Back in Town

Germany, Germany

Mit dem Zug zum Flug zum Zug. In Nagoya scheint trotz des feucht drohenden Wetters Samstag Morgen Volkswandertag zu sein, der Zug platzt aus allen Nähten, bis zwei Stationen vor dem Flughafen die versammelte Rentnerschaft aussteigt und losmarschiert.
Zwölf Flugstunden später die Landung in Frankfurt, der Flieger parkt irgendwo im Nirgendwo und die eingesetzten Shuttlebusse kurven glatte zwanzig Minuten herum. Dies liegt nicht nur an Bauarbeiten, sondern auch an Passagiertreppenfahrern, die meinen querstehend auf der Fahrspur ein Schwätzchen halten zu müssen.
Mein Gepäck lässt an der Gepäcksausageb auf sich warten. Mittlerweile eine Stunde nach Landung frage ich an der Gepäckermittlung. Ja da könne ich auch lange warten, denn wenn man wie ich bis Köln im Zug durchgecheckt ist, dann landet das Gepäck an der Gepäckausgabe am Fernbahnhof. Das müsse ich doch wissen!?
Und woher solle ich das wissen?
Das hätte man mir bei Checkin sagen müssen!
Oh willkommen, Frankfurter Flughafen oh Nabel der Welt, natürlich weiß alle Welt, und jeder Flughafen darüber Bescheid, dass es hier DIE Gepäckausgabe und DIE Gepäckausgabe gibt!
Ich enteile in Richtung Fernbahnhof, denn meine Abfahrtszeit des Zuges rückt näher.
An der Fernbahnhofgepäckausgabe steht meine Tasche einsam in der Gegend und ich leiste ihr Gesellschaft.
„Und sie sind?“ fragt mich jemand. Ein Aufpasser, Zöllner oder wer weiß was.
„Ich bin der Herr … und das ist meine Tasche. Er kontrolliert den Gepäckabschnitt.
Es wäre ja vielleicht hilfreich an der Gepäckausgabe eine Information anzubringen, dass im Anschluss Bahnreisende ihr Gepäck hier und nicht dort finden. Wenn ich nicht nachgefragt hätte, würde ich noch immer dort stehen.“ erwähne ich.
Und erneut werde ICH (und die Fluglinie) zum Verantwortlichen deklariert:
Darüber müssten die Fluggesellschaften beim Checkin informieren. Und es gäbe Durchsagen. Dann eine Einschränkung, vielleicht nicht immer, aber bestimmt alle zehn Minuten.
„Tut mir leid, ich habe lange gewartet, aber es gab ganz sicher keine einzige Durchsage. Kein guter Service.“ lautet meine Antwort.
Pahh, dafür könne Frankfurt doch nichts, und und und…
„Tut mir leid, keine Zeit, aber ICH muss zum Zug!“, und lasse die Gelegenheit verstreichen, eine sinnfreie, aber vermutlich hitzige Diskussion zu führen. Denn einsichtig scheint hier niemand zu sein, dass es kein Problem der Japaner ist, wenn Frankfurt unorganisiert ist und Passagiere schlecht informiert. Es geht doch auch anders, wie andere Flughäfen zeigen.
Im Zug gibt es natrülich keinen Platz 32B, aber kein Problem, im Abteil sind nur wenige Plätze belegt, so dass freie Sitzwahl herrscht.
Ich werde dann in Köln von Freunden am Bahnhof abgeholt, nicht ohne dass mich eine Frau um einen Euro oder fünfzig Cent „für ’ne Pommes“ anquatscht. Alles klar. Wieder daheim.
Auch die Wohnung ist noch, wie ich sie verlassen habe und nach und nach erwecke ich meine schlummernden Haushaltgerätschaften zu neuem Leben.
Mein WLAN braucht besondere Behandlung per Kabel, da mein (zum Glück bereits gekündigter) Provider wieder einmal der Meinung ist, meinen Router auf „sichere“ WEP Verschlüsselung mit Initialpasswort zurückzusetzen. Darum kümmere ich aber erst nachdem wir in einem gerade neu eröffneten Restaurant um die Ecke eine Pizza essen waren. Hier nochmals danke an alle, die mir geholfen haben und mich unterstützt haben und dafür gesorgt haben, dass meine Reise und auch die Heimkehr so ablaufen konnte, als wäre ich nur mal eben fort gewesen! Zeit für ein bisschen finaler Stastistik: Insgesamt habe ich zu Fuß in der Zeit weit über 1000km zurückgelegt. Laut meiner Waage habe ich Acht Kilo abgenommen, nicht ganz das selbstgesteckte Ziel von 10kg erreicht, aber jetzt beginnt ja der Sommer… Was hat die Reise gekostet?
Natürlich zuerst einmal ein halbes Jahresgehalt, denn wer nicht für die Firma arbeitet, bekommt von der Firma auch kein Geld.
Ich habe kein Haushaltsbuch geführt, sondern erst nach fünf Monaten grob zusammengezählt, was ich bis dahin an Bargeldern aus dem Automaten gezogen habe und welche Summen sich aus den Kreditkartenabrechnungen und vorherigen Rechnungen ergaben.
Auch weil sich der Wechselkurs zum Euro während des halben Jahres erheblich verändert hat, ist mir eine ganz genaue Zuordnung zu einzelnen Kategorien nicht einfach möglich.
Hier das fehlerbehaftete Ergebnis für mögliche Nachahmer: Unterkunft: 2500 Euro
Sprachschulen: 2300 Euro
Flüge: 2400 Euro
Züge und Busse: 800 Euro – JapanRail Pass hätte sich für meine Etappen nur durch den vorher deutlich besseren Yen-Wechselkurs und selbst dann nur knapp gelohnt
Rundreise Myanmar; 1200 Euro
Visagebühren: 250 Euro
Alles andere: 2800 Euro Alles zusammen ~12.000 Euro Drei Wochen Japan kosten mehr als Drei Monate in Thailand oder Laos. Und Geld fürs Essen etc. hätte ich daheim ebenfalls ausgeben müssen… Ob ich meine Chinesischkenntnisse noch verfeinern werde oder sie für
mich nützlich sein werden wird die Zukunft zeigen..
Weiterbilden soll man sich heutzutage ja permanent, Lebenslanges Lernen, wie es so schön heisst. Auch auf Reisen.
Nach der Reise ist vor der Reise.
Ich glaube ich brauche jetzt erst mal Urlaub 😉

Sayonara Japan

Nagoya, Japan

Gestärkt durch ein Wasabi-Soya-Frischgemüsebaguette geht es im Hiraki Shinkansen nach Nagoya. Vorbei am Fujiyama, auf den ich ein paar Minuten lang freien Blick habe.
Das gebuchte Ryokan ist mit allem Komfort ausgestattet, hier werde ich meine letzten beiden Nächte auf japanischen Boden vermutlich gut verbringen. Die Burg von Nagoya brannte im Zweiten Weltkrieg nieder, man hat sie 1959 wieder aufgebaut, so mit schickem Betonkern und auch den praktischen Aufzug dabei nicht vergessen. Ist ja auch viel bequemer, bei knappen Dreißig Grad hochzufahren und herunterzulaufen…
Später fiel es dann wohl jemandem ein, dass es Rollstuhlfahrer nicht durch den kleineren Donjon in den großen Donjon schaffen und hat einen weiteren Betonaufzug von außen drangeflanscht – zum Glück kann man das häßliche Ding auf Bildern hinter einem Baum verstecken. Dabei hätte es eine Auffahrrampe über die Treppenstufen durchaus getan…
Im Innenhof errichtet man derzeit (bis etwa zum Jahre 2018) den ehemaligen Hammuru Palast (ebenfalls mit im Krieg abgebrannt), aber auf traditionelle Weise, mit Nut und Zapfen, man kann den Handwerkern zum Teil bei der Holzbearbeitung zuschauen. Wie in der Burg von Kumamoto.
Ich musste bei solcher Wiedererweckung der Vergangenheit an das geplante Berliner Stadtschloß denken, was immerhin derzeit aus Kostengründen auf Eis gelegt wurde. Ob die Konstruktion hier komplett durch Spenden finanziert wird, kann ich den Kanjitafeln nicht entnehmen, aber ich bezweifele es, denn auch Japan ist bekannt dafür, dass es über seine Verhältnisse lebt.
Auch Obdachlose gibt es eine Menge zu sehen, sie werden nur ziemlich geschickt abgedrängt zu Plätzen, wo sie nicht so auffallen, den optischen Gesamteindruck stören, schlecht fürs Feng Shui sind. Wovon die leben?? Vom Leergut sammeln jedenfalls nicht, denn das ist hierzulande nichts wert, fleißig wird jede Einwegflasche noch in ein zwei zusätzliche Plastiktüten verpackt und wieviel Strom die unzähligen gekühlten Verkaufsautomaten in der prallen Sonne verbrauchen, darüber denke man mit ökologischem Bewusstsein lieber nicht nach. Die Bildersymbolik erschließt sich mir auch nach Monaten in Asien nicht, aber ich glaube die Japaner sind da noch etwas spezifischer als die Länder drumherum: Ich kann ja noch nachvollziehen, dass Michael Jackson posthum mit einer Horde drolliger Comicaffen beworben wird, denn die sehen nett aus, und die Nasenform passt, aber weshalb auf mancher Straßenbeschilderung ein Auto durchgestrichen wird und ein stattdessen ein Fisch empfohlen wird??? Esst mehr Sushi? Schwimmt? Sei kein Fisch, oder doch? Leider ist das Foto eines Headbangers mit einer Zipfelmütze misslungen, er war zu schnell im Schatten mit seinem alternativen Hoolahoop Ring. Sah komisch aus, ich glaube ich würde nach Dreißig Sekunden kot.en:-)
細かく刻ん ;だ午
後は私の目 ;の前に溶Ӕ 9;る (Komakaku kizan da gogo wa watashi no me
no mae ni tokeru)(Frei nach guter asiatischer Tradition, irgendwo zu sitzen, den Augenblick zu durchdringen und der Nachwelt ein paar Zeichen, fein kalligraphiert zu hinterlassen, wurde ich lyrisch und habe mit nur mäßigem Erfolg meine Vorstellung in die moderne Übersetzungsmaschinerie eintrichtern können.) Der fein zerhackte Nachmittag zerfließt vor meinen Augen. Und nicht nur der Himmel, die Zeit verrinnt – auch das Geld. Da glaubst du einen kurzen Augenblick, du hättest zuviel Geld aus dem Automaten geholt und könntest es nicht mehr alles ausgeben und dann stutzt du beim Bezahlen und stellst fest, dass du stattdessen zuwenig Geld hast und auf der Strecke zu bleiben drohst, denn der Weg zum Flughafen ist weit und nicht umsonst.
Also erneut an den Automaten, ein kleines Häppchen Liquidität noch einmal, reichlich für den Tag und ein einfaches Abendmahl, so denkst du, und dann kommt die Metro und der Regen, der endlose Regen, der es dir nicht erlaubt zu Fuß und ohne den tollen großen Regenschirm quer durch die Stadt vom Schrein zurückzulaufen, also nochmals Metro, und dann noch einer dieser Convenience Stores, die es überall und ausschließlich gibt und dort noch einen Nachmittagssnack und Gerstenbrause und einen Joghurt für den frühen aufbruch morgen geholt, und wieder ist es vorbei mit der Liquidität. Trocken gelegt, ganz im Widerspruch zur Außenwelt. Für ein Coco-Abendcurry wird es noch reichen, und mehr muss auch nicht, aber Bargeld kann man in Japan NIE genug haben. Aber so ein Nachmittag mit geballtem Nichtstun, nur etwas Lesen, Tee, Kaffee, vielleicht noch ein bisschen Gepäckkontrolle für den finalen Flug, mit Blick auf den Garten, wie er schön im Regen glänzt – so ein Nachmittag der hat auch etwas für sich. Tiefsinnige Reflektion darüber, was diese Reise nun für mein Leben bedeutet, wie sich mein Horizont erweitert hat, ob es eine Zeit des Müßiggangs war, ob es sich gelohnt hat – das alles kommt mir nicht in den Sinn. Vielleicht später, vielleicht nie.
Zu bereuen gibt es jedenfalls nichts. Reisen zu können, ohne zu müssen, einfach so vorbeischauen, verweilen oder auch weiterziehen zu können, Tag um Tag, Woche um Woche und sich dabei nie fragen zu müssen, wie man nur die nächste Zeit überstehen kann, ist Freiheit, ist Luxus. Unglaublicher Luxus. Wie gut, wenn man nicht Luxussüchtig ist, und sich hoffentlich nicht zu sehr daran gewöhnt hat.

Toki-Ohh

Tokyo, Japan

Laut Nachrichten hat es bei meiner Ankunft in Tokio gebebt – ein gutes, oder ein schlechtes Zeichen? Ich habe im Zug jedoch nichts davon mitbekommen und alle Menschen verhielten sich nicht ungewöhnlicher, als es die Menschen in Japan tun.
Was mir jedoch sofort auffiel, war die Vielzahl ungewohnt schriller Gestalten. Ich hielt dies für ein besonderes Kennzeichen von den ganz großen Städten, aber nach ein wenig Onlinerecherche komme ich mehr zur Überzeugung, dass ein nahe gelegenes Schwulenviertel die Ursache dafür ist.
(Dies erklärt mir im Nachhinein die äußerst seltsamen Blicke, die mir ein Asiate zuwarf, als ich anscheinend inmitten einer Cruising Area herumstand und mein GPS nach der korrekten Richtung zum Hotel befragte 🙂 Tagsüber ist vom seltsamen Treiben nichts erkennbar, vor allem wenn man kein Kanji lesen kann. Und selbst am Abend finden sich fast ausschließlich geschlossene Türen – bis auf die unzähligen Sexshops, die sich bei Tage hinter Rolläden versteckten. Wenige lesbare Webadressen verweisen auf Escortdienste.)
So ist es hier in Japan – man ignoriert „das Problem“ und beschäftigt sich ausgiebig damit hinter verschlossenen Türen 🙂 Mein Hotelzimmer hier in Tokyo ist etwas eigenartig – ich habe ein Schaltpanel am Bett, mit sage und schreibe 28 Tasten für Licht und Luft, im Bad ein Jacuzzi oder Jetbath (was ich noch feststellen muss), aber keinen Handtuchhalter. Und es brummt permanent etwas. Unter anderem Moskitos, die mir heute früh ein Riesenhorn auf der Strin verpasst haben, aber wenigstens habe ich einen der Blutsauger nach seinem Frevel erwischt. Ein erster Streifzug durch die Stadt vor dem Checkin führte mich durch einen recht großen Park, der nur 100m entfernt ist. Verschiedene Gartenstile waren dort gegen Eintritt zu durchwandern. Nett.
Anschließend quetschte ich mich durch eine Shoppingzone in ein Curryrestaurant.
Ich war zuerst etwas angenervt von zuvielen übertakelten Shoppingdrohnen, ferngesteuert auf der Suche nach dem Luxusschnäppchen, die in Rücksichtsloser Manier durch die Straßen zischten, aber in den Seitenstraßen gewannen „normalere“ Menschen die Oberhand. Wie ich mittlerweile festgestellt habe, lässt sich fast die gesamte Strecke zur Shinjuku Station auch unterirdisch zurücklegen, das halbe Viertel scheint unterhöhlt zu sein. Laut dem Wetterbericht sollte es gestern leicht regnen (hat es auch den ganzen Tag, und nicht nur leicht) und ab heute sollte Starkregen und Gewitter einsetzen. Also kaufte ich mir im nächstgelegenen Convenience Store den größten verfügbaren Regenschirm, denn so ein Knirps kommt gegen Taifun-Wassermassen nicht an. Heute morgen sieht die Welt jedoch wieder anders aus, es scheint die Sonne und das Gewitter ist aus den Vorhersagen verschwunden. Ich stelle wieder einmal fest, dass in Japan der Wetterbericht eine Halbwertszeit von zwei Mahlzeiten hat.
Nehme ich meinen Siebzig Zentimeter Schirm nun mit, oder nicht? Aus Ermangelung von Schaumbad (trotz Zwölf Flaschen mit Ingerdienzen von Haarwasser über Moisturizer, Lotion, Facecleanser…) verwendete ich ein wenig Bodysoap und Shampoo für meinen Wannentest. Unglaublich, wieviel Schaum so ein Jacuzzi aus so wenig Seife erzeugen kann! Bei 30cm Schaumstand im Bad stellte ich die Turbinen ab und betätigte mich als Schaumschläger 😉 Es gibt hierzulande interessante Dressings zu den ansonsten global einheitlichen Sandwiches – neben lemon creamy und basilikum mayonaise gibt es meinen Favoriten wasabi soja.
Es muss ja nicht immer Reis oder Nudeln sein.. Gegenüber des Hotels gibt es auch ein Thairestaurant Hotpepper1, dass ein hervorragendes rotes Curry anbietet. Wettermäßig hatte ich heute bei meinen Streifzügen durch die Stadt (Per pedes von Tokyo Dome über Ueno nach Asakusa) wieder Glück – anfänglich tropisch schwül, blieb es trocken und warm. Morgen geht es dann für mich mit einer älteren Sorte Shinkansen nach Nagoya. Endspurt…

Theoretisch in den japanischen Alpen

Matsumoto, Japan

Am Bahnhof von Kyoto trennten sich die Wege, am Bahnhof von Matsumoto traf ich eine Krankenschwester und Karateka aus Süddeutschland. Sie war drei Wochen in Japan unterwegs; nach Matsumoto führte sie ein Tagesausflug zur Burg. Wir kamen ins Gespräch, auch ich wollte die Burg besichtigen, obgleich ich in meinem Reiseführer gelesen hatte, dass nur noch die Mauern vorhanden wären. Wie sich wieder einmal herausstellte, steht in Reiseführern viel Blödsinn und ich tendiere zu der Behauptung, sich nach ihnen zu richten ist Irreführung. Mein Hotel lag auf dem Weg zur Burg. Ein kurzer Zwischenstop dort zum Gepäckabwurf an der Rezeption und wir besichtigten die Matsumotoburg.
Diese ist nicht allzu groß, aber laut Eigenbeschreibung die älteste Burg Japans mit im Original erhaltenen Turm. Dass die letzten Jahrhunderte kein Feuer die Gebäude hinwegraffte, könnte wirklich am Schrein im Turm liegen, denn laut Legende versprach eine Göttin die Burg vor allem Unbill zu bewahren, würde man ihr dort mit einer Unterkunft und 600 Kilo Reis huldigen. Ich glaube, den Reis hat man mittlerweile entfernt. Wir unterhielten uns über das Alleinreisen, über neidische Kollegen, die sich wunderten, wie man es sich nur leisten könne zu reisen, und dass Alleinreisen doch unvorstellbar, ja das Allerletzte wäre…
Pustekuchen. Alles Pustekuchen, da waren wir uns einig.
Was führt jemanden nach Matsumoto? Eine Idee, ein Plan – da muss ich hin!? Oder einfach ein Blick auf die Landkarte, zack Mittendrin, Berge, mal schauen wie es dort ist, eine Burg auch nicht schlecht? Vielleicht von allem etwas.
Eine Zugfahrt durch die Berge ist etwas Herrliches, man schaut aus dem Fenster, in die Landschaft, der Blick gleitet über Bäume und Bergkuppen und die Gedanken schweifen. Auch in diesem Moment, als ich dies tippe sitze ich in der Bahn, auf der Weiterreise nach Tokyo.
Immer noch denke ich daran, wie sich Gefühle, mit Worten angemessen ausdrücken lassen. Ein einfaches Gefühl sollte doch mit einfachen Worten darzustellen sein, könnte man meinen, doch bin ich mir da nicht sicher. Vielleicht wenn man sich auf ein Erlebnis des Lesers beziehen kann, ala: „Wie in dem Moment, als Du Deine Tochter das erste Mal in Armen hieltst…“
Doch wer genau ist der Leser, die Leserin? Und sind sie alle gleich? Wenn jemand Alleinreisen als doof, langweilig oder gar mies erlebt hat, dann führt bei dieser Person jeder Bezug aufs Alleinreisen unweigerlich zu einem negativen Eindruck. Dabei gibt es genauso wenig DAS Alleinreisen, wie es DAS Leben gibt – für jeden Menschen, für jede Reise, ja für jede Etappe einer Reise kann es unterschiedlich sein. Natürlich gibt es ebenfalls die berühmten Höhen und Tiefen.
Um Abgründe zu vermeiden, in die man böse fallen kann, informiert man sich und plant oder organisiert. Planung mag für manchen Reisenden, den ich unterwegs traf ein Greuel sein. Da muss alles „authentisch planlos“ sein, vorgeblich schaut man erst vor Ort, wo und wie man unterkommt. Das kann auch schon mal in die Hose gehen, wenn der Flughafen nachts schließt und auch der 24h Burgerbräter nicht mag, dass seine Gäste in seinen Räumlichkeiten schlafen… Ist dann immerhin auch eine Erfahrung und so gibt es halt verschiedene Vorstellungen vom Reisen. Wichtig erscheint mir nur, dass man auf eine Art reist, die den eigenen Bedürfnissen entspricht. Und wenn man keine Ahnung hat, ob man mit etwas klarkommt – sei es Essen, die sanitären Anlagen oder die Schlafunterlage – ausprobieren!
Ein Reiseplan ist ein Hilfsmittel, kein Muss. Abweichungen davon sollten erlaubt sein, es macht keinen Sinn mit Gewalt passend zu machen, was nicht passend zu machen ist.
Interessanterweise kam mir bei Planung, verbunden mit dem Vorwurf des Strebens nach Sicherheit, der Bezug zur Meditation in den Sinn. Ich erinnerte mich an den Dhammatalk, als es hieß, Meditieren, sich Zurücknehmen, wäre wie ein Haus zu bauen, in das man sich zurückziehen könne, zum Schutz vor Wind, Regen und Eis. Ist man mental in der Lage, jede unbequeme, ungastliche Situation auf die man während einer Reise geraten könnte, unter Erhalt der inneren Zufriedenheit zu etragen und zu betrachten, so kommt man ohne Planung aus, kann sich treiben lassen. Aber hat ein dermaßen befähigter Mensch überhaupt noch den Antrieb zu reisen, und warum sollte er sich ohne Not in Unbill begeben?
„Wer sich in Gefahr begibt, der kommt darin um“, hat einmal ein schlauer Mensch gesagt.
Man kann also einen Reiseplan, als eine Unterkunft betrachten, auf die man sich zurückziehen kann und nicht als Gefängnis, aus dem man nicht ausbrechen darf. Manchmal braucht man auch einen Plan, um das Vorhaben genehmigt zu bekommen.
Ist alles sehr theoretisch und zeigt mir wieder einmal, dass sich selbst mit vielen Worten kaum jemand anderem beschreiben lässt, wie sich etwas anfühlt, wenn derjenige nicht Ähnliches erlebt hat, oder abweichende Wertvorstellungen hat.
In Matsumoto war es der Fall, dass wir einander verstanden und von Anbeginn gut miteinander kommunizierten. Generell ist Kommunikation auf dieser Reise ein zentrales Thema für mich, auch weil ich etliche Wochen mit dem Erlernen des Handwerkszeugs – einer fremden Sprache – verbracht habe. Man kann mit vielen Worten kommunizieren, es kann die gleiche Sprache sein, es können die absolut richtigen Worte sein und doch versteht man sich nicht. Zum Teil ist es einfacher, versteht man sich besser, wenn man keine gemeinsame Sprache hat und Kommunikation sich auf das reduziert, was man gemeinsam hat, das Menschsein, die Menschlichkeit. Die Erwartungshaltung reduziert sich, wenn man nicht per se davon ausgehen kann, der Andere würde einen schon verstehen. (Davon kann man nie ausgehen, aber die eigene Bequemlichkeit verleitet gerne zu der Annahme)
Ach ach ach, ich erlebe Allgemeinplätze der Kommunikationstheorie, erlebe wie Missverständnisse zu schmollendem Schweigen führen und Gelegenheiten unwiederbringlich verloren gehen. Eine Nachfrage, ein Rückkanal hätte ausgereicht, um die Situation beizeiten zu klären, doch der Achso-Effekt stellte sich zu spät ein…
Wie ich dies schreibe, kommt mir eine frühere Bekannte, eine Grundschullehrerin, in den Sinn, die mir meine Naivität vorhalten würde, und mit einem schier unglaublichen Repertoire an Kommunikationstheoretischen Termen die Realität erklären würde. Und bei dieser Erklärung spektakulär scheitern würde, weil ihre Erklärung unverständlich ist, und eine aus ihrem Blickwinkel perfekte Beschreibung aus einer anderen Perspektive in der Realität anders aussieht und fehlerhaft wird. So in der Art, ein Leben in 3D auf eine Oberfläche zu projizieren.
Kurz zusammengefasst: so eine Reise, insbesondere als Alleinreisender, der selbst organisieren und „sich kümmern“ muss, ist sinnvoller und lehrreicher als Zwanzig Kommunikationsseminare, in denen es dann heisst: „nun nehmt Euch an den Händen und lasst Euch fallen…“
Ich will zu guter Letzt auch die Möglichkeit erwähnen, dass es manchmal besser sein kann, NICHT miteinander zu kommunizieren. Mag sein, dass ich bis zu dieser Stelle einige Leser verloren habe, die für sich zum Ergebnis kamen, ich schwafele zu viel, ich möge mich doch kurz fassen, sie hätten doch keine Zeit für so etwas.
Für die anderen komme ich nochmal auf Matsumoto und einen Tagesausflug nach Kamikochi zurück.
Also, die nette Karate lernende Krankenschwester (schwarzer Gürtel 2ten Grades) fuhr am Nachmittag zurück zu ihrem einige Bahnstunden entfernten Unterbringungsort, ich ging Nahrung shoppen und checkte dann in mein steriles Businesshotel ein. Dort arbeitete ich liegengebliebene Bilder und Reisetage auf und fad nicht die Zeit und Mu&#x DF;e die umhersausenden Gedanken einzufangen. Den nächsten Morgen wollte ich mit dem Bus nach Kamikochi fahren und wäre beinahe an japanischer Finanzlogik gescheitert. Meine liquiden Mittel gingen zur Neige, doch Tickets gibt es nur gegen Bares. Es gibt einen Geldautomaten neben dem Fahrkartenschalter, aber sin*****weise hält man diesen bis Neun Uhr verschlossen. Es dauerte ein paar Sekunden, bis der guten Frau am Schalter dämmerte, dass dieser Automat DOCH (ich bestand darauf) nicht so hilfreich für mich ist, wenn ich den Bus um 8:50 nehmen möchte. Man zeigte mir dann auf einem Stadtplan einen dieser SevenElevens mit ATM. (Hier sei erwähnt, dass die ATMs dort, wie auch an vielen anderen Stellen hier in Japan keine Mastercard oder Maestro mehr akzeptieren – warum auch immer) Ich schaffte es noch rechtzeitig Geld und Ticket zu beschaffen und eine tolle Busfahrt in die Berge, vorbei an, und über, diverse Staudämme zu erleben. Sehr sehenswert!
In Kamikochi kann man in einem Tal wandern und ringsum erheben sich einige Dreitausender, darunter auch ein aktiver Vulkan. Ich marschierte denn man los, hatte Sechseinhalb Stunden Zeit bis zur Rückfahrt. Die einfache Rechnung war: Zwei Stunden Flußaufwärts, wieder zurück, dann noch je eine Stunde Flußabwärts, in Summe sechs Stunden…
Ich war zu langsam, die Zeitangaben zu sportlich, oder es war einfach eine zu schöne Strecke (mit selbstgewähltem Schlenker) mit vielen Fotomotiven, um das ganze Programm zu bewältigen. Ist schon erstaunlich, wie schnell die Zeit an einem magisch anmutenden Tümpel vergehen kann…
Die Zeit verging im Flug und viele Gedanken gingen mir durch den Kopf. Mit ein paar kleinen Pausen schaffte ich nur 19km und verpasste den See, der durch den letzten Vulkanausbruch vor Hundert Jahren entstand.
Ich kann jedem nur empfehlen, dort hin zu fahren und vor Ort in einem der tollen Hotels zu übernachten, oder zu campen! Denn landschaftlich (und Onsenmäßig) gibt das Areal für etliche Tage etwas her.
Auf der noch spektakulären Busrückfahrt – ein wenig müde gewandert, wie ich war – stellte ich fest, dass mich diese verflixten Japaner mit ihren Onsen angefixt haben. 😉 Es erschien mir unglaublich verlockend, den Bus in einem der Bergtäler, bei einem Thermalhotel zu verlassen und sich im heißen Wasser durchweichen zu lassen. Die heiße Hoteldusche war nur ein schwacher Trost. So. Dies war eine weitere, zugegebenermaßen lange, Beschreibung einer weiteren Etappe auf meiner Bildungsreise.
Nur noch ein paar Tage, beinahe scheint mir ein Morpheus immer eindringlicher zu mir zu sprechen, ich sei lediglich in einer Matrix, ich müsse endlich die rote Pille schlucken und in den germanischen Alltag zurückzukehren…

Wenn der Wurm drin ist…

Kyoto, Japan

…dann ist dies für Holzbögen oder Balken beinahe so übel, wie offenes Feuer. Ist zum Glück nur selten der Fall, und so wie es aussieht, kann jedermann durch einen kleinen Obulus für hölzernen, wurmbefreiten Ersatz sorgen. Der Shinkansen Nozomi war eine gewisse Enttäuschung, hatte ich mir doch mehr (Geschwindigkeit) erwartet. Aber bei knappen Dreihundert km/h war Schluss – kein bisschen ging die GPS kontrollierte Geschwindigkeit darüber hinaus. Durch die kurzen und wenigen Stopps lag auf der Strecke nach Kyoto die Durchschnittsgeschwindigkeit bei etwa 240. Ganz so schlecht ist dies dann doch nicht.
Die Zuginnenausstattung war schlicht, immerhin mit enormer Beinfreiheit. Ich bin hier in Japan ohne Japanrailpass unterwegs, da ich denke er lohnt sich für mich nicht und einen der Nozomi-Züge darf man damit nicht einmal benutzen. Ich werde hinterher meine Zugkosten aufsummieren und schauen, ob ich mit meiner Annahme richtig lag. Die Ankunft im Bahnhof von Kyoto war dank der Freiwilligentouristeninformation eine amüsante Angelegenheit. Wir brauchten doch nur eine Karte, doch dann wurde eifrig nach unserer Unterkunft gesucht. Obwohl ich einen genauen Lageplan mit roter Markierung besaß – „give us a chance“
Ok ok ok, aber es war irgendwann anstrengend dauernd hören zu müssen „must be somewhere here“ wo der Lageplan das somwhere genauestens, bei somewhere else angab.
Internet gab es im Hostel zuerst nur kabelgebunden, doch am dritten Tag wurde funktechnisch aufgerüstet und ich durfte die Funktion der Technik überprüfen – bis jegliche Verbindung zusammenbrach. Das WLAN konnte jedoch nichts dafür, dass jemand die Steckdosenleiste mit dem DSL-Modem ausgeschaltet hatte… In Kyoto gibt es viele viele Tempel, und ich habe in den drei Tagen längst nicht alle gesehen. Doch das Wetter war toll, und wir gingen, statt per Bus und Taxi kreuz und quer durch die Stadt zu huschen. Außerdem waren wir morgens nicht die Frühesten – auch dies reduziert das Besichtigungszeitfenster bemerkbar.
Zu den besuchten Orten gehörten Nijo Burg und Palast und der Kaiserliche Palast (Eintritt und Führung frei um 10:00 und 14:00), für den man sich vorher aber mit Pass registrieren und anmelden muss. Weiterhin der Fushimi Inari Schrein, Tofukujitempel, vom Nanzenji-Tempel über den Philosophenweg zur Silberpagode (Ginkakuji) und einiges mehr. Es waren um die Dreißig Grad und etliche Eiskremes und Automatengetränke waren zur Abwehr der akuten Überhitzung nötig.

„Höllisch“ dampfend

Beppu, Japan

Kann man in der Ferne Fernweh haben? Ist Fernweh überhaupt der richtige Ausdruck für das Bewusstwerden, dass die Tage in der Ferne gezählt sind? Ich wurde mittlerweile mehrfach per Email und Kommentaren darauf hingewiesen, dass ich mich mit dem Gedanken an Rückkehr anfreunden solle. Klang zum Teil wie eine Drohung. Manchmal wie eine Aufmunterung, über weitere Etappen zu berichten.
Aber einfach so verlängern geht ja nicht, der Rückflug steht fest, und noch bin ich ja nicht am Ende! Die letzten Tage war ich dadurch in Beschlag genommen, dass ich mit einer Deutschsprechenden Taiwanesin (Taiwanerin?) unterwegs war, so dass ich nicht die Zeit und Lust fand, den hochgeladenen Bildern auch etwas Text hinzuzufügen. Aufmerksame, regelmäßige Leser haben dies mit Sicherheit bemerkt. Ich nehme mir nun einfach mal die Zeit, aus der Vielzahl von Erlebnissen der letzten Tage Beppu aus dem Gedächtnis hervorzukramen. Am Bahnhof wurde Beppu als Beppüüh angekündigt, was recht gesächselt klang. Der Weg zu meiner Unterkunft führte mitten ins Rotlichtviertel – vielfach gab es 30 Minuten (was?) für 15.000Yen. Das gebuchte Ryokan hatte damit zum Glück nichts zu schaffen und besaß gleich drei Privatonsen neben zwei Geschlechtsspezifischen Bädern. Heiße Angelegenheit! Und endlich begegnete mir eine dieser tollen Raumschiff Enterprisetoiletten, auf denen man sich wie Captain Kirk vorkommen kann. Auch wenn es nur eine Lowtechvariante mit drei Spülprogrammen, ohne Heizung, Fön oder musikalischem Rahmenprogramm handelte. Da habe ich mittlerweile eine etwas besser ausgestattete Variante mit Sitzheizung kennengelernt, obwohl besser würde ich es nicht gerade nennen: der Sitz war zu heiß ist, und beim Versuch die Heizung abzuschalten, ist die Toilette abtsürzt – softwaretechnisch. Ein Reboot einer Toilette durch Steckerziehen – faszinierend! Zum Glück geht Abziehen völlig autonom und auch ohne Strom.
Die verschiedenen Spülungen habe ich dann sofort alle mal ausprobiert, aber ein Fan eines solchen Washlets bin ich dadurch nicht geworden.
Den bereitgestellten Yukata trug ich nur im Hause, wogegen man ab und an ganze Gruppen von Japanern (nur Männer) Sakeselig in Yukatas und Badeschlappen auf der Straße sah. Vor allem im Stadteil Kannawa dampft und blubbert es an allen Ecken und Enden aus dem Boden, sogar die Straße besitzt eine Quellheizung. Es gibt acht sogenannte Höllenonsen „Jigakus“ zu besichtigen, die, wenn man mal von der wenig Artgerechten Haltung ei***** Krokodile und eines Elefanten absieht, recht interessant waren. Ein paar Dampf- und Solegekochte Eier sowie ein komplettes, selbstgedämpftes Gemüsemenu gehörten natürlich zum Besichtigungsprogramm.
Mit dem Limited Expresszug und dem Shinkansen Nozomi ging es für uns dann nach Kyoto.

