abendessen gibt es bereits um fünf Uhr, damit man noch noch Zeit hat im Laternenlicht Uhr den Okunoin zu besuchen. Das mache ich dann auch später, aber vorher auch noch Mal eine schnelle Tour durch den Ort. Das Wetter besteht aus feinem, aber konstantem Nieselregen. Jetzt zum Nachmittag scheinen sehr viele Tagesausflügler abzureisen, nachdem die Autokolonnen und Busse endlich fort sind, leert es sich zusehends und der Ort bekommt etwas geradezu magisches. Hier steht Tempel oder Kloster direkt neben dem nächsten. Zum Teil sind diese recht groß geraten, aber ich bin hier ja auch auf dem heiligen Berg, dem Zentrum des Shingon Buddhismus Japans. In meinen Tempel gibt es etliche Mönche und Novizen – ganz anders als auf Shikoku. Und im Dunkeln bei Laternenlicht und Nieselregen über den Okunoin zum Mausoleum von Kobo Daishi zu gehen hat zum Teil etwas geradezu unwirkliches. Die Halle der Laternen ist geschlossen, aber einige beleuchten auch einen Rundgang unter den Vordach und i mich freut, ein paar Räucherstäbchen entzünden zu können. Vom letzten Teil des Weges gibt es aber keine Bilder, denn ich respektiere den Wunsch dort keine Aufnahmen zu machen. Definitiv ein Highlight!

Danach noch ein heißes Bad, denn das schließt hier um Neun und bleibt morgens geschlossen und ich bin danach so müde, dass ich nicht mehr bloggen konnte…

Koyasan

Um 05:30 geht der Wecker. Aber nicht meiner, sondern gleich zwei meiner Zimmernachbarn… Ich wollte erst in einer Viertelstunde aufstehen, aber geschenkt, denn beide Wecker bimmeln über zehn Minuten lang…

Um Sechs Uhr beginnt die Morgenzeremonie. Diese ist sehr schön, mit Feuerzeremonie, dauert aber mehr als neunzig Minuten. Frühstück gibt es erst anschließend, also nach Acht Uhr. Die Portion vegetarisches Essen lässt mich beinahe hungrig zurück. Dafür schließt sich im Anschluss ans Frühstück eine sehr interessante Unterhaltung mit einer Australierin an, die in zwei Tagen nach Deutschland nach Hamburg auswandert. Sehr inspirierend und zugleich hochpolitisch. Ich hoffe es ergibt sich Gelegenheit zur Fortsetzung.

Ich stellte jedenfalls fest, dass ich morgen erst gegen neun Uhr los wandern könnte, und das ist mir zu spät, da ich nicht einschätzen kann, wie die 6-8h Wegzeit bemessen sind. 700m rauf und 850 runter bei insgesamt 17km… Doch wie rutschig ist der Weg durch den Dauerregen? Es geht immerhin über 1100m Höhe und zu spät noch unterwegs sein zu müssen ist aus mehrfacher Hinsicht problematisch. Daher beschließe ich für morgen, Zeremonie und ohnehin nicht für eine Wanderung ausreichendes Frühstück ausfallen zu lassen, um bereits um 7 Ihr auschecken zu können.

Am heutigen Tag hat es mehr oder weniger starken Dauerregen gegeben. Das volle Besichtigungsprogramm per Discount Ticket war angesagt. Tokugawa Mausoleen, Museum, Haupttempel… Und eine Jukai Zeremonie. Die verlief zwar etwas anders aus vorher angekündigt, da zuviele Leute daran teilnahmen (zum Glück), aber im Endeffekt wurden mir jetzt die zehn buddhistischen Gebote überreicht. Im Info-Zettel lesen sich diese etwas anders, als in meinem Route Guide, das muss ich später vergleichen. Ich empfinde es allerdings als grenzwertig, wenn solch eine, an sich wichtige, Zeremonie in ein Besichtigungspaket gepackt wird.

Als ich nur Minuten später nach Verlassen des Tempels auf einem Fußgängerüberweg um Haaresbreite auf der Kühlerhaube einer ignoranten Autofahrerin sitze, ist es mit der schönen Selbstkontrolle und den Geboten bereits wieder vorbei, immerhin ist meine (kurze) Beschimpfung ziemlich harmlos, da mich mein zweiter Pilgerhut offensichtlich erfolgreich behütet hat.