Heiße Provinz

Kumamoto, Japan

Gemütlich ging es mit dem Zug von Fukoaka nach Kumamoto, genauer Suizenji, einem Randbezirk der Provinzstadt Kumamoto. An einem verschnarchten Ort namens Omuta hieß es umzusteigen, zwei Expresszüge passieren zu lassen, und anschließend auf dem selben Gleis den fehlenden Streckenabschnitt zurückzulegen. Für meine Weiterfahrt nach Beppu in drei Tagen habe ich mir ein Ticket für den teureren Expresszug besorgt. Ansonsten hätte ich dreimal wechseln müssen und wäre zwei Stunden länger unterwegs. Express bedeutet allerdings auf der Strecke eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 50km/h…. Die Züge fahren pünktlich auf die Minute und erreichen ihr Ziel auch pünktlichst. Da fällt besonders unangenehm auf, dass meine per Funk mit der Atomzeit synchronisierte Armbanduhr seit Monaten um zwei Minuten vorgeht. Hier in Asien gibt es nun mal keinen Empfang des Signals. Dieses Meisterwerk der japanischen Ingenieurskunst lässt eine manuelle Veränderung der Uhrzeit jedoch nicht zu 🙁 Bei Ankunft am Zielbahnhof nutze ich die Gelegenheit, die japanische Version eines Dumplings zu probieren – er schmeckt wie die chinesische Standardvariante. Nach einem Besuch im Park fängt es an leicht zu regnen. Ich stöbere durch einen Supermarkt und dort strahlt mich Palettenweise Sushi an. Warum nicht einmal probieren? Dazu ein Fertigramen und als Dessert ein paar geröstete Erbsen, fertig ist das Abendessen. Während ich auf die Waschmaschine warte, versuche ich ein Bad im Etagenonsen zu nehmen, muss aber feststellen, dass das frisch eingelassene Wasser zu heiß ist. Ich glaube ich habe mir sogar den rechten Fuß leicht verbrüht, denn wenn das Thermometer an der Wasserleitung nicht lügt, hatte das Wasser eine Temperatur von 65 Grad. Wie Obelix sagen würde: Die spinnen die Japaner…
Mal abgesehen davon, dass ich hier in einem Irrenhaus abgestiegen zu sein scheine, ist es traditionell wie auch meine letzte Unterkunft im Ryokan. Die Checkout-Vorstellungen mit Neun Uhr morgens sind auch sehr seltsam…ich konnte allerdings Elf Uhr aushandeln, denn mein Zug geht um Viertel vor Zwölf und vorher zwei Stunden in der Gegend umherirren macht nicht wirklich Sinn. Das Sushi und das Ramen bildeten ein sehr gutes Abendessen. Zum rohen Fisch gab es auch eine Tüte mit Wasabii, der es in sich hatte.
Am heutigen Tag ging es zur Kumamoto Burg, die zwar anno 1604 erbaut wurde, aber viele Holzgebäude im Bürgerkrieg 1877 abgebrannt waren. Den Hauptturm hat man 1960 nicht gerade stilecht mit Betonskelett auf die Festungsmauern aufgesetzt, aber was ab 2000 restauriert wurde, wurde mit enormem Aufwand in originaler Handwerkskunst nach alten Aufnahmen und Zeichnungen wiederaufgebaut. Alles mit Nut und Zapfen, Fachwerk, Lehm und Intarsien, wie es anno Sechzehnhundert üblich war.. Das ist sehenswert und recht informativ. Und die originalen Festungsmauern sind um einiges imposanter als die in Fukuoka. Gerade musste ich beim Durchsehen meiner nächsten Etappen feststellen, dass ich es geschafft habe für zwei Orte zur gleichen Zeit zu reservieren – Adieu Osaka. Nicht immer ist es sinnvoll vorauszubuchen, denn hier scheint es momentan sehr ruhig zu sein und Hotels gibt es etliche – die zum Teil sogar günstiger als meine Bleibe hier sind. Bei besserer Leistung. Morgen geht es dann an Krater vom Vulkan Aso – wenn es keine giftigen Ausgasung gibt und das Wetter so prima bleibt wie heute. In die Luft geflogen… …ist zum Glück nicht der Vulkan. Der dampfte, qualmte und stank zeitweilig stärker als tolerierbar, aber ich bin zum Glück kein Asthmatiker, so dass mich die frisch geschwefelten Atemwege nicht umhauten. Immerhin haben wir ein perfektes Timing an den Kraterrand gelegt, denn gerade als wir mit unserer Besichtigungsrunde fertig waren drehte der Wind und das Gelände musste geräumt werden. Hüstel hüstel. Wenn schon ein Hubschrauber neben dem Wanderweg herumsteht, warum dann nicht einsteigen und selber durch die Lüfte fliegen? Mit Fünfundvierzig Euro pro Person nicht unangemessen teuer, vor allem wenn der Rundflug äußerst sehenswerte Ein- und Überblicke ermöglicht!
Auch Zugfahren in Kyushu macht Spaß, denn es gibt viel zu sehen und die langsamen Wagen unterstützen dies wunderbar. Darum empfinde ich meinen Umweg, auf dem mich der Zug nach Beppu morgen nochmals dicht am Vulkan vorbeiführen wird, keineswegs als Nachteil.

Konichiwa Japan!

Fukuoka, Japan

Am Flughafen Seoul fand ich wieder einmal meinen Flug nicht. Lag daran, dass er über eine Stunde später flog, als in meinem ausgedruckten E-Ticket angegeben.
Allerdings hat man mich per Email vor ei***** Zeit unterrichtet, aber wie das so ist, bei unmarkierten Änderungen in Emails – 20 von 21 Angaben bleiben gleich und die 21te, geänderte, die übersieht man 🙁
Immerhin besser eine Stunde zu früh, als eine Stunde zu spät.
Ein kurzer Flug später und ich lande am Flughafen Fukuoka. Ich immigriere mit der Fingerabdruckabnahme in Stereo und ratzfatz habe ich einen 2D Barcodeaufkleber im Pass.
Am ersten Geldautomaten in der Empfangshalle scheitere ich – im Nachhinein zum Glück – denn das Ding macht mir keine Vorschläge, wieviel Geld ich denn wohl haben möchte… Wie hoch das Limit ist, ist auch nicht angegeben. Also tippe ich 400000 ein und der Automat sagt mir, unzureichende Deckung. Zweimal.
Ich fluche, blödes Ding!
Aber ein Stück weiter steht noch ein Automat, der schlägt mir Zehn bis Fünfzigtausend vor – so wenig?
Und dann dämmert es mir: 400.000 Yen sind knapp Viertausend Euro – DAS bekomme ich nirgends aus dem Automaten…
Ich werde angemessen liquide und nehme den Shuttlebus zum Domestic Terminal.
Dort ist die Metrostation, am Ticketautomaten sehe ich etwas von 1000Yen Banknoten, also zum Schalter und dort ein Ticket kaufen. Kein Schalter, nur eine Information. Doch ein netter Mensch versteht mein (nicht vorhandenes) Problem und führt mich an einen der Automaten – einige davon nehmen wohl auch die druckfrischen Zehntausender aus dem Geldautomaten. Das Ticket kostet 250Yen und bringt mich ohne Umsteigen zur Gionstation, die etwa 100m vom gebuchten Ryokan entfernt liegt. Ich checke ein und lande in meiner ersten typisch japanischen Unterkunft. Es gibt ein Futon und es riecht nach Reisstroh. Macht einen guten Eindruck, obwohl ich die Erläuterung mit dem Duschraum und dem Bad nicht ganz verstanden habe – da muss ich gleich mal einen Blick hineinwerfen…
Wie ich soeben feststellen konnte und mit dem Hochladen dieses ersten Absatzes beweise, reicht ein WLAN bis ins Zimmer. Wem auch immer es gehört. Abends durch die Stadt zu streifen, komme ich mir vor wie eine Figur aus einem Roman Haruki Murakamis.
Es ist hier nicht so viel anders, als in China oder Korea – es ist aufgeräumter, sauberer und lebensleerer. Zumindestens in der Innenstadt sind kleine Kioske und Krämerläden komplett verschwunden. Ersetzt durch unzählige Verkaufsautomaten und größere Filialen einer Handvoll international operierender Convenience Stores. In den Straßen befinden sich mehr Verkaufsautomaten für Zigaretten (es gibt unglaublich viele), als Raucher, oft sind Rauchverbotszeichen auf die Bürgersteige gepinselt.
Wenn man in eine der Spielhallen mit Slotmachines hineinblickt, oder diese gar betritt, wird man dagegen von Qualm und vor allem vom Lärm geradezu erschlagen. Ich weiß noch nicht, was der Grund für das Ohrenbetäubende Getöse ist, zum Teil an der Schmerzgrenze, vielleicht behördlich angeordnet, um Besucher dazu zu animieren, nach kurzer Zeit wieder zu verschwinden. Wie betäubt starren viele Menschen jedoch schier endlos auf die blinkenden und flackernden Maschinen, die Comichelden-Videosequenzen abspulen. Ein trauriger Anblick.
Besser sind da schon die Spielhallen, in denen es um Amusement geht. Die Umwandlung von Geld in Spielmarken ist eine Einbahnstraße, man kann (wenn erfolgreich) die Eimer voller Münzen in eine Tokenbank entleeren, um sie dem Fingerabdruck bewehrten Spielmarkenkonto gutzuschreiben. Für den nächsten Spieltag, bis alle aufgebraucht sind. Interessant sind die Rabattstaffeln im Wechselkurs dieser Zweitwährung: Bekommt der sparsame Besucher für Fünf Euro nur 25 Märckchen, erhält er für 100 Euro dagegen mit 2000 das Vierfache.
Die Spielmarken verschwinden dann in einer Unzahl von Maschinen, in denen sie Hin und Her geschoben werden und in Schlitze und Öffnungen fallen und zu Auszahlungen, Ausspielungen oder auch Auslösungen von Bällen führen, die in einem gigantischen Wirrwarr von Rinnen, Aufzügen und Karussells durch die Apparatur flitzen. Die Einflußmöglichkeiten der Spieler beschränken sich auf den Zeitpunkt des Münzeinwurfs, manchmal kann er die Richtung wählen und mit Tastern die simulierten Walzen einer Ausspielung anhalten.
Wo sind die guten alten Flipper hin? Ich habe in ganz Asien bisher keinen gesehen.
Natürlich gibt es auch viele Videospiele: Rennen, Egoshooter, gemeinschaftliches Pferderennen oder Fußballwetten. Zum Teil verbunden mit dem Einsatz richtiger Sammelkarten von Spielern oder Comicfiguren. Hier in Japan kann man jedoch viel mehr ziemlich überflüssige, kitschig verspielte, oder durchdesignte Dinge kaufen, Gadgets. Da werden Tedddybären Lautsprecher in die Füße gesteckt oder sie zappeln sogar zur Musik. Ein knuffiger Anblick für nicht gerade kleines Geld. Länger anhören kann man sich das Ganze nicht, denn die Klangqualität ist mies.
Bis auf den Apfelkram gibt es in Elektrogeschäften scheinbar nur japanische Fernseher und Stereoanlagen. Koreanische Marken – Fehlanzeige. Dem Preisniveau in den Geschäften ist dies förderlich, im Sinne nach oben: wenn mich nicht alles täuscht liegen die Preise für Neuheiten wie 3D Fensehern um etwa Fünfzig Prozent über deutschem Niveau. Bei derzeitigem Yenkurs, der sich in den letzten Monaten allerdings auch übel verschlechtert hat. Krisenbedingt halt. Automaten für Bahnkarten bieten bei Auswahl von Englisch nur noch die Hälfte der Optionen: nur noch Shinkansen und Limited Expresszüge sind auswählbar. Und wenn man mit der regulären Bahnlinie für den halben Preis fahren, die Bahnhöfe, das Umsteigen erleben möchte? Dann muss man an den Schalter und dort ein Ticket kaufen. An Sushi habe ich mich bisher nicht herangewagt, bin aber auch nicht so der Rohfischfreak. Meine ersten Speisen lagen mir recht schwer im Magen, vor allem die lokale Ramen-Nudelsuppe aus einer mobilen Yataiküche- vielleicht fehlte ihnen der gewisse Pepp in Sachen Schärfe. Ein paar gebratene Gemüsegerichte mit ordentlich Knoblauch dagegen waren sehr bekömmlich. Das Preisniveau liegt hierzulande – wie zu erwarten war – deutlich über dem meiner vorangegangenen Länder dieser Reise: ca. Faktor Zwei gegenüber Südkorea und mehr als Faktor Vier gegenüber China. Die Museumskultur der Stadt ließ ich natürlich nicht links liegen – neben dem Asian Art Museum besuchte ich das Fukuoka Art Museum, jeweils 200Yen Eintritt, also zivile Preise. Letzgenanntes Museum liegt in einem Park, dessen See einem berühmten chinesischen Park nachempfunden sein soll – ich würde mit dem Steg quer durch den See auf den Westsee von Hangzhou tippen.

Zapping in Seoul

 

Seoul, Korea Rep.

Gegen Mittag in Seoul Innenstadt ein Taxi zu nehmen – davon kann ich nur abraten. Von wegen schnell eben mal mit dem Taxi… anstatt zweimal in der Metro umzusteigen – beinahe eine Stunde steckte ich im warmen Taxi im Stau. Und wenn ich dem Fahrer nicht mittels Blick auf die Karte nachgeholfen hätte, wohl noch viel länger.
Gepäck abladen, Ohrenstöpsel bekommen – there is construction going on – Aha, vielleicht nicht ganz die ideale Unterkunft? Und ab ins Nationalmuseum.
Auf dem Weg dorthin stelle ich fest, dass meine moderne Technik veraltet ist: der Metroplaner hat den Umzug des Museum vor einigen Jahren noch nicht mitbekommen – prima, ich stecke an einer Metrostation ohne Karte fest und ohne Ahnung, wie ich zum Museum komme.
Ein Informationsdisplay für foreign tourists stellt sich als der totale Flop in Sachen Nutzerführung heraus – Streckensuche gibt es auch nur auf Koreanisch 🙁
Das Museum ist toll und gegen Abend fast menschenleer – so lassen sich die Zeugnisse der Jahrtausende angemessen in Ruhe anschauen.
Ich kaufe endlich einen dieser tollen Mückentennisschläger mit Hochspannungsnetz – Vorhand, Rückwand, wenn es blitzt hat man das blöde Viech erwischt. 5Euro, eine gute Investition.
Und zum Abschluß meines Koreaaufenthaltes gibt es noch ein leckeres Barbeque…

Unter Hügeln

 

Gyejongju, Korea Rep.

Am Morgen wuchtete ich mein Gepäck aus dem vierten Stockwerk über schmale Stiege wieder herunter auf die Straße. Da auch meine schweren Kleidungsstücke wie die Wanderschuhe in der Tasche waren, ist sie eindeutig zu schwer, um komfortabel zu reisen. Ich ersparte mir die weiteren Treppen der Metro und nahm ein Taxi. Das benötigte eine halbe Stunde, denn der Verkehr Seouls ist morgens auf den Hauptstraßen eher Stop, Stop and Go.
War jedenfalls pünktlich am Bahnhof um dann im KTX mit zeitweise 300km/h gen Südosten zu sausen. Nach 100 Minuten umsteigen in einen eher bummeligen Zug um nach etwas über drei Stunden am Bahnhof des verregneten Gyeongju anzugelangen. Das Wetter soll die nächsten Tage jedoch deutlich besser sein.
Am Ausgang wollen mich „Taxi“fahrer in Empfang nehmen, die machen auf mich aber keinen seriösen Eindruck, wir verstehen uns auch sprachlich nicht. Die vor dem Bahnhof wartenden Taxis wollen anscheinend nicht fahren, also wechsele ich die Straßenseite und halte das erstbeste Taxi an. Dem Fahrer zeige ich die Adresse auf Koreanisch mit Hilfe meines Handys und für weniger als zwei Euro gelange ich flott zum Gasthaus.
Dort wartet eine traditionelle Unterkunft auf mich, allerdings mit persönlichem Sanitärzentrum. Das Bett ist ein recht dünnes Futon, aber harte Schlafunterlagen bin ich gewöhnt. Was sich eher als Problem herausstellt ist die traditionelle Fußbodenheizung, denn die ist in Betrieb. Sind nachts nur ein paar Grad über Null und traditionell meint auch Papierbespannte Holzrahmen als Türen, dennoch ist es im Raum zu warm, vor allem ist der Fußboden unter dem Futon heiß, so dass ich mir bald wie ein Steak auf dem Grill vorkomme.
Schlafe nach einer Futonverschiebung auch nicht allzu schlecht.
Als weitere Konsequenz meiner zu schweren Reisetasche besorgte ich mir in einer Postfiliale einen Faltkarton und werde die Chinesisch Bücher und ein paar Klamotten mit dem Schiff nach Deutschland schicken, 10kg Paket nach Deutschland sollen 28.000 Won, derzeit etwa 18 Euro kosten. Das ist es mir wert, zehn Kilo weniger durch Japan schleppen zu müssen… Während ich online die zunehmenden Spannung zwischen Nord und Südkorea verfolgen kann, habe ich bisher nichts davon im Alltag bemerkt. Auffällig sind dagegen die vielen mobilen Animationstruppen, die – auch in Seoul – für lokale Politiker mit Lautsprecherwagen, Jubelorgien und nett grüßenden Visitenkartenverteilerinnen unterstützen. Nächste Woche sind Kommunalwahlen, wi sagte so schön ein Koreaner: „Die einzige Zeit, an der sie nett sind“ Ich nehme mal an, er meinte die Politiker und nicht die freundlichen Damen, denn die machen mir einen ganzjährig freundlichen Eindruck.
Überhaupt macht das ganze Land einen freundlichen Eindruck – da gehe ich in einen großen Elektromarkt, die schönen, riesengroßen Flaschfernseher anschauen (scheinen mir hier eher teurer als daheim zu sein) und es bringt mir jemand einen Becher Kaffee.
Ich glaube nicht, um mich zu einem Kauf zu animieren, oder weil ich erschöpft und dem Zusammenbruch nahe erscheine…
Mit dem Bus fuhren wir zum Bulguksa Tempel und marschierten dann die Dreieinhalb Kilometer bergan zu einer Seongkramgrotte mit Buddhafigur drin. Etwas davor hing eine riesige Glocke, die man gegen eine kleine Spende mit einem großen Holzschlegel zum Erklingen bringen und sich etwas wünschen durfte. Nicht völlig Uneigennützig habe ich mit meinem Gong den Weltfrieden gewünscht.
Der Besuch der „Grotte“ selber ist etwas enttäuschend: die Figur sieht nett (und sehr frisch restauriert) aus, aber der Eingang ist mit einer Glasscheibe verschlossen, man kann nicht hinein, fotografieren darf man auch nicht und es wird weder erklärt noch gezeigt, wie es bei der Wiederentdeckung aussah, oder was wiederhergestelt wurde, etc.
Für Bilder müsste man gleich zehn Postkarten kaufen, die doppelt so teuer wie die Tempelpostkarten sind – nö…
Es ist zwar sonnig, doch nicht allzu warm, und vor allem recht windig. Wir probieren dann an der Bushaltestelle etwas Bibimbap, was Reis mit etwas Gemüse und Ei darstellt, was man ordentlich miteinander vermanscht. Naja – fried rice with mixed vegetables war bisher billiger und auch nicht schlechter. Es ist wunderbares Wetter, Zwanzig Grad und Sonnenschein, ideal zum Wandern durch den Mt. Namsan Nationalpark. Ein wahres Sammelsurium an Hügelgräbern, Statuen und Pagoden inmitten schöner Landschaft. Der Aufstieg zum Gipfel gestaltet sich anstrengend, aber nicht allzu kompliziert, da auf weiten Strecken sogar Treppen angelegt wurden. Der Abstieg jedoch, auf der anderen Seite lässt mich an der Wahl meines Schuhwerks zweifeln: es geht zum Teil im Klettermodus bergab, sogar abseilen muss ich mich ein Stück.
Mehrfach hört der erkennbare Pfad im Nichts, bzw. vor einem Abgrund auf. Hier weiter? Das kann doch niemals gutgehen! frage ich mich einige Male und kehre um, ohne den Hals zu riskieren. Tatsächlich fand ich dann doch noch einen gangbaren Weg.
An einem lustig plätschernden Bach liegen die Juwelen in der Wildnis. So in etwa zumindest. Ich glaub nicht, dass der winzige Teil eines Ohrringes, oder? echt und wertvoll ist. Wer geht schon mit echten Juwelen wandern??? Und habe auch keine Ahnung, ob es so etwas wie ein Fundbüro hier in der Stadt gibt und man dort Englisch spräche, und und und … und daher erspare ich mir die Mühe damit.
Am Ausgang des Parks verschafft mir in einem kleinen Restaurant meine Blindauswahl eines Gerichts eine hervorragende Koreanische Pizza mit einem eiskalten Bier auf der Terasse. So lässt es sich aushalten! Den darauffolgenden Tag ist es durchgehend bewölkt – Vorbereitung auf das morgen in Seoul zu erwartende Regenwetter. Es geht nachdem mein Paket in der Post steckt (Adieu!) zum Grab eines Generales (ein Hügel mit Sternzeichen drumherum) dann durch den Tumulipark mit vielen nett anzuschauenden Grabhügeln, die ordentlich frisiert werden: An einem Seil wird ein Rasenmäher gehalten und spiralförmig um den Hügel gefahren – Drei Personen pro Mäher. Aber die Schniittrichtung der Halme muss stimmen, sonst sieht es nicht aus.
In einen der Hügel kann man hinein und den Grabaufbau betrachten. Dort toben allerdings auch etliche Schulkinder herum, die natürlich alle meinen, Hello,hello zu rufen und eine Antwort zu erhalten. Kann ganz schön anstrengend sein!
Es gilt dann noch das Nationalmuseum und alles weitere, in Gehweite liegende zu besichtigen, um dann in ein Restaurant einzukehren und eine Abbildung eines Topfes mit Grün drin zu wählen – Ergebnis: siehe Bild. Im Süppchen stecken neben Shrimps auch Muscheln und natürlich Pepperoni. Dazu gibt es ein Sortiment mehr oder weniger scharfer Beilagen. Lecker.

Von der Traufe in den Regen in Seoul

Seoul, Korea Rep.

Am späten Abend lande ich in Incheon. Es dauert lange, bis meine Tasche auf dem Gepäckband auftaucht – sie ist völlig eingedreckt, ein letzter Abschiedsgruß vom großen Nachbarland?
Es wollen sich im Ankunftsbereich zwei „Taxifahrer“ an mich hereinmachen, aber mein No! rutscht mir recht giftig heraus, da zischen sie wieder ab. Wie ich schon schrieb: Zivilisationstechnisch ging meine Lernkurve in Richtung Keuleschwingender Urzeitmensch. Ich bin gespannt, wie hierzulande der Umgang miteinander ist.
Ein ATM macht mich liquide und ich finde problemlos die Bushaltestelle vor der Tür. An einem Ticketschalter bekomme ich mein Ticket für 9000 koreanische Won (6Euro) und sitze eine Stunde nach Landung im Bus. Es regnet recht heftig. Etwas mehr als eine Stunde dauert die Fahrt bis zur SinseolDongstation. Ich will der weiteren Wegbeschreibung folgen, überquere die Straße und stehe dann Zwanzig nach Elf orientierungslos im Regen – irgendetwas stimmt hier nicht. Ein Betrunkener will mich begleiten, wohin? und rät mir dann ein Taxi zu nehmen. An einer Herberge frage ich, aber man versteht mich nicht, oder will mir eine Unterkunft im eigenen Gasthaus andienen, dann kommen noch zwei Passanten, keiner kann mit meiner Adresse und Beschreibung etwas anfangen, der Dritte zückt sein Handy und ruft für mich in der Herberge an und nach ein paar Minuten geht es doch weiter: Ich hätte das andere Links als Links nehmen sollen! Ist doch ganz klar!?? Ich befand mich keine Dreißig Meter vom Eingang der Hostels entfernt…
Eine schmale, steile Stiege geht es in den vierten Stock mit Sack und Pack hinauf und ich erreiche mein ziemlich übersichtliches Domizil hier in der Stadt. Klein, aber macht einen sauberen Eindruck. Das WLAN ist allerdings ziemlich frickelig, nur mit einigen Anläufen bekomme ich den Anfang dieses Berichtes hochgeladen. Wettermäßig bin ich in ein mehrtägiges Regenloch geflogen. Die Sonne lässt sich nicht blicken, die Temperaturen liegen bei 15 bis 20 Grad. Zum Glück gab es mehr oder weniger lange trockene Pausen zwischen den Phasen feinen Nieselregens, dass ich meinen Regenschirm den ganzen Tag über nicht herausholen musste. Mein erster Ausflug ins koreanische Alltagsleben führte mich nach Yongsan Station, um dort meine Online reservierten Bahnfahrkarten abzuholen. Wie ich dort beim Studium meines Wählknochens feststelle, habe ich darin keineswegs die Reservierungsnummern abgespeichert. Nebenbei bemerkt verlangt der Kartenautomat auch ein Passwort für den Zugriff. Passwort?
Wenn ich schon einmal da bin, und sowieso an einen Schalter muss, dann kann ich es auch gleich versuchen. Gedacht getan, die junge Frau hinter dem Tresen versteht kein, oder nur wenigst Englisch, und nachdem ich gesagt habe, I have a reservation, but cannot retrieve my reservation number, steht sie wortlos auf und geht in den hinteren Berich. Ups? Nachfragen? Es dauert lange, und ich fühle mich langsam an das Serviceverständnis an Bahnticketschaltern in China erinnert…
Sie kommt nach ein paar Minuten jedoch zurück und geleitet mich an einen Informationsschalter. Die Frau dort spricht auch nicht wirklich Englisch und die Tatsache, dass ich ihr meinen Personalausweis für den Namen reiche, ihr aber die Reisepassnummer nenne, unter der ich die Reservierung tätigte, sind zuviel: Sie steht auf, geht an einen Schaltkasten und die Panzerglasscheibe des Schalters fährt knarrend, krächzend und knallend nach oben. Ich trete einen Schritt zurück, da ich befürchte, das schwere Ding fällt mir jeden Augenblick auf die Füße.
Dann dreht die gute Frau ihren Monitor zu mir hin und fummelt Tastatur und Maus zu mir herüber, damit ich die Reservierungsseite in Enlgisch anwählen und meinen Namen und Passnummer eingeben kann. Et voila: meine Reservierungsnummern tauchen auf und kurz darauf halte ich meine Tickets in Händen und weiß nun auch, von welchem Bahnhof der KTX Schnellzug abfährt.
Sehr hilfsbereit, obwohl ich ganz schön viele Umstände mit den Tickets gemacht habe. Ich hoffe die Scheibe lässt sich wieder herunterfahren… Organisatorisch ist Yongsanstation allerdings ein schwarzes Loch: Ich weiß, dass ich Metrolinie 1 in Richtung Daewhu nehmen will, aber sin*****weise gibt man nur Tracks 3,5 und 6 an, aber nicht welche Metrolinien wo fahren… Auch nicht am Bahnsteig. Ein guter Orientierungssinn hilft: ich kam mit der Linie 1, offensichtlich bedeutet hier Bahnsteig6=Linie1, und es kommt ein Zug und innen stelle ich erleichtert fest, es ist Linie1 in die korrekte Richtung. Yongsan ist wohl auch das Elektronikshoppingparadies Koreas schlechthin – ich bin zwar kurz in eine riesige Mall mit Hunderten kleiner eigenständiger Geschäfte gegangen, aber ohne konkretes Kaufbedürfnis und erkennbare Preisangaben gingen mir die vielen konkurrienden und auf mich einredenden Verkäufer auf den Zwirn. Ich verlasse die Metro Linie 3 am Palast, und besuche dort während einer Regenphase das Palastmuseum (Eintritt frei) und dann den Palast für 3000 Won, etwa zwei Euro. Alles fein restauriert, aber leblos erscheinend, fast wie in der verbotenen Stadt. Auch das anschließend Folkoremuseum ist kostenlos. Vor der Tür werden Schwerttänze zu lautstarker koreanischer Rockmusik aufgeführt. Anschließend gilt es etwas zu Essen, ich wähle ein kleines Straßenrestaurant aus, das einen guten Eindruck macht und bestelle mir Schwein mit Gimchi und Käse. Das Essen macht noch einen besseren Eindruck, für kanpp über fünf Euro bekomme ich eine Art koreanisches Cordon bleu. Generell fühle ich mich hier in Seoul wie in einer anderen Welt. Es gibt mehr Verkehr als in Peking, aber es wird kaum gehupt. Die Ampeln erfüllen einen Zweck, es macht Sinn an einer Fußgängerampel auf Grün zu warten, denn es erscheint tatsächlich nach gewisser Zeit und wenn Fußgänger die Straße überkehren, fährt hierzulande kein Autofahrer dazwischen. Schwächere Verkehrsteilnehmer werden definitiv berücksichtigt.
Ich sehe mehr Straßenpolizei auf den Straßen. Beamte die NICHT gleichgültig in der Gegend herumstehen. Beamte, die den Eindruck machen, man könnte sich bei Problemen an sie wenden.
Den Eindruck hatte ich in China nirgens, vielleicht mit Ausnahme von Qingdao. Es erschien immer ratsam, dem verlängerten Arm der Obrigkeit möglichst aus dem Weg zu gehen, vor allem wenn man erlebt, wie uninteressiert und willkürlich sie dort im Alltag auftreten.
Auf den Palastgeländen wird man freundlich begrüsst, und wenn man einen Innenhof betritt, in dem sich ein Wächter/Wächterin zeitweise hingesetzt haben, so stehen diese tatsächlich auf! Dermaßen viele höfliche Gesten an einem einzigen Tag, wie in Monaten in China – das beeindruckt. Meine ersten öffentlichen Toiletten waren sauber und hochgezogenen und umherfliegenden Rotz habe ich auch noch nicht bemerkt. Nach zwei weiteren Palastbesuchen und einem Streifzug durch die Touristensouvenirstraße besorge ich mir an einem Stand noch ein Sortiment koreanischer Baozis, insbesondere die mit scharf gewürztem Kohl gefüllten Versionen schmecken gut. Es gibt hier dermaßen viele Kaffeebars und Futterbuden, dass man Monate mit Essen und Trinken verbringen könnte, aber morgen ist ja auch noch ein Tag, wenngleich Montags die meisten Sehenswürdigkeiten leider geschlossen sind. Die gestrigen Regenpausen hat das Wetter am heutigen Montag wieder wett gemacht: feiner Dauerregen. Und alle Museen geschlossen, da hilft nur etwas speisen gehen (schweißtreibend), in einem Bohnendosen Cafe den Caramel Macchiato probieren (sehr gut) und die Shoppingareale untersuchen.
Unter anderem wr ich nochmals an der Yongsan-Station. Man hat den Ausgang zu den anderen Elektromalls so geschickt gelegt, dass man ihn bereits als versteckt bezeichnen kann. Tip: nicht geradeaus in die Mall, sondern rechts vor die (Glas-)Wand, wieder rechts und nach ca. 100m links in den Übergang.
Es gibt dort wirklich nicht nur die Neunstöckige Mall direkt an der Station sondern Dutzende Malls mit Tausenden Geschäften. Von Überwachungskameras, sämtlichen Computerbauteilen und -zubehör, Spielen über etc bis etc.
Das Sammler und Bastlerherz wird beim Schlendern durch unzählige kleine Frickelläden und Flohmärkten höher schlagen.
Den Weg zurück zur Yongsanstation findet man am besten, wenn man einem großen stetigen Menschenstrom (vor allem Frauen) folgt, der in ein unscheinbares Elektroshoppinggebäude strebt. Sooo viele Frauen können einfach nicht an Computerkram interessiert sein, denke ich mir, und siehe da: in der dritten Etage gibt es einen ziemlich langen Übergang direkt in die Station.
Ups, soeben ist mir meine Übernachtung nach meiner Rückkehr aus Gyuengju abhanden gekommen: Mr. Sea stellt fest, dass er zum gebuchten und angezahlten Zeitraum eine Klimaanlage einbauen lassen will. Mir wird stattdessen die Gratisunterkunft im Schlafsaal angeboten. Nö, Siebenbettzimmer muss nicht sein…