Zum Glück habe ich es nachmittags noch geschafft, mir für morgen früh Sushi zu kaufen, es gibt hier in Koyasan fast überall nur Süßigkeiten zu kaufen, und der Rest ist offensichtlich heiß begehrt bei Leuten, die kein Tempeldinner gebucht haben. Verglichen mit Shikoku ist das Preis Leistungsverhältnis hier auch deutlich schlechter, es gibt deutlich weniger für deutlich mehr…

Am Nachmittag habe ich noch den Okunoin besucht und es auch geschafft, einen „Abschluss“ Stempel für mein Nokyocho zu bekommen. Und festgestellt, wie viele Leute das Fotografieverbot dort an Mausoleum scheinheilig ignorieren…

Morgen startet Phase Zwei, das Pilgern auf dem Kumano Kodo…

Ich erfahre auch, wo ich noch einen passenden Stempel für mein Nokyocho erhalten kann. Zur Laternenhalle bei Tageslicht will ich so oder so.

Tag1: Koyasan – Omata

Mit der neuen Pilgerroute beginnt auch eine neue Zeitrechnung. Um 7:15 habe ich im Muryokoin Tempel ausgecheckt und mache mich auf den Weg. Es ist noch kühl, aber trocken, der Regen hat wie vorhergesagt aufgehört. Direkt aus dem Ort geht es steil bergan, dann leicht bergan um dann sehr steil bergab und ebenso so steil bergauf zu gehen. Stellenweise ist der Weg in Wald ziemlich schlammig, aber nirgends so rutschig, dass meine Wanderstöcke unverzichtbar waren. An vielen Stellen ist der Weg asphaltiert oder folgt einer Straße, auf einer Sektion brettert ein konstanter Strom von Motorrädern vorbei, viele mit Campingausrüstung. Es ist Golden Week, es gibt einen neuen Kaiser und eine neue Zeitrechnung. Unterwegs sammle ich in meinem Credencial Stempel. Mal sehen, ob ich später auch ein bisserl nach Santiago der Compostela pilgere, damit ich mich „Peregrino Dual“ nennen darf…

Und Bären soll es hier auch geben. Einige Wanderer tragen bimmelnde Glöckchen, um die zu vertreiben. Ich muss dabei an eine Yukon Reportage denken, man nannte diese Glöckchen als Signal für Grizzlys, dass das Essen angerichtet sei…

Die Straße zum Minshuku scheint gesperrt, aber bei einem Schild daneben scheint es sich laut Translator um eine Werbetafel zu handeln. Wir sich später herausstellte war die Straße tatsächlich gesperrt, weil es Erdrutsche gab und die Straße an einer Stelle faktisch fort ist. Es gibt noch einen schmalen Sims aus Beton, und da trocken ist, riskiere ich, darüber zu laufen. Bei Regen hätte ich zuviel Respekt davor, dass der unterspülte Rest auch noch abrutschen würde.

Meine Vorsicht mit den Zeitangaben der Karte war nicht angebracht, auch ohne mich zu beeilen und mit einer Pause zwischendurch bin ich bereits vor Ein Uhr am Minshuku Kawarabiso, also viel zu früh. Ich kann jedenfalls nochmals Pause machen und später laufe ich zu einem Onsen in 1,3km Entfernung bei einem Hotel Nosegawa. Bin zwar nicht vollständig motiviert am frühen Nachmittag in einem Thermalbad zu liegen, wo draußen wunderbares Wetter ist und dafür zu zahlen, aber es soll für mich als Gast dort Discount geben, nur 400¥ Am Empfang stellt sich dann aber heraus, dass ein Handtuch 300¥ extra kostet. 700¥ ist mir dann doch zu teuer und ich gehe wieder und noch ein bisschen die Straße entlang, über eine wacklige Brücke an einem kleinen Campingplatz vorbei und dann wieder zurück. Jetzt ist Zeit für eine heiße Dusche, die umsonst ist und dann mache ich Pause, bis es um Sechs Ihr Abendessen gibt. Es gibt WiFi, aber mobile Daten waren bisher nicht verfügbar, es gibt nur ein Netz von der SoftBank und da scheint meine SIM Karte gesperrt zu sein.