Hauptstadtfinale II

Beijing, China

Die letzten Tage im Lande, in der Stadt, gilt es die verbleibenden Devisenreserven angemessen in den Wirtschaftskreislauf einzuspeisen.
Der Renminbi ist außerhalb Chinas nicht handelbar, zum Glück beläuft sich meine verbleibende Barschaft auf weniger als Hundert Euro.
Das Geld zu verspeisen ist definitiv eine Alternative, allerdings ebenfalls eine Figurrelevante Anlagemöglichkeit.
Eher unfreiwillig, doch ungezwungen begann die Woche mit einem Mediterranean Baguette in einer French Bakery. Mit frischem Mozzarella, Oliven und Tomaten schmeckte es gut, und knapp fünf Euro wären für daheim auch nicht allzu teuer, aber irgendwie kann ich es hier nicht genießen, denn für das gleiche Geld bekommt man gleichfalls Sechzig! mit Fleisch oder Gemüse gefüllte Teigtaschen. Von diesen hatte ich den Nachmittag zwei in der Nähe des Yonghe Lama Tempels, in dem sich eine 26m hohe Holzstatue von Buddha befindet. Acht Meter davon sind eingebuddelt, so dass sein Haupt in „nur“ 18m Höhe thront. Der Besuch ist seine 25RMB Eintritt wert.
Ein BigMac Menu kostet 22RMB. Kinobesuch Nummer Eins in 3D für 80RMB, erklärt, wie man einen Drachen trainiert. Ein netter Animationsfilm.
Kinobesuch Nummer Zwei präsentiert den Eisernen Mann Teil 2 für nur 35RMB. Die Differenzen zwischen Preisen hierzulande erstaunt mich immer wieder. In der heutigen China Daily war z.B. zu lesen, dass der durchschnittliche Quadratmeterpreis einer Wohnung in Peking innerhalb der vierten Ringstraße bei 34000RMB liegt, also annähernd 4000Euro. Und wenn man sich die durchschnittliche Bauqualität anschaut, dann wird schnell klar, welche unglaubliche Immobilienblase hier aufgepustet wurde. In Wuhan, Provinzhautstadt von Hubei, läge der Preis dagegen bei 6600RMB. In der Sprachschule verinnerliche ich mir noch einige komplizierte Satzkonstrukte ala „Außer … alle, Neben … weiterhin, Am besten …“ – wohlwissend, dass mein momentaner Wortschatz zu limitiert ist, um diese Grammatikhülsen mit ausreichender Sinnhaftigkeit zu füllen. Für Alltagsgeschäfte ebenfalls nicht hilfreich, weil viel zu kompliziert. Wer sich kompliziert ausdrückt, muss draufzahlen.
Auch fürs Verstehen ist mein Wortschatz zu gering, um aus den mindestens einhundert verschiedenen möglichen Bedeutungen einer Silbe „Sschää“ einen sinnvollen Kontext herzustellen. Erwartungskonfliktäre Kommunikationsversuche sind gelinde gesagt: schwierig. Eine weiterer Ausflug führte mich mit der Metro zum alten Sommerpalast, von dem außer ein paar Steinhaufen und Seen nicht viel geblieben ist. Stellt sich schon die Frage, wie lange die Allierten anno 1860 gebraucht haben, alle Tempel und Gebäude auf dem riesigen Areal dermaßen bodenbündig zu zerstören. Ein altes Kaiserliches Steinlabyrinth hat man mittlerweile wiederhergestellt, darin kann man sich stundenlang verirren 😉
Viele Bäume spenden Schatten und um die Seen herumzulaufen und Postkarten zu schreiben (alle sind verschickt!) ist eine gute Beschäftigung angesichts der derzeitigen Temparaturen von über Dreißig Grad. 798 Art District Es gibt hier in Peking einen Kunstdistrikt so ähnlich wie in Shanghai die Moganshan Straße, nur deutlich größer und mit deutlich mehr Gastonomie mittendrin. 798 Art District
Es lässt sich stundenlang in dem mindestens drei Blocks großen Areal in Dutzenden Galerien und dazwischen umherstreifen. Manches ist reale Kunst, manches künstlich und manches unbeabsichtigte Kunst. Zu manchen Ausstellungsstücken erschloss sich mir nicht der rechte Zugang, bei anderen (vor allem Fotokunstausstellungen) war ich von den tollen Bildern sehr beeindruckt.
Bei knapp 35 Grad sind klimatisierte Galerien schon per se hervorragend!
Im Rahmen meines Yuanverwertungsprogramms gönnte ich mir dort eine Pizza und abends noch einen Krabbengemüsesalat mit Curryrindnudeln und eine GUTE Flasche Wein, aber nichtsdestrotortz werde ich morgen noch einmal richtig schlemmen gehen müssen, um Bargeldfrei das Land verlassen zu können. Den letzten Tag in Beijing ging es in den Konfuziustempel und abends noch in einem „organic“ Restaurant speisen. Ein Laffabrotsalat mit Ajioli und dazu einen Vitaminbombenfruchtmix. Auch wenn das Essen gut war, fühlte ich mich dort in Sanlitun fehl am Platze: Ein Treffpunkt für reiche Chinesen und Westler (liegt am Botschaftsviertel).
Die allgegenwärtige Zurschaustellung der IPhones und Luxusmarken der Handtaschen und Kleidung ist in meinen Augen schon fast peinlich. Manches Gericht dieses Kettenrestaurants wurden für den Wochenlohn eines Arbeiters angeboten. Ich hatte anschließend auch nicht das Bedürfnis für fünf Euro ein kleines Eis in einer bekannten? Eiskette mit einem kalten Stein zu essen.
Der Weg zum Flughafen heute war wieder einmal ein Kampf – es wird vorgedrängelt, dazwischen geschoben, der Sitzplatz unter dem Hintern weggenommen: Es soll mir mal jemand einen zu Geld gekommenen Chinesen in Beijing zeigen, der sich an den vorgeblichen chinesischen Traditionen orientiert! Ich habe für mich dass Gefühl, dass mich meine drei Monate China Zivilationstechnisch um Jahrzehnte zurückgeworfen haben, denn wenn man etwas hierzulande, vor allem in Shanghai und Peking, viel zu häufig demonstriert bekommt, dann dieses: protze mit Statussymbolen und verhalte dich rücksichtslos, selbstbezogen und nochmals rücksichtslos. Selbst wenn du primitiv wie ein Wischmop bist, oder gerade dann!
Für die Ausreise muss ich noch eine Abreisekarte ausfüllen – Bürokratie muss sein und dann bin ich endlich aus dem Land. Ich fühle mich wirklich erleichtert, dass Land verlassen zu können. Das gibt mir zu denken.

Von Himmlischen Parks und Verbotenen Städten

Beijing, China

Im Park ist die Welt noch in Ordnung. Hier bestimmt die Eiserne Reisschale den Takt und süßes Blütenaroma beflügelt.
Man stört sich nicht an Stil oder Haltungsfragen, nur Spaß und Bewegung zählen auf dem Tanzparkett unter Bäumen.
Die andere Welt, die Welt, die man nicht verstehen kann, die bleibt Draußen. Es reicht, wenn aus ihr der ein oder andere Transistorverstärker zur Beschallung oder manches Mobiltelefon (Shouji-Handmaschine)für den Kontakt zum Enkel Einzug gehalten hat. Die andere Welt flaniert ebenfalls durchs Grün. Modisch, Markenmodisch. Vorbei an bemühten, verschieden talentierten Jungbarden, die darauf hoffen entdeckt zu werden, berühmt zu werden, reich zu werden.
Manch einer glaubt das Ziel bereits erreicht zu haben, mit modischem Chique, mit Unmengen des teuersten fotographischen Equipments. Der Eindruck wankt, wenn man den Westtouristen bitten muss, das Zweitausend Euro Objektiv an das Kameragehäuse zu setzen, doch hat dies zum Glück niemand sonst gesehen, das Gesicht ist gewahrt. Es wird angestanden, um einmal im Mittelpunkt zu stehen. An einem Ort, der noch vor Hundert Jahren tabu für die Bevölkerung war, ein Ort, an dem gottgleiche Imperatoren für gute Ernten opferten.
Nebenan wurde museal wiederhergestellt, was bereits Jahrzehnte verloren, umgewidmet und sogar bewohnt war. Die schöne neue Zeit frisst eine zuvor schöne Zeit um zur guten alten Zeit zurückzukehren.
Was wohl aus den Bewohnern wurde? Hat womöglich der Eine oder Andere im Austausch eine Reihe Stammabfallbehälter erhalten, von deren verwertbaren Inhalten er allein profitieren darf?
Über die zwölf Töne der chinesischen Musik zu informieren ist nunmal wichtig, hat Vorrang vor dem Einzelnen. In der Welt dort Draußen ist keine Zeit für Mühlespiel, dort denkt man besser nicht darüber nach, warum Bombencontainer auf den Bahnsteigen stehen oder warum jede Tasche kontrolliert wird. Nachdenken produziert zuviel unnütze Gedanken, das gilt es zu vermeiden, denn es stört die Harmonie. Das war früher so und ist auch heute so, wenngleich anders. Dort Draußen zählt das Geld. Zählt, was Du zahlst, zahlen kannst; nicht du zählst, erst recht nicht, wenn du nicht zahlen kannst, dann bist du Nichts. Dort Draußen treiben die Drohnen durch die Gänge und Straßen, zugedröhnt, von Gier angetrieben oder mitgezogen. Oder abgestoßen. Oder ausgestoßen. Einmal zuviel angestoßen, explodiert, im Kindergarten, die kleinen Kaiser mitgerissen. „Brother, we are hungry!“ kann es da auch schon mal aus engen Designerjeans tönen – ein Hinweis, dass dies gut für die schlanke Figur sei, wäre eloquenter, als ein plumpes „Go work!“ Doch Eloquenz wird gemeinhin überschätzt, vor allem, wenn es um Positionierung geht, wenn es knapp wird, wenn es Hart auf Hart kommt, dann zählen Schnelligkeit, Kraft und Masse. Eloquenz bleibt auf der Strecke und nimmt den nächsten Zug. Auch Eleganz unterliegt.
Und Abweichungen im Alltag scheinen für viele Menschen ganz schlecht zu sein – es hat durchaus seine komischen Aspekte, wenn man in einem Yumdo (Schnell-?)Restaurant auf die groß über dem Tresen angebrachten Bilder der Speisen zeigt und es heißt: „mäh jo“ Und wieder: „mäh jo“ und auch nach „di-u-geh“, „mäh jo“. „Ni jo schennmeh?“
Schweigen.
Wonach mag der potentielle Gast nach Dreimaligem „Haben wir nicht“ wohl gefragt haben? Welche Körbchengröße die gute Frau hat, künstliche Implantate vielleicht? Ein anderer Gast hat die Frage wohl durchaus verstanden, und weist auf jenes Gericht, welches bereits auf dem Foto nicht dem entspricht, was ich essen möchte: Das wäre gut und ansonsten wären doch alle Gerichte gleich.
Stimmt auch wieder, Hauptsächlich Reis: mit Fleisch dran… Aber was nutzt dies, wenn es immer heißt „Mähjo,mähjo,mähjo“?
Wenn man hier nix zu essen verkaufen kann, dann geh ich halt nach Gegenüber: „Määähjooo!“
Im Nachhinein erklärt sich auch der wesentliche Umstand, warum das Lokal kaum einen Gast hat. Yumdo – demnächst unter neuer Leitung… Was zählte in der Verbotenen Stadt? Zahllos sind die Räume und Gänge, und die Plätze dazwischen. Zahllos auch die Besucher. Verboten viele. Es wird gegrabscht und gegegrabbelt, an Glas und allem greifbaren Metall. Und in beinahe jeder Öffnung wird mit den Fingern gebohrt und gepörkelt, . Was hofft man Gutes daraus zu erhalten? Das Resultat sind bis aufs leere Innere aufpolierte Drachen und Absperrungen, Absperrungen, Absperrungen – die kulturellen Relikte des Volkes müssen vor dem Volk geschützt werden.
Geomantisch angelegt, im Zentrum des Universums. Erinnert schwer an das mittelalterliche Dogma, dass sich die Sonne um die Erde drehen würde. Materialmäßig (auch an Menschenmaterial) wurde jedenfalls geklotzt und nicht gekleckert. Beeindruckend fand ich es dennoch nicht allzusehr.

Von Sommerpalästen und großen Mauern

Beijing, China

Nach der Schule trafen sich zwei Taxis und eine Luxuslimousine auf der Straße. Dumm, wenn man telefonierend mit seinen getönten Scheiben als Linksabbieger in die Straße brettert und dabei auf Hindernisse trifft. Dem Übermut der Luxusprotze werden halt doch manchmal Schranken von der Gesellschaft gesetzt und sei es auch in Form einer Taxikarosserie. Das zweite Taxi sah sich durch die abrupt vor ihm gestoppte Limousine genötigt, nun seinerseits der Limousinentür einen Kuß zu geben. Solch Schmuserei in der Öffentlichkeit wurde vom nachfolgenden Verkehr mit lautem und dauerhaftem Hupen geahndet. Ich tauchte schnell in den Untergrund ab zu einem Frischgemüsebaguette. Nachdem ich dort auf dem Stadtplan entdeckt hatte, dass es eine U-Bahnstation am Sommerpalast gibt, stand für mich fest, dass ich genau dort wieder ans Tageslicht treten wollte.
Nach einer knappen Stunde Untergrundfahrt quer durch die gesamte Stadt befand ich mich im Nordwesten Pekings.
Eintritt Sommerpalast 30 RMB, für ein Allinclusive-Ticket 60RMB. Ich wählte All-In, doch bekam es nicht – zu spät. (Wie sich später herausstellte hat die gute Frau am Schalter richtig mitgedacht und mir Geld gespart, denn ich konnte wirklich nur weitere 10RMB Eintritt für den Buddhaweihrauchtempel bezahlen)
Es geht erst einmal Bergauf – zur Stärkung ist ein Eis mit einem Schokoladenpuffreiskern angebracht, denn es ist sonnig und recht heiß. Gutes Eis.
Oben an diversen Pavillons angekommen konnte ich eine wunderbare Aussicht auf den See und den besagten Buddhaweihrauchtempel genießen. Mein Weg führte mich in großem Bogen bergab und am Seeufer entlang zum Eingang. Innerhalb des Tempels geht es dann wieder bis fast ganz nach oben hinauf.
Viele Treppen und kleinere Tempel, zum Teil aus massiver Bronze (207 Tonnen schwer) liegen auf dem Weg zu einer Buddhafigur mit vielen Armen. Vielleicht ist es auch kein Buddha, denn der hatte ja nur zwei Arme, aber ich kann die Symbole nicht lesen, die vielleicht etwas anderes besagen…
Es war mir nicht möglich, innerhalb der Öffnungszeit das Museum und alle Hallen und Höfe, die sich auf dem Gelände befinden anzuschauen und ich verließ den Park am New Palace Gate. Erst später sah ich von Außen, dass es ein Südtor gibt, welches man vergessen hat auf den Übersichtskarten einzuzeichnen. Noch ein paar Kilometer in wunderbarer Abendatmospäre laufen bis zur Baguo-Metrostation (Endstation Linie 10) und schon sause ich für zwei Yuan zurück ans andere Ende der Stadt. Für den nächsten Tag hatte ich mir einen Besuch an der Großen Mauer bei Mutianyu vorgenommen. Ich hatte die Metro am Dongzhimen Busbahnhof noch nicht verlassen, da quatschten mich die ersten Nepper bereits an. Einer von den Vögeln begleitete mich sogar zur Toilette, um mir dann seinen überteuerten Transport anzudrehen. Aber ich weiß ja, dass es einen Bus gibt (10-11RMB). Ich will die 936, alternativ die 916 und dann umsteigen in einen Minibus. Die 936 verweigerte man mir: an der 916 sagte man, gibt es nicht, im Bus sagte man zu mir, ich müsse die 936 statt der 916 nehmen, aber langsamer sprach mein Sitznachbar auch nicht, als ich ihn darum bat. Hätte ja sonst eine Chance gehabt, etwas vom Gesagten zu verstehen. Höflichkeit ist halt nicht allzu weit verbreitet hierzulande.
Bereits ab dem ersten Halt in Huairou entern Minubusfahrer den Linienbus und versuchen den blonden Touristen herauszulocken. Vielleicht wäre es das Einfachste gewesen, bereits dem ersten zu folgen, denn im Folgenden wird es noch schlimmer (und teurer).
Am sogenannten Busbahnhof, an dem ich laut einer im Bus mitfahrenden Anwältin (die mir ihre Visitenkarte gibt) ihrer Meinung nach in einen anderen Bus umsteigen könne. Da war sie wieder, die ominöse 936. Ich sah noch mehrfach von der 936 und hörte von ihr und bestimmt werde ich die Nacht von ihr träumen. Kaum steige ich aus dem Bus aus, zerrte man an mir und versuchte mich zu Autos (nach Mutianyu?) zu ziehen. „Don’t touch me“ fauchte ich mit zur Abwehr erhobener Hand eine extrem aufdringliche Hyäne an, die ihre schmutzigen Grabbelfinger nicht von mir lassen konnte. Ein ganzes Dutzend Fahrer und Fahrerinnen schrie aus allen Himmelsrichtung auf mich ein – Huairou toppt den Bahnhof in Hangzhou locker! – und umringte mich und begleitete mich auf dem Weg zum Bus 936, der auf der anderen Straßenseite stand (aber woanders hinfuhr). Und wieder zurück. Auch der korrupte Uniformträger am Busbahnhof steckte mit unter einer Decke. Sorgfältig waren die 936er Schilder vom Wartehäuschen abgerissen worden. Ich ging dann mit einem günstigen Mann mit, der anbot für 5Yuan zur Mauer zu fahren. Es ging mit einem schrottreifen Motorrad los – egal, nichts wie weg von dem Pack.
Nach einem Kilometer fiel dem Kerl ein, dass die Fünf Yuan dafür sein sollen, mich zu der nächsten Busstation zu fahren, wo ich doch den günstigen Bus für Drei Yuan nehmen könne… nach Mutianyu würde er ansonsten für Dreißig fahren…
Ja stehe ich denn im Wald hier? Ich stieg umgehend von seinem Moped ab, gab ihm immerhin Zwei Yuan, bin ja kein Zechpreller. KarlA..ch war sichtlich unzufrieden mit der Situation und knattert neben mir her. Kaum zu glauben, aber an dieser Busstation lauert ebenfalls ein halbes Dutzend von diesen Minibus- und Autoverbrechern und will mich ausnehmen. Mopedhyäne hetzte sie fleißig gegen den fiesen Waiguoren auf.
Einer macht einen halbwegs vertrauenswürdigen Eindruck und will mich wohl zu einem Preis unterhalb der Sechzig bis Hundert der Anderen fahren, wird dafür aber arg beschimpft, so dass er kneift.
Ich schaltete um auf Deutsch, was ja keiner versteht und rief allen zu, dass sie mich doch alle gerne haben könnten und ich dann eben gehe und sie sich ihre Fantasiepreise dorthin stecken könnten, wo es warm und muffig ist. Und gehe die Straße entlang, bereit den Bus zurück nach Peking zu nehmen, denn ich hatte die Nase voll und es war wieder einmal einer der Momente, in dem ich froh bin, in einer Woche dieses Land zu verlassen.
Ein Auto hielt an und darin einer der Fahrer, der vorher auf Freund gemacht hatte und nun auch. Er bat mich einzusteigen. Ich fragte, was soll es denn nach Mutianyu kosten? Er wich aus, zeigte auf seine Tankanzeige, oder lamentierte, dass er hungrig wäre. Ich fragte erneut, wiederum ausweichend
Einfache Frage: Ni gaosu wo, qu Mutianyu duoshao qian? Wieder keine Antwort – OK Türe zu, erledigt, ich ging weiter.
Er rollt hinterher und hat plötzlich die Zahlensprache wiederenteckt: „OK Sixty!“
„Du mich auch“ und gehe weiter.
Ein ganzes Stück später kam der halbwegs vertrauenswürdig erscheinende Fahrer angefahren und für Dreißig fahre ich mit ihm die fünfzehn Kilometer zur Mauer. Dort gönne ich mir erst einmal ein Hühnerbrustbaguette und dann geht es treppauf (45RMB Eintritt)
Die Seilbahn nahm ich nicht, denn man kann die Mauer von unten sehen (so hoch ist das doch nicht, oder?!?) und 50 bzw. 65RMB war mir das Stückchen nicht wert. Es war bedeckt und kühl, also angenehm bergan zu steigen.
Auf der Mauer geht es dann auf und nieder, erst nach rechts und dann nach links, bis zum höchsten Punkt, an dem mein GPS dann anzeigt, dass es recht genau 500 Höhenmeter bis zum Parkplatz sind. Sie ist schon beeindruckend, diese Mauer, die sich über die Hügel schlängelt mit Türmchen und Treppen. Auch wenn die Geschichte gezeigt hat, dass der Versuch sich einzumauern, in die Hose ging. Die blühendsten Perioden waren jeweils die Zeiten, in denen ein reger Austausch und Handel mit anderen Ländern und Kulturen statfand. Apropos GPS: Auf einem Stück der Mauer erzählte ein Deutscher mit einer 5000Euro Nikon mit GPS Aufsatz doch ganz überzeugt sei ner Frau, dass man sich auf 2050m Höhe befinden würde – ich stutzte dagegen. Liegt Peking wirklich so hoch, denn viel Steigung gab es auf der Hinfahrt nicht? Und 2000Höhenmeter bei diesem Breitengrad, da müsste es mir doch wohl wohl deutlich kühler in meinem kurzärmeligen Synthetikhemd sein, oder? (Mein GPS zeigte üppige 500m an, wie ich später feststellte)
Ach ja, die unreflektierte Technikgläubigkeit. (Eine Druckdose zur Höhenmessung hatte der „Spezialist“ ebenfalls dabei)
Am obersten Punkt kaufe ich einer Verkäuferin tatsächlich Zehn Postkarten für Zehn Yuan ab, mit schönen Bildern vond er Chinesischen Mauer.
Wer dies liest und gerne eine davon zugesandt haben möchte, möge sich bei mir melden, bevor ich das Land verlasse 🙂 Auf dem späteren Weg nach unten begegnete ich noch ein paar netten älteren Damen, die sich mit mir fotographieren lassen wollen und dann landete ich an einem dr vielen T-Shirt-Verkaufsstände, an dem es die obligatorischen „I climbed the Great Wall“ T-Shirts gibt. Ein Dollar sagt die Frau, aber nach dem Aussuchen eines XXL T-Shirts fängt die Frau bei 185 Yuan an zu lamentieren. Hallo? Ein Dollar=185RMB??? Ich habe keinen Bock auf solch verlogenes Gefeilsche und auch dass die Frau mir den Weg versperrte, machte mich alles andere als kaufwillig.
„You had your chance – goodbye“ Push and Go.
Dreißig Meter weiter fing ich mit einer anderen Frau an zu handeln, Ihr „Freundschafts-„startpreis liegt bei 90 statt 120. Ich bot 10 und am Ende bezahle ich 17RMB, was sicher immer noch zu viel ist, aber Zwei Euro für ein „Kult“-T-Shirt ist auch nicht das schlechteste Geschäft. Auch hier an Mutianyu hat man die Hälfte der Beschilderung des Busses 936 entfernt – so dass ich nur mutmaßen konnte, ob der letzte Bus wirklich zwanzig Minuten zuvor gefahren war, oder ob sich das Warten lohnt. Da es allerdings anfing, wie aus Kübeln zu gießen, verspürte ich nicht allzu großes Verlangen zu warten. So musste ich in den sauren Apfel beißen und eine selbsternannte Taxi zurück nach Huairou nehmen. Nach Herunterhandeln von Achtzig fuhr ich für Vierzig Yuan ich in einem neuen Toyota mit, wenigstens etwas. An der 916er Bushaltestelle muss ich mich sputen, denn der Bus kommt gerade, doch man schreit mir hinterher, „Nein,Nein!“
Nein? Steht 916 dran. Fährt aber woanders hin, allein an dieser Haltestelle sind Streckenpläne für gleich Drei! 916 Busse mit verschiedenen Zielen angeschlagen. Hier im Ort hat sich wohl niemand gefragt, welchen Sinn große leuchtende Busnummern haben könnten und stattdessen allen Bussen entweder 916 oder 936 gegeben. Ich könnte deswegen schreien!
Dann kommt ein 916er, an dem auch Dongzhimen dransteht, aber diesmal schrie die halbe Bushaltestelle auf: „Bu shi, Bu shi“ Nein?
Der nächste Bus sollte es sein, dieser fuhr zwar richtig, aber nicht Express.
Der nächste war es tatsächlich und brachte mich zuverlässig in den Verkehrskollaps der Dritten Ringstraße Pekings. Meine Abenteuerlust war noch nicht gestillt, beziehungsweise hielt sich mein Verlangen, zur absoluten DrückundSchieb-Primetime gleich zweimal die U-Bahnlinien an ungünstigen Stationen, wie bei meinem ersten Eintreffen in Peking, wechseln zu müssen, in ganz engen Grenzen. Also stieg ich vor der Endstation aus, meiner Meinung nach in der Nähe einer Linie 10 U-Bahnstation. Ich lag richtig und nach knapp vierhundert Metern Fußmarsch stand ich in der U-Bahn und musste nicht einmal umsteigen. Da störte es kaum, dass die Einlaßschranke meinte, mein frisch gekauftes Ticket wäre ungültig – sie war offen und ich drin.
Ich freute mich darauf ein heißes Süppchen und ein frisches Baguette aus dem Supermarkt zu essen, doch Pustekuchen: Baguettes von gestern morgen oder vorgestern – Entenfuttertorpedos. Internet durfte ich abends auch nicht mehr, denn die Mitbewohnerin aus der Schweiz (Bank-Marketing-Managerin mit zwei Iphones, einem Macbook und Achtzig Kilo Gepäck, aber einem massiven Zufriedenheits- und Schlafproblem) weist meine vorsichtige Anfrage mit einem energischen: „Wenn mein Film heruntergeladen ist“ zurück.
Soll ja nur 40Stunden dauern, bis die Gigabytes durch die Leitung sind…
Ich könnte ja nun gehässig feststellen, warum denn noch einen Film, wo doch schon ihre Musik spielt und der Fernseher mit HBO auf Hochtouren läuft, aber an sich ist es traurig. „Kopf freimachen“ sieht meiner Meinung nach anders aus. Andererseits könnte ich ebenfalls darüber nachdenken, mir einen persönlichen Fahrer für Ausflüge zu chartern, der mich vor dem Ärger mit Neppern abschirmt. Könnte mir auch die in mundgerecht geschnittene Früchte, mit großer Plastikumverpackung für den Zehnfachen Preis kaufen, könnte mir auch Glanz und Glamour kaufen…
Eine Zufriedenheitsgarantie gibt es dadurch aber nicht. Zwangsoffline schrieb ich diesen Text und trank dabei ein Pineapple Juice Beer mit 0,6 bis 2,5% Alkohol – ich will es einmal so ausdrücken: man kann es trinken, muss es aber nicht.

Hauptstadtfinale I

Beijing, China

Mit dem Airportexpresszug und zwei Metrolinien ging es zur Sprachschule. Deren Wegbeschreibung erwies sich dabei als unvollständig, denn am Central Place heißt alles Central -Place, -Square, -Mall und laut Übersichtskarte gibt es Businesstürme A1 bis A3, aber keinen Turm 16.
Da hilft nur Umherirren und mehrmaliges Fragen von halbwegs intelligent erscheinenden Menschen.
Es ist warm, das Gepäck schwer, die Metrostationen hier gönnen sich nicht den „Luxus“ von Rolltreppen, es kommt fast zu einer Schlägerei mit rüpelhaften Wanderarbeitern und ich steige schweißgebadet und von bedeutungsleeren italienischen Designermarkenfassaden ans Tageslicht, suche den Weg, in der Schule endlich angekommen, ist mein erster Eindruck der eines überlebenden Baustellenbüros – nichts davon ist Stimmungserhellend.
Hat mich aggressiver gemacht als ich sein möchte, reagiere dementsprechend nicht begeistert, als man mir mitteilt, dass die mir zugesandte Unterkunftsinformation obsolet ist (wäre in Geh-Nähe gewesen) und ich stattdessen zwei U-Bahnstationen (verteilt auf zwei Linien) fahren muss. Ist unbequemer, kostet extra Zeit und Geld, und man hat es nicht einmal für nötig gehalten, mich über diese Änderung zu informieren.
Wäre ich aus irgendeinem Grund später eingetroffen und direkt zur Unterkunft… aber bin ich ja nicht, und ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich mehr Informationen, als eine Visitenkarte mit der Handgeschriebenen Adresse der Unterkunft erhalten hätte. Wenn ich nicht recht patzig gefragt hätte, und wie soll ich da hinkommen? Taxi. Was kostet das? Hmm, zahlt die Dame und sie würde mich begeleiten.
Ich fülle dann zum Vierten Male ein Accomodationaggreement und Formulare aus. Bürokratie ist wichtig!
Den sinnfreien Einstufungstest ersparen wir uns immerhin, nach meinem erneuten Hinweis darauf, dass ich bereits in Shanghai ihren Elementary Level Kurs besucht habe..
Mit dem Taxi geht es dann zu diesen Century Towers an der Dritten Ringstraße. An der Ecke ist die Metrostation und eine Shoppingmall mit Kinocenter mit englischsprachigen Filmen. Globalisiertes Fastfood und Kaffee sind omnipräsent und auch einen Supermarkt gibt es, denn ich dann auch besuche, nachdem ich ein DSL-Modem für den Internetzugang an der Rezeption geordert habe.
Kaution oder nicht Kaution, das war eine Frage, die meine Kreditkarte zweimal beantworten sollte – ich werde auf der Abrechnung kontrollieren müssen, ob da wirklich „nichts verblieben“ ist.
Die angekündigte Appartment Mitbewohnerin aus der Schweiz kommt Stunden später nach mir an, da habe ich bereits das bessere Zimmer in Beschlag genommen, auch sie wurde neuarrangiert, Unterbringungstechnisch und ist not amused. Ihre Stimmung liegt um etliches unter meiner bei Ankunft. Sie scheint deutlich besseres gewohnt zu sein, wodurch so ziemlich alles ihren Missmut erregt und versendet am Abend und Morgen erst einmal Beschwerdemails.
Ich dagegen habe gut geschlafen, das Bett ist nicht zu hart, das Fenster im 16.Stock geöffnet gab es Frischluft, esse einen Kirschjoghurt und Baguette und werde mich gleich in der Schule auf chinesisch bespaßen lassen. 第一个天 Der erste Schultag war ernüchternd. Es brauchte eine ganze Weile, bis ich eine Vorstellung davon hatte, an welchem Kapitel des Lehrbuches sich der Kurs abarbeitet. Es handelte sich um eine Art Freistilplapperrunde, in dem jeder mit jedem kommunizieren sollte, ohne dass es alle wirklich gekonnt hätten – eine Kakophonie des Chinesisch-Dilletantismischen. Und die Lehrerin springt fleißig von Hü nach Hott und spricht ziemlich schnell und für mich schwer verständlich, da mit ungewohnter Aussprache. Nicht sehr hilfreich insgesamt
Der zweite Eindruck von der Schule hier, knüpft nahtlos an den Ersten an: eng, bedrängt und deutlichst weniger strukturiert als die Filiale in Shanghai – nichts für Klaustrophobiker. Wenn sich der Unterricht nicht deutlich steigert sehe ich mich in den nächsten Tagen eher durch Abwesenheit glänzen: Bezahlt ist bereits, ist dann reine Abwägungssache, ob ich mich für mein Geld auch noch frusten lassen möchte, oder lieber die Stadt und Kultur erlebe.
Im Supermarkt erlebe ich dann allerdings arrogantes, neureiches Verhalten, wie ich es seit langem nicht mehr erlebt habe. Absolut verächtlich werden vor der Kassiererin die Geldscheine hingeworfen und dass ihr die Münzen des verpönten Wechselgeldes nicht ins Gesicht geworfen wurden, war auch alles. Typische chinesische Hauptstädter?? Hoffentlich nicht. Gerade als ich mich am frühen Nachmittag in Richtung Olympiastadium aufmachen will, kommen nach und nach Handwerker und Reinigungspersonal – fünf Personen insgesamt, die für meine Mitbewohnerin einen Schreibtisch und ein anderes Bett besorgen. Auch dieses ist allerdings zu hart, so dass ihr später auch noch ein paar weiche Auflagen besorgt wurden.
Statt Olympiastadium, ging es für mich dann in den Chaoyang Park, der nach vier Metrostation erreicht war. Eine große grüne Oase in der Stadt. Das Olympische Beachvolleyballturnier wurde dort ausgetragen, wie ich beim Durchwandern feststellen konnte. 第二三个天 ; Eine Nachmittagsexkursion führte mich zum Tiananmenplatz. Ein großer mit Granitplatten ausgelegter Platz, der nicht so außergewöhnlich groß erscheint, da sich mittendrin das Mao Mausoleum breit macht. Ursprünglich wollte ich dem Reiseführer folgen und aufs Südtor steigen, um den Blick schweifen lassen zu können, aber der Preis dafür wurde seit Drucklegung aufs Siebenfache erhöht (20RMB) und dafür quatscht mich gleich ein Dutzend Animateure voll, wie toll es doch dort oben wäre, und ganz billig wäre es doch auch: vier Etagen für einen Preis. Komisch nur, dass man ungefähr zehnmal so viele Überwachungskameras wie Besucher an der Balustrade entdecken kann. Ich entscheide mich für die 2RMB Eisalternative und ziehe weiter. Über das Mausoleum kann man von dort eh‘ nicht drüberschauen. Auf dem Platz fallen sehr viele „rein zufällig“ herumstehende Leute in Zivil auf. Mein Eindruck ist, wenn man „Polizei und Geheimdienst bitte den Platz verlassen“ rufen würde, wäre nur noch ein Viertel der Menschen übrig. Streicht man dann noch die Postkarten und Neppverkäufer, bliebe ein Zwanzigstel. Dafür gibt es wahrlich beeindruckende Videowände auf denen nette Propagandavideos laufen. Weiter nach Norden, vor der verbotenen Stadt steigt die Konzentration an Neppern drastisch an. Wie Sauerbier werden Touren zur Großen Mauer angeboten, „Half price“ , aber dafür wird man zur Nachverhandlung auch auf halber Strecke ausgesetzt. Manch einer versucht dem dummen Touristen die Flasche Wasser für den Dreifachen Preis des vorherigen Standes zu verkaufen. Immerhin interessant anzuschauen ist am Spätnachmittag das Katz- und Mausspiel zwischen einem dicken Polizisten in seinem Polizeiauto und den flinken Verkäuferfußtruppen. Blöd nur, dass er mit seinem Auto ihnen nicht über zwanzig Zentimeter hohe Bordstein folgen kann. Anschließend dreht er dann auf dem Vorplatz im Auto seine Runden und beschallt das Areal mit dem riesigen Megaphon auf dem Fahrzeugdach. Soll ja bloß keine betretene Stille aufkommen.
Einen Park rechts und links der verbotenen Stadt zu besichtigen ist genug für den späten Nachmittag. Auch das gesamte Olympiaareal ist permanent beschallt: „One world one dream“ bilingual und weitere Jingles. Im Park und sogar im Wald entkommt man der Dauerbeschallung nicht, ab und an ertönt ein „Welcome…don’t make fire…keep off the grass“ aus den maximal 50m voneinander entfernten Lautsprechern. Mir fällt leider nicht ein, an welch en Science Fiction Film mich das erinnert – Demolition Man?
Ohne diese Lärmbelästigung würde der Olympia Forest Park sicherlich gewinnen, immerhin gibt es Wiener Walzer auf die Ohren, es hätte ja auch ein Radetzkymarsch, Chinapop Potpourri sein können… Der Eintritt fürs Olympiastadium soll knapp 6Euro betragen, das Geld ist es mir nicht wert, ein paar Schritte weiter gibt es eine fast Besucherleere „Olympia Construction Exhibition Hall“. Auch ich darf zuerst meinen Personalausweis für den Erhalt der Gratiseintrittskarte vorzuzeigen, bevor die Kollegen des Schalterbeamten lautstark darauf hinweisen, dass dies bei Ausländern keinen Sinn machen würde. Jaja.
Dann noch eine ausgiebige Sicherheitskontrolle wie am Flughafen und ich bin drin. Recht interessant anzuschauen, die Modelle der Bauten. Der zweite und dritte Schultag gestalteten sich deutlich besser, allerdings ist die morgendliche Anreise durch die überfüllte Metro nervend.
Die Unterkunft ist an sich nicht schlecht, aber man wollte gestern morgen darauf beharren, die Mülleimer nur einmal wöchentlich zu leeren (obwohl die winzigen Dinger bereits voll waren und zu stinken anfingen). Erst die Androhung, den Müll dann in den Hausflur zu kippen, wo ihn dann einer wegräumen kann, in Verbindung mit der (zweifachen – hier muss man immer alles wiederholen) Bitte bei der Schule für die Entsorgung zu sorgen, half: es wurde sogar eine Grundreinigung des Appartements durchgeführt.
Irgendwie hatte ich mich schon darauf gefreut, die stinkenden Müllbeutel in den Aufzug zu stellen…

Terrakottakrieger

Xi’an, China

Der Flughafen von Nanjing liegt mehr als 40km außerhalb, um zwei Drittel günstiger wäre es gewesen, mit dem Taxi zur Shuttlebusstation und von dort mit dem Bus zu fahren. So kassiert der Taxifahrer für eine – wie üblich – wenig überzeugende Fahrvorstellung 150RMB.
In Xi’an erwarten mich beim Anflug endlose grüne Felder (ich hatte nur stauibige Steppe im Sinn) und dort ignoriere ich alle Taxinepper, bis auf einen: zu dem sage ich „Dream on“, und steige in den Shuttlebus vor der Tür. 35km sind es laut GPS und 10Minuten rollere ich meine Reisetasche die Straße entlang und ich bin in meiner Unterkunft.
Schluchz. Das erste Zimmer, das man mir gibt ist ein Kellerloch. Sicher man hat es schön eingerichtet, und wäre vermutlich nicht so schlimm gewesen, wäre da dieser Gestank nicht gewesen. Einmal Kleidung wechseln (schwere Flieger- gegen leichte Hallowarmklamotten) und ab an die Rezeption: „My room smells“. Zur Strafe muß ich mein Gepäck Drei Stockwerke hochschleppen und habe nun ein Zimmer, dass sich als Moskitobrutstätte erweist. Leichenberge kleben bereits an den Wänden und auch ich muss völlig unbuddhistisch mehrere von den Viecher in den Leidenskreislauf zurückschicken, um nicht zerstochen und verseucht zu werden. Fürs Internet muß ich mich ins Erdgeschoß zu Cafe oder Bar begeben.
Ich buche abends noch das volle Ost- und Westtourprogramm zu den Tonsoldaten und diversen Gräbern, nachdem ich mich online über die Preise informiert habe. Für knapp Siebzig Euro habe ich jetzt ein wenig das Gefühl, zwei Tage mit Kaffeefahrten zu verbringen. Wenigstens muss ich so nicht nach den günstigeren Transportgelegenheiten und Ortschaften suchen und finden – ich kann mich zurücklehnen und die Tourorganisation machen lassen; kann die Ohren zusteckern und Musik hören und statt Shopping-, Lesepausen nehmen.
Eine Runde durch die Stadt führt mich durch ein wahres Glanz und Glamour Shoppingparadies und eine große Anzahl von Clubs und Bars, ja einen ganzen Straßenzug voll davon befindet sich keine hundert Meter von meiner Unterkunft entfernt. Mit Livemusik – was diese nicht immer besser macht. Insgesamt macht die erleuchtete Innenstadt einen stimmungsvollen Eindruck und gefällt mir. Im Osten das alte Leid Die Tour gen Osten kann ich nur als seltsam bis bereuenswert bezeichnen.
Erstaunlich war, dass sie überhaupt stattfand, da es nur zwei
Teilnehmer gab. Das heißt, die Französin hatte die billigere Tour, ohne
die heißen Quellen gebucht – für 75RMB weniger. Clever wie man ist, deklariert man nach dem Mittagessen die heißen
Quellen aufgrund eines VIP Besuchs als nicht besuchbar. Aha. Aber natürlich würde ich mein Geld zurückbekommen. Bekam ich dann auch:
50. Oho. Ich stelle dem netten Fräulein gegenüber höflich fest, dass ich doch
wohl mindestens 75 zurückbekommen würde. Bei der Gelegenheit erwähne ich
auch, dass wir ebenfalls nicht das Grabmal, sondern nur das billigere
Museum aufgesucht haben – und wenig später ist der VIP Besuch
verschwunden…na so etwas. Das ist wieder einer der Momente, wo ich
mich frage, ob sich solch verlogenes Pack einredet, NICHT das Gesicht zu
verlieren? Die 70RMB Eintritt waren die heißen Quellen definitiv nicht wert, aber
die Hauptsache war, dass sich solches Volk nicht über alle Maßen
vertragswidrig bereichert. Glücklich waren sie nicht, und den
Reiseverkäufern an der Rezeption dieser Absteige habe ich dennoch
Feedback gegeben, was ich von der Tour hielt und dass sie sich glücklich
schätzen können, dass ich die Westtour gestern bereits gebucht hätte… Ob ich deswegen auch glücklich schätzen kann? Ich kann jedem nur empfehlen, den Bus 306 auf eigene Faust zu nehmen, für 7RMB und die 90RMB Eintritt für die Terracottakrieger zu zahlen und den Rest auszulassen. Banpu Museum besteht aus einer Mischung neolithischem Drecks und Betonreplika einer Nudistenhüttenfantasie – wer kommt auf die seltsame Idee, dass in der Steinzeit die Menschen barbusige Betonfrauen auf ihren Dächern angebracht haben könnten? Kontrastierte ganz nett mit ein paar hübschen bunten Blümchen davor.
Das Grabmalmuseum – ein Witz, eine durch miserables Pappmache-Ambiente Durchschiebeangelenheit…
Zwar musste ich mir nicht den Transport organisieren, dafür aber die Kommissionsorientierung (Shopping, Essen) ertragen. Definitiv der Flop des Monats – es sei denn die Tour morgen toppt dies noch – die ist jedenfalls eine typische chinesische Pauschtouristentour, die per se so grottig ist, dass es bereits wieder Spaß machen könnte. Verstehen werde ich Mister Wimpelschwenker mit seinem Trötophon sowieso nicht (auf chinesisch) und das ist gut so.
Immerhin liegt der Famen Tempel knapp 120km entfernt und für eine Person wäre ich kaum in der Lage den Transport günstiger auf eigene Faust zu organisieren – solange nicht plötzlich ein VIP aus der Tasche gezaubert wird… Auch im Westen nichts Neues? Stimmt so nicht ganz, denn es gibt eine alte Siedlung, die mit Pappmachee und viel liebevollem Arrangement von Püppchen (und einem lebendigen Schwarzbären) in einen Themenpark verwandelt wurde. Da ich kein Wort des chinesichen Plastikmegaphongekrächzes unseres Tourguide verstehe, bleibt mir die langwierige Erläuterung der Geschichte der (chinesichen) Menschheit (zum Glück) erspart und ich konnte mich von der Gruppe absetzen. Dies ist an jedem Stop der Fall, ich bekomme die Abfahrstzeit des Buses mitgeteilt und dann lasse ich die Störschallquelle hinter mir und kann mich auf eigene Faust umschauen. Herrlich!
Und dabei fing die Tour nicht allzu vielversprechend an: zuerst fast eine Stunde Verzögerung, bis sich der Bus in Bewegung setzt und dann Beschallung bis an die Schmerzgrenze. Ich musste mir meine Kopfhörer einstecken, um nicht durch den Endlosmonolog des Tourguides im Bus zu ertauben. Wie es Zweidrittel der Busbesatzung schaffen, diese Gelegenheit zu nutzen, um ein Schläfchen zu halten, macht mich ratlos.
Ich hoffte nur, dass unser Busfahrer nicht auch zum Einschlafen in den ungeeignetsten Momenten (während der Fahrt) ein Nickerchen macht.
An einem Kaisergrab war Mittagspause angesagt. Ich verzehrte draußen im Schatten mein eigenes Lunchpaket statt des überteuerten Essens dort. Vom Kaisergrab war nicht sehr viel zu sehen: vier imposante Steinklötze und ein Weg mit Wächterfiguren dazwischen – kein Abtauchen in eine Grabkammer wie beim Prinzessinnengrab kurz zuvor. (Wobei es allerdings auch nicht viel zu sehen gab) Immerhin ein netter Spaziergang, halb den Grabhügel hinauf mit tollem Ausblick in die gründe Landschaft. Das Highlight kam am Ende: Famen Si, ein alter und neuer Tempel mit einer Fingerknochenrelique Buddhas.(Auch die Überreste dieses guten Menschen wurden vor Zeiten weit gestreut)
Besonders hieran ist, dass beim Wiederaufbau der, in den Achtzigern eingestürzten, Pagode darunter eine geheime Kammer mit der Relique und Tausenden von Schätzen gefunden wurde. Leider konnte ich eine erwähnte gelbe oströmische Glasflasche nicht in der Ausstellung entdecken, denn die über zwölfhundert Jahre alten, blauen Glasteller waren beeindruckend hübsch. Gleiches gilt natürlich auch für die Vielzahl an goldenen Kistchen, Schalen und Figuren. Auch die verzierten Eingangstüren waren sehr kunstvoll. Insgesamt ein schönes Museum, mit toller Ausstellung und ohne plärrenden Tourguide. Erhalten blieben diese Schätze unter anderem deshalb, weil sich ein Mönch zur Zeit der Kulturrevolution zum Schutze der Kammer selbst verbrannte. Solche wehmü ;tigen Hinweise darauf, welche riesigen Verluste die heutzutage wieder hochgelobte chinesische Kultur während dieser Zeit erlitt, finden sich ab und an, aber nur wenn man sich die Mühe macht und genau hinschaut.
Etwas, das nicht gerade die Stärke der Trötophontouren ist – schallschnell sausten die durchs Museum.
Unter der Pagode wurde ein goldvertäfelter Tresorraum angelegt, erinnerte mich sehr an Myanmar. Und dann gibt es dort auch noch den neuen Tempel. Mit einer breiten Zufahrt aus Beton, von der ich glaube, dass es in Wirklichkeit eine Landebahn für Jets ist. Immerhin knapp zwei Kilometer lang, so dass auch ein Shuttleservice mit Bimmelzügen angeboten wird.(Kostet 20RMB extra)
Als puristischer Hobbypilger gehe ich natürlich stilgerecht zu Fuß und nehme nicht den Aufzug. Denn nur wenn man sich die Ausmaße dieser ganzen Angelegenheit erläuft, bekommt man ein Gefühl dafür. Immerhin gilt es neun Etagen des Sockels auf Treppen emporzusteigen, um dann vor der Thrombenförmigen Spitze zu stehen, die in Form des Weltkulturerbezeichens gestaltet ist. (Bodenplatte nicht mitgerechnet!)
Darin ein Dreistöckiger Buddha und darüber nochmal ein kleiner Tempel, den ich aber nicht besichtigen konnte.
Für die ganze Tempelanlage wurden Unmengen an Beton und Granit bewegt, alles ist riesig und bombastisch. (Und doch mit erkennbarren Verarbeitungsmängeln im Detail – Pfusch am Tempelbau!)
Ich frage mich, inwiefern Gigantismus besser mit dem buddhistischen Gedanken vereinbar ist, als ein kleiner stiller Schrein… Summa summarum: für 300RMB ein lohnenswerter Ganztagesausflug, für den man Oropax und gute Musik mitnehmen sollte und dadurch den chinesischen Guide ignorieren kann. Aufgrund der Entfernung, Mautgebühren und Eintrittspreisen (Famen Si:120RMB) auf eigene Faust ohne Gruppe nicht einfacher und keinesfalls günstiger zu besuchen. Wenn Umsonst Vergebens ist Heute sollte mein musealer Tag in Xi’an werden. Ich startete recht spät in einen bewölkten, aber zunehmend wärmer werdenden Tag zu Fuß gen Süden.
Nach ein paar Kilometern erreichte ich unerwartet ein Shaanxi Provinz Kunst Museum. Für 10RMB Eintritt gab es dann auch tatsächlich eine Ausstellung eines wohl bekannten, derzeit verstorbenen Malers zu besichtigen. Den Namen, wie auch die Titel der Bilder konnte ich nicht entziffern, da alles in Hanzi gezeichnet wurde. Malen konnte er jedenfalls.
Insgesamt besaß das Museum jedoch mehr Überwachungskameras als Ausstellungstücke – auch ein Kunstwerk.
Besuchen wollte ich das Shaanxi Geschichtsmuseum, nach dem Erlebnis von großartigen, wenngleich lautstark beschallten Wasserspielen erreichte ich es auch.
Dort gab es eine lange Schlange am Ticketschalter. Deren gab es fünf, doch nur einer war besetzt. Die Tickets gab es umsonst. Da könnte man meinen, wenn man trotzdem unbedingt Tickets ausgeben muss, sollte dies schnell gehen, dann ist man noch nicht in China gewesen. Oder noch nicht lange und abgeklärt genug.
Nein, es möge doch bitte jeder Chinese seinen ID-Karte vorzeigen und sich dann auch noch in eine Liste eintragen – will da jemand Buch darüber führen, welches die Geschichtsinteressierten Bürger sind, oder soll dem Schwarzhandel Einhalt geboten werden?
Die bunt bedruckten Gratiskarten werden alle schön ausgedruckt und dann am Eingang gelocht.
Angesichts der Länge der Menschenschlange (ca 150m) und der Bearbeitungsgeschwindigkeit der Schalterbürokratin ( 1,3 Personen/Minute) kam ich auf eine gerechnete Wartezeit in brütender Hitze von ca. zwei Stunden. Umsonst war also vergeblich. Ich ging dann lieber ein Eis essen und setzte mich später in einen Park.
Eine solche Bürokratieorgie mit Lochen, Stempeln, Ausfüllen in dreifacher Ausführung mitzuerleben, die jeglichen Betrieb verhindert, kann wütend machen und zugleich froh, dass man sich noch nicht daran gewöhnt hat, und solche Absurditäten kommentarlos als „Normal“ akzeptiert.

Südliche Hauptstadt

Nanjing, China

Die sechsstündige Zugfahrt aus dem heißen Huangshan hat mich ins ebenso heiße Nanjing verfrachtet. Bin ich überhaupt nicht mehr gewohnt, Temperaturen über 30 Grad zu haben.
Da werden morgen wohl nach langer Zeit meine Sandalen wieder zum Einsatz kommen.
Die Zugfahrt war recht kommunikativ und mit einigen Brocken Chinesisch und Englisch kam ich über die Runden.
Offensichtlich gibt es für Zugtickets wohl eine Ticketagentur, bei der man durch einen „Yellow Call“ gegen 5RMB Gebühr die Tickets etwas früher und dann auch für die besseren (unteren) Liegeplätze kaufen kann.
Der Zug war jedenfalls bis auf den letzten Platz belegt – Höchstsaison, Hauptreisezeit.
Am Abend wollte ich in einem Straßenrestaurant ein Essen erstehen und zeigte auch auf die konkrete Schale mit Gemüse bekam dann aber nur eine schnelle Abfolge von Sätzen um die Ohren gehauen. Nicht gerade geschäftstüchtig – in Kunming nahm die zugehörige Standfrau die gezeigte Schale, füllte Brühe ein und schaltete den Gasbrenner darunter an. Aber hier?
Ich glaube ich habe auch so etwas wie eine Standpauke vernommen, dass ich in China doch wohl gefälligst Chinesisch sprechen können müsse. Es hatte einfach keinen Sinn: Ich wies auf das Essen, „DAS DA“, zeigte drauf, ich hätte auch jegliche Brühe genommen, aber man konnte, ja wollte mich nicht verstehen. Ich bin dann halt weiter gegangen – ist ja nicht so, dass man hierzulande auf einer Straße voller Restaurants und einem Doppelbogenbräter verhungern müsste…
Hundert Meter weiter gab es zwar ein Missverständnis (meinerseits), als ich mich wunderte ein Garlic-Ji – also Knoblauchhähnchen in Chinglisch bestellen zu können, landete allerdings mit der Bestellung einen echten Volltreffer bei einem hervorragenden Curry-Chicken – für 15RMB, siehste mal, geht doch, wenn man nur will. Muss ich mir merken, dass Gali Ji Curry-Chicken ist. Ich bin hier in einer seltsamen Unterkunft gelandet – man scheint hier der Meinung zu sein, Frühstück anzubieten, aber doch nicht um Viertel vor Neun. Nachmittags vielleicht? Und warum werden hier Pippi-Räuber erwartet, denen man den Weg zur Toilette weist?
Und am wichtigsten: warum versuchen andauernd seltsame Menschen meine Zimmertüre aufzubrechen oder um Einlass zu begehren? Vorgeblich um eine Waschmaschine zu suchen, oder aber um ein Zimmer 205 in 203 zu finden?
Gegen solche ungebetenen Gäste hilft nur eine stabile Tür, gegen Appetit am Morgen hilft ein Frühstück beim Güldenen M um die Ecke: Für günstige 6RMB gibt es dort einen Ei-Käse Burger mit einem Becher durchaus wohlgeratenen Kaffees. Anschließend ging es quer durch die Stadt, durch den Präsidentenpalast, mit interessanten Einblicken in wichtige Phasen chinesischer Geschichte. Ist nicht mehr lange, bis die chinesische Republik ihr 100Jähriges feiert…
Dann ging es ins Nanjing Museum, welches durch Umbauarbeiten recht eingeschränkt, dafür aber kostenfrei in Betrieb ist. Aber immer schön brav zurück an den Ticketschalter um dort ein Gratisticket zu erhalten.
Zum Grab aus der Mingdynastie und dem Mausoleum Dr. Sun Yatsen (dem ersten Präsidenten) kam ich nicht ganz, denn die Preisvorstellungen, um Grabstellen anschauen zu dürfen lagen mit 15Euro im Bereich, an dem ich mir dachte, man soll die Toten ruhen lassen.
Dafür gehe ich lieber Achtmal Essen.
Apropos Essen: als ich am Straßenrestaurant, an dem ich gestern kläglich scheiterte vorüber kam, wollte man mich hereinwinken. Tja, Chance verpasst, denn im Eckrestaurant mit den drei Schriftzeichen, gab es neben dem leckeren Hähnchencurry auch ganz passables Schwarzpfefferrind. Mit einem Stieleis als Nachtisch passierte ich gesättigt und wohlgefällig erneut das nicht allzu gut besuchte, unverständige Restaurant. Könnte an der Körpersprache der Betreiberin liegen: trotziger Gesichtsausdruck, verschränkte Arme, macht sie eher den Eindruck einer „Dukommsthiernichtrein“ Türsteherin.
Morgen mittag geht es dann schon wieder weiter: mit dem Flieger nach Xi’An.

Yellow mountains

Huangshan, China

Die Fahrt mit dem öffentlichen Bus in Hangzhou, Linie K102 ,(2RMB) dauerte doch etwas länger, als ich dachte. 18 Stationen quer durch die Stadt, die Straßen, wie üblich verstopf, brauchte der Bus eine Stunde bis zum West-Busbahnhof. Von dort sollte mich ein Überlandbus nach Huangshan Stadt (Tunxi) bringen. Ich musste mir nur noch eine entsprechende Fahrkarte kaufen. Beim Aussteigen aus dem Linienbus wollte mich bereits ein Minibusfahrer für paarundsiebzig fahren, aber Skepsis ist angebracht, wenn es auch einen regulären Busservice alle 50 Minuten gibt…
An den Ticketschaltern wieder lange Schlangen, dann bin ich dran, sage mein „Ni hao“ und der junge Frau hinter dem Schalter steht es bereits ins Gesicht geschrieben – Oh nein, ein Dramatourist, der nix versteht. Doch ich sage langsam meinen Spruch auf Chinesisch auf, dass ich ein Ticket nach Huangshan (Tunxi) haben möchte und sie versteht mich!
Siehste, geht doch, wenn man sich zu verstehen bemüht! Gegen die Zahlung von 76RMB erhalte ich ein Ticket für den Bus, der zwanzig Minuten später abfahren soll.
Klappt alles wunderbar, in Huangshan hält der Bus in der Pampa, die sich Busdepot nennt und einige selbsternannte Taxifahrer buhlen um mich. Weitere 10RMB bringen mich die zwei Kilometer zur Oldstreet, leider ans falsche Ende, aber da muss ich eben durch. Meine Reisetasche hat zwei große Skaterrollen und erweist sich immer wieder als Goldstück, ja ist schon beinahe Geländetauglich. Die ziehe ich locker ein paar Kilometer hinter mir her, trotz des Gewichts von Dreißig Kilo.
An der Herberge angekommen, buche ich direkt meinen Transport zum Huangshan Nationalpark (6:15 morgens) und ein amerikanisches Frühstück zuvor (5:45) und dann auch noch ein Sandwich- Lunchpaket mit Wurst und Ei. Immerhin habe ich die Kosten dafür zuvor eingespart, weil ich nach dem IHYF Membertarif gefragt habe und der lag für die Superhochpreissaison (ab morgen) um zwei Euro die Nacht niedriger.
Nach dem Auspacken im Zimmer gönne ich mir ein Mittagsmahl (Hühnchen mit Pilzen und Gemüse) und tippe dabei diesen Eintrag. Danach geht es ab in die Stadt. Tunxi ist die provinziellste Stadt, die ich bisher in China gesehen habe. Hier ist alles ärmlicher, weniger herausgeputzt, unstrukturierter.
Ein Grund mag auch sein, dass Olympia oder die Expo weit weg sind, daher kein verschönerndes Auge der Obrigkeit auf die Stadt fiel.
Die Anbindung mit Autobahnen ist jedenfalls bereits gegeben: in hervorragender Ausstattung und Zustand, mit unzähligen langen Tunneln, die durch die Berge gefräst wurden. Der Standard, der hierzulande vielfach beim Infrastrukturaufbau erreicht wurde, ließe so manches südeuropäische Land vor Neid erblassen.
Und es wird weiter gebaut und erschlossen, das Land ist immerhin riesig. Während der Busfahrt meine ich an vielen Stellen Wiederaufforstungen gesehen zu haben – das ist allerdings auch bitter nötig, und an manchen karg erodierten Berghängen vielleicht nicht mehr möglich. Will das Land nicht seinen Lebensraum verlieren, so bleibt ihm nichts anderes übrig, als mehr Nachhaltigkeit in den Alltag zu bringen. Gleiches gilt zwar auch für unser Land, und wir scheinen mir in der Hinsicht zum Glück Zwanzig Jahre vorraus zu sein. (Wobei der Rückbau von Betonwüsten erst in neuerer Zeit stattfindet) Das Tempo des Wandels scheint hier staatlich diktiert um ein vielfaches höher. Im Alltagsverhalten des einzelnen Bürgers ist davon noch nicht viel angelangt: da wird alles vollgerotzt, jeglicher Müll überall hingeworfen und im Zweifelsfall auch auf die Straße geschissen. Ja, es wird recycelt, aber das ist zumeist nur der Armut zu verdanken – viele Menschen leben hier vom Einsammeln weggeworferner Einwegflaschen: Plastikkrumen, emsig herausgepickt, sogar aus den tiefsten Tiefen pestilenzverseuchter Müllbehälter. Da ich den heutigen Tag hier in Tunxi gestrandet bin, werde ich ihn damit verbringen, das neuere Stadtgebiet zu erkunden und es ansonsten ruhig angehen zu lassen. Immerhin habe ich gestern meinen Allzeitrekord im Stufensteigen (Auf und Ab) gebrochen.
5:10 Aufstehen, 5:45 Frühstück, 6:15: Mit dem Minibus (18RMB) ging es lanwierig über mautfreie Straßen zur Huangshan Scenic Area (Huang=Gelb und Shan=Berg), dann mit dem Shuttlebus zum Eingang und Seilbahnstation (13RMB), dann folgte der Eintritt (230RMB der Park und 80RMB die Seilbahn) und es hieß eine Stunde Wartezeit, bis meine Gondel endlich in Bewegung setzte. Denn viele viele Busse waren schon vor uns da – geht halt schneller, wenn man die gerade, betunnelte Autobahn nimmt..
Oben angekommen, fängt es an zu regnen. Dicke fette Tropfen – Prima, also Regenhaube auf Rucksack, Schirm herausgeholt und los. Das Wetter wird allerdings schon kurz Zeit später besser und im Laufe des Tages brilliant, fast schon zu warm.
Ich habe noch nie solche Menschenmassen sich durch eine bergige Landschaft quälen sehen. Der gestrige Maifeiertag war definitv kein guter Zeitpunkt für den Besuch dieser Hauptattraktion und auch heute wird es nicht besser sein. Die wunderschöne Natur verkommt angesichts des Schlangestehens, des permanenten Geschreis und Getröte der vielen Reisegruppen mit ihren Megaphonen und der auf den Berg geschleppten Müllbergen zur Abartigkeit.
Es stehen und sitzen oftmals so viele Menschen herum, dass ich einen Abzweig nicht sehe und zwei Ehrenrunden über den höchsten Punkt des Parks (Lotus Peak) drehe, bis ich den Abzweig zur Heavenly Sea finde. Hier heißt es: Anstehen. Oben angekommen ist es nicht gerade himmlisch, sondern höllisch voll. Doch es findet sich auch ein verwaister Abzweig, gen Norden zur Fairytalebrücke. Dorthin verirren sich die Gruppen nicht, denn der Weg ist lang und anstrengend. Es ist bereits halb Zwölf.
Ein Kilometer Treppen auf und Treppen ab, und auf und ab, und auf, braucht irgendwie deutlich mehr Zeit als in der Ebene. Und bedeutet auch einiges mehr an Anstrengung. Die Kalorien meines Frühstückes und meines Sandwichpaketes kann ich gut gebrauchen.
Ich gehe die knapp Drei Kilometer bis zur Brücke (hauptsächlich bergab) und dann noch in etwa einen Kilometer in den sogenannten Grand Canyon – definitv der schönste und spektakulärste Teil der Yellow Mountains, aber auch nicht ganz einfach und wer nicht schwindelfrei ist, ist dort erst recht fehl am Platze. Gerne wäre ich die ganze Runde über die nördliche Seilbahnstation gegangen, aber weitere Drei Kilometer in die falsche Richtung (die ich ja auch wieder zurückmuss) traue ich mir nicht zu. Es ist mittlerweile Ein Uhr. Insbesondere, da ich keine vernünftige Karte mit Entfernungen und Höhenmetern habe und mir entgegenkommende Leute etwas von Drei bis fünf Stunden erzählen, die sie für die Strecke brauchten.
Ich gehe also zurück – bergan, bergan! durch den Menschenauflauf auf dem Hochplateau (gen Westen ist noch immer erkennbar alles verstopft) und will dann wenigstens den Osten des Parks sehen. Um Drei Uhr bin ich bereits an der östlichen Seilbahnstation, genügend Zeit, den Berg hinunter zu gehen, anstatt weitere 80RMB für die Gondel zu bezahlen. Sieben Kilometer Strecke und wieviele Stufen mögen wohl in 1000 Höhenmeter passen? Genug. Insgesamt bin ich etwa 20 Kilometer in den Bergen unterwegs gewesen und ich kann den Park in der Nebensaison, aber dann mit Übernachtung auf den Bergen, nur empfehlen.
Mit Shuttlebus und vollgestopftem Linienbus geht es zurück nach Tunxi, dort heißt es nochmals über einen Kilometer laufen, aber das macht nun auch nichts mehr.
Ich nutze abends noch die Gelegenheit zum Wäschewaschen und lade während der Wartezeit ein paar Bilder ins Blog. Es ist schlicht und ergreifend zu heiß für besondere Aktivitäten – ich kann mich glücklich schätzen gestern durch die Berge gewandert zu sein, denn momentan sind es lockere Dreißig Grad. In einer Marktstraße wähle ich mir an einem Essenstand am Straßenrand mein bisher billigstes Menü in China aus: 6RMB für ein Gericht nach Wahl (Senfstengel mt Tofuschnitzeln), frisch zubereitet im Wok mit Reis und Tee. Und es schmeckt wunderbar. Das (warme) Bierangebot lehne ich dankend ab.
Am Bahnhof bringt mich ein selbsternannter Hobbyzuhälter zum Lachen mit seiner „Massatsch“ Nummer – vor allem, da er mit seinem Nullkommafünfzeilengedächtnis beim Verlassen des Gebäudes schon wieder vergessen hatte, dass ich gerade eben erst Nein gesagt habe und es erneut versuchte..