Tag2: Omata – Miura-guchi

Der Abend zuvor endete noch lustig: es gab Brühe-Fondue mit Wildschwein, viel Unterhaltung mit Japanern aus Tokyo, die Englisch sprachen, ein musikalischer Auftritt eines Nachwuchstrommlers und dann auch noch Sake, denn man ist hier durchaus gesellig. Ein bisschen war ich die Attraktion des Abends, ich weiß nicht genau, warum die 85 jährige Frau hier vom Minshuku einen Narren an mir gefressen hatte, und auch einer der Japaner ließ sich sogar zu einem „I love you“ hinreißen, nachdem ich erzählt hatte, zuvor die 88 Tempel von Shikoku gewandert zu sein. Zum Thema, dass man dafür dich sehr lange bräuchte, gab es einen interessanten Informationssaustausch zu Urlaub, Work Life Balance, Prioritätensetzung in Bezug auf Karriere, Einsatz und Eintreten für Eigeninteressen.

Auch das Frühstück war sehr lecker und es gab dazu das zuvor georderte Lunchpaket, denn hier gibt es keine Convenience Stores or ähnliches um sich Verpflegung zu besorgen.

Aufgrund einer teilweisen Zerstörung des Weges gibt es eine Umleitung. Wenn man es genau nimmt, wird man aber nicht um den Gipfel herum geleitet, sondern schnurstracks darüber hinweg. Man kann dadurch auch im Zeitraffer die durch Wanderer entstehende Erosion sehen. So schön die Wege durch den Wald auch scheinen, hier, wie auch in Shikoku, größtenteils handelt es sich um Nutzwald, Monokulturen von Zedern, selten sind Bäume älter als maximal 100 Jahre. Es gab ein zwei historische Orte unterwegs, wo ebenfalls stur die Bäume gepflanzt wurden – eine effektive Methode den Ort und seine Atmosphäre zu zerstören. Wir problematisch gerade diese reinen Nadelholzpflanzungen mit durchweg gleichem Alter sind, kann man an vielen abrutschenden Hängen sehen. Es fehlt an puffernder Bodenbedeckung durch Pflanzen und bei Regen hält dann auch der aufgebrachte Beton nicht immer stand, ganze Bergflanken hat man hier mit Zement versiegelt, damit das Wasser außerhalb abläuft. Es lässt sich nur erahnen, wie vor 1000 Jahren das Pilgern unter Jahrhunderte alten Bäumen gewesen sein muss.

Ich komme noch bei Sonnenschein am Minshuku Yamamoto an. Eine Dusche und die Waschmaschine gestartet und schon fängt ein schweres Gewitter an, welches mehr als zwei Stunden mit heftigen Regen andauert. Zum Glück bin ich nicht mehr auf dem Berg, und auch der steile Abstieg wäre bei dem Wetter lebensgefährlich. Ich kontrolliere nochmals den Wetterbericht, der kennt nur Sonne für die Region, aber das Satelliten Bild zeigt eine Gewitter Zelle genau über uns.

Das Essen hier ist wirklich außergewöhnlich gut und die Betreiber sind super nett.

 

Tag 3: Miura-guchi – Totsukawa Onsen

Es gab ein wunderbares Frühstück im Minshuku Yamamoto, eines der besten, die ich hier in Japan bisher hatte, mit vielen verschiedenen frischen Sachen. Auch die Getränke Preise für gestern Abend sind sehr zivil. Dann werden wir Gäste sogar noch ein Stück im Auto über die provisorische Straße im Flussbett mitgenommen zurück zum Startpunkt des Kumano Kodo Trail. Auch eine Bento Box für unterwegs gab es.

Dann geht es stetig bergauf. Es ist noch kühl und schon wenige Minuten nach Neun Uhr bin ich oben am Pass auf über 1000m Höhe angekommen. Ich trage Sonnenschutz auf, denn vereinzelt geht es durch die Sonne und esse eine Reisrolle aus meinem Lunchpaket. Jetzt geht es permanent wieder bergab. Der Weg durch den Wald ist deutlich schöner als gestern, hier scheint man sich meistens Gedanken beim Holzeinschlag gemacht zu haben und jeweils ein paar Bäume stehen gelassen: Resultat, deutlich mehr Diversität und deutlich weniger abrutschende Berghänge.