Am Westsee

Hangzhou, China

Meine zweite Zugfahrt in China gestaltete sich deutlich schlechter, als die Erste. Kurz vor Abfhartstermin änderten sich die Anzeigen (ohne Durchsage) im Warteraum um eine um 80Minuten spätere Abfahrt – prima. Im Endresultat ergaben sich Eindreiviertelstunde Verspätung.
Es scheint so, dass die D Zugummern vorrang vor den anderen haben, analog unserem ICE.
Meine nächste Zugfahrt wird dann ein K oder D.Zug sein…
Der Zug fuhr dann erst zurück nach Shanghai und hatte dort einigen Aufenthalt, aber dann gings ohne weiteren Stop nach Hangzhou.
Dort angekommen, erwartete mich am Bahnhof ein Spießrutenlauf bisher unbekannten Ausmaßes: Taxifahrer, TukTukfahrer und sonstige Schlepper und Nepper haben sich in dieser Stadt miteinander verschworen, um Bahnreisende bei Ankunft auszunehmen. Es ist sicher verboten, das Taxameter nicht anschalten zu wollen, und stattdessen für 2,5km Fahrstrecke den 5 bis 10fachen Tarif zu verlangen. Aus einem Taxi bin ich dann direkt wieder ausgestiegen. Verbrecherbande!
Ich wusste ja, dass ich den Bus zu meiner Unterkunft nehmen kann, das Problem war nur, die richtige Bushaltestelle zu ermitteln, umschwirrt von einem ganzen Dutzend dieser Brut von Neppern, die mir ihren abgezockten Taxiservice aufnötigen wollten und immer im Weg standen.
Ich habe dann eine nette Chinesin an einer Bushaltestelle gefunden, die mir sagen konnte, WO mein Bus Y2 denn hält. Über zwei Straßen hinweg stand auch schon einer, aus Holz, so in etwa anno 1942, aber er ratterte umgehend los und brachte mich schnell bis vor die Haustür, für 3 Yuan, was nur ein Zehntel des vom Günstigsten der Halsabschneider verlangten Betrag ausmacht.
Ich betrachte dies als einen kleinen, persönlichen Sieg über die Korruption!
Auch wenn der Betrag absolut gesehen, für Deutschland nicht allzu viel ist, allerdings liegen hier die Monatsverdienste von Arbeitern bei zum Teil 800 Yuan, und es gibt noch Ärmere…
Auch die Leute an der Bushaltestelle waren fassungslos, dass so viele Taxis und zugehörige Fahrer um einen Blondschopf buhlten, der sich lautstark wehrte und offensichtlich nicht bereit war mehr als Zwanzig (was bereits das Doppelte gewesen wäre!) für die kurze Strecke zu zahlen.
Tja, wer den Hals nicht voll genug kriegen kann, der möge dran ersticken oder leer ausgehen.
Zur Not wäre ich die halbe Stunde auch zu Fuß gelaufen. Gegen Abend bin ich zwei Drittel der Strecke zu einem Supermarkt am See entlang spaziert, der recht nett illuminiert ist – allerdings habe ich keine Kamera dabei gehabt, daher gibt es erst später Bilder. Es geht rund! Als ich den lärmenden Kindergarten und die Schule gestern hinter dem Haus bemerkte und fragte, wann die denn morgens anfangen, hieß es, um Acht, vielleicht halb Neun, es wäre ja nicht so leicht die Kleinen wachzukriegen…
Seit 6:45 weiß ich, dass dies eine weitere „Verdrehung der Wirklichkeit“ war. Um diese Zeit sind nämlich die Kleinen zur Morgengymnastik lautstark aufmarschiert : „Hao Hao Hao Ha!“ und „Kwa Kwa Kwa Kwa!“
Ohne Musikbegleitung macht das alles nur halb so viel Spaß, also folgte dann ein Blasorchester und anschließend wurde aus Lautsprechern ein Medley aller möglichen Melodien, inklusive Hichzeitsmarsch zum Besten, zum Lautesten gegeben!
Hallelulja, ich war und blieb wach! Ein Supermarkt mit Herz für Singles?
Die Preisgestaltung verschiedener Packungsgrößen im Supermarkt ist immer wieder interessant: Zahnpasta 90g 1,80RMB 140g 4,20RMB – Deoroller 25ml 6,90 50ml 20,40 – na welche Größen habe ich wohl gekauft?
Am Bauzi Stand wollte und wollte niemand bedienen, obwohl ungefähr ein Dutzend Verkäuferinnen Löcher in die Luft starrten.
Erst als ich rief „Faules Pack, Bedienung!“ kam Bewegung in den Laden 😉
Neee, nicht wirklich, andere wartende Chinesen haben lautstark geschimpft 🙂
Faules Pack versteht hier keiner… Am Bahnhof, nach einer langen Warteschlange kam meine Geheimwaffe, der mit Zugdaten und abgemalten Schriftzeichen gefüllte Zettel zum Einsatz und ich erhielt wenig später tatsächlich eine Fahrkarte. Für 100RMB, sechs Stunden Zugfahrt von Huangshan nach Nanjing, wieder Schlafwagen, aber Alternativen über Tag gab es keine…
In den Zügen gibt es jedoch einen praktischen Wasserboiler, nur noch Süppchen und Kaffee mitbringen und die Versorgung ist sichergestellt. Nach diesem Abstecher durch Tempel, Supermarkt und Bahnhof, ging es einmal komplett um den See herum, und weil es so schön war noch eine Viertel Umdrehung zu einem Supermarkt, um einen Frühstücksjoghurt zu kaufen. Dann hatte ich nach etwa sieben Stunden Dauermarsch genug.
Insbesondere ist es heute ziemlich windig, was dazu führt, dass die Luft entweder voller Pollen und Blütenstaub ist, oder voller Sand. Vielleicht erreichen uns hier gerade die Ausläufer des schweren Sandsturms im Nordwesten Chinas, der ein Dutzend Menschenleben forderte. Das Morgenfitnessprogramm der I-Dötze fiel heute recht schlapp aus – trotz militärisch einpeitschender Aufpasserin kam keine rechte Resonanz auf: so blieb es still, bis um Acht die Megaphone angeschaltet wurden und gerade im Moment Marschmusik blasen. Irgendwie seltsam: bei uns wird von einer Verringerung der Lärmbelastung gesprochen, hierzulande scheint man bereits die Kleinen lärmtechnisch abzuhärten – gerade mit dem Radetzkimarsch!
Und es folgt Dschingis Khan – Hu-Ha, Hu-Ha! Da lebt der Schulhof auf! Hierzulande begegnet man der Finanzkrise auch bislang anders: „Unser Wechselkurs ist zu niedrig? Ja und?“ Und behält ihn bei. Basta.
Dagegen online lesen zu müssen, wie unsere Bundesregierung herumeiert, ist ärgerlich. Es wird von wem auch immer spekuliert, natürlich gegen das schwächste Mitglied einer Gemeinschaft, und ein großes Mitglied – und Profiteur! – der Gemeinschaft tut so, als es ginge es uns nichts an. Und vor allem lässt die Spekulanten, ihre Ratingagenturen und Banken gewähren. Damit sich der ganze Wahnsinn immer mehr aufschaukeln und immer größere Kreise ziehen kann.
Es sind ja Wahlen in zwei Wochen und offensichtlich hält man die Bevölkerung für zu dumm, um der unliebsamen Wahrheit ins Auge zu blicken, ohne unliebsame Konsequenzen zu ziehen.
Vertrauen schafft man damit nicht. Fragt sich da eigentlich einer, wie ein auf nicht greifbaren Werten basierendes System ohne Vertrauen funktionieren soll?
Ein schwarzes Schaf auszustoßen, wenn die Wölfe um die Herde kreisen, ist ein fraglicher Weg, das eigene Fell zu retten.
Da werden Summen in immer neuen, immer wieder anderen Dimensionen genannt, da wird betont, unser Land hätte ja toll gespart, nicht so wie die ollen Mediteranier, aber wo hat unser Land denn gespart? Am Staatsdefizit bestimmt nicht! Vielmehr am Lohnniveau.
Aber vielleicht will man etwas mehr Krise, um Druck auzubauen? Um notwendige, aber bei Lobbyisten unpopuläre Zwangsmaßnahmen für das Finanzwesen einzuführen? Eine internationale Spekulationssteuer zum Beispiel!?
Wenn das mal alles gut geht. Wie heisst doch ein so schöner doppeldeutiger umgangssprachlicher Begriff?
„Lasst uns ordentlich Asche machen!“

Gardenien und Canalien

Suzhou, China

Die Idee bereits am Vortag ein zusätzliches Metroticket für die Fahrt zum Bahnhof zu kaufen, erwies sich als Flop – das Drehkreuz verweigerte mit der Meldung „Service 7“ die Passage. Also noch eins kaufen, denn mit vollem Gepäck lange nach Service 7 zu suchen erschien nicht gerade sinnvoll.
Die Wartehalle im Bahnhof war bis auf den letzten Sitzplatz gefüllt, es hieß warten, bis die rote Anzeige auf grün umspringt, dann heißt es sich sputen und in den Zug gelangen.
Der Zug war luxurös modern und mit deutlich mehr Gepäck und Beinfreiheit als der heimische ICE. Businessclass halt. Mit knapp 200km/h ging es superleise durchs Land, vorbei an der Neubaustrecke für die nächste, fast doppelt so schnelle Zuggeneration. Mit dem Taxi geht es zur Herberge. Zum Glück habe ich mich vorher noch mal kundig gemacht und halte die Augen offen, denn wohin ich wollte, hatte der Fahrer nicht wirklich verstanden und die Unterkunft kannte er nicht. Es heißt sich umgewöhnen: eine knüppelharte Unterlage und Vorsicht vor dem Durchlaufverbrüher! Bei meinem ersten abendlichen Streifzug durch die Stadt – die um einiges größer ist, als ich annahm – bekomme ich in einer Seitengasse unliebsame Gesellschaft. Anhalten und verweilen nutzt nichts, rein zufällig wartet der Kerl an jeder nächsten Gabelung und beobachtet wo ich entlang gehe. Völlig unauffällig 🙂
Die Dämmerung setzt ein, und da lege ich keinen Wert darauf, von jemandem verfolgt zu werden, der zuvor gierig auf meine Kamera gestarrt hat. Weder möchte ich überfallen werden, noch solchen Menschen zeigen, wo ich wohne.
Erst als ich wieder eine größere Straße mit Autoverkehr erreicht habe und mehrfach die Straßenseite wechsele, gibt er auf. Wireless Internet im Zimmer ist wie manches anderes in dieser Herberge nur in der Beschreibung im Buchungsportal vorhanden. Ich habe tatsächlich die Bettdecke des zweiten Bettes über die Holzplatte gelegt, die sich hier Matratze nennt. Am morgen schafft man es nicht einmal ein Spiegelei und zwei Scheiben Toast aus einem glibberigen Zustand zu befreien. Kaffee gehört hier nicht zum Frühstück, nur gelbes Zuckerwasser. Kaffee kostet extra. Dafür gibt es schmuddelige Köter und Zigarettenqualm. Angesichts des unappetitlichen Frühstückes verzichtete ich auf eine weitere Desillusionierung durch überteuerten Instantkaffee.
Meine Bewertung der Unterkunft wird wohl nicht sehr rosig ausfallen. Für den größten Park hier in der Stadt will man stolze 8 Euro Eintritt. Bereits der Eingang ist verstopft von Busladungen voller chinesischer Touristen, so denke ich mir, dass eine große Wiese und ein großer See nicht unbedingt sehenswerter ist und ziehe zum nächsten Garten weiter. Drei Parks zum Preis von einem. Das Suzhou Museum neben dem Park scheint heute? den Tag freien Eintritts zu haben, so kann ich einige nette Ausstellungsstücke und Pavillons besichtigen. Abgesehen von manchen Kanälen (andere erfüllen schlicht ihren Zweck als Kloake) und Gärten ist Suzhou jedoch die häßlichste und charakterfreieste Stadt, die ich bisher in China erleben durfte. In der Fußgängerzone hat man es zum Beispiel geschafft alle fünf Meter Laternen mit zwei fetten roten KFC Schildern aufzustellen, was einfach nur gruselig aussieht.
Ich bemühe mich auch weiterhin, um all die Schäbigkeit herumzufotografieren…

Vom Scheitern und Kulturellem

Shanghai, China

Oh dieser Bahnhof!
Wenn es einen Ort des Grauens hier in China gibt, an dem mir die negativen Schwingungen nur so um die Ohren schlagen, dann ist es der Bahnhof Mitte in Shanghai.
Warum um Gottes Willen war ich denn schon wieder dort, könnte man sich fragen, habe ich mich auch gefragt, es war fraglich, es war Fügung.
Bis nachmittag hatte man noch schönes Wetter angesagt und da dachte ich mir, „Raus ins Freie!“, ab in den Lu Xun Park am Hangkou Stadium. Und dorthin ging es mit der Metro über diesen verflixten Bahnhof.
(Es gibt allerdings auch eine neuere Metrolinie, die Linie 8, die in meinem Plan von 2007 noch nicht verzeichnet war und auf direktem Wege vom People’s Square dorthin fährt.
Zu spät gemerkt, ich stand bereits im Zug der Linie 1.)
Am Bahnhof musste ich die U-Bahnstation verlassen, da es keinen Transit zur Linie 3 gab. Ergo: Neu bezahlen 🙁
Die lange U-Bahnpassage hat man mit Schildern vollgepflastert, dass man weder Radfahren, Spucken, Rauchen, oder etc. etc. dürfte – und auch nicht Stehenbleiben! Dumm nur, dass sich an beiden Seiten unzählige Shops befinden, wie soll man denn dort etwas kaufen, ohne anzuhalten??? Bei der Gelegenheit, am Bahnhof aussteigen zu müssen, dachte ich mir, kaufe ich mir ein noch fehlendes Zugticket. Zack an den Automaten, Suzhou-Hangzhou, Datum eingetippt, Hää?
Erster Tag des Vorverkaufs und bereits alle Züge ausverkauft? Ach nein, da gibt es noch Hardbed auszuwählen. Bei der Auswahl erschien dann allerdings auch wieder ausverkauft.
Ich habs dann an weiteren Automaten und ebenfalls in chinesischer Sprache versucht: der Zug wird als verfügbar angezeigt, aber man kann ihn nicht auswählen.
Schluck, was nun? Bin ich nun hier in China gestrandet, außerstande meine gebuchte Unterkunft zu erreichen??
Versucht mal in Shanghai am Bahnhof den Ticketverkauf zu finden, oder einen der vielen Offiziellen zu fragen! Die zeigen natürlich von sich weg, aber das war es dann auch schon. Touristeninformationen gibt es zwei, doch eine unbesetzter als die Andere.
Nach einer halben Bahnhofsumrundung, endlich den Ticketverkauf gefunden (außerhalb des Bahnhofes über die Straße hinüber) dort am Schalter kommt mein Zettel mit allen notwendigen Informationen zum Einsatz, führt aber nur dazu, dass ich des Schalters verwiesen werde: ‚Andere zehn Schalter‘.
An einem anderen Schalter weist man mich erneut ab, allerdings zu Schalter 10, dort spräche man Englisch.
An diesem tollen Schalter Nummer 10 prangt dann ein ‚English speaking‘ Schild und eine Kundenzufriedenheitsplakette. Die Frau hinter der Scheibe zeichnet jedenfalls nicht für die Verleihung verantwortlich, denn bereits für mein ‚Ni Hao‘ ernte ich ein grimmiges Grummeln.
Ich versuche mein Ticketanliegen auf Chinesisch vorzutragen und die Frau hat es auch verstanden, aber bemüht sich dann nicht weiter, sonden pflaumt mich an, Tickets für den 27. könnte ich erst ab dem 22. kaufen.
Das ist jetzt wieder neu für mich, besonders, da der Automat Zehn Tage im Voraus die Auswahl ermöglicht und ich mein Ticket nach Suzhou auch mehr als sechs Tage im Voraus gekauft habe. Ich habe den Eindruck, sie wollte mir kein Ticket verkaufen. Ich werde es also in vier Tagen nochmals versuchen, ansonsten muss ich halt versuchen einen Bus zu nehmen. Dann versuche ich die U-Bahn Linie 3 zu meinem heutigen Ziel zu nehmen, an der Gepäckdurchleuchtung wird wieder einmal die Hälfte der Personen von Gelbarmbandigen Hilfskräften durchgewunken, ich dagegen muss mich halb mit einer Chinesin prügeln, die unbedingt ihre Tüte noch vor meinem Rucksack auf das Laufband legen will und mich wegschieben möchte. Sie rempelt und rempelt und dann wird sie mitsamt ihrer Tüte von einem anderen Gelbarmband am Apparat vorbei gewiesen. Ich sage ihr auf gutdeutsch: „Sie sind eine sehr unhöfliche Person“
Das versteht sie nicht, antwortet nichts, aber ich denke sie hat verstanden, dass ihre – völlig sinnfreie – Rempelei unangemessen war.
Dafür steige ich dann in den falschen Zug. Vielleicht hat die Frau mich auch im Stillen verdammt, wer weiß das schon? Schutzengelchen und Fatimas Auge sind hier manchmal arg unter Beschuss, habe ich den Eindruck. Aber zum Glück nur manchmal, die allerallermeisten Chinesen sind nett und hilfsbereit. Ist halt nur so, dass selbst die Anteilsmäßig wenigen schwarzen Schafe, absolut betrachtet, ziemlich viele sind… Mir fällt es im Zug vor dem nächsten Halt auf, dass ich mich in Linie 4 und nicht Linie 3 befinde, weil ich die Station Hangkou Stadium nicht auf dem Streckenplan finden kann. Beide Linien fahren einige Stationen auf dem selben Gleis, deshalb muß man auf den farbigen Streifen (gelb oder lila) an der Seite, oder die Wagennummer achten. Wieder etwas gelernt.
Aussteigen, nächsten (gelbgestreiften) Zug abwarten, einsteigen, Streckenplan erneut studieren:
Ah, Hangkou Stadium!
Oh, falsche Richtung.
Also die Nächste erneut Aussteigen, Treppe ab und Treppe auf und wieder einsteigen – dabei habe ich auch gut auf den korrekt kolorierten Streifen geachtet. Es geht erneut am Bahnhof vorbei und einige Stationen später steige ich an meinem Ziel aus. Am Park waren Zaunfetischisten am Werk, Zäunchen, um genau zu sein, mit „Soll-Drüberkletter-Stellen“ so scheint es, denn man hat sogar einen Weg zwischen zwei unsinnigen Zäunen, die den Eingang behindern angelegt und die Spitzen des Zäunchens ordnungsgemäß umgebogen, damit die Leute sich nicht die Hosen aufreißen. Auf die Idee, einen Zaun nur dort hinzusetzen, wo er auch Sinn macht, scheint keiner gekommen zu sein.
Ich finde einen Eingang ohne zu Klettern und stehe einige Minuten später vor einem Lu Xun Museum, ohne recht zu wissen, was es mit dem Menschen auf sich hatte.
Da der Eintritt frei ist (aber man dennoch ein kostenloses Ticket am Schalter holen muss) bin ich bereit es herauszufinden. Beim Betreten der Ausstellung stürzt sich ein ‚Volunteer‘ auf mich, der mir die Ausstellung auf Englisch erläutern möchte. Wenn Menschen Gutes tun wollen, soll man sie nicht zurückweisen, denke ich mir, obwohl ich Schlimmes befürchte und in der Tat sind des Studenten englischsprachliche Fertigkeiten nur im Einzelfall zur Information geeignet. Sein Lieblingswort ist Society, das fällt ungefähr Dreißig Mal. Vielleicht meint er auch Socialism, keine Ahnung, Lu Xun war auf jeden Fall ein bedeutender Schriftsteller, der 1936 verstorben ist. Einer der wichtigsten Akteure der Vierten Mai Bewegung und ein Kritiker am Konfuszianismus und an den darauf basierenden althergebrachten gesellschaftlichen Verhältnissen Chinas – so heisst es im Internet und auch im Museum.
Ich muss später mal sein „Tagebuch eines Verrückten“ und die „wahre Geschichte des Ah Q“ lesen, um mir ein eigenes Bild zu machen, denn einige Zitate, über die ich während einer kurzen Recherche stolperte, erscheinen mir sehr geistreich. Und ich lese gerne geistreiche Dinge. Dies war mein durchwachsener Einstieg in meine zweite Woche hier in Shanghai. Und nun regnet es wieder, so dass ich morgen besten Gewissens den Nachmittag im Kunstmuseum verbringen kann! Wie röhrt der Elch auf Chinesisch? Montags ist das Kunstmuseum generell, und das Museum der Zeitgenössischen Kunst wegen Umbau, zur Zeit geschlossen. Da war es nichts mit Museumsbesuch und ich hatte etwas mehr Gelegenheit zum Sprachstudium. hen hao. Der Dienstagnachmittag stand im Zeichen meiner Passabholung. Zum Glück hatte ich noch eine Seite in meinem Pass für die Visaverlängerung frei – dort klebt nun meine frische Lizenz zum Verweilen. Für die verbleibenden vier Tage muss ich mich morgen in der Schule damit erneut unter meiner neuen Visanummer polizeilich registrieren lassen, um nicht doch noch zum ille galen Residenten zu mutieren. Ordnung muss sein!
Vor dem Weg zum Amt gab es einen Snack aus dem Sushirestaurant. Aufgrund von akuter Überfüllung konnten wir leider keinen Platz mehr an der Eisenbahnstrecke mit Waggonladungen von Häppchen bekommen. Meine Wahl fiel somit auf ein komplettes Fischmenü anstelle Rohkost.
Mit meinem Reisepass in der Tasche machte ich noch ein Streifzug durch den „Fakemarket“, der sich an der Metrostation des Immigrationsbüros befindet. Habe mir dort ein Gummiverhüterli für meinen Apfelspieler eingehandelt, bin jedoch ehrlich gesagt nicht allzu sehr davon begeistert. Anschließend ging es zum Elchshop, dem einstmals verrückten Modehaus, das mittlerweile zu 300% globalisiert vereinheitlicht ist.
Im Restaurant lockte Tiramisu und auch Mandeltorte, doch ich blieb eisern und bei Rohkost in Form von Gemüse. Auf gut Zureden gab es keinen Gratiskaffee – keine Familykarte dabei, heißt es für den Kaffee zahlen. Ich frage mich, ob die vielen Seniorengrüppchen, die ihre Zeit dort im Restaurant verbringen, Familymember sind und somit gratis der Geselligkeit ausgiebig frönten. Bei dem schlechtem Wetter macht das druaßen im Park ja auch keinen Spaß. Nachschenken des Kaffees – richtigem Röstkaffee immerhin – ist ohnehin umsonst.
Bis auf Chinesisch als dominierende Sprache, ist im Geschäft fast Alles wie in Europa: das Warenangebot zu 95%, das Ladendesign zu 100%.
Die Preise sind größtenteils mit denen daheim vergleichbar, einiges ist billiger, einiges etwas teurer. Kram- und Kunstoffartikel, die in China hergestellt wurden sind zumeist teils deutlich billiger, macht ja auch Sinn, wenn der Schiffstransport einen großen Anteil an den Produktkosten trägt. Bei einem Vergleich der Webseiten stellte ich jedoch fest, dass ein Schrank, der mir gefiel, daheim nicht angeboten wird – schade. It’s all about art Was lange währt, wird endlich gut: Ich habe es in xten Anlauf geschafft mein Zugticket von Suzhou nach Hangzhou zu kaufen: Die Zugfahrt dauert zwar nur knapp mehr als drei Stunden, doch habe ich einen Hardsleeper Liegeplatz gebucht. So lerne ich Erstens die Chinesischen Schlafwagen kennen, Zweitens ist die Abfahrtzeit zu Mittag optimal und Drittens war das Ticket um Vierzig Prozent billiger als im nur wenig schnelleren D-Zug. Die preisliche Differenz ist absolut betrachtet allerdings nicht so hoch: mein Ticket hat 66 RMB gekostet.
Generell scheinen die Automaten zur Vorbereitung auf die Mai-Feiertage von zehn auf nur noch sechs Tage Vorkaufszeit umgestellt worden zu sein. Ob das wirklich gegen die Tickethamsterer hilft? Nicht weit vom Bahnhof entfernt, geradeaus, einmal über die Brücke über den Suzhou Creek und dann rechts am Ufer entlang geht es direkt in den Moganshan Art District – oder besser in das, was davon noch übrig ist, denn der Häuserabbruch war zum Greifen nah.
Dutzende von Galerien zeigen Bilder, Skulpturen, Photographien und Installationen. Das meiste davon kann man kaufen und die Preise für so manches schöne Ölgemälde kann man durchaus als Schnäppchen bezeichnen. Es lassen sich durchaus einige Stunden mit der Besichtigung der vielen Exponate verbringen, kein Vergleich mit dem Shanghai Art Museum im People Park, sondern um Klassen vielfältiger und interessanter.
Ein Künstler war äußerst gesprächsbedürftig und mit ein paar Aussetzern klappte es mit der Kommunikation: er wollte mir gerne, wie schon vielen Deutschen und Europäern vor mir, seine Ölgemälde verkaufen. Dabei veränderte sich ein Preis von 3000 auf 800 RMB, ohne das ich anderes tun musste, als darauf hinzuweisen, dass ich nur lai kan, zum Anschauen gekommen bin und mich erst nach Ende meiner Reise mit künstlerischem Ballast beschweren könne.
Eine andere Galeristin und/oder Künstlerin fragte mich, ob es sich in Berlin billig leben ließe und es dort günstiger für sie wäre ein Studio zu mieten. Man traut mir hier so einiges zu, nun also auch den Überblick über Hauptstadtkünstlerimmobilien. Es erschient mir aber schwierig, in Berlin für knapp 500 Euro monatlich ein Studio/Atelier zu mieten. Wenigstens wenn sich dort auch Publikumsverkehr und Tageslicht einfinden sollen. Auch mit ihrem abstürzenden Rechner konnte ich letztendlich nicht weiterhelfen, er wollte sich nicht ausschalten, aber auch nichts mehr anzeigen und die Batterie schien auch nicht aus dem Gerät zu wollen…ich muss dann mal weg 🙂 Brave new world Am Horizont glänzt, glitzert und spiegelt es, dort wächst die schöne neue Welt hoch in den Himmel hinaus.
Das Preisniveau springt voraus, die Menschen hinterher. Symptome haben Markennamen.
Das Glas Importbier zum Preis eines Langstreckenbahntickets, schöne Aussicht darf auch schon mal etwas mehr kosten: 88 Etagen zu 88, 94 zu 100, 97 zu 110 und 100 zu 150 RMB. Mengenrabatt? Sich von der Masse abzusetzen hat nun mal seinen Preis! Das ist ideal.
Ab und an fällt ein Plastikkrumen für die emsigen Sammler mit ihren großen Beuteln ab.
Was bildet den Antrieb, geht es voran? Sitzen alle mit im Boot, wird die breite Masse mitgezogen in den Strömungswirbeln der großen Kapitäne? Stimmt die Richtung?
Exponential 2010.

Der Bund fürs Leben?

Shanghai, China

Nach einer quälend Schnarchnasigen Fahrt gelange ich zum Flughafen von Guilin, natürlich mit Essensbeschaffungsunterbrechung des Fahrers. Querfeldein ging es, damit bloß nicht die vier Yuan Expressstraßenmaut anfallen. Ich glaube hier in China braucht man keinen Führerschein, um mit einem Fahrzeug am Straßenverkehr teilnehmen zu dürfen. Und falls doch, dann ist dieser sicher nur eine Frage des Geldes und nicht des Könnens.
Einen knapp zweistündigen Flug später lande ich in Shanghai auf dem Flughafen Hongqiao und dort gehen die Abzockversuche in die nächste Runde: Ein halbes Dutzend Uniformträger weisen mich in Richtung eines offiiziell aussehenden Taxi-Service Schalters und dort fragt man mich, wo es denn hingehen soll. Ich bin ja recht skeptisch und als ich auf meine Frage nach dem Preis stolze 250 Yuan mitgeteilt bekomme, wende ich mich prustend vom Schalter ab und verlasse das Flughafengebäude.
Siehe da: eine riesige Schlange von Taxis wartet dort auf Kundschaft. Obwohl ich bei meinen Fahrer aufgrund meiner GPS-Aufzeichnung vermute, dass er einen unnötigen Schlenker um den Flughafen herum gemacht hat, und mit 3,6 Yuan pro Kilometer sicher der höchstmögliche Tarif angewendet wurde, habe ich 87 Yuan bezahlt. Ein kleiner Unterschied!
Laut Hinweisschildern sollte es auch eine U-Bahnstation am Hongqiao Flughafen geben, da ich aber rechtzeitig in der Schule eintreffen musste, habe ich es mit ÖPNV garnicht erst probiert.
Es regnet seit meiner Ankunft in Strömen. In der Schule gab es die üblichen Formalitäten auszufüllen, selbst wenn bereits alle Informationen der Schule vorliegen. Und dann gab es einen Einstufungstest. Ähemm.
Interessanterweise verhält es sich bei der Uhrzeitangabe von 6:45 genau anders, als ich es gelernt habe: „Es fehlt ein Viertel von Sieben“ soll falsch sein, hingegen „Ein Viertel mehr als Halb Sechs“ richtig. Angesichts solcher lokalen? Gegensätze verwende ich dann lieber Stunden und Minuten.
Auch die Toilette heisst hier auf einmal anders. Ich bin mal gespannt auf das Lernbuch, das ich morgen erhalte…
Ich bin jedenfalls als Elemtary level two eingestuft worden, nicht viel, aber auch nicht totaler Beginner. Die Unterkunft im Shared Appartment liegt keine Hundert Meter von der Schule entfernt in einem luxuriös anmutenden Appartmenthaus mit Pförtnern, mehreren Aufzügen, die nur durch Codekarten bedienbar sind. Die Appartmenteinrichtung scheint mir zu 100% von IKEA zu stammen. Den Lattenrost des Bettes musste ich erst einmal reparieren und die Matratze ist knochenbrecherweich – ich bin mir nicht sicher, ob ich nach all der nächtlichen Festigkeit darauf überhaupt noch schlafen kann. Da ich in die „falsche“ Richtung das Haus verlasse, gerate ich nach einigen Metern auf die luxuriöse Einkaufstraße Nanjing Dong Lu und trotz des Mistwetters eilen die Nepper und Schlepper wie die Schmeißfligen heran: „Watch, Iphone, DVD?“ Andere nett aussehende Damen wollen gleich sich selbst verkaufen.
Ignorieren,ignorieren, ignorieren.
Einmal die Straße auf und ab zähle ich fünf McDonalds, drei Starbucks und Pizzahüte. In einer Plaza mache ich einen Ausflug bis in die Achte Etage, zum Metropol Kino, um zu schauen, welche Filme in Englisch dort laufen. Keine. Sehr vertrauenswürdig sah dies Kino aber auch nicht aus, insbesondere waren die Notausgänge von Außen mit Fahrradschlössern versperrt – eine potentielle Todesfalle. Der zweite erste Schultag Während der ersten beiden Unterrichtsstunden wird mir klar, dass ich fehl am Platze bin. Der Elementary Level 2 Kurs ist bereits beim Dritten Kapitel des zweiten Lehrbuches dieser Sprachschule. Natürlich sind deren Bücher ganz anders strukturiert und natürlich werden die Vokabeln der Vorgängerausgaben ganz selbstverständlich vorausgesetzt.
Was dann zu der Situation führt, dass ich etliche der Sprachstrukturen durchaus kenne und auch anwenden könnte, doch nicht mit dem mir nicht bekannten Vokabular. Vielleicht könnte ich theoretisch in einer Art Powerstudienmodus nebenher noch mal eben die Vokabeln von fünf Wochen Sprachlehrggang in wenigen Tagen nacharbeiten, aber praktisch würde das bei meinem nur zweiwöchigen Aufenthalt in extremen Stress ausarten und wäre doch zum Scheitern verurteilt.
Ich entschließe mich, in den Anfänger Kurs zu wechseln und einiges zu rekapitulieren, aber auch eine Menge neuer Vokabeln zu lernen. Mit dem zweiten Buch kann ich es dann in Beijing nochmals versuchen. Zum Mittagsessen wählte ich mir (unabsichtlich) mit Sojaöl verbackenen Reis mit wenigst Gemüse und Schnippeln von Bauchspeck aus. Vielleicht ist dem Koch auch das Gericht misslungen, was mich auch nicht wundern würde, denn nachdem ich bestellt hatte und an einem Tisch Platz genommen hatte, bemerkte ich die Kakerlake unter dem Tisch. Prima. Dann kam auch noch ein rcht fleischiger Chinese hinzu, der mir Belanglosigkeiten erzählen wollte und dabei seine Fleischbrühe lautstark schlürfte. Ich weiß, es ist hierzulande Usus, aber ich kann beim besten Willen keinen Wohlgefallen an der Geräuschkulisse empfinden, die ensteht, wenn Menschen mit offenem Mund ihr Essen herunterschlingen, als ob es ihnen jemand wieder wegnehmen würde, äßen sie nicht schnell genug. Wenigstens wird im Restaurant nicht der Rotz hochgezogen und dann auf den Boden gespuckt.
Kurzgesagt: mein Mittagessen verlief semiideal. Dann kam ich auf die Idee, in den Peoples Park zu gehen, der um die Ecke ist von dort zum Bahnhof zu laufen. Das interessante ma Park sind die Museen, die ich mir für die nächsten Tage vorgenommen habe. Leider näherte ich mich dem Bahnhof von Norden und das gesamte Areal, inklusive Eingänge wurde sin*****weise in eine Großbaustelle umgewandelt. Folgt man den Wegweisern, zum Teil über Trittsteine, die in knöcheltiefen Schlamm gelegt wurden, stellt man fest, dass man im Busterminal landet, aber niemals im Bahnhof. Also den ganzen Balanceakt nochmals. Wir sprechen hier von einem knappen Kilometer. An die Busreisenden hat bei der Bauaktion niemand gedacht. Anschließend muss man dann in die U-Bahn hinunter (keine Rolltreppen), dort 500Meter durch Unterführungen wandern und dann rauf und 500m später (ebenfalls über einen kleinen Schlammgraben) ist man endlich am Eingang zum Bahnhof. Super!
Ich hatte richtig Mitleid mit den armen Schweinen, die mit schwerem Gepäck mit dem Bus ankamen, oder einfach in den Bahnhof wollten.
Die Bauarbeiten hierzulande laufen ohne Gnade und Rücksicht ab. Dazu passte der Artikel aus der China Daily, dass Bewohner einer Anlange von Eigentumswohnungen durch herumlaufende Vermesser darauf hingewiesen wurden, dass ihre Wohngebäude demnächst abgerissen werden, um neu zu bauen. Die Stadt hatte das Areal für gutes Geld (da mittlerweile im Wert gestiegen) an eine Baufirma verhökert und die derzeitigen Pächter angeblich durch eine schlichte Bekanntmachung auf einer Website darüber informiert. Wozu moderne Technik doch zu gebrauchen ist…
Die Eigentumswohnungen waren immerhin vor über Acht, ja zum Teil schon vor Neun Jahren fertiggestellt worden! Das muß doch reichen!
Und nur ein Schelm denkt sich böses dabei, wenn nach dem Abriss Eigentumswohnungen der gleichen Art und Weise darauf gebaut werden sollten…
Ein weiterer Artikel beschäftigte sich mit der Tatsache, dass Gebäude in China für eine durchschnittliche Nutzung von 25-30Jahren gebaut werden, was im internationalen Vergleich als eher dürftig, und auf jeden Fall, als enorme Resourcenverschwendung angesehen werden kann.
Vor allem der viele enstehende Gebäudemüll beim Abriss, sei das Problem… Dort im Bahnhof kann ich am Automaten (Englisch :-)) meine Bahntick ets kaufen – aber erst in ein paar Tagen, denn kaufen kann man nur für zehn Tage im Voraus. Und das alles nur, weil sich ansonsten der Ticketverkauf für besondere Gelegenheiten auf den Schwarzmarkt verlagern würde. Ist halt so bei der Geschäftstüchtigkeit… Zum Abschluss des Tages ging es dann noch an den Bund. So heisst hier die Uferstraße am Huangpo. Voller Leute die Kaipromenade, voller Lichter die Kulisse und der Blick hinüber nach Pudong ist auch recht anschaulich. Fast wie daheim 😉 Abgestellt, angestellt und eingestellt Abgestellt hat sich heute morgen der Durchlauferhitzer, den man eher als Durchlauferwärmer bezeichnen kann. Da ich der Frühaufsteher hier in der WG bin, konnte ich noch halbwegs warm duschen, aber nach mir die eisige Sintflut.
Dies ist recht ärgerlich, denn es ist hier wieder recht kalt geworden und für morgen soll es noch kälter werden, auf nur noch 4 Grad und Regen. Im Gegensatz zu Qingdao gibt es hier in der Regel jedoch keine Heizung und auch Gebäudeisolierung wird für eine – per behördlicher Definition – dem Süden Chinas zugehörige Stadt nicht verlangt. Angestellt habe ich mich heute im Amt für Immigration für eine Visaverlängerung. Man hat mir in der Schule zwar gesagt, alles kein Problem, machen sie, kostet nichts, aber wie das nun einmal mit dem so ist, was man hierzulande sagt: den nächsten Tag, sagt man es wieder ganz anders. Da gibt man mir meinen Pass, mein Registrierungsformular (man muß hier behördlich gemeldet werden, wenn man eine Unterkunft bezieht, ansonsten ist man ein illegaler Alien) und die von mir gewünschte Quittung für das gekaufte Schulmaterial. Für den Erhalt der Quittung muss ich tatsächlich unterschreiben! Ich frotzele der Deutschsprechenden Schulmitarbeiterin entgegen, ob ich denn nun auch für meine Unterschrift eine Quittung bekomme, aber so gut ist ihr Deutsch dann doch wieder nicht und ich belasse es dabei.
Angesichts meines Passes frage ich nach, wie es denn mit der Visaverlängerung aussehen würde, da mein Visum Ende April ablaufen würde und ich im Mai in Beijing in ihrer Sprachschule weiter Chinesisch lernen wolle.
Das könne ich ich dann ja in Beijing verlängern lassen.
Aha – Erde an Hirn, Erde an Hirn, jemand da?
Ich weise darauf hin, dass zu dem Zeitpunkt mein Visum bereits abgelaufen wäre und ich mich demnach nicht mehr in China aufhalten dürfte. Es kamen noch zwei weitere, vergleichbar unmögliche Vorschläge. Anschließend brechen hektische Diskussionen in unverständlichem Chinesisch aus und letztendlich wird mir gesagt, dass ich zu der oben genannten Behörde hin müsse und eine Kopie meines Passes bräuchte. Die wolle man mir machen und ich könne dann heute nachmittag dorthin.
Erstmal hieß es U-Bahn fahren, was im Rahmen der Expo-Vorbereitungen kein Problem ist, da Automaten und Beschilderung auch in Englisch verfügbar sind.
Dann hieß es, an den sich beim Verlassen der Metrostation wie nordische Stechmücken auf mich stürzenden Plagiats- und Nonsensverkäufern durchkommen.
Zehn Schritte vor mir ging ein anderer Westler, warum haben die DEN nicht belästigt???
Ich habe im Amt dann meine Nummer gezogen: 339 – „vor ihnen warten 75 andere“ – arrgh.
Das bedeutete fast eineinhalb Stunden warten zu müssen. Prophylaktisch habe ich eines der Visaantragsformulare ausgefüllt, soweit es mir möglich war und ein Passbild draufgeklebt.
War wohl keine schlechte Idee. Die Passkopie brauchte ich nicht, dafür eine des
Registrierungsformulars, welche ich aber aber vor Ort für Fünf Mao
machen lassen konnte. Ich erhielt eine Quittung für meinen Pass, gegen die (und 160 Yuan) ich ihn nächste Woche wieder abholen kann, mit dem um einen Monat verlängerten Visa. Eingestellt habe ich gegen Abend die ausschließlich in Chinesisch beschriftete Etagenwaschmaschine. Einen Laundryservice gibt es hier nicht, selbst ist der Mann. Die Tasten für das korrekte Waschprogramm gedrückt: 40 Grad, Standardwäsche, 800 Schleudertouren; etwas des für 2,90 Yuan gekauften OMOs eingefüllt und gestartet.
(Ein wenig habe ich geflunkert, denn es hat jemand eine englische Kurzbedienungsanleitung erstellt, an der ich mich orientiert habe. ohne die (siehe Bild der Bedienelemente) wäre die Wäsche wohl niemals sauber geworden.)
Die Waschmaschine hat übrigens keine Unwuchtautomatik, und ich musste sie nach dem Spülen wieder einfangen. Die Unterrichtsstunden heute ließen mich meine gestrige Wahl des niedrigeren Kurses zu Beginn bereuen, denn es ging nicht voran. Die anderen Kursteilnehmer verstehen einfach nur Chinesisch 🙂
Andererseits ist es recht komfortabel, Bekanntes im Unterricht aufzufrischen und währenddessen meine bisherigen Unterlagen nochmals aufzuarbeiten.
Während sich Europa in Asche hüllt und hier, allerdings im fernen Westen des Landes, die Erde bebt, beende ich meine erste Schulwoche. Bis auf einige Vokabeln gab es für mich nichts grundlegend Neues in der Sprache zu entdecken. Das soll jetzt nicht heißen, dass Chinesisch nun ein alter Hut für mich ist, den ich in- und auswändig kennen würde. Beileibe nicht! Ich kenne das sprachliche Skelett, wenigstens eine vereinfachte Form davon, so in der Art Strichmännchen. Dies gilt es zu befleischen mit Wörtern, Wörtern und nochmals Wörtern, damit es lebendig werden kann. Dazu müsste ich Vokabeln lernen, lernen und nochmals lernen, was jedoch schwerfällt, wenn es zugleich noch einiges Interessantes in der Stadt und Umgebung zu entdecken gilt.
Freitag gab es eine Art Zwischentest statt Unterricht. Ich konnte den mündlichen Teil zum Praktizieren ei***** Sätze nutzen, die über den aktuellen Kapitelfortschritt des Kurses hinausgehen. Verbesserungswürdig. Insgesamt habe ich gut bestanden, wäre ansonsten auch peinlich gewesen.
Interessanterweise gestaltet sich die eingangs erwähnte Problematik der korrekten Angabe einer „Viertel vor…“ Uhrzeit nun doch wieder anders, und genau so, wie ich es zuvor gelernt habe. Ha! Von wegen Viertel nach Halb! Sagt auch hier keiner. Ich frage mich, ob es nur mir so vorkommt, dass ab und an Sachverhalte vollkommen verdreht dargestellt werden? Sogar essentielle Sachverhalte, die tagtäglich zu Tragen kommen und keinerlei esoterisches Fachwissen benötigen. Am Samstag gab es einen von der Schule organisierten Ausflug zur Qibao Old Town (bezeichnet als Qibao Watertown). Wie man bereits durch einen Blick in die Guggelkarten feststellen kann, handelt es sich dabei um ein etwa Zwei Quadratblocks großes Areal, das von einem Kanal durchzogen wird. Darin gibt es eine schmale Gasse voller Fress- und Schnickschnackbuden und auf dem Kanal werden Besucher auf kleinen Holzbooten einmal nach links und dann wieder nach rechts gepaddelt. Alt ist am Ganzen nur die Tatsache, dass der Verlauf der Gasse bereits 1000 Jahre existiert. Das Gedränge beim schönen Wetter war allerdings gigantisch und dazu passend gab es Lautsprecherdurchsagen, man möge doch bitte gut auf seine Wertsachen und elektronischen Geräte aufpassen. Wegen der Taschendiebe. Den Tag zuvor habe ich eine Wanderung vom Jin An Tempel (nur von Außen, da mir keine 30RMB Eintritt an einem nagelneuen Tempel liegen) mit einem Kilometerlangen Schlenker in die falsche Richtung (es empfiehlt sich VOR dem Losgehen auf die Karte zu schauen) hin zum Yufo Tempel gemacht. Dort gibt es Jadebuddhas. Um einen Zweimeterjadebuddha aus Myanmar zu besichtigen (für den man den Tempel errichtet hat) soll man noch einmal 10RMB zahlen, um daran vorbeilaufen zu dürfen. Habe ich verpasst und bin stattdessen den weiteren Kilometer zum Bahnhof, um mir dort eine Bahnkarte für n&#x E4;chsten Samstag zu kaufen. Freitagnachmittag herrscht dort ordentlich Betrieb!
Das Ticket zu kaufen ging enorm schnell, nach 45 Sekunden hatte ich Datum, Strecke und meinen Businessticketwunsch in den Automaten getippt. Warum dann ein hilfsbereiter Chinese meinte mir zeigen zu müssen, wo ich den Geldschein hineinzuschieben habe, hat sich mir nicht erschlossen. Vielleicht wollte er mich auch nur darum erleichtern.
Wenn ich das Zeichen auf dem Ticket richtig deute, sitze ich in Wagen 14, Nummer 002 – entweder der Sitz oder die Ticketnummer. Einen anderen Tag verschlug es mich im strömenden Regen ins Shanghai Museum: dort galt es eine lange Warteschlange zu überstehen (draußen), weil im Vorfeld der Expo und nach den Bombenanschlägen in der Moskauer U-Bahn die Sicherheitsmaßnahmen deutlich erhöht wurden.
Jedenfalls stand im Museum EIN Metalldetektor, durch den alle Besucher hindurch mussten und dafür standen ZEHN Uniformierte herum und schauten zu. Den Detektor hatte man auf ultraparanoid eingestellt, so dass er auf jeden BH-Verschluss und jede Münze in der Hosentasche der Besucher anschlug. Dementsprechend langwierig gestaltete sich die Kontrolle.
So weit so gut, doch kommen wir zum absurden Teil an dem Ganzen: Einerseits durften einige Leute komplett an der Durchleuchtung vorbeilaufen und andere mussten ihre dicken Jacken nicht kontrollieren lassen. Besser sind da nur noch die Sicherheitskontrollen in der U-Bahn, entweder schläft oder spielt der Monitorbetrachter, oder es werden auch dort Ausnahmen gemacht: Als ob man in große Plastiktüten nicht genausoviel Bösartiges wie in gleichgroße Taschen stecken könne…
Wer sich durch solche Kontrollen sicherer fühlt, ist selber schuld. Im Museum gab es neben chinesischer, historischer Kunst, interessante Ausstellungen von Gemälden aus den Florentiner Uffizien und über den historischen Verbleib eines italienischen Missionars in China vor fast 500 Jahren. Und dann war da natürlich noch ein Besuch im Yu Yuan Park (40RMB), der seine Ursprünge in etwa zur gleichen Zeit hatte, als dieser Italiener hier im Lande herumstreunerte. Viele Pavillions, ein wahres Labyrinth von Wegen, Tunneln und Mauern und dazwischen Wasser und Botanik. Hübsch das Ganze! Zum Glück war mein Besuch in der Woche und das Wetter uselig kalt (knapp über Null) und kurz vor Regen, so dass sich die Besucherzahlen in Grenzen hielten. Ansonsten sollen Zehntausende Besucher täglich in den kleinen Park kommen. Wobei ich mir das Ganze dann nur noch klaustrophobisch und überhaupt nicht mehr nett vorstelle.
Einen kurzen Abstecher zum Aufwärmen bei einem Caramel Macchiato und in einer Fotogalerie (tolle große Aufnahmen von Shanghai, aber leider die Website nur ‚under construction‘) wollte ich mir das hochgelobte Viertel Xintiandi anschauen. Es wurde dort, wie bei uns in manchen historischen Gebäude oder alten Fabrikanlagen, Erlebnisgastronomie angesiedelt. Allerdings neugebaut und nur auf Alt gestylt. Die gleichen globalen Marken wie anderswo, Preise dagegen noch höher. Man kann dort sicher gut Essen gehen (bei passendem Wetter), aber es ist sehr überschaubar und wenigst einzigartig.
Immerhin gab es dort bei einem französischen Bäcker eine hervorragende, wenngleich nicht billige „Olive-Flute“, ein Minibaguette aus schwarzem Olivenbrot – Lecker. Ebenfalls empfehlenswert Coco Curryhouse – sehr leckeres Curry hier in Shanghai, drei Block von der Schule entfernt und wie ich der Karte entnahm, eine japanische Kette mit fast 1200 Filialen dort.
Ebenso empfehlenswert die Ajisen Ramen Nudelsuppenrestaurants, in japanischer Qualität.

Karstiges am Li-Fluß

Guilin, China

Zwei Flüge mit Zwischenstop in Chongqing bringen mich mit einigen Luftlöchern (Hui!!) aber ansonsten ohne Probleme zum Flughafen von Guilin. Als Reiselektüre dient mir Aldous Huxleys Klassiker „Brave new world“ – 1932 erschienen, aber von zum Teil bestechender Ähnlichkeit mit der modernen Konsumgesellschaft.
Der Shuttlebus vom Flughafen in die Stadt ist leer, und vorerst keine weiteren Passagiere in Sicht, da heißt es warten, bis genügend Leute zusammenkommen (vielleicht der nächste Flug?) oder das Taxi nehmen.
Ich nehme das Taxi, auch wenn dies erneute Auslieferung an die Taxi-Mafia bedeutet, denn Zack wird das Taxameter ausgestellt. 100 Yuan. Ich habe es versäumt mich im Vorfeld zu informieren wie weit es denn vom Flughafen in die Stadt ist (29km), daher weiß ich nicht, ob es kontraproduktiv wäre auf dem Einschalten zu bestehen. Angesichts des Taxitraifs hier (7 Yuan für die ersten drei, danch 1.6 Yuan pro Kilometer) hätte die Taxifahrt an sich nur die Hälfte kosten dürfen. An einer Mautstelle will die Fahrerin zusätzlich die Mautgebühr von vier Yuan von mir, doch ich stelle mich unverständig, denn was zuviel ist, ist zuviel. Für die Rückfahrt in drei Tagen kann ich mir noch überlegen, das Abenteuer Taxi erneut zu wagen, oder den Transferdienst der Herberge (90) in Anspruch zu nehmen.
Eine erste Recherche über Bootsfahrten auf dem Li-Fluß ergibt ein gesalzenes Preisniveau von 30 bis 40 Euro Minimum, je nachdem ob Chinesische oder Fremdländer Tour. Meine Unterkunft hier ist ganz passabel, mit LAN Anschluß statt Wifi. Ein erster kurzer Ausflug in die lokale Gastronomie führt mich ins 小南国 Restaurant – frei übersetzt Kleines Südland.
Beim Betreten spricht mich ein englisches Paar an: „You want to eat here? It has been the worst food so far in China – but maybe you like it…“
Uh-Oh. Umkehren und etwas anderes suchen? Ach, Feigheit vor dem gastronomischen Feind ist nicht gestattet, und vielleicht sollte man ein Sechuan Huhn auch nur in der Provinz Sechuan bestellen – wer in Thailand „typisch Deutsche Küche“ ordert, wird höchstwahrscheinlich ebenfalls überrascht sein… Auf dem englischen Menü gibt es nur wenige Gerichte und ich verweigere mich dem hartnäckigen Tippen der Bedienung auf gebratenes Rindersteak – ich bestelle local food : Lijiang Fisch im Bambusnetz. Stelle mir dabei lecker gebratene Bambusstreifen mit Fischstücken darauf vor, doch die Realität sieht anders aus (siehe Bild): ein Haufen kleiner frittierter Fische.
Urggh – kann man die Essen? Mit Kopf, Gräten und Schuppen? Doch lieber Zahlen und Gehen?
Wenigstens Probieren!
Und in der Tat, die Innereien wurden herausgenommen und die Fischliche Konsistenz ist der von Ölsardinen (die ja auch komplett in der Dose stecken) äußerst ähnlich. Bis auf die Heckflossen esse ich fein säuberlich auf, denn die Fischlein schmecken. Ein wenig Gemüse vermisse ich zwar, aber ich habe die Speisekarte fotographiert und versuche mich an der Identifizierung ei***** Gerichte im Hotel. Für den nächsten Besuch. Bei diesem nächsten besuch konnte ich zwar identfizieren, dass das Gericht aus Zwiebeln und Pilzen besteht, dass das Ganze jedoch ein höllisch scharfer klater Salat und nicht angeschmort sein würde, DAS hat sich mir nicht erschlossen. Vielleicht hat die Bedienung auch nur meinen Wunsch nach Reis falsch verstanden und als „nichtkochen“ ausgelegt. Everything is possible. Ohne einen robusten Magen, ist das gericht nicht zu empfehlen, mit 15 Yuan zwar noch günstig, aber kein kulinarisches Erlebnis. Ein Ausflug in den SiebenSterne Park in Guilin bei sonnigem Wetter ist nett. Als ich mich am späten Nachmittag zur Buchlektüre hingesetzt habe, dauert es nicht lange, bis mich ein Student der „Energy and Technology“ oder „Imaging technology“, so genau ließ sich dies nicht ermitteln, als Englischtrainingsobjekt erwählt. Und mich noch eine ganze Weile begleitet, da er nichts anderes zu tun hätte. Für Studenten ist der Eintritt in die Parks übrigens deutlich preisgünstiger: Per Rabattkarte kostet der Besuch Einen Yuan, wofür ich Fünfunddreißig bis Fünfzig bezahlen muß. Die Wege des Wassers sind unergründlich Am morgen bringe ich einen Beutel mit Wäsche für den Laundryservice an die Rezeption. 20 Yuan soll es pro Beutel (= kleine Waschmaschinenladung) kosten und man bekommt die Wäsche anschließend trocken zurück.
Dass ich der jungen Dame dann ins Nebengebäude in den Keller folgen soll, um dort meinen Beutel selber in eine Waschmaschine zu entleeren, und sie etwas Waschpulver draufschüttet, kann ich ja noch verstehen – schmutzige Wäsche anderer Leute anzufassen ist nicht jedermanns Sache.
Mit dem Einschalten der Waschmaschine wird es schon schwieriger, aber zu ihrem Glück startet diese nach Betätigen des „An“ Schalters. Ich frage mich nur, auf welche Temperatur dieser Toplader in Amerikanischer Waschhallenbauweise arbeitet, aber eine mittlere Leuchte mit einem langärmeligen Symbol wird so schlecht hoffentlich nicht sein.
Als ich dann abends nach meiner Bootstour ins Gasthaus zurückkehre, schaut man mich aus großen Augen an, als ich verweile, nachdem ich kurz zum Ausflug gefragt wurde: „Any questions?“ „My laundry?“
Ich möge doch bitte wieder mit ins Nebenhaus folgen. Das lässt mich nun doch an der Servicequalität zweifeln. Wieso muß ich denn noch mal meiner Wäsche hinterherlaufen? Es geht doch nicht etwa…?
Doch es geht zur Waschmaschine und dort liegt meine Wäsche, seit morgens nass in der Trommel. Herr schmeiß Hirn vom Himmel!
Mir entgleist meine Gesichtsmimik völlig und stelle lautstark fest, dass dies doch wohl nicht wahr sein dürfe. Ich hätte doch extra gefragt, ob die Wäsche auch getrocknet wird, und nun das! Zwanzig Yuan für einmal Waschmaschine anschalten wäre doch wohl leicht unrealistisch. Was ich denn auf meinem Zimmer nun mit der patschnassen Wäsche anfangen solle? Trockengelegenheiten gibt es dort keine. Hmm?
Die Kollegin muss zur Hilfe kommen, ich habe den Eindruck DER ist klar, dass Wäsche klatschnass zurückzugeben keine Option ist, andererseits ist es das Problem der Kollegin. Wie schön! Dezente Zurückhaltung.
„I will dry it for you“ sagt dann meine Waschfee Nummer Eins, sagt „One hour“ und sucht an der Waschmaschine den Knopf zum Trocknen.
„I don’t think that this washing machine can dry…“, wende ich ein.
„Oh yes it can, but I don’t know how to use – and you also don’t?!“ Stimmt wohl, ich kann die Symbole der Tasten nicht entziffern, aber ich erkenne die praktische Unmöglichkeit in diesem Toplader zu trocknen. Wenn man einen großen Gasbrenner unter dem Trog montieren würde könnte man darin veraschen, aber sicher nicht zerstörungsfrei Wäschetrocknen.
„I will call my boss, how to handle the machine“
Tu das, die Wäsche trocken zu bekommen ist dein Problem.
Immerhin will ich erst den nächsten Tag nach meiner Wäsche fragen, also kein Grund zur Panik.
Das Gespräch mit dem Boss scheint nicht so gut zu verlaufen – ihr Gesicht und Stimme am Telefon sprechen Bände – aber wer möchte auch schon gerne abends von personifizierter Ahnungslosigkeit angerufen und Dinge gefragt werden, die einem der gesunde Menschverstand sagen müsste?
Einige Zeit später gehe ich zur Rezeption hinunter, um nach einem frischen Handtuch zu fragen, denn in diesem Hostel ist man der Meinung, Handtücher wären disposals und gäbe es nur auf Nachfrage, andererseits entfernt man diese jedoch und tauscht dafür angefangene Seifenstücke und Klopapierrollen durch neue aus. Aus Umweltschutzgründen, so heisst es. Ich versteh e die Logik nicht.
Ich nehme schweigend zur Kenntnis, dass meine Wäsche nun dort im Beutel hinter der Theke steht. Ich will es besser gar nicht wissen, wie das Fräulein gedenkt, die Wäsche trocknen zu lassen. Ich bin gespannt darauf, ob, wann und wie ich meine Wäsche wiedersehen werde… Solche Erlebnisse lassen mich hier immer wieder am gesunden Menschenverstand zweifeln.
Während der Bootstour versucht man Instantkaffee zu verkaufen, in dem man mit Pappbechern, Heißwasserthermoskanne und Nescafetütchen (20 Stück zu 12 Yuan im Supermarkt) herumläuft und dafür dann tatsächlich 20 Yuan, also mehr als Zwei Euro pro Aufguss verlangt! Kein Wunder, dass niemand einen Kaffee nimmt.
Man versucht Fotobücher für 150 Yuan zu verkaufen, die einem am Pier für lediglich 10 angenötigt werden. Fantasiepreise allerorten und es scheint nur einige wenige erkennen das Problem dabei. Das sind die Flexiblen, die reich geworden sind und es verstehen die verbreitete Lemmingmentalität zu ihren Gunsten zu nutzen. Die Bootsfahrt auf dem Li-Fluss ist schön, die karstige Landschaft mit ihren vielen Hügeln faszinierend, auch dass einige der großen Boote quasi im Konvoi fahren, mindert den Eindruck nicht wesentlich. Unser Boot wird von allen überholt, der Kapitän mag es anscheinend ruhiger. Das Wetter ist allerdings nicht so sonnig und wolkenfrei, wie den Tag zuvor, es zieht sich zusehends zu und bettet die Hügel in zarten Dunst.
Natürlich ist es so, dass das Essen gerade dann serviert wird, als das Schiff eine der schönsten Stellen erreicht. Wie sollte es auch anders sein. Es ist beinahe so, als wolle man sich das Geschäft mit den Postkarten und Bildbänden nicht verderben. Ich sitze am Fenster und versuche ein Vergleichsfoto zu der Abbildung der Landschaft auf der Zwanzigyuannote zu machen – nicht ganz gelungen.
Ob die ebenfalls vielfach angebotenen Touren auf kleineren Bambusbooten besser sind, ist wahrscheinlich Glückssache, je nachdem, an wen man gerät. So einige, die mich trickreich hier in der Stadt ansprachen, erschienen mir alles andere als seriös.
Immerhin 380 Yuan kostete der Ausflug, war dafür aber gut organisiert und auch die im Preis enthaltene Verpflegung an Bord war gut. An der Stadt Yangshuo muss die Umgebung schön sein, denn der Ort selber ist es nicht, er dröhnt lautstark marktschreierisch und ist ein einziger Spießrutenlauf zwischen Neppern, Schleppern und Taschendieben hindurch. Wie weit muss man sich mit dem Leihfahhrad durch den Verkehr kämpfen, bis man die Landschaft genießen kann? Ich bereue jedenfalls nicht, hier nicht zu übernachten.
Bananenkauf: Drei Yuan pro jin (Pfund) scheint mir OK der Preis. Verkäufer nimmt drei Bananen legt diese auf die Waage, die zeigt 500Gramm an, verlangt Vier Yuan. Huch? Es folgt ein Wortbrockenscharmützel: Nih schwo ih dschin ssann kweih – buh sse kweih! Sse kweih, dwo dschin! Bu dwo!
Energisches Deuten auf die Waage, erneutes Auflegen der Bananen, diese zeigt 510 Gramm, mit Tüte an. Ha! Von wegen mehr als ein Pfund, für weniger als 10 Gramm Banane gibt es keinen ganzen Yuan, nicht von mir!
Die Marktfrauen von den Nachbarständen lachen: fremdes Weißbrot hat sich erfolgreich der Übervorteilung entzogen. Aber es ist mühselig.
Einerseits muss man oft um den Preis feilschen, dann aber auch noch die Ware, die Ermittelung und Berechnung des Betrages kontrollieren und dann auch noch das Wechselgeld kontrollieren, damit man sich nicht Falschgeld einfängt.
Die Alternative wäre völlig schmerzfrei jeden verlangten Preis bezahlen, damit allerdings den unlauteren Wettbewerb zu fördern. UFO im Dunst Mein letzter Tag in Guilin führt mich an, aber nicht in den Prinzessinnenpalast – mir sehen auf einem Luftbild die Gebäude alle viel zu modern aus, und ein Hügel innerhalb der Mauern erscheint mir keine 70 Yuan Eintritt wert. Mittags habe ich vor einem kleinen Restaurant gegessen – viele Passanten schauen oder besser: starren mich immer wieder irrititiert an, Ich scheine ein Unidentifizierbares Futterndes Objekt zu sein. Auch heute bin ich wieder mehrfach fotografiert worden und immer wieder sagt jemand Hallo. Kann vielleicht daran liegen, dass ich mich permanent dort herumtreibe, wo sich ansonsten keine Westtouristen herumtummeln.
Meine Wäsche hat tatsächlich wieder zu mir gefunden: extra dry und free of charge, dafür auch ziemlich zerknittert. Für morgen früh habe ich mich entschlossen den Transportservice des Hostels zum Flughafen zu nehmen, anstatt die Preisgestaltung eines lokalen Taxis nochmals anzutesten.
Back to school!

Venedig lässt grüßen

Lijiang, China

Die Busfahrt verlief nicht ganz wie erwartet:
Die Abholung erfolgte zwar zur gebuchten Zeit, dann wurde ich jedoch an einer anderen Herberge abgesetzt und mir mitgeteilt, dass der Bus aufgrund einer außergewöhnlich großen Gruppe bereits gefahren sei. Aha?
Mir wurden dann noch eine ganze Reihe weiterer Lügen aufgetischt, warum die angegebene Abfahrtszeit immer wieder aufs Neue verschoben wurde. Los ging es nämlich erst zwei Stunden später, in einem überfüllten lokalen Kleinbus.
Ich zweifle stark, dass dies meiner gebuchten Leistung entsprach.
(Nachtrag: Dies gab das Busunternehmen auf Nachfrage des Gasthauses wohl auch zu und wollte mir den Fahrpreis erstatten – aus Ermangelung eines PayPal Accounts habe ich nun ein kaltes Bier und den Gegenwert einer Lijiang Busfahrt in Dali gut) Im Bus sitzt auch eine Tagesausflugsgruppe junger Chinesinnen, bei Ankunft fragt mich eine von ihnen, ob ich Chinesisch könne, da ich alleine unterwegs wäre, chinesisch wäre doch immerhin hilfreich. Da werde ich dann auch schon zum Gasthaus abgeholt. Ich begegne den Damen dann noch einmal im Drachenpoolpark, und unbedingt muß man Fotos von mir und mit mir machen. Direkt nach Ankunft habe ich einen Ausflug zur Tigersprungschlucht gebucht – hoffe ich zumindestens, dass der Sechs!!seitige Vertrag in zweifacher Ausführung einen Ausflug umfasst, und ich jetzt nicht einen Kaufvertrag für ein Sortiment Chinesischer Haushaltsgeräte unterschrieben habe. Alle Seiten fein säuberlich mit Symbolen gefüllt, keine Ahnung was da steht…
Ich wurde mit einem Kichern vorgewarnt, dass auf der Rückfahrt ebenfalls Shopping stattfinden würde – eine original chinesische Kaffeefahrt steht mir demnach bevor: Fahren, kurz aussteigen und anschauen, Mittagessen schlürfen und schmatzen (inklusive) fahren, Heizdecken? kaufen und zurück. Ich bin gespannt. Wenn Dali touristisch ist, so ist Lijiang das Epizentrum – vergleichbar mit Venedig auf dem Haupttouristenpfad von der Rialtobrücke zum Markusplatz: ein Stand neben dem anderen und vor lauter Schnickschnack sieht man die Häuser nicht mehr.
Lijiang ist aber auch schön. Besonders abends, denn man hat sich mit der stimungsvollen Beleuchtung viel Mühe gegeben.
Auf der „Barstraße“ ist dann allerdings Gehörschutz angebracht, denn in einer wahnsinnigen Kakophonie versuchen sich die Bars gegenseitig zu übertönen. Naximusik gegen Reggea, gegen Techno. In den meisten Restaurantbars versuchen (indianisch anmutende) Tanzgruppen Gäste anzulocken. Und zwischen all dem fließt ungerührt ein Bach hindurch.
Ich gehe in ein ruhiger gelegenes Restaurant mit Innenhof. Die außen aufgehangenen Preise finde ich in der englischen Speisekarte um den Faktor 2 bis fünf erhöht vor, aber mein teures Essen ist sehr gut, somit beinahe preiswert. Es will und will kein warmes Wasser aus dem Han kommen, weder in Stellung Rot noch Blau – nur eisig kaltes Wasser, nicht gerade verlockend an einem Morgen, der mit niedirg einstelligen Temperaturen grüßt. Ich fluche, verliert man dabei sein Gesicht gegenüber einer Duscharmatur? So ganz erschließt sich mir das Prinzip des Gesichtsverlustes immer noch nicht, mir kommt es meistens vor, dass dies für viele Menschen hier ein überholtes Konzept ist und nicht zu befolgen; Ellenbogen, die schamlose Demonstration von Besitz und eine Geschäftstüchtigkeit, die man Gier nennen kann, DAS scheinen mir die neuen Leitbilder. Ich melde mich für ein Frühstück an und weise auf das mangelnde Warmwasser hin.
Kein Warmwasser!?!? Katastrophe! Die Chefin kommt, der Cheftechniker, Kind und Hund eilen hinterher, alle ins Bad, alle Wasserhähne aufgedreht, aufgeregte Diskussion. Ist der abgeklemmte Boiler wirklich ersetzt durch einen neuen Anschluss? Aber tatsächlich nach minutenlangem Laufenlassen und Nachjustieren mit einem Schraubendreher (woran nur??) kommt endlich warmes Wasser aus der Leitung. Gerettet. Und der kleine Hund mit den großen Augen scheint auch nicht an meine Tasche gepinkelt zu haben…
Das Pinkeln holt dann der kleine Junge im Frühstücksraum nach, praktisch so eine Hose mit Freiluftanschluss: Einfach Laufenlassen. „Your child is leaking“, mehr fällt mir nicht ein, was ich den Damen in der Küche mitteilen könnte. Es wird dann aufgewischt, oder besser verwischt und der Hund bettelt unentwegt nach Essen. Mei you. Hab nix! Den Tag über geht es ins Mu Anwesen und auf den Löwenberg, wo sich auch ein Pagodenturm befindet. Beim Verlassen des Turmes werde ich von einer Dame mit einer roten, mit chinesischen Symbolen in Schwarz bedruckten Schärpe, regelrecht genötigt damit Buddha zu huldigen. Soweit so gut. Der „Mönch“ zu dem ich (zur Signatur?) der Schärpe geführt werde, hält mir nach ein paar Worten jedoch kackfrech einen Zettel vor die Nase, auf dem bereits der Betrag steht, den ich bereit bin zu spenden! Bereit sein soll, aber nicht bin. Mit Buddhismus hat diese Form der nötigenden Spendenextraktion meiner Meinung nach nichts mehr zu tun. Bei Dali stand es mir immerhin frei zu spenden, was ich möchte – vielleicht grenzwertig, aber noch akzeptabel. Wenn mir dagegen vorgegeben wird, 100 Yuan, umgerechnet 11 Euro zu geben – für was auch immer – dann mache ich nicht mehr mit. Ich legte die Schärpe vor ihm zurück auf den Tisch, sagte Bu, Mei you (Nein, nicht wollen) und stand auf und ging. So entgleist, wie mein Gesicht wohl angesichts der Dreistigkeit bereits war, konnte ich es nicht mehr verlieren.
Draußen wurde bereits die nächste Touristin abgefangen… Den Abend ging es mit kanadischen Chinesen, oder auch chinesischen Kanadiern (wobei die Eltern wohl mittlerweile in Hongkong leben) zuerst zu einem Spezial- Duofu (Tofu) und Yak-Geschnetzeltem Essen und anschließend zu einer recht langwierigen Jasmin- und Pu-Er-Tee Verköstigung. Ganz interessant, auch wenn ich dem (auf chinesisch) Gesagten nicht viel Verständnis entgegenbringen konnte. Gekauft habe ich keinen Tee (obwohl der recht gut war), denn jeder Einkauf bedeutet Zweieinhalb Monate zusätzlichen Ballastes. Kaffeefahrt zum Tigersprung Um 8:20 sollte es losgehen. Tatsächlich kam der Bus um kurz vor Neun. Trotz des sechseitigen Vertrages hatte die hochqualifizierte Tourismusagentur es geschafft, 31 plätze eines 30sitzigen Buses zu verkaufen. Und ich dummer Deutscher war der Letze, der zustieg und dementsprechend für die Businsassen der Quell allen Übels.
Es wurde losgefahren (50m weit), gestoppt und gezählt und telefoniert (Busbegleitung UND Fahrer), lautstark gezetert, die abgehakte Liste der Passagiere nochmals durchgegangen (könnte sich ja jemand eingeschlichen haben), nach Freiwilligen zum Aussteigen gesucht (Niemand), dann eine Umfrage gestartet (ich glaube, es ging darum mich hinauszuwerfen, oder zu erschlagen, um das Problem zu lösen, wobei mich vielleicht mein Sechsseitenvertrag davor bewahrt hat) und letztendlich durfte ich auf dem Notsitz der Busbegleitung Platz nehmen und wir fuhren los. Bis zum ersten Klostopp nach fünfzehn Minuten.
Dort durfte ich in einen anderen Bus, größer, neuer und mit freien Plätzen des selben Unternehmens umsteigen. Warum nicht gleich so?
Hier sei aber bereits erwähnt, dass dieser Bus den Nachteil hatte, NICHT wieder zum Ausgangsort zurückzukehren, sondern einen Kilometer nördlich der Altstadt hielt. („Achja, typisch chinesischer Service“ – O-Ton englischsprachiger Mitreisender)
Am dritten Stop hieß es dann raus aus dem Bus und rein in die Boote. Boote?
Von Schlauchbooten war doch nie die Rede gewesen, und umsonst wäre die Tour auch nicht, sondern schlappe 140 statt 168 Yuan (Ein Schnäppchen!!), wobei die gesamte Bustour 100 Yuan gekostet hat…
Ich also sage: Nix Boot! Und nehme auch die als wer weiß wie schlimm vorgetragene Busfahrt mit riiiiiiiiiiesen Umweg (aber umsonst :-)) in Kauf, wie auch einige andere Chinesen, mit derem Argument „tai gui“ (zu teuer) ich vollkomen d’accord gehe.
Erneuter Stop kurze Zeit später, um die Boatpeople wieder einzusammeln. Unterhaltung bei Erdbeeren mit einem Taiwanesisch-Dänischen Paar. Von einer Bootsfahrt durch eine Schlucht kann keine Rede sein, ich bin heilfroh den Bus statt dem Boot genommen zu haben, mit Aussicht auf den Fluß.
Dann geht es zum Mittagstisch, original Gruppenchinesisch. Kein Highlight, aber akzeptabel.
Und schließlich, Ankunft um Zwei, an der Tigersprungschlucht, doch nur am oberen Teil, denn aufgrund von Strassenreparaturarbeiten sind die weiteren Abschnitte mit dem Bus momentan nicht zu erreichen.
Der Rikschaträgertauglich ausgebaute Weg führt dicht am Wasser, inmitten der Steilwände entlang und es wurden einige Tunnel tief durch die Felsen getrieben, da überhängendes Gestein in der Schlucht den unbändigen Drang hat, der Schwerkraft zu folgen und zu offensichtlichen (tonnenschweren) Problemen führte…
Es ist gerade genug Zeit für eine Wanderung (Spaziergang), bis es nicht mehr weiter geht und zurück, immer einen skeptischen Blick nach oben, auf die bedenklich lose erscheinenden Felsbrocken, dann ab in den Bus und am Rande von Lijiang in eine riesige Jade-Verkaufshalle: Shopping.
Mir erscheint es absurd, das Leute in einem solchen Tempel des Kommerzes Geldscheine in einen Glaskasten werfen, in dem zum Kauf angebotene Buddhafiguren aus Jade ausgestellt sind, aber wahrscheinlich fehlt mir dafür die nötige Sozialsierung. Deutlich genervt von der Rückfahrt, und ihrem abrupt zu frühen Ende, heitert mich die herzlich lachende Gasthausbetreiberin wieder auf und ich begebe mich in ihr Restaurant zum Abendessen, auch weil das Yak am Vortag war sehr lecker war.
Ich bestelle Naxi style Vegetables und bekomme einen riesgen Topf mit Gemüse und vereinzelten Trockenfleischstücken darin serviert. Sehr lecker, aber zuviel für eine Person. Aber nach guter chinesischer Manier esse ich soviel ich kann.