Unten am Fluss angekommen, geht es für zehn Kilometer entlang der Straße bis zum Zielort Tatsukawa mit seinen vielen Onsen. Es ist mittlerweile sehr warm, 25 Grad im Schatten, aber davon gibt es auf der Straße wenig. Erstmal eine Pause beim Rest meines Kaffees und der Bentobox. Ich ziehe mein langärmeliges Hemd über, als Sonnenschutz und Tage erneut Sunblocker 50+ in Gesicht auf, da ich trotz Hut und fast nur Schatten in Wald den Eindruck habe bereits zuviel Sonne abbekommen zu haben.

Ich komme vor drei Uhr an meinen Ryokan Tanakaban mit Onsen an und nach einer Pause mit grünem Tee genieße ich das heiße schweflige Wasser der Thermalquelle. Ansonsten bisheriger Eindruck: aufgrund des 70% igen Golden Week Zuschlags völlig überteuert. 

Tag 4: Totsukawa Onsen – Yunomine Onsen

Für das Frühstück musste ich eine frühere Zeit aushandeln, statt 07:30 wurde 07:00 akzeptiert.

Dann ging es stetig bergan, bei wunderbarem Wetter, vielleicht schon eine Spur zu warm für mich, oder ich war nicht 100% fit, weil ich dort geschlafen habe, jedenfalls gegenüber gestern, fiel mir der Anstieg deutlich schwerer. Erst mit der Zeit, aber vor allem nachdem ich etwas Magnesium genommen hatte ging es leichter. Bei einem Zwischenstop traf ich meine drei Japaner wieder und sie schenkten mir zum Feiertag einen Drachen-Wimpel den ich dann fortan ebenfalls tragen durfte. Oben auf dem Pass war ich dann plötzlich die Attraktion für eine ganze Gruppe junger Japanerinnen als Deutscher, der auf Shikoku gepilgert ist und jetzt den Kumano Kodo läuft. Lustig.

Der Abstieg war schier endlos, mit vielen schrägen Steinstufen- ich habe hier solch ein unglaubliches Glück mit dem Wetter! Ansonsten bei Nässe wäre der Weg auch mit Stöcken deutlich schwerer und gefährlicher geworden.

Später, nach einem Stop an einem Michi No Eki, bei Nullcola mit meinem Lunchpaket, kaufe ich mir noch etwas Instantfood für abends und einen Joghurt für Frühstück. Ein junger Japaner,  der offensichtlich zu sehr der deftigen Küche zugetan ist, empfiehlt mir in höchsten Tönen ein Curry. Warum nicht denke ich mir und kaufe es. Mein Abendessen, nicht schlecht.

Am großen Schrein von Hingucker Taisha habe ich dann auch schon den Kohechi Teil des Weges erfolgreich abgeschlossen. 70km sind geschafft, alle Stempel im Heft. Den finalen Weg über einen Bergkamm nach Yunomine Onsen gehe ich mir für morgen auf und nehme kurz vor fünf den übervollen Bus.

Das Hostel J-Hoppers ist wirklich sehr gut und übertrifft meine Erwartungen. Vor allem hat es ein Outdoor Onsen, der der Knüller ist. Es gibt Gratis Reis am Abend und morgens Onsen Porridge -Reisschleim aufgkocht mit Thermalquellwasser, welches deutlich schweflig riecht. Schmeckt trotzdem nach nichts und ich esse lieber Müsli zum Joghurt, was es hier in Beutel abgepackt gibt.

Tag 5: Yunomine Onsen

Heute ist ein ruhiger Tag, den erst morgen will ich die nächste Etappe auf dem Nakahechi antreten. Ich habe hier gut geschlafen, es ist schon länger her, dass ich in einem Hostel übernachtet habe, aber das Konzept hier mit separaten Schlafbuchten ist gut. Und die drei Onsen hier sind genial. Da musste ich am morgen direkt nochmals hinein. Und dann galt es eine wirklich große Spinne aus den Zimmer zu entfernen. Ich will ja nicht, dass die nachts auf mit herum krabbelt. Womöglich ist die auch noch sehr giftig. Ab ins große Glas und dann nach draußen, 30m weiter ins Grün. Sich eine Rettungsaktion gibt bestimmt Buddhismus Bonuspunkte.