Dali – vom Aprilscherz zu Ostern

Dali, China

Als ich mein Zimmer für den finalen Checkout verlassen wollte, hörte ich im Bad ein Plätschern. Hatte ich die Dusche nicht richtig zugedreht? Als ordentlicher, wassersparender Germane setzte ich also meine Reisetasche ab und zuppelte an der Duscharmatur. Keine Veränderung. Da erst bemerkte ich, dass das Wasser von der Decke tropfte und auch in Strömen an der Wand herablief.
Puah, nochmal Schwein gehabt, dass die Zimmerflutung erst bei meiner Abreise erfolgte! Der Transfershuttle brachte mich für 5 Yuan zum Flughafen, dort gab es die nächsten Überraschungen: mein Flug tauchte nicht auf den Anzeigetafeln auf. Auch kein ähnlicher, keiner zu der gebuchten Zeit. Habe ich ein Ticket? Wirklich? Nicht verschoben? Mein Versuch am Schalter nach dem fehlenden Flug zu fragen sorgte für Verwirrung, ich glaube man wollte mir ein Ticket verkaufen. Schnell weg und an einem der Checkin-Schalter für acht Fliggesellschaften anstellen und das Einchecken versuchen.
Dann kam ein auf Offiziell machender Mann und wollte mich irgendwohin geleiten. Keine Ahnung wo das gewesen wäre, aber da er so schlecht Englisch sprach, verstand ich nicht, was er von mir wollte, und bereits meine Mutter hat mir vor beinahe vierzig Jahren beigebracht nicht mit wildfremden Männern mitzugehen. Auch die Kopie meines Reiseplanes mit Buchungsnummer habe ich ihm wieder aus der Hand genommen.
Er sagt zu mir, meine Fluggesellschaft wäre China Southern, und ich müsste dort hinten meinen Bordpass wechseln. Als ich sagte „Yes, and checkin von China Southern is here“ und dabei auf das große Schild zeigte, verschwand der Typ ganz schnell wieder.
Man muß als Tourist immer auf der Hut sein vor Neppern und Schleppern! Der Flughafentransport in Dali ist fest in der Hand der Taximafia. Immerhin hat man einen einheitlich überhöhten Taxitarif ab Flughafen zur Altstadt festgelegt: 90 Yuan.
Ich steige in ein Taxi, das fährt aberr nur etwa drei Kilometer weit, dann klingelt das Telefon des Fahrers und ich soll das Taxi wechseln. He? Natürlich zahle ich erst, wenn ich am Ziel angekommen bin und nur genau die Neunzig. Ich steige also in ein anderes Taxi um, dessen Fahrer dem ersten 50Yuan geben muss. Wahrscheinlich konnte Taxifahrer Nummer 1 noch einen Gast am Flughafen aufnehmen. Besserer Profit.
Ich komme immerhin problemlos und ohne Umwege in diesem Gasthaus an, das Wetter verheißt Regen die nächsten Tage und es ist recht kalt, aber ich habe Internet und DVD auf dem Zimmer (und es gibt eine DVD Bibliothek im Hostel) und kann nun endlich mal die Neujahrs Musik-DVD aus Myanmar anschauen. Wer weiß was für Musik ich seitdem mit mir herumschleppe.
Ich gönne mir nach Ankunft Chicken mit Cashewnüssen (sehr lecker, mit viel Gemüse) und einen Kaffee während ich dies schreibe.
Meinen Weitertransport nach Lijiang habe ich für den 4.April für 45 Yuan bereits organisiert und auch eine Unterkunft dort habe ich gestern abend noch schnell online gebucht.
Ohne Internet geht so manche Reiseorganisation deutlich schwieriger, also musste ich erstmal schlucken, als Tagesschau.de meldete, dass über Ostern das Internet für einen Tag wegen IPV4 Adressmangel stillstehen würde. Bis mir in den Sinn kam, dass am heutigen Tage mit Aprilscherzen zu rechnen ist… Mit dem Wetter habe ich Glück, die dunkelgrauen Regenwolken bleiben an den Bergen hängen und über Dali bleibt ein sonniges Band blauen Himmels.
Der erste Eindruck der Stadt kommt bekannt vor, denn ich betrete die Altstadt über die „Barstaraße“ Renmin-Lu. Yak-Steaks, free WiFi, ColdBeer und viele Sitzgelegenheiten zur Gasse hin zeigen deutlich, dass man sich in einer Backpackerhochburg ähnlich Pai oder Viang Vieng befindet. Wenigstens im wetslichen Teil, der Rest der Stadt ist mehr auf den Chinesischen Touristen ausgelegt. Wenn man umherstreift, finden sich auch schöne Ecken, die nicht mit Werbetafeln verunstaltet sind. In einem Park erlebe ich mit, wie Chinesen mit Steinschleudern auf Singvögel schießen und tatsächlich einen Winzigen erlegen. Ist an dem wirklich genug zum Essen dran?
Schräg – wenn die Vögel alle abgemurkst sind und dann zuviel Ungeziefer herumkreucht, kann man ja immer noch auf die chemische Keule zurückgreifen, oder? In einer Buchhandlung treffe ich erneut ein Paar aus Holland, dem ich in Shilin das erste Mal begnete. Wir unterhalten uns eine Weile, auch sie reisen nach Lijiang, wollen dann aber auch nach Shangri-La – bei dem derzeitgen Wetter dürften 3000m Höhe schwierig werden – auf den Berggipfeln ist heute erkennbar Schnee gefallen…
Abends im Hostel nochmals Essen zu bestellen, war eine Fehlentscheidung – es dauerte eine Stunde, bis die Schweinestreifen kamen, dafür waren sie kalt und haben nicht gut geschmeckt. Das Hostel wird von einem Australier geführt, so hatte ich am Abend eine Menge englischsprachige Unterhaltung mit einigen „Locals“ aus Oz und England, die sich hier trafen.
Die Musik DVD ist, soweit es die Songs angeht, übrigens gar nicht mal schlecht… Übertriebene Geschäftstüchtigkeit Vormittags regnet es ohne Unterbrechung. Doch nicht allzu stark und die Temperatur liegt bei etwa Zwanzig Grad, so dass es dank eines riesigen Leihregenschirmes ganz angenehm ist, zu den im Norden befindlichen Pagoden zu spazieren.
Laut Reiseführer soll der Eintritt 32 Yuan betragen, aber hier in Dali denkt man geschäftstüchtig: Warum den Preis nicht verdoppeln? Ach Verdreifachen! Papperlapapp, 11 mal 11, DAS ist eine schöne Zahl! Prima, man ist sich einig und verlangt 121 Yuan Eintritt, um sich die drei Pagoden und eine Tempelreplik anschauen zu dürfen. Im Hostel wird zwar ein günstigeres Ticket für 90 Yuan, inklusive Taxizubringer verkauft, aber auch das erscheint mir deutlich zu teuer. Es gibt hierzulande ja genügend reiche Chinesen, die die absurd überhöhten Eintrittsgelder bezahlen möchten. Ich weigere mich, solche Preisexzesse zu unterstützten und mache deshalb Gratisfotos von Außerhalb und könnte mir nun 100 Bauzis oder 40 Flaschen Dalibier oder auch 3 Yaksteaks mit Pilzen und Kartoffeln gönnen. 🙂
Auf dem Weg zu den Pagoden werde ich vom hartnäckigsten TukTukfahrer Asiens belästigt: Über eine Viertelstunde lang tuckerte er neben mir her, trotz Nein, No, Bu yao, Abblocken mit dem Regenschirm und sagte immer wieder sein Sprüchlein auf „Hello, Moto, one Yuan“ Obwohl der Preis variierte zwischen Einem und Fünf Yuan, ab- und wieder aufsteigend. Seltsame Verkaufslogik. Nachdem er mir mit seinem Blechhaufen mehrfach den Weg versperrt hatte und ich ausweichen musste, war ich drauf und dran, die Nahkampftauglichkeit meines Regenschirmes auszuprobieren. Erst als ich einen Bürgersteig erreichte, auf den er mir dank einer hohen Bordsteinkante nicht folgen konnte gab er endlich auf.
Gegen Mittag öffnete sich über Dali erneut ein blaues Fenster zum Himmel und es wurde recht warm. Kühlung gab es durch aufkommenden Wind, der sich am späten Nachmittag zu teilweise heftigen Sturmböen ausweitete. Zeit für eine Pause.
Meine Speisekartenentzifferungsversuche brachten mir heute eine Chickengemüsenudelsuppe für Fünf Yuan ein. Nudeln dick wie Essstäbchen, sehr lecker. Und gleich gibt es für mich eine Scheibe vom Yak. Hoffentlich zart. Und bevor ichs vergesse: Es ist nun ja Ostern! Ich wünsche allen meinen LeserInnen und Angehörigen Frohe Ostertage und fleissiges Eiersammeln! Ein Osterspaziergang Das Yak Steak war wunderbar zart und gut gewürzt. Sicher keine authentische China-Küche aus dem Yunnan Cafe, aber was genau ist authentisches China? Die Wiederauferstehung lange vergessen gemachter Geschichte? Wie authentisch Deutsch ist Beethoven, wo und wie begegnet er uns im Alltag? Genau. Aus gutem Grund könnte man den Döner-Imbiss hingegen als authentisch Deutsch bezeichnen. Und so ähnlich ist es hier in China auch. Nur die vereinzelten „Want smoke Haschisch“ oder Nepper-Shoerepair- Angebote sind absolut unpassend. Mit dem Sessellift ging es den nächsten Tag bei ziemlich heftigen Sturmböen den Berg hinauf. Die Wolken waren ein Stück zurück gerückt und hatten die „Cloudy Tourist Road“ freigemacht, um darauf trockenen Fusses und bei Sonnenschein zu wandern. Leider waren die Hauptattraktionen entlang des Weges nicht zugänglich, da entweder in Überarbeitung, oder per Steinschlag gesperrt. Es gab einfach kein Durchkommen, ohne Kletterausrüstung.
Der erste Tempel Zhong se war offen, kaum betrete ich ihn, bekomme ich beinahe gewaltsam Räucherstäbchen in die Hand gedrückt, um meinen Vorfahren zu huldigen und vor allem, anschließend eine fette Spende einzuwerfen und im Buch einzutragen. Hoppla. Weniger ist mehr, denke ich mir. Hinab ging es über Zigtausend Steinstufen, nach in etwa 5000 bog ich hinter einer Mulikarawane auf einen Trampelpfad ab und gelangte nach insgesamt 17km zurück zum Gasthaus.
Mit dem Bus geht es dann gleich nach Lijiang.

来Yunnan

Kunming, China

Nach längerer Unterhaltung seit dem Frühstück, kurze Abschiedstour bei den KommolitonInnen, die noch ein oder mehrere Wochen in Qingdao verweilen.
Kaum aus der Sprachschule heraus, werde ich auch schon von einem Taxi erspäht, es wendet, ich steige ein, bin in der Lage mein „Fähdschidssann“ aufzusagen, als der Fahrer mit einer Frage kontert: Gongssu? Was bedeutet Gongssu? Scheint die Mautstraße zu sein, es empfiehlt sich nach dem Preis zu fragen, DAS klappt ganz gut mittlerweile: Wer jemandem etwas verkaufen will, bemüht sich immerhin den Anderen zu verstehen. 10 Yuan erscheinen mir nicht zuviel, und es erweist sich als gute Entscheidung, denn an fast allen Ampeln und Stau vorbei geht es in zwanzig Minuten direkt vor das Flughafengebäude und das zur Hälfte des von mir erwarteten Preises. Inklusive Maut.
Der Versuch einer Kommunikation seitens des Fahrers erweist sich als eine sehr holperige, um nicht zu sagen unmögliche Aktion. Mir wollen einfach nicht die genauen Silben für elementare Adjektive und Vergleiche in den Sinn kommen. Und das Aufsagen von so ähnlichen Silben wie z.B. dschinn statt jinn macht aufgrund der vollkommen anderen Bedeutung noch weniger Sinn als zu schweigen oder anglizieren. Da hilft nur erneutes Pauken und Vokabeln lernen. Die Wartezeit am Flughafen verbringe ich mit dem Studium meiner Buchschenkung der Schule: „Grundlagen der chinesischen Kultur“
Dieses in Chinesisch-Englisch gehaltene Buch erregt die Neugier und Diskussion bei einigen Chinesen im Wartebereich. Letztlich fragt einer, ob ich chinesisch studieren würde. Mein Sitznachbar lässt sofort eine schnelle Wortlawine auf mich hernieder gehen, die sich völlig anders als alles bisherige Chinesische anhört – vielleicht ein Yunnandialekt. Auf mein ting bu dong hin, formuliert er auch nicht einfacher und vor allem: langsamer, so dass ich nichts antworten kann. Lächeln. Irgendwann einmal zeigt sein Nachbar eine Weltkarte aus dem Bordmagazin und tippt mit seinem Finger in den Vereinigten Staaten herum. Ich schüttele den Kopf, sage „Deguo“ und tippe auf den kleinen bunten Fleck am anderen Ende der Karte: „Falankefu“. (Frankfurt)
Dass ich „150km nördlich davon“ auf chinesisch sage interessiert nicht mehr: „Ahhh, Falankefu“, nachdenkliche Gesichter. Nach einem Zwischenstop in Chengsha mit einer dreiviertel Stunde Aufenthalt geht es weiter nach Kunming. Dort im Flughafen, nach der Gepäckausgabe im Slalomlauf zwischen den Neppern und Schleppern hindurch „Taxiih?“ hinaus an den offiziellen Taxistand. Dem Fahrer die Strasse genannt und später noch die ausgedruckte chinesische Adresse gezeigt und es bringt mich geradewegs für 15 Yuan zu meinem Hotel. Das Foyer sieht enorm aus – bin ich hier richtig, ist dies die internationale Jugendherberge??
Aber ja, dort ist ein Hostelling International Emblem und das Einchecken geht ohne Probleme in Englisch vorüber, nachdem ich für die erste Nacht gezahlt habe.
Und dann der zweite Kulturschock: der düstere Gang zum, und dann das Zimmer. Es hat etwas, abends ein in flackerndes Neonlicht getauchtes Zimmer mit fleckiger, sich ablösender Tapete zu betreten. Das Wetter hier in Kunming hat sich passend zu meiner Ankunft deutlich abgekühlt auf 10Grad und später am Abend gießt es in Strömen. Der Regen wird wohl hoch willkommen sein, denn der Südwesten Chinas, ebenso wie die Mekongregion erleiden momentan die schlimmste Dürre seit Jahren.
Die kühle, feuchte Luft und die unästhetischen Wände (und erst die Deckenverkleidung im Bad! Ich glaube ich kann in den Fahrstuhlschacht blicken!) legen sich wie ein Film auf die Lunge, aber die Betten und das Bad machen einen sehr sauberen Eindruck, es ist halt alles ziemlich in die Jahre gekommen. Bestimmt gibt es bessere und teuerere Zimmer hier im Hotel. Interressanterweise kostete das Zimmer über hihostels.com nur die Hälfte von hostels.com, aber man musste schon genau hinsehen, um es auswählen zu können!
Der Wäscheservice hat jedenfalls Fünfsternepreisniveau, zähneknirschend fülle ich meinen Wäschebeutel, denn lange herumlaufen, um eine Wäscherei zu finden ist auch blöd.
Internetzugang per WLAN gibt es für mich leider nur im Foyer, denn die billigen Zimmer (meins) liegen zu weit abseits.
Direkt am Hotel befindet sich ein kleiner Supermarkt, dort kaufe ich Wasser, einen Instantnudelsnack und auch ein Eis. Zwar favorisiere ich ein Honigeis, aber die Haptik und ein Blick auf das Herstelldatum lassen mich daran zweifeln: Von 2000?
Die Verkäuferin mag mir ja zeigen, dass es laut Verpackung lange haltbar sei (das steht hier immer in Symbolen auf der Packung) aber seit September 2000 sind doch etwas mehr als 24Monate vergangen…
Erneut halte ich ein Rote-Bohnen Eis für Himbeere, aber dieses Stieleis ist erst fünf Monate alt und schmeckt ganz passabel.
Das Bett hier hat sogar eine elektrische Heizdecke (die ich vorsichtshalber ausstöpsele) und ist deutlich weicher, als die Unterlage der letzten vier Wochen. Die besaß nämlich eine gefühlte Moh’sche Härte von Neun. In etwa wie Teppich auf Beton.
Ich schlafe immerhin so gut wie seit Tagen nicht mehr, gieße mir mit dem Wasserkocher im Zimmer Kaffee zum Frühstück auf und werde mich gleich in den Trubel der Großstadt auf Erkundungstour stürzen. Das Hotelfrühstück habe ich durch mein Schreiben verpasst, aber ich werde gleich schon einen leckeren Bauzi (Teigtasche) mit etwas rou und cai drin finden…
Wenn „Warm greetings – aim carefully“ über einem Urinal angeschlagen steht, dann ist man(n) versucht sich umzuschauen, ob Notdurftnachbarn dies nicht allzu wörtlich nehmen.
Und was verbirgt sich hinter Rambo Breadworks? Da hilft nur einen Blick zu riskieren und eine Bemusterung vorzunehmen. Ergebnis: das Krapfenbrötchen mit einer zarten Buttercrememittelspur ist gewalttätig kalorienreich, doch ausgesprochen lecker.
Im Park wird Dutzendfach musiziert. Auch wenn die Mehrzahl der Besucher sich bereits im fortgeschrittenen Alter befindet, wird enthusiastisch das Tanzbein zu den Darbietungen geschwungen. Für die Jüngeren gibt es ein Massendiscopop-Thai-Chi. Nicht ganz synchron, aber der Ententanz ist nichts dagegen!
Und im Zentrum herrscht eine Konzentration von Shoppingmalls auf engstem Raum, wie ich sie in Qingdao nicht gesehen habe. Scheint hier alles etwas dichter beisammen zu sein, auch der Flughafen liegt nicht außerhalb – entlang der Start und Landebahn, nur knapp fünfzig Meter davon entfernt befinden sich Vierstöckige Wohnblocks und ich konnte fast die Gesichter der Menschen in den Fenstern erkennen, die bei der Landung zuschauten. Dem Fernsehprogramm folgen zu können, wenn in Wurfweite Jumbojets mit Umkehrschub abbremsen halte ich für unmöglich. Ob es hier wenigstens ein Nachtflugverbot gibt?
Gewöhnungsbedürftig sind auch die vielen Elektroroller – normale scheinen verboten zu sein – denn sie rollen geräuschlos heran, und das vorzugsweise auf dem Gehweg.
Das Wetter war den Tag über ganz ordentlich, sehr mild und beinahe sonnig. Aber dann gegen Fünf gab es Gewitter und Sintflutartige Regenfälle mit Graupeln. Die Straßen standen unter Wasser, so dass sich trotz Schirm nicht vermeiden ließ, nasse Füße und Hosenbeine zu bekommen, da ich nicht meine Wasserdichten Wanderstiefel trug. Frühstücks-Update:
Hier im Hotel gibt es für 15 Yuan ein üppiges Frühstücksbuffet mit Säften, Früchten, diversen frischen Gerichten, und und und… Wenn ich dagegen an die letzten vier Wochen denke, in denen es, wenn man trotz der Übellaunigkeit der Bedienung ein mumifiziertes Ei und zwei bis vier Scheiben Toast mit etwas Marmelade und einen sehr dünnen Instantkaffee gab (zwar umsonst), dann zaubert sich ein L 4;cheln auf mein Gesicht: Puah!
Mitleidige Grüße an die dort Verweilenden! Alice im Wunderland Für die Einen ist es Wunderland, für die Anderen ist es Alltag: sie sind an die optische Umweltverschmutzung gewöhnt. Tennisplatzgroße, Blitzlichthelle Videowerbetafeln gleißen ihre Botschaften in Tag und Nacht. Nicht immer der Verkehrssicherheit förderlich montiert, vor allem bei Nässe ist der Blendung an mancher Kreuzung nur durch Blindheit zu entgehen.
Schöne neue Welt: glitzernde Fassaden, aber trotz hektischer Betriebsamkeit leblos; diese Welt gehört den Schönen und Reichen, den Visualisten. Und ich bin mittendrin: Im Wunderland. Als wäre mir der Film aus dem Kino auf die Straße gefolgt. Wäre es besser, wenn ich die grellen Parolen lesen könnte? Ich bezweifle es.
Abseits gedrängt, in den Seitengassen, dort findet sich noch das Leben, dort ist die Beleuchtung statisch und es wird ohne trennendes Glas gespeist.
Immerhin scheint der Entseelung der Stadt Einhalt geboten zu werden, wenn eine antike Häuserzeile nicht nur eingestampft und durch einen Stahlbetonturm ersetzt, sondern restauriert wird. Vielleicht auch nur imitiert, aber immerhin, nicht nur für Kreditkarten ein Erlebnis. Im Park, in Pavillons, da wird gespielt: Mit Karten und Steinen, bei Tee und Unterhaltung. Auch dort ist Leben.
Wenn Angestellte von Kleidungsgeschäften vor dem Ladenlokal sinnfrei in die Hände klatschen, so erinnert mich das eher an die frühere Batteriereklame mit dem rosa Plüschhasen, als an eine Einladung dort etwas zu kaufen. Offensichtlich bin ich nicht so viel anders verdrahtet, als die einheimischen Passanten, denn auch die gehen vorüber. Und doch scheint die Klatscherei hier in der Stadt sehr populär zu sein. Geradeso, als ob sich die Geschäfte angesichts fehlender Kundschaft aufmunternd zuklatschen würden… Nachdem ich gestern beim erzglobalisierten Doppelbogenbratling gelandet bin, habe ich mich heute der originären chinesischen Küche hingegeben. Beim ersten Bauzigeschäft bin ich abgeblitzt, dort war die Bedienung damit beschäftigt sich selbst zu bedienen, statt die Kundschaft. Beim zweiten hieß es: „Rouh? Mäh Joh. Tsai? Mäh Joh.“ Ja was haben die denn dann??? Probieren!
„Ihhge de Dschehge, iihge de Nahge…Dschege?… Ähhh, ach ja, warum nicht? Dschege ihh dschege.“
Als Endresultat wandern drei Bauzis unbekannter Füllung in eine Tüte: Einer mit einem roten Punkt, Einer mit braunem Fleck und Einer mit einem Kern aus Gelb. Drei Stück für summa summarum Vierundzwanzig Cent.
Noch auf dem Weg zum Tempel verspeise ich die Bauzis:
Roter Punkt: Halbkristalline Zuckerfüllung
Brauner Fleck: Schwarzer Matsch, geschmacklich zwischen süßem Kaffeesatz und Teerpappe
Gelber Kern: würzige Schweinerei Gegen Abend wähle ich mir an einem kleinen Straßenrestaurant einen Topf mit Gemüse, Tofu und ein paar Fleischscheibchen für acht Yuan aus. Der Topf wird darauf hin mit kochendem Wasser aufgefüllt und ein paar Minuten über offener Flamme erhitzt. Dazu gibt es Reis. Fast wie Vietnamnesische Phou Bo, nur gekörnt statt stranguliert.
Meine offensichtliche Nichtvertrautheit mit dem Namen des Gerichtes und dem gewöhnlichen Bestellprozedere sorgt anfänglich für Belustigung, aber was soll’s? Bin ich halt ein kurioser Fremdländer – kein Grund deshalb zu verhungern! Der eigentliche Grund nach Kunming zu kommen, war den Steinwald bei Shilin zu besuchen. Heute werde ich den Versuch starten, mit dem Bus dorthin zu gelangen, da mangels weiterer Teilnehmer keine organisierte Tour stattfindet. Laut Reiseführer fährt er ab Südbahnhof – mal sehen… Laut Emaileingang hat sich einer meiner Flüge nun bereits zum fünften Mal verändert, nun ist es auch noch eine andere Flugnummer…China West, ganz schön anstrengend!
Zwanzig Minuten habe ich jetzt mit der Hotline von ctrip.com telefoniert und versucht herauszufinden, ob die Stornierung des Fluges nun Geld kostet oder nicht. Es heisst „Yes“ dann aber wieder „Doublecheck“ – es macht keinen Spaß mit einer dermaßen unqualifizierten Hotline zu sprechen. Immerhin gebührenfrei, wogegen die Planlosigkeit hier an der Hotelrezeption auf die Frage hin, ob ich eine Gebührenfreie Telefonummer vom Zimmerapparat anrufen könne mich ins Businesscenter und von dort an die Rezeption verweist. Dort diskutieren dann ganze Sechs! Leute, bis eine Dame sich zur der Aussage hinreissen lässt, ich müsse nach draußen an ein öffentlichen Apparat gehen, ansonsten kostet das Gespräch im Hotel (in ungeahnter Höhe). Dachte ich mir es doch!
Im Laufe des Tages werde ich dann von ctrip.com per E-Mail erfahren, ob ich noch einen Flug habe, oder nicht, oder beide Etappen, wie letzte Woche behauptet storniert wurden, oder nur eine…
Interessanterweise sind die Flüge billiger geworden, so dass es für mich billiger sein sollte neu zu buchen, aber sicher sein kann ich nicht, da das wunderbare Onlinebuchungssystem jegliche Abfrage meiner Flugbuchungen nur noch mit einer „Flight System Error – please contact the Hotline“ quittiert. Servicequalität eines selbsternannten Marktführers!
Zum wahnsinnig werden. Shilin und alles wird gut Am Südbahnhof gab es keinen Bus, keinen direkten zumindestens, sondern nach Irrwegen und Nachfragen nach „tschitscheh“ saß ich dann in der Linie 60 für 2 Yuan und fragte mich und mein GPS, wohin die Reise wohl gehen würde. Ich war skeptisch, ob der klapprige Bus Siebzig Kilometer schaffen würde…musste er auch nicht, denn er fuhr nur bis zum östlichen Busbahnhof. Dort erneut Ticketkaufen 27 Yuan bis zur Shilin Scenic Area, auf dem Ticket steht 25, 2 Yuan sind wohl für die Lebensversicherung gewesen, die man für mich abgeschlossen hatte, wie ich allerdings erst später entdeckte. Abfahrt sollte sofort sein, am Ausgang nahm mich jemand in Empfang, geleitete mich zum Bus, hies mich dann aber draußen warten. Der Bus war wohl voll und fuhr dann ab. Also in den nächsten Bus.
Dort entwertet derselbe Mensch mein Ticket und fängt an auf chinesisch zu schwadronieren – dank einer Übersetzerin im Bus wusste ich was er sagte : Mein Bus wäre schon abgefahren, wer mir denn gesagt hätte, ich solle diesen Bus nehmen?
HALLO? So langsam habe ich den Eindruck, es kommt hierzulande öfter vor, dass sich Menschen nicht an ihr Geschwätz der vorigen Minute erinnern! Muss an der Umweltverschmutzung oder dem vielen Rauchen liegen.
Der Bus fuhr jedenfalls nicht so schnell ab, nicht genügend Personen und dann war der Fahrer verschollen – Essen, wie es hieß.
Nach einer knappen Stunde warten ging es dann los. Da der Bus nicht voll war, kam ein Schild ins Fenster (wahrscheinlich: Nehmen Anhalter mit) und es wurde angehalten: für Pakete, LKW-Reifen, Anhalter und eine Schleifmaschine. Nach knapp 80 Minuten Ankunft in Shilin, ohne weitere Probleme. Da war es dann bereits Zwei Uhr Nachmittags – öffentliche Verkehrsmittel in Asien, billig, doch da brauchst Du Zeit…
Drei Stunden umhergelaufen, zu Beginn geflüchtet von den Horden chinesischer Pauschaltouristen, die glatt als Amerikaner durchgehen könnten: nur nicht zuviel selbst bewegen. Zum Glück, so war es mir vergönnt, etwas außerhalb die meiste Zeit durch menschenleere Felsnadeln wandern zu dürfen.
Um kurz nach Fünf problemlos ein Ticket gekauft: Kunming? Yes. Taschenrechner mit 25 hingehalten, gezahlt – tsche fann? (Zeit für etwas Essen?) Mäh jo! Mit anderen Worten nein, der Bus fährt los. Tat er fünf Minuten später auch.
Kam aber nur die halbe Strecke, dann gab es eine Autobahnkomplettsperrung wegen Unfall. Dann gab es Staus wegen noch me hr Unfällen, weil auf einer zweispurigen Strasse vier bis fünf Fahrzeuge nebeneinander zu fahren versuchen (Alle Spuren, alle Richtungen!) und immer wieder welche versuchen zu wenden. ARRGGGHHH 🙂
Nach über zwei Stunden komme ich am Busbahnhof an, nehme den gleichen Bus, steige aber dichter an meinem Hotel aus, speise bei Mama Fu, denn ein von mir zuvor ausgekorenes Restaurant hat nur Food to go. Prima, wie erkläre ich denen, dass ich gern im Sitzen esse?
Dschuhdsi? Mähjo. Dann eben nicht. Naja, das wars dann für heute, bis auf ein weiteres Telefonat mit ctrip.com voller Buchung, Stornierung und Verwirrung, aber ich habe beschlossen, das alles gut wird, auch wenn ich momentan starken Fussgeruch vom vielen Laufen habe… A walk in the park Für den heutigen Tag hatte ich mir noch ein paar Sehenswürdigkeiten Kunmings vorgenommen, bevor es morgen früh nach Dali weitergeht.
Die Füße frisch gewaschen, mache ich mich nach einem ausgiebigen Frühstück auf die Socken. Auf meinem Weg durch die Stadt, beschloss ich spontan mir die Haare schneiden zu lassen. Für 19 Yuan, also 2 Euro.
Dafür gab es eine Haarwäsche mit Kopfhautmassage und Spülung, den Haarschnitt, dann Haare mit Wasser ausspülen und abschließendes Fönen.
Ich habe auch ein Beweisfoto machen lassen, doch sehe ich darauf nicht allzu glücklich, weil skeptisch, und auf einem kopflos aus, denn der Friseur war mit der Bedienung der Kamera überfordert. (Bildausschnitt wählen, Knopf drücken, bis Foto)
Das Posen für sein Foto hat er dagegen bestimmt stundenlang vor dem Spiegel geübt, denn er beherrschte es aus dem Effeff. Tja Aussehen ist eben doch alles…
Der Haarschnitt ist ein wenig kurz geraten, aber das wächst ja wieder… Im Daguan Park gab es Skulpturen und diverse Fahrgeschäfte, wie Achterbahnen, Karusselle und sogar eine Wildwasserbahn. Kosten natürlich alle extra und wenn ich es richtig gelesen habe, ebenso viel wie daheim auf der Kirmes. Auch im Zoo gab es mehr Fahrgeschäfte als Tiere, und von artgerechter Haltung kann meistens nicht die Rede sein. Auch dort Extrakosten für Aquarium, Schlangen, Schmetterlinge, und und und …
An beiden Orten treffen sich jede Menge Alte zum Musizieren, Spielen, TaiChi oder auch Drachensteigen.
Ich habe unterwegs eine Speisekarte fotografiert und gerade nochmals, mit Hilfe von Lern- und Wörtebuch und Reiseführern versucht, die Gerichte zu identifizieren, konnte aber nicht mehr als Vier zweifelsfrei ausmachen. Bezeichnung und Schreibweise der Menüs sind hierzulande zu individuell, um sie mit rudimentären Sprachkenntnissen zu erschließen.
Von den meisten anderen Gerichten kann ich jedenfalls erkennen, ob ein Schwein, Huhn oder Rind und Gemüse drinstecken SOLL. Die Betonung liegt auf Soll, denn als ich mittags eine Chicken Noodle Soup mit Rind bestellt habe, war zwar Rind drin, aber statt Chicken Chilli. Zuerst vermutete ich, dass die giggelnden Bedienungen an mir einen Feldversuch durchführen, aber der Abgleich mit einem Menüfoto ergab, dass ich tatsächlich bekam, was ich bestellt hatte.

突然,我会写&#

 

Qingdao, China

Der Titel soll heißen: „Plötzlich kann ich sehr gut Chinesisch schreiben…“
Und im Prinzip sollte dort stehen:
突然,我会 ;写很好汉෾ 1;…
(Aber wie man am Titel sieht, ist die uneingeschränkte Unterstützung von Sonderzeichensprachen in der Technik immer noch graue Theorie und die letzten Symbole verwandeln sich in ein Comicgerechtes Grummeln. Ist ja auch nicht ganz so einfach.) Wenigstens die Eingabe ist kein Problem – Spracheeingabeschema Chinesisch auswählen, z.B. MS Pinyin als Tastaturlayout und schon muss man nur noch die Pinyinschreibweise von Begriffen eintippen, um das gewünschte zugehörige Zeichen auszuwählen. Nur noch – Ha!
Es gibt leider etliche, bei der Aussprache gleichklingende Symbole. Bei einer Auswahl legt man sich jedoch fest und worauf, sollte man schon wissen.
Nach drei Wochen intensiven Lernens beginne ich immerhin mir einige Zeichen einzuprägen, denn ohne geht es auf Dauer nicht, denn es ist besser selbst lesen zu können.
Denn verstanden wird man ohnehin nicht, und selbst wenn, sind die Aussagen so belastbar, wie eine gut gezapfte Pilsschaumkrone.
Ein Beispiel:
Schokolade kaufen im Supermarkt – eines der wenigen Nahrungsmittel, dass hierzulande teurer ist als daheim. Und zumeist gibt es nur sehr überteuerte Cadbury oder Hershey Schokolade für den Geschmacksinerten Gaumen.
Halbwegs preisgünstig ist nur die chinesische „Lose Ware“, die man sich im Beutel mit einem Schüppchen selbst aus verschiedenen Sortimentskästen zusammenbaggert. Natürlich haben die Kästchen je nach Qualität unterschiedliche Preise und man darf längst nicht alles einfach zusammenwerfen. So gibt es auch Fächer mit Mikromars für den dreifachen Preis der Standardchinaware und dazwischen Knisperschokoladentäfelchen, die es mir besonders angetan haben. Problem: kein Preis am Kasten. In China keinen Preis für eine Ware vor dem Kauf zu haben: Gar nicht gut, böse Überraschung!
Also jemanden fragen. Wie wäre es denn mit dem heraneilenden Mister Wichtig, mit Walkietalkie?
Prima, er fühlt sich berufen. Entscheidungsfreudig antwortet er auf meine Frage „duoshao qian“ mit Achtzehn, dem gleichen Preis, der auf einem Nachbarkasten angegeben ist. Ich bin skeptisch, denn das linke Nachbarfach kostet 120, aber da der Mensch nun an der Waage zur Auszeichnung steht, packe ich ein paar Täfelchen ein und lasse die Schokolade auswiegen. Das Etikett, das er ausdruckt, weist einen Preis von 99 aus, mehr als das Fünffache des Gesagten.
Also kommt wichtiger Antwortsatz Nummer Eins zum Einsatz: Bu yao – Nicht wollen!
Konsternierte Gesichter. Wie mache ich es den – schlagartig – fünf Personen klar, dass der Preis zwar sicher korrekt, und auch auch fürs Kilo und nicht fürs Pfund ist, aber nicht den mir auf Nachfrage genannte Preis darstellt? Mr. Wichtig jedenfalls fühlt sich ebenso schlagartig zu Wichtigerem berufen und entschwindet. Erfolgreiches Projektmanagment: Aufkehren müssen Andere 😉 Wahrscheinlich hätte ich einfach Drei, Vier Täfelchen auspacken und als „Kostprobe“ aufessen sollen, aber stattdessen zieht die Problembeseitigung weitere Mitarbeiter an, darunter auch eine des Englischen mächtige Dame, die mir nochmals die Preiszusammensetzung erklärt, aber dann immerhin auch versteht, dass das Problem nur darin besteht, dass der Preis der Ware nicht mir als Käufer passt und einer ihrer Kollegen die Verwirrung gestiftet hat. So ist es halt auch in China, wenn die mehr Halb- als Wissenden sich durch ihr übergroßes Ego berufen fühlen, Entscheidungen zu treffen, von einer Verantwortung dafür jedoch nichts wissen wollen…
Ich habe dann einen Beutel Knabberkram gekauft, somit zurück zu der Symbolik. So habe ich mir zum Beispiel ganz gut das Zeichen für Fleisch eingeprägt, damit ich es in Zukunft auf einer Speisekarte erkennen kann. Das Problem ist nur, dass es soo einfach dann auch wieder nicht ist, denn auch einem Jägerschnitzel sieht man es Namenstechnisch nicht an, dass ein richtiges Schwein und kein Schwein von Jäger drinsteckt. Aber so einiges sollte in Verbindung mit der Zubereitungsart (Scheibe, zerstückelt, gebraten, gekocht, gedünstet…) zuzuordnen sein. Hoffe ich. Ansonsten heisst es, sich überraschen lassen – was immerhin auch die Kantine dieser Schule geschafft hat, als ich das erste Gericht von der Tageskarte auswählte. Wenn ich die Lehrerin vorher richtet verstanden habe, sollten es gebratene Knoblauchschößlinge mit Schwein sein. Es war grün,stengelig und mit dünnen Schweinestreifen und sehr wohlschmeckend, unter anderem auch, weil ausreichend gewürzt! Oder ich brauchte die Symbole für Qingdao, um aus einer Liste von Kinocentern die richtigen herauszusuchen. Nur so funktionierte die Auswahl der Website und ich bekam die Chance die Seite von translate.google übersetzen zu lassen und zu sehen, welche Filme in welcher Sprache laufen. Natürlich ist die automatische Übersetzung ziemlich banana – so wird aus dem Versuch gut schreiben zu können bei der Übersetzung das genaue Gegenteil draus…
Und längst nicht alle Webseiten sind durch den Googleübersetzer zugreifbar, wie auch von hier so Etliches nicht im Netz erreichbar ist. Ein flickeriges Portal ohne Bilder ist ziemlich sinnfrei und große Blogdomänen sowie die große Videoschleuder sind komplett „unerreichbar“. Auch die meisten Bilder in der Wikipedia fehlen. Es erscheint dann kein Hinweis ala „for business purposes only“ sondern der Zugriff dauert ewig, um dann lapidar in einer leeren Seite, oder einem Netzproblem zu enden.
Gerne hätte ich das Reiseblog von einem kanadischen Paar weiter verfolgt, aber… Es geht nun in die vorerst letzte Woche des schulischen Lernens und dann erfolgt der zweiwöchige Praxistest, ob mich vielleicht doch jemand versteht!?
Heute (2010年 3月 20号) war das Wetter sehr trüb, um nicht zu sagen die Luft war gelbrot und voller Staub – es scheint die halbe Wüste Gobi herangeweht worden zu sein und es ist vorbei mit der zwar kalten, aber immerhin recht sauberen Luft. Das Kratzen in den Bronchien kommt mir wie eine Warnung vor, mit welcher Luftqualität ich in Shanghai oder Beijing zu rechnen habe.. Dagegen war der Ausflug in die Laoshanberge im Norden letztes Wochenende sehr gelungen, auch Wettertechnisch. Mit der Buslinie 304 für 1,5RMB bis zum Ticketschalter und Sightseeingbusstop, dort die 80 RMB Nebensaisoneintritt (davon 30 für den Shuttlebus) bezahlt und schon ging es weiter in den Naturpark. Regelrecht befestigt, das Ganze, inklusive Elektrozaun und Fingerabdruckscannern. Immerhin gehören die Laoshanberge mit alten Taoistischen Tempeln zu den Wichtigsten Chinas. Der Tempelbesuch dort kostete natürlich nochmals extra, die 20RMB lohnten sich immerhin – dagegen kann man sich die 50RMB für den gammeligen Fernsehturm in Qingdao sparen. Naja, man nimmt halt mit, was sich hier an „Attraktion“ anbietet und hinterher weiß man immer mehr. Gesang und Tanz im Einhorn zum Abschluß Nun ist sie vorüber, die letzte Woche in der Sprachschule in Qingdao. Von den 19 Kapiteln des Express-Lernbuches haben wir 18 abgearbeitet, gestern habe ich mein Zertifikat des Erreichens eines Elementary Levels of Mandarin Chinese und ein Zeugnis bekommen. Das Zeugnis enthält jede Menge Anmerkungen zum Lernverhalten und Betragen, so wie es sich anhörte, als es mir die nette Bürodame vorlas.
Das Problem ist nur, dass die Bemerkungen in chinesischen Schriftzeichen verfasst sind und ich davon nichts ohne weiteres lesen kann… ich werde einfach mal glauben, dass lauter positive Dinge aufgeführt wurden, denn ich war ein strebsamer Schüler!
Auch drei Bücher zur chine sischen Geschichte, Geographie und Kultur wurden mir überreicht, was mir Reisegepäcktechnisch Sorgen bereitete,
aber ich konnte eine deutsche Komolitonin dazu bewegen, meine Bücher nächste Woche mit nac Deutschland zu nehmen und dort in die Post zu stecken. Das verschaffte mir etwas Luft, denn dank meiner Kleidungszukäufe wäre meine Reisetasche ansonsten viel zu schwer geworden. Die Woche begann ich mit der umfangreichen Lektüre des neuen Romanes von Frank Schätzing-Limit. Dank einer im Großen und Ganzen flüssig zu lesenden Geschichte und eines sonnigen Sonntages, den ich komplett mit Lesen verbrachte, war es mir möglich am Dienstag die 1300te Seite zu lesen und das Buch vor Weiterreise zurückzugeben. Dann noch ein Besuch im Qingdao-Biermuseum und anschließend ins Kino und den letzten Freitagabend hatte die Sprachschule einen Besuch im Kylin-Hotspring-Resort organisiert. Dort galt es in verschieden aromatisierten Warmwasserbecken einzuweichen und sich ab und an von Putzerfischen anknabbern zu lassen. Hinterher gab es einen offiziellen Teil, eine Art Abteilungsversammlung und dann wurde Essen aufgetischt. Vorher wurde noch mit „Ganbai“ Begleitung das möglichst schnelle Herunterkippen von Tsingtaobier mit Raumtemperatur exerziert.
Mein Magen war von einer vielleicht etwas unglücklichen Essenszusammenstellung am Vorabend noch recht lädiert, so dass ich mich dem dritten Durchgang etwas ungastlich verweigerte. Auf den Tisch zu speien wäre immerhin mit größerem Gesichtsverlust verbunden gewesen. Es gab diverse Speisen, mit einer Vielzahl von Dumplings, Gemüsesorten, Meeresfrüchten und Fisch – wie es sich hierzulande gehört, auf einem übervollen Drehtellertisch und insgesamt sehr gutschmeckend.
Dann kam der geselligere Teil: Karaoke, Gesang und Tanz und eine Tombola. Als kulturellen Freestylebeitrag sang ich gemeinsam mit meiner germanischen Mitschülerin im Duett: Wir trugen „Ich geh mit meiner Laterne“ und „Bruder Jakob“ vor – vielleicht nicht gerade DAS kulturelle deutsche Spitzenerzeugnis, aber ausreichend zur Belustigung einer amüsierwilligen chniesischen Schulbelegschaft in Ermangelung von Liedertexten und Sangeskünsten. Ich weiß nicht, wo die „schicke“ rote Handtasche, die ich in der Tombola gewann abgeblieben ist und will es auch nicht wissen. Ein lustiger Abend.
Dem Einhornresort vermachte ich übrigens meine Bata-Fliflops, die ich vor zwanzig Jahren in Mombasa kaufte, und ließ sie im Spind im Umkleideraum. Ich habe mir hier neue Chinesische PU-Schaum Schlappen gekauft, die mich fortan Fungusfrei über widrige Bodenverhältnisse tragen werden.

In 80 Tagen um die Welt

Hanoi, Vietnam – 27.02.2010

Auf wundersame Weise waren doch nicht alle Mailinh Taxis „unverfügbar“, wie vom Hotel behauptet. Ich fand sofort eins an der Straße, es brachte mich für den halben vom Rezeptionsnepper verlangten Preis. Es ist nervig, wenn einige Hotelangestellte der Meinung sind, ihren privaten 250% Zuschlag auf die ohnehin überhöhten Hotelpreise zu fordern. Ich denke ich werde mich im Buchungsportal hierzu bei meiner Bewertung auslassen.
Der Snack während des Fluges erwies sich als kleine Flasche Wasser und einem Erfrischungstuch – haben wir hier Fastenzeit?
Der Shuttlebus erwies erwies sich als Sackgasse, sie behaupteten zwar, sie fahren in fünfzehn Minuten, doch war ich der einzige Passagier neben den drei gelangtweilten Angestellten, so kam der Hinweis: „Sorry, we go in thirty minutes.“
„You promise?“
Falscher Fehler von mir auf die Beteuerungen der hübschen Angestellten zu vertrauen, aber nachdem sich der Fahrer nach zwanzig Minuten schlafen legte, nahm ich mein Gepäck und ging zum Minibusstand. Natürlich dauerte es hier, bis der Kleinbus voll war, aber als ich nach insgesamt einer vergeudeten Stunde im proppevollen Fahrzeug in die Innenstadt bis vor die Hoteltür gebracht wurde, stand der Shuttlebus immer noch. Ist wohl eher ein Schlafbus.
Das Hotelzimmer war größer als gebucht, aber dermaßen modrig feucht, dass ich froh war nur eine kurze Nacht in der Schimmelhöhle verbringen zu müssen. WLAN funktionierte natürlich nicht. Im Hotel lernte ich eine Irländerin von den Vereinten Nationen kennen und wir suchten die tschechische Hausbrauerei auf. Anschließend ging es zu einem Treffen mit anderen Vereinte Nationen Hilfswerken in eine Drachenfliegenbar – laute BumBum-Musik, Fussball-TV und jede Menge Partypeople. Es war interessant Menschen kennenzulernen, die über Jahre hinweg in verschiedenen Ländern leben, dabei aber nicht wirklich zu locals werden und auch nicht nur die lokal übliche Bezahlung erhalten.
Am Flughafen gelang es problemlos durch Einlegen der Vinaphone SIM-Karte ins Laptop, online zu gehen um das letzte Guthaben zu versurfen.
Und gleich startet der Flieger nach Gungzhou und weiter nach Qingdao – von 31 Grad Celsius nach -5 Grad. Ich habe meine Jacke im Handgepäck und hoffe ich friere nicht sofort nach Ankunft fest 😉

Qingdao, China

80 Tage Reise liegen hinter mir. Ich habe zwar dabei nicht den Planeten umrundet, aber durchaus etwas andere Welten.
Jetzt bin ich im Reich der Mitte gelandet und richte mich für den kommenden Monat häuslich ein. Auch das Wetter scheint das Bestreben zu haben, dass ich mich heimisch – in Deutschland – fühle: es ist knapp über Null Grad kalt und bei Ankunft in Qingdao regnete es in Strömen.
Bereits im Landeanflug wurde ich mit Feuerwerk empfangen, es machte beinahe den Eindruck, als würden Flaks versuchen den Jumbo vom Himmel zu holen. Im Tiefflug ging es zuvor über Industrieanlagen, die Förderbänder und Kessel zum Greifen nah – ich musste dabei an heimische Überflugverbote von Chemischen Werken denken, während im Flieger einige kräftige Chinesen umherliefen und ihr Gepäck aus den Fächern holten und auch ein kleiner Junge im Gang hin und her lief…schräg, ich hab noch auf keinem Flug eine solche Anarchie erlebt. Da wünsche man sich doch fast ein Luftloch. Der Stewart erlitt den klassischen Gesichtsverlust und war darüber not amused. Natürlich wurde das Feuerwerk nicht mir zu Ehren veranstaltet, doch heute ist das Laternenfest, Yuanxiaojie, das das Ende der Neujahrsfeierlichkeiten markiert. (Habe mich gerade noch mal in meinem China-Knigge nachgeschlagen).
Die hier eingesetzten Böller würden in Deutschland vermutlich die Polizei auf den Plan rufen, denn die Druckwellen lassen von etlichen Fahrzeugen die Alarmanlagen anspringen… Am Flughafen empfing mich Aoqi vom International House Qingdao mit einem korrekt geschriebenen Namensschild und wir fuhren durch das uselige Wetter zur Sprachschule. Gegen üppige (ein halber Tausender) Renminbiabgabe erhielt ich ein DSL Modem und eine China Unicom Monatskarte. Ich kaufte dann auch direkt noch einen riesigen Instant-Nudel-Topf für vier Yuan und zwei Flaschen Wasser – auch hier trinkt niemand das Leitungswasser. Ich erhielt noch einige Informationen zum Ablauf des Kurses und löcherte die gute Frau mit Fragen, so erfuhr ich, dass ich mein zu kurz ausgestelltes Visum erst kurz vor Ablauf, also in Shanghai verlängern lassen
Mit Bargeld eingedeckt hatte ich mich an einen Geldautomaten im Flughafen von Guangzhou, wo ich zwischenlandete und die Immigration hinter mich brachte. Anscheinend war die Abhebung sogar gebührenfrei. Für den Geldtausch wollte man 50 Yuan – zur Verbesserung der Servicequalität – nette Umschreibung für Abzocke.
Ein Cafe im Wartebereich sah einladend aus, zum Glück ließ ich mir vor Bestellung eines Cappuchinos die Karte zeigen – 58 Yuan – so gut kann überhaupt kein Kaffee schmecken, dass er sechs Euro kosten darf!
In einem Laden wollte man mir unbedingt teuerstes Evian Wasser und Häagen Dazs Eiskreme verkaufen, doch ich nahm eine Nullcolaflasche und ein dreifach verpacktes Reiseis. Das fand ich allerdings erst nach dem Auspacken beim Hineinbeißen heraus, von wegen Fruchtstieleis.
Die Kassiererin jammerte bei meiner Bezahlung mit einem Hundert Renminbischein, wollte lieber fünf US Dollar, aber nixda, die Geldautomatenbeute musste kleingemacht werden! Mein DSL Internetbastelset stellte sich als für einen nicht Chinesisch lesenden Menschen unüberwindbar dar. Der Modemanschluss gelang, aber mit Anschalten, Monatskarte freirubbeln und loslegen war es nichts. Auf dem Weg zum Heißwasserspender, um mich stattdessen mit meinem Nudeltopf zu trösten, begegnete mir Miranda, eine junge Chinesin im Treppenhaus. Sie war ein wenig überrumpelt von einem fremden Weißbrot um internettechnischem Beistand gebeten zu werden (das war ein Koreaner hier im Hause erst recht!) aber dann gelang es uns.
Man muss erst mit einem Standardnamen und Passwort eine Verbindung aufbauen.
Dann muss man unter Angabe der auf der Monatskarte freigerubbelten PIN seine Anschlussrufnummer mit Namen, Passnummer, Mobilfunknummer und zugehörigem College (alles rein auf Chinesisch angezeigt!!!) registrieren lassen und bekommt daraufhin eine zweite PIN. Erst mit dieser Nummer klappt der Verbindungsaufbau. Puh.
Und falls ich Online Unfug anstellen sollte, hat man mich sofort am Schlafittchen!
Ich testete dann erst mal meine neuen Onlinefähigkeiten und rief über Skype in Deutschland an, funktionierte problemlos. Und höre seitdem SWR3 Webradio Morgen früh folgen weitere Formalitäten und es beginnt der Sprachunterricht nach einer Einstufung (Absolute Beginner 😉 – so wie es ausschaut mit Einzelunterricht. Tag 1- Ich habe vorerst Einzelunterricht und über Aussprache der verschiedenen Konsonanten, Vokale und zugehörigen Töne bis zur beginnenden Kiefer- und Stimmbandlähmung. War es nun der erste oder der zweite Ton, den die Lehrerin ausgesprochen hat? Hörte sich beides gleich an. Meine Aussprache auch, aber meine germanischen Lippen sind vielleicht nur grenzwertig filigran genug, um für chinesische Ohren zwischen Tsch, Dsch, Ssch, Gsch und Sch und Ts, Ds, Gs und S zu unterscheiden. Manch beinahe unanständiger Stöhnlaut will auch nicht so recht, weil hört sich blöd an…
Derzeit gibt es hier noch einen Schweizer Sprachlerneidgenossen, der aber nach mehr als einem Monat erstaunlich flüssig sprechen und vor allem bewunderswert viele der Symbole identifizieren kann. Allerdings meinte er auch, er wäre sprachlich vorbelastet nach China gekommen. Für mich sind überall wunderbar bunte Symbole aufgepinselt oder neonstrahlend dekorativ anzuschauen, aber was das Ganze bedeutet??
Ich ließ mir am ersten Nachmittag von Sylvio den Bus 125 zu den nächstgelegenen Shoppingcentern (mit Multiplexkino) zeigen und dann sind wir für einen Renminbi im Gedränge dorthin geschuckelt. Ich brauchte dringend ein paar Socken, einen Pulli zum Überziehen über die Tropenhemdchen und eine dicke Hose zum Wechseln, denn es ist hier Ar…kalt! Es friert. Ohne die Erklärungen der englischsprechenden Bedienung im huo guo (Feuer Topf) Restaurant wäre es ein ziemlicher Blindflug durch die Bauanleitung der Zutatenliste geworden. Prinzip ist es, einen Topf mit Sud (z.B. scharf, mit Tomate, oder chinesischer Medizin ????) auf einer Heizplatte (Induktion mit Intervall – richtig Hi-tech!) köcheln zu lassen und darin die bestellten Zutaten zu garen. Mir schwante angesichts der Grammzahlen auf der Karte bereits, dass wir etwas zu viel ausgewählt hätten – wir brauchten Stunden um die Berge von Gemüse, Muscheln, Fleischpasten und -stücken nach und nach zu garen und zu verputzen und schafften es doch nicht ganz… Den zweiten Tag habe ich mich bereits alleine in den Bus begeben und bin tatsächlich unbeschadet hin und zurückgefahren. Ich erstand nach langem Suchen ein kleines Deutsch-Chinesisches Wörterbuch und einen Stadtplan, denn ganz ohne geht es nicht.
Mein Streifzug durch das Angebot der Geschäfte offenbarte galaktische Preisunterschiede unbekannter Herkunft – eines meiner Highlights war das Glas Langnese Honig, Sorte „Blackforest“ für Neunzig Euro! Tag 4
Auch heute habe ich mir meine tägliche Shopping Mall gegönnt und bei einigen Schnäppchen zugeschlagen. Immerhin war heute vormittag Schneeregen und die Investition von acht Euro in einen Pullover erschien mir nicht unangemessen. Auch eine Flasche chinesischen Rotweines wanderte in mein Beutelchen – passenderweise heißt die Marke Sauvignon, nur in chinesischen Schriftzeichen, in Pinyin-Lautschrift demnach ZhouWeiNong 😉 Und er schmeckt nicht einmal schlecht.
Mir fliegen zwar im Unterricht Unmengen von Wörtern um die Ohren und ich mache Fortschritte, aber für eine vernünftige Unterhaltung in einem Supermarkt reicht es immer noch nicht, vor allem, da ich die ganzen Vokabeln nicht sofort behalten kann. Dafür ist der Gesprächsversuch im Geschäft f&# xFC;r alle Beteiligten sehr belustigend – ich will nur nach verschiedenen Teesorten schauen und das halbe Dutzend Marktangestellte drückt mir als Reaktion andauernd teure Waren in die Hände, sobald ich ihnen näher als einen halben Meter komme. Ich kann es zwar nicht auf chinesisch ausdrücken, aber ich finde den Vorschlag, den exakt gleichen Tee für den fünffachen Preis zu kaufen, nicht für mich vorteilhaft!
Eben habe ich online versucht, meinen Weiterflug nach Südost China online zu buchen – bekam sogar eine Bestätigung, dass ich per Paypal zahlen wolle, dabei wollte ich dass nicht, aber trotz Abbruchsversuch und Angabe der Kreditkartendaten hatte ich eine bestätigte Flugbuchung. Also per Skype, die dann nicht mehr kostenfreie Rufnummer der chinesischen Hotline angerufen (mein Zimmertelefon ist für herausgehende Gespräche gesperrt) – zweimal, denn trotz der vielen Menschen hier, scheint dei Erreichbarkeit einer Servicehotline auch nicht besser als bei uns zu sein – und die Buchung stornieren lassen und neu eingeben. Ob ich als Ergebnis davon demnächst auch ein E-Ticket zugemailt bekomme werde ich sehen.
Wenn ja, werde ich mir wohl den Luxus weiterer Flugbuchungen gönnen, denn tagelang im Zug zu verbringen ist hier nicht einmal viel billiger, nur anstrengender. Woah de fangdschieng schü jaoh tshing lihh Soll heißen, mein Zimmer braucht eine Reinigung. Ist ja kein Gasthof hier und ein Türklinkenanhänger „Make up my room“ in Englisch und drei Chinesischen Schriftzeichenvarianten kann man ja geflissentlich übersehen. Muß man schon persönlich an der Rezeption vorstellig werden, wenn man denkt lange genug in der selben Bettwäsche geschlafen und dieselben Handtücher benutzt zu haben.
Ich hatte den vorher fein zurecht gelegten Satz noch nicht zuende gesprochen, da hieß es bereits „Ihh dienn“. Mit Hilfe der Rezeptionsdame wusste ich dann, dass dies „um Eins“ bedeuten soll und nicht, „Bitte zahlen“
Da ich zu der Zeit im Zimmer anwesend war konnte ich gute Tips geben, wo offensichtlich noch der Schmutz der Vorbewohnerin Daniela noch der Beseitigung harrte.
Alles wird gut, aber nicht von allein. Bezüglich der Vorstellungen, welche Sorte Zimmer mir denn hier zusteht, habe ich bereits einige eurasische Verwirrung gestiftet. Wurde mir doch bei Ankunft ein Zimmer mit Toilette und WC gegeben und am nächsten Tag hieß es „Sorry, you are Kloless“, frei nach Schiller. Eigenes Klo kostet extra, knapp drei Euro pro Tag. Wer die fossilen Reste auf dem Gemeinschaftklo gesehen hat, der weiß, dass dies gut investiert ist, aber ich musste doch mal bei der ESL Sprachschulagentur nachfragen, ob sie denn wirklich ein Zimmer ohne Toilette für mich gebucht haben, und wenn ja warum.
Woraufhin diese die Sprachschule anschreiben, ich hätte mich darüber beschwert, ein besseres Zimmer bekommen zu haben und man möge mich doch bitte in das billigere Kabuff ohne Zuschlag umziehen lassen.
Helle Aufregung! Und ich durfte dann mitüberlegen, was die Schule darauf antworten könne Mir schreibt man, auf meinen eigenen Wunsch hin hätte man das Zimmer ohne Toilette gebucht. Aha!???
Und ansonsten wären wenn nicht anders aufgeführt Einzelzimmer immer ohne eigene sanitären Einrichtungen.
Ja, ich habe ein Einzelzimmer in dieser Wohnresidenz im Paket gebucht, aber gewünschte Klolosigkeit? Und überhaupt musste ich Bezug auf diesen meinen angeblichen Wunsch nehmen und nachfragen, wo es denn geschrieben steht, dass Einzelzimmer zwar mit beworbenem Internetanschluss, Fernseher und Kühlschrank, aber per se ohne sanitäre Einrichtungen sind. Weder im Angebot, der Website, noch der Rechnung oder den AGB habe ich entsprechendes gefunden. Und bei Buchungen in Deutschland ist Toilette/Dusche bei einem Einzelzimmer durchaus der Regelfall.
Jedenfalls habe ich bei der Sprachschulagentur für eine wahre E-Maillawine durch meine Ankündigung gesorgt, das Kloextra hier zu entrichten, dieses aber nach meiner Rückkehr erstattet haben zu wollen, weil gebucht und bezahlt.
De Versuch sich herauszureden, ich hätte schließlich in Shanghai und Peking Unterkunft im geteilten Appartement statt (deutlich teurer!) eigener Wohnung gebucht, so hätte man davon ausgehen können, dass ich eigenes Klo und Dusche nicht zu schätzen wisse, finde ich etwas schwach. Woah de fangdschieng schü jaoh tse swoah – Mein Zimmer braucht ein Klo! Vorgestern habe ich ordentlich dem globalisierten Trend folgend, in einem Wanda International Cinema Center den Film Avatar in 3D angeschaut. An sich war an der Kasse bereits alles klar, der Film, die Vorstellung und der Sitzplatz waren bereits ausgewählt, als sich bemühte Hilfsbereitschaft von totaler Planlosigkeit meinte einmischen zu müssen. Endresultat war, dass alles wieder von vorne durchgekaut werden musste. Ja, ich möchte wirklich wirklich WIRKLICH in einen englischsprachigen Film! Sollte doch einleuchtend sein, dass es für mich keinen Sinn macht, mich in die chinesischsprachige Version des Film zu setzen, wo ich doch offensichtlich kein Chinesisch spreche, oder?
Der Film war nett und die chinesischen Untertitel hoben sich wunderschön plastisch vom eigentlichen Geschehen ab.
Im Anschluss wurde ich dann noch netterweise von chinesischer Staatsgewalt im Tarnanzug durch einen Schneesturm zur richtigen Busstation geleitet, saß dann auch im richtigen Bus, doch leider eine Station zu lang. Dummerweise liegt diese etwa 1,5km entfernt hinter einem Autobahnzubringer, so dass ich noch einen langen Fußmarsch über eine Schnellstraße im eisigen Wind hinter mich legen durfte. Aber frische Luft und Bewegung sind ja gesund. Gestern ware wir zu einem Heißen Topf Essen bei einer Sprachschullehrerinnenfreundin und ihrem kanadischen Mann (und Tochter) eingeladen. Die ganze Zeit lief im Hintergrund zur Begeisterung der Kleinen eine Serie aus der Teletubbieschmiede und ich hatte das Vergnügen immer wieder eine tanzende blaue Socke und eine Upsy Daisy bei eingängiger „Winkewinke“ Musik zu betrachten. Hier der Link, und dann bitte mit dem Mauszeiger über die Figuren fahren, dann kann man hören, welches Mimimimi und Wakapaka als musikalisches Rahmenprogramm diente: http://www.inthenightgarden.co.uk/en/vi sit-characters.asp Bis dato habe ich es noch nicht geschafft, die historische Altstadt zu besichtigen. Auch heute erschien es mir, obwohl sonnig zu kalt dafür – gefühlte minus Zehn Grad, nöööö. Da kaufte ich mir doch lieber einen ofenfrischen Rosinen- (oder so ähnlich) Stuten ein umfangreiches Sortiment an interessanten Nahrungsmitteln und rekapituliere bei einem Grüntee und Weißbrot mein Chinesisch und komplettiere meine weiteren Chinabuchungen, was sich durch eine plötzlich verlangte Zusatzverifikation meiner Kreditkarteninformation bei der sechsten Flugbuchung etwas aufwändiger gestaltete: Ausdrucken, Unterschreiben, Zufaxen??? Mit Hilfe von Bildschirmcopy, Bildbearbeitung und Digitalkamera schaffte ich es, die gewünschten Daten zuzumailen. Bin allerdings noch ein wenig skeptisch, ob ich nun wirklich korrekt auf den gewünschten Flügen als Passagier gebucht bin. Morgen will ich mal versuchen, bei einer Reiseagentur Zugtickets ausstellen zu lassen. Denn Anfang Mai ist nach dem Tag der Arbeit Hauptreisezeit (neben Neujahr) und da war es besser, rechtzeitig Transport und Unterkunft (zum beinahe doppelten Preis!) zu buchen. Tag 9 Mittlerweile gestalten sich meine Flugbuchungen als eine Art BäumchenWechselDich – ich weiß langsam überhaupt nicht mehr, welcher Flug nun wirklich wann startet. Das Buchungsportal ist nämlich so clever, immer nur eine neue Zeit anzugeben und eine Ordernummer, aber welcher Flug konkret von wann nach wann verschoben wurde??? Raten Sie mal!
Gerade eben habe ich wieder mit dem Callcenter telefonieren dürfen, und ich denke es sitzt in Indien. Immerhin ist über Skype eine US Tollfree Nummer gebührenfrei anrufbar – die chinesische kostet. Etwas was ich aus dem Trara der Buchungen momentan ableite, ist, Flüge mit Zwischenstop hier in China besser in zwei Einzeletappen zu buchen, dann kann man wenigstens einzeln stornieren, wenn sich Flugzeiten ändern. Momentan sieht es so aus, als ob ich durch Flugzeitenverschiebung fünf Stunden Zeit haben werde in Chonqqing den Flughafen kennenzulernen 🙁 Gestern machte eine Schulleiterin unter anderem mir in einer Bank das Angebot als Englischlehrer in einer Grundschule zu fungieren. Schmeichelhaft, aber ich bin hier ja zum Lernen und nicht zum Arbeiten, was ich mit meinem Touristenvisum eh‘ nicht darf.
Ansonsten hapert es mit der chinesischen Verständigung beim Shoppen immer noch – erst machen Verkäufer widersprüchliche Angaben, dann kommen noch ein, zwei weitere hinzu und wenn dann so richtig keiner mehr Bescheid weiß: Schwups, sind alle weg und staunend wie man ist, wird man ignoriert. Das einzige was hilft, ist eine Art „Point and Click-Adventure-Modus“: Draufzeigen, „Haben wollen“, Mitnehmen. In der Regel wird dann ein Preisschild draufgepappt und wenn es total falsch sein sollte, könnte man die Ware immer noch irgendwo auf dem Weg zur Kasse „vergessen“… 第二周 (Das heißt die zweite Woche, di’er ge zhou in tonlosem Pinyin) Was sich so historische Altstadt nennt…
Es gibt ein paar Jugendstilhäuser und es sieht dort aus, wie daheim in Deutschland, wenigstens wie in Stadtvierteln, die zur Jahrhundertwende enstanden und die nicht im Zweiten Weltkrieg dem Erdboden gleichgemacht wurden. Vor allem im Bergischen Land finden sich noch viele schöne alte Herrenhäuser.
In der Sommerzeit ist das Klima hier wohl anders als daheim, so hat man an einige, an sich schöne Fassaden, Klimaanlagen angeschraubt. Dort hängen sie nun – ästhetisch wie die gemeine Kleinklimaanlage nun einmal ist – wie Warzen an den Gebäuden.
Kaffee oder Biergartenatmosphäre unter schattigen Bäumen, gibt es jedoch nicht. Und dass liegt nicht nur daran, dass momentan Winter und die Bäume kahl sind. Falls sonst etwas in der Stadt historisch war, so ist es vermutlich bereits umgegraben, weggesprengt und überbaut worden. Dies vermutlich mehrfach: an jeder zweiten Ecke wird gegraben und gebaut, fast scheint es, als müsse eine Bausünde nach Erreichen der Volljährigkeit durch die nächste ausgewechselt werden. Im östlichen Laoshan-Distrikt, in dem sich auch meine Sprachschule befindet, entstehen momentan Dutzende riesiger Wohnblocks, in denen Zehntausende zusätzlicher Menschen wohnen können. Viele davon mit dem Siebziger Jahre Charme von Köln-Chorweiler oder Berlin-Neukölln und wenn die positive wirtschaftliche Entwicklung des Landes anhält, so wird man in dreißig Jahren vermutlich jede Menge Sprengstoff brauchen, um neu und menschenfreundlicher zu bauen.
Ich habe einen Artikel gelesen, der Immobilieninflationsgefahren in China zum Thema hatte und in dem geschrieben wurde, dass etliche boomende Städte sehr viel stark subventionierten Wohnraum erstellen lassen würden, um billige Arbeitskräfte vom Land anzulocken. Wie lange geht das gut? Gibt es soviele einfachste Tätigkeiten für diese Menschen, oder findet ein „Nachrücken“, aufgrund einer breite Weiterbildung und Entwicklung der Menschen in einer Art Jobkette statt? Vom Straßenkehrer zum Regaleinräumer, über den Weinverkäufer hin zum Filialleiter oder Management? Meine Lernfortschritte in der zweiten Woche haben sich merklich verlangsamt, da ich nicht mehr Einzelunterricht habe, sondern zwei weitere blutige Anfänger in die Klasse kamen. Zwar wurde nicht wirklich von ganz vorne angefangen, aber da zum Großteil Null komma Nix verstanden wird, stockt es bis zum Stillstand. Erschwerend kommt hinzu, dass die Erklärung des Chinesischen auf Englisch erfolgt und wenn dann jemand nur rudimentäres Englisch spricht, dann ist es es wie ein Versuch den Teufel mit Belzebub auszutreiben.
Ich habe den Eindruck, es zeigen sich bereits massive Ermüdungserschei