Ich koche mir hier in Ort ein paar Eier in einer Thermalquellen, den das Wasser tritt dort an mehreren Stellen beinahe kochend zutage. Dann gehe ich den Dainich-goe trail nach Hongu Taisha und mache dem großen Schrein nochmals meine Aufwartung. Dann gehe ich am großen Tori vorbei zum Startpunkt der morgigen Etappe, um schonmal das Heft zu stempeln. Wie ich dabei feststellte, gibt es irgendwo am Tori oder dem ehemaligen Ort des Groß Schreines noch einen Stempel- ich bin zwei Mal durch und herumgelaufen, aber habe nichts gesehen. Aber nur dafür zurücklaufen habe ich auch keine Lust. Stattdessen wandere ich ganz gemütlich den Großteil der gestrigen Busstrecke entlang.

Tag 6: Yunomine Onsen -Koguchi

Mit dem Bus geht es ein ein paar Stationen bis zum Startpunkt der Etappe Kogumotori-goe bei Ukegawa.

Heute eine leichte Etappe, nicht allzu viele Höhenmeter oder Kilometer. Bei den Überresten einer Kowase Fähre, die durch eine Brücke ersetzt wurde, treffe ich auf einen Portugiesen, der ausgezeichnet Englisch spricht und jetzt in Galizien lebt. Wir kommen ins Gespräch über Miyamoto Musashi und dieses und jenes und gehen den restlichen Kilometer bis zu unserer Unterkunft gemeinsam. In Koguchi haben wir beide über Kunano Travel Shizen-no-le reserviert, welches sich in einer alten Schule befindet und zu den auch ein Camping gehört. In einer Art Loggia meines Raumes trinke ich Tee und schaffe es endlich kann wieder mein Buch wir zu lesen, denn es gibt im Ort keinen Mobilfunk und das freie Wifi ist nur im anderen Bereich empfangbar, jeweils nur maximal 15 min. Dann schaue ich mir noch kurz den Ort an, nehme ein Bad und dann gibt es Essen. Wir unterhalten und noch den ganzen Abend über beim Essen und Sake, so dass ich auch dann nicht zum Bloggen komme. Das Essen dort ist gut, wenn auch nicht besonders ausgefallen.

Tag 7: Koguchi – Nachisan

Die heutige Etappe Ogumotori-goe verspricht deutlich anstrengender aufgrund der vielen Höhenunterschiede zu werden. Zusätzlich gibt es aufgrund eines Bergrutsches eine Umleitung um einige Kilometer zusätzlich. Wir bestreiten nach dem westlichen Frühstück die Etappe gemeinsam und unterhalten und dabei. Ist ggf arnicht Mal so einfach während eines steilen Anstiegs mit Rucksack weiterzureden, aber es gelingt. Ich bin zwar nicht unbedingt schneller geworden und passe lieber auf meine Füße und den Weg auf, aber meine Kondition hat sich doch deutlich verbessert. In Nachisan trennen sich dann unsere Wege, denn er hatte dort keine Unterkunft mehr finden können, sondern nur in der Stadt Kii-Katsuura. Dort werde ich dann morgen durchlaufen.

Der große Schrein von Nachi und die Pagode sind interessant und für mich geht es am Ende noch die Daimonzaka Treppen zwischen Jahrhunderte alten Bäumen hindurch zu meinem reservierten Daimonzaka Washua Homestay. Ein Bad gibt es hier nicht, dafür freien Eintritt in einen Onsen in der Nähe. Das Angebot, mich den Kilometer im Auto zu bringen, kann ich nur ausschlagen, denn die jeweils 15 min Fußmarsch schaffe ich noch locker. Das Onsen ist wunderbar, es ist ein schöner Spaziergang und dann gibt es ein wunderbares Essen für mich und Konversation mit der netten Frau hier.

Tag 8: Nachisan – Shingu

Nach dem westlichen Frühstück und ein bisschen Konversation gehe ich los. Zuerst führt die Straße bis nach Kii-Katsura ans Meer und dann folgt man der Hauptstraße, nur unterbrochen durch zwei kleine Pässe, die ich anstelle der Straßentunnel überquere. Kurz vor Shingu werde ich von einem Mann gerufen, der mich bittet eine Pause zu machen und mit ihm eine Kiwi zu essen. Ein siebzig jähriger Mönch im Ruhestand. Ich habe nicht alles von seinem Japenglisch verstanden, aber er erklärte mir wohl, dass es nur einen Buddha gäbe, als Impersonifizierung des christlichen Gottes. Alles gleich also. Und in Nara gäbe es auch einen Tempel mit der riesigen Buddhastatue. Der Name des Buddhismus wäre Tenji oder Tenschi. Wie gesagt, ich habe nicht alles verstanden und womöglich sogar falsch.

Gegen Eins komme ich am Gran Hotel an, es ist zu früh zum Einchecken, aber ich kann den Rucksack schonmal dort lassen. So kann ich ziemlich erleichtert den Aufstieg zum Kumikura Schrein machen, der über eine extrem steile Treppe führt. Läuft sich fast von allein. Der Legende nach, sind Buddha und die Gottheiten genau dort vom Himmel herabgefahren, siehe auch die alte Japanische Skizze. Danach geht es zum dritten Groß Schrein vom Kumano Kodo: Kumano Hayatama Taisha. Dann noch eine Runde durch die Stadt über den Asuka Schrein zurück zum Hotel. Mein Rücken schmerzt ziemlich, es ist aber vielmehr eine Verspannung in Höhe des linken Schulterblattes. Eine heiße Dusche und etwas Diclofenac Creme sollten helfen.

Tag 9: Shingu – Kumano

Die heutige Etappe nennt sich Hama-kaido und führt fast immer am Shichiri-mihama Strand entlang oder historisch auf den Strand. Dieser besteht aber aus kleinen Kieseln – darauf mit Rucksack zu laufen ist in etwa so anstrengend, wie einen steilen Berg hinauf zu gehen. Dies erspare ich mir aber weitestgehend, denn mit vorraussichtlich 28km wir es ohnhin sportlich genug. Die linke Schulter macht sich bereits nach 500m bemerkbar, aber irgendwie schaffe ich es über den Verlauf der Stunden, es nicht allzu schmerzhaft werden zu lassen, vor allem, da sich der Schmerz ausgleichend auf beide Seiten verteilt…

Die Strecke ist fast permanent entlang der vielbefahrenen Straße und es gibt nicht allzu viel Besonderes zu sehen. Nur kommt es so vor, also ob ich jetzt einige der übersprungenen Stecken von Shikoku nachhole – Meditation im Abgasrausch…

Kurz vor Kumano befindet sich dann der Hanaoiwaya Schrein, an einem großen Felsen. Und dann gibt es noch etwas weiter einen Löwen Felsen, um den ich auf dem Kieselstrand stapfe. Dann noch ein steiler Anstieg und ich bin in meinem Onsen Hotel.

Man gibt mir ein westliches Zimmer, aber ich hatte traditionell gebucht, das lasse ich schnell ändern, den auf einem Futon schläft es sich besser. Das erste Hotel, bei dem der Toilettendeckel automatisch beim Betreten des WC nach oben klappt und die Schüssel beleuchtet ist. Musik hat die Toilette aber nicht, ich probiere alle Tasten.

Festzuhalten ist, dass das WiFi in diesem Hotel großer Mist ist. Am falschen Ende gespart. Deswegen muss ich auch zum zweiten Male über das mehrgängige Essen schreiben. Englisch spricht man hier auch nur mittels Übersetzer Apps auf Tablets oder kleinen Geräten. Das Essen wird wahrscheinlich gehobenes Niveau sein, aber ich bevorzuge die etwas einfachere Variante ohne Schnecken und ähnliche ausgefallene Meeresfrüchte.

Gerade habe ich festgestellt, dass ich es unmöglich morgen ausschließlich zu Fuß bis zur nächsten Unterkunft schaffe, wenn ich auf den historischen Pfaden unterwegs sein will. Ich muss dann Mal schauen, wieviele der Pässe ich bis zu einer Bahnstation schaffe, die mich dann ein paar Stationen weiter nach Owase bringt.

Tag 10: Kumano – Owase

Das Frühstück stellte sich als ein Bausatz heraus, meinen Fisch musste ich nur erst grillen und die sehr leckere Misosuppe musste erst auf den Stövchen kochen. Für meinen Geschmack viel zu kompliziert und dauert zu lange.

Zuerst muss ich vom Hotel hinunter. um dann wieder zum Matsumoto Pass aufzusteigen. Ein schöner, zum Teil mit jahrhundertalten Steinen ausgelegter Weg.

Direkt im Anschluss geht es über den Obuki Pass. Für den nächsten Pass bräuchte ich etwa drei Stunden, der anschließende Zug kommt in etwas weniger als drei Stunden. Könnte gerade noch passen, es ist allerdings auch ziemlich warm und einige blutrünstige Moskitos haben mir in der Nacht den Schlaf geraubt und mich zerstochen, bis ich mehrfach aufstehen müsste, um anscheinend alle erwischt zu haben. Ich nehme lieber den früheren Zug, denn meine Unterkunft ist noch eine Stunde Fußmarsch vom Bahnhof Owase entfernt. Es geht stetig bergan, bis ich Irgendwo im Nirgendwo mein Ziel erreicht habe. Recht speziell und hat vielleicht bessere Zeiten erlebt, aber ganz sicher bin ich mir dabei nicht… Es ist jedenfalls noch früh und Zeit bis zum Abendessen, so laufe ich nach einer Pause noch weiter das Tal hinauf, bis die Straße endet. Tolle Natur.

Bilder bekam ich dort nicht hochgeladen, warum auch immer. Das Essen war ok, eine Flasche Bier dort war allerdings die Teuerste Japans bis jetzt. Immerhin: Null Sterne und Null Moskitos.

Tag 11: Owase – Kihokucho

Nach dem Frühstück um 07:00 geht es erst eine Stunde zurück bis Owase, wo ich dann den Magose Pass in Angriff nehme. Es ist sehr warm, daher sind die Steigungen heute eine besonders schweißtreibende Aktion…Wieder ein sehr schöner historischer Steinpfad. Oben am Pass gibt es einen Abzweig zum Binishiyama Felsgipfel, doch dafür fehlt mir leider die Zeit. Nach dem Abstieg in Aiga nehme ich die Bahn, um eineinhalb Stationen entlang der Hauptstraße zu verkürzen. Ich springe natürlich nicht auf halber Strecke an, sondern laufe von der zweiten Station Minose zurück zum Hajikami Pass. Der Aufstieg führt über einen Pfad aus der Edo Periode, aber nur erscheint er wie ein normaler, aktueller Schotterpfad, wieder hinunter geht es auf dem gleichmäßigen Pfad aus der Meiji Periode. Wieder am Bahnhof vorbei will ich über den Miura Pass, aber verpasse dank der fehlenden Beschilderung den Abzweig. Als ich vor den Doze Tunnel stehe, ist mir klar, dass kein Abzweig mehr kommt, ich entscheide mich aber dagegen nochmals zurück zu gehen. Direkt ab der Küste entlang geht es zu meiner heutigen Unterkunft – kein Vergleich zu gestern. TipTop dieses Kiino Matsushima, allerdings habe ich nur Frühstück gebucht, da mir das Abendessen zu gehoben (und zu teuer) erschien.

Tag 12: Kihokucho – Ise

Nach dem Frühstück gehe ich bei Sonnenschein und Recht schwülen Wetter los. Zuerst war geplant bis Mittag etwa 15km bis Umegadani zu wandern, um dann dort gegen Ein Uhr den Zug nach Ise zu nehmen. Aber kurz vor Erreichen von Nagashima nach wenigen Kilometern prüfe ich nochmals die Bahnverbindungen und stellte fest, dass ich auch in einer knappen Stunde, ab dort einen Zug nehmen könnte. Hätte auch den Vorteil, dass ich mehr Zeit in Ise für für Besichtigung der Großschreine hätte. Ich beeile mich und bleibe auf der kürzeren Strecke entlang der Hauptstraße, nur um dann später festzustellen, dass der Zug eine halbe Stunde später fährt. Somit habe ich Zeit, mich meiner Lektüre zu widmen. Um 12 komme ich am Hotel neben dem Bahnhof an, kann den Rucksack dort lassen und besichtige erst den Äußeren und dann den Inneren Schrein. Dazwischen liegen vier Kilometer vierspuriger Hauptstraße. Die Schreine sind komplett umzäunt, Kein direkter Zutritt für Normalsterbliche. Menschenmassen, Ganze Busladungen, die sich dennoch kurz und schnell an einer Art Guckloch verbeugen. Die Holzgebäude sind erst wenige Jahre alt, wenn ich es richtig verstanden habe, werden sie alle Zwanzig Jahre neu gebaut, und dafür hat man eigens einen Zedernholz Wald angelegt. Natürlich gibt es noch einige weitere Schreine, die etwas zugänglicher sind. Der gesamte Ort lässt mich ratlos zurück. Dann geht es noch durch antike Futtershopping Straßen und ich bin froh es hinter mir zu haben